Live-Berichte:
26.08.2010 Summer Breeze 2010-Bericht
20.08.2010 Wacken Open Air 2010-Bericht
24.07.2010 Bang Your Head 2010-Bericht
28.08.2009 Summer Breeze 2009-Bericht
17.08.2009 Wacken Open Air 2009-Bericht
27.07.2009 Bang Your Head 2009-Bericht
20.08.2008 Wacken Open Air 2008-Bericht
30.07.2008 Magic Circle Festival 2008-Bericht
30.07.2008 Summer Breeze 2008-Bericht
18.07.2008 Bang Your Head 2008-Bericht
11.09.2007 Summer Breeze 2007-Bericht
01.09.2007 Wacken Open Air 2007-Bericht
21.07.2007 Magic Circle Festival 2007-Bericht
30.06.2007 Bang Your Head 2007-Bericht
14.10.2006 LIVE: SATYRICON, DARK FORTRESS
09.09.2006 Wacken Open Air 2006-Bericht
13.08.2006 Earthshaker Fest 2006-Bericht
16.09.2005 Summer Breeze 2005-Bericht
03.09.2005 Wacken Open Air 2005-Bericht
13.08.2005 Earthshaker Fest 2005-Bericht
05.08.2005 Bang Your Head 2005-Bericht
07.06.2005 LIVE: LAIBACH
12.10.2004 Summer Breeze 2004-Bericht
01.09.2004 Wacken Open Air 2004-Bericht
29.07.2004 Bang Your Head 2004-Bericht
12.09.2003 Summer Breeze 2003-Bericht
22.08.2003 Wacken Open Air 2003-Bericht
28.07.2003 Bang Your Head 2003-Bericht
01.09.2002 Summer Breeze 2002-Bericht
19.08.2002 Wacken Open Air 2002-Bericht
11.07.2002 Bang Your Head 2002-Bericht
21.02.2002 LIVE: DREAM THEATER, PAIN OF SALVATION
21.08.2001 Wacken Open Air 2001-Bericht
17.07.2001 Bang Your Head 2001-Bericht
28.06.2001 With Full Force 2001-Bericht
Bereits am Mittwoch spielen die Altvorderen Teutonen-Metaller RAGE und wer so einen Namen hat, braucht sich nicht wundern, wenn das Partyzelt nicht nur zum zerbersten voll ist, sondern auch vor dem Zelt noch hunderte von Frühangereisten herumstehen, allerdings die Bühne nicht sehen. Zu diesen Leuten gehören auch die Berichteschreiber hier, denn wir kamen gerade erst auf dem Festival an. RAGE hatten bereits einige Stücke gespielt, als wir bei "Into The Light" dazu stoßen und es mit "Drop Dead!" und "Empty Hollow" eher ungewöhnliche Live-Exemplare zu hören gibt, bevor es mit dem Knaller "Higher Than The Sky" in eine famose Hit-Endrunde geht: es folgen noch "Down", "Set This World On Fire", "War Of Worlds" und "Carved In Stone". Alle Stücke bei sehr gutem Sound und mächtig Publikumsapplaus. Mangels Sicht können wir zur Performance leider nichts sagen. Nächstes Mal aber bitte wieder auf großer Bühne.
Anschließend machen sich die schwedischen Ur-Melodic Deather UNLEASHED etliche neue Freunde, kennen scheinbar nicht sehr viele hier, aber gut finden's so ziemlich alle. Die Jungens spielen einen Querschnitt durch ihre Karriere und orientieren sich dabei natürlich an den besten und eingängigsten Stücken. Bei tollem Sound und mächtiger Hitze im Zelt werden gegen Ende bei "Into Glory Ride" auch die beiden von uns gegangenen Pete Steele und Dio erwähnt.
Es ist bereits ein Uhr morgens, als die bayrischen Paganen EQUILIBRIUM das Zelt entern und von der ersten Minute an totalen Alarm machen. Das die Setlist diesmal einen Schwerpunkt aufs neue Album "Rekreatur" aufweist, fällt bei der Klasse des Materials kaum auf. Egal ob beim Eröffner "In Heiligen Hallen", bei Stücken wie "Der ewige Sieg", "Unter der Eiche", dem Klassiker "Met" oder dem Rauswerfer "Unbesiegt" - die Halle tobt.
Donnerstag
Bei all dem Geknüppel ein wenig Entspannung für die Ohren: DREAM EVIL zelebrieren am noch relativ frühen Nachmittag eine sehr überzeugende Power Metal-Show mit Old-School Twin-Guitars, einem bestens gelaunten Frontmann Nick Night und eine sehr lobenswerte Bühnen-Performance. Obwohl diese Art von Musik fürs Summer Breeze seit jeher ungewohnt klingen mag, hat es doch seit Jahre bereits gute Tradition, auch derartige Bands immer wieder gezielt einzustreuen um das Festival aufzulockern. Da ist man bei DREAM EVIL an der richtigen Stelle!
Allerfeinsten Grindcore gibt es danach von den Engländern NAPALM DEATH zu hören, die sich zusammen mit den Publikum durch den Nachmittag blasten. Obwohl der Sound ziemlich druckvoll daher kommt, ist er doch ziemlich indifferenziert und lässt so manche Details vermissen. Aber wen stört das schon, rotieren hunderte von Fans doch in mehreren Circle Pits durch die Gegend. Auch sie treffen eine gelungene Setlist quer durch ihr Schaffen, dazu gibt es sehr launige Ansagen gegen Kirche und Radikalismus. Wir finden den Zweisekünder "You Suffer" nach wie vor den geilsten Song überhaupt. Rekapitulierend betrachtet: Nazi Punks fuck off!
Zur gleichen Zeit wie NAPALM DEATH spielen im Partyzelt die Mittelalter-Metaller FEUERSCHWANZ. Auch wenn die Band guten Applaus und sogar Zugabe-Rufe bekommt (vom ingesamt gesehen aber SEHR überschaubaren Publikum), fragen sich unsere Redakteure, was man denn an dieser viertklassigen Kapelle eigentlich gutfinden kann?
PARKWAY DRIVE aus Australien haben definitiv keine kurze Anreise hinter sich, der Metalcore klingt gar, als hätten sie zweimal das Flugzeug verpasst bevor das dritte dann fast abgestürzt wäre und ihr Bus zum Festival danach eine Schlucht runtergestützt ist. Soll heißen: die Band klingt mächtig angepisst. Aber zum Glück nur soundmäßig. Mit einer sehr agilen Performance und charismatischen Ansagen spielen sich die Jungs umgehend in die Herzen des Publikums, welches wie bereits bei NAPALM DEATH großartige Circle Pits bildet.
Überraschend voll wird's im Partyzelt zu den GRAILKNIGHTS, einer Band aus Hannover, welche in Superhelden-Uniformen auftritt und ihre Texte entsprechend darumherum konzipiert. Die Mischung aus Power- und Melodic Death-Metal erreicht nicht selten Hymnenfaktor, der das Publikum zu reichlicher Mitwirkung animiert. Die lustigen Ansagen, die sehr gute Bühnen-Performance und die zwischen die Stücke integrierten Show- und Story-Einlagen dürften so manche verwunderte Nasen hinterlassen haben, ist die Band doch größtenteils trotz bisher drei Studioalben nur Insidern bekannt. Das wird sich mit derartig überzeugenden Auftritten hoffentlich in Kürze ändern.
Wie Ihr ja alle hoffentlich wisst, besteht der Großteil unserer Redaktion aus eher traditionellen Metal-Anhängern. Trotzdem stellen wir uns jedes Jahr mit Freude den Herausforderungen des Summer Breeze, denn wir möchten ja nicht auf der Stelle treten und unseren Horizont erweitern. Als Glücksfall erwiesen sich da die New Yorker Hardcore-Punker AGNOSTIC FRONT, bereits seit 1982 am Start und bis dato von uns komplett ignoriert. Was für ein Fehler! Denn durch die frühe Gründungszeit hat die Band tatsächlich so einiges an Melodien zu bieten, ganz zu schweigen von einem mörderischen Groove, welcher natürlich auch sofort zu einem mörderisch geilen Moshpit führt. Eine für uns sehr gute Wahl, die REITER zugunsten von AF zu übergehen, sahen wir diese doch bereits ca. 100 Mal. Ein großes Danke an die Veranstalter für diese Band.
OBITUARY legen anschließend einen guten, aber auch über weite Strecken zu routinierten Auftritt hin. Der Old-School Todesmetall führt zu spontanen Muskelzuckungen, führt die Stimmung nach AGNOSTIC FRONT obgleich anderer Stilrichtung nahtlos fort und sorgt so für Kontinuität. Die Show ist überzeugend, lässt phasenweise aber den nötigen Spielwitz vermissen. Noch dazu ein etwas verwaschener Sound, der sich nur mäßig steigern kann im weiteren Verlauf. Trotzdem ein gelungener Auftritt unterm Strich.
In DARK TRANQUILLITY hören wir nur ca. 15 Minuten rein, zu oft gehört und kein großer Fan davon. Natürlich muß man den Schweden lassen, einer der großen Melodic Deather zu sein, natürlich haben sie massig Hits im Gepäck und natürlich frisst ihnen das Publikum bereits von Beginn ab aus der Hand. Mittelmäßig abgemischter Sound, welcher die Band zu weit in den Hintergrund drängt und alles andere als differenziert ist, eine gut aufgelegte Band, die trotzdem zusammen mit ihrem Publikum glücklich ist. Was will man denn mehr. Soviel zur kurzen Beurteilung. Wir konzentieren uns wie vorher erwähnt lieber auf Neues:
Im Partyzelt spielen TRIPTYKON, die neue Band von CELTIC FROST/HELLHAMMER-Legende Tom Warrior. Die fünf gespielten Stücke "Procreation (Of The Wicked), "Goetia)", "Circle Of The Tyrants", "Babylon Fell" und "The Prolonging" bieten Düsternis pur und setzen nahtlos an alte CF-Zeiten an. Die Darbietung mit ihrer Mischung aus Okkultismus, Black-/Death-Metal, Thrash-Metal-Anleihen und dem schaurig-disharmonischen Gitarrenspiel sorgt für eine wohlige Gänsehautatmosphäre, welche die abgeklärte DARK TRANQUILLITY-Show draußen schnell vergessen macht. Hut ab, wir warten aufs zweite Album!
Tief in der Nacht um 2 Uhr 15 treten endlich die Newcomer THE DEVIL'S BLOOD, welche bereits seit ihren ersten veröffentlichten Single-Nummern von einem deutschen Magazin regelrecht in den 7. Himmel abgefeiert wird. Während die Single echt gut ist, fand ich das Album doch eher durchschnittlich und mir sehr spärlich mit echten Höhepunkten versehen. Wie würden sie sich live machen? Verdammt gut! Toll gemachte Schattenspiele der in Nebenschwaden verhüllten Musiker und ein atmosphärisch eng gestrickter Auftritt, bei dem sich lange, ausladende Stücke mit schnellen Zwischenstücken abwechslungsreich die Hand geben zaubern ins Zelt eine leicht entrückte Stimmung, welche vom Publikum hervorragend aufgenommen wird. Das Zelt glüht zu vorgerückter Stunde förmlich vor Spannung und Support, als die Musik bei "Christ Or Cocaine" jäh ein Ende findet: da THE DEVIL'S BLOOD bereits um fünf Minuten überzogen haben, dreht ihnen der Tontechniker kurzerhand den Saft ab. Das widerum führt zu einer Rangelei zwischen dem Gitarristen und er Bühnencrew und liefert eine weitere kongeniale Showeinlage ab, die so aber gar nicht geplant war. Es ist 3 Uhr Nachts, nichts geht mehr. Das Publikum fordert noch weitere 10 Minuten in Sprechchören die Band an. Doch es ist Schicht im Schacht. Zumindest für TDB. Denn gegen 3 Uhr 20 kommt das Gute-Nacht-Geknüppel von AHAB. Ohne uns.
Freitag
Pünktlich um 11 Uhr trümmern uns CUMULO NIMBUS aus dem Zelt, welche mit einer sagenhaft schlechten Mischung aus Mittelalter-Folk-RAMMSTEIN-Kacke sogar den Restalkohol in der Birne sauer werden lassen. Notiz: beim nächsten Mal Raketenwerfer einpacken. Neue Sportart entdeckt: sich mit dem Zeltgenossen gegenseitig versuchen zu erwürgen um eine vorübegehende Bewußtlosigkeit für weitere Stunden Schlaf zu erzwingen. Gescheitert. Schluck aus der Wodka-Flasche genommen und damit Zähne geputzt.
Zwei Stunden und etliche Kaffee-, Brötchen- und Wodkaeinlagen später: endlich bereit für Schlagermucke. Nanu? Da spielen ja LETZTE INSTANZ? Seit wann machen die denn sowas... Sonnenstich? Noch zu früh. Wäre übrigens auch mal ein geiler Bandname. An der Bühne angekommen bestätigt sich der Verdacht: die Dresdner wollen womöglich bald mit UNHEILIG auf Tour. Glücklicherweise spielen sie auch paar ältere Stücke. Da es bereits abartig warm ist, kommen erste Wasserwerfer zum Einsatz.
Die Folk "Urgesteine" FIDDLER'S GREEN hingegen wären mit dieser Setlist ein willkommener Freitags-Eröffner gewesen, zu zaghaft präsentieren sich die Jungs heute auf den Brettern und versuchen erst gar nicht, die Mucke ein wenig härter zu "formulieren". So fideln sie sich im weiteren Verlauf des Gigs in ein Paralleluniversum, welches - für mich sehr überraschend - diese Einlage wohl als willkommene Überraschung sieht und eifrig mitgeht. Das ganze gifelt gen Ende in eine "Wall Of Folk", welche mir dann doch etwas zu mysteriös erscheint. Soviel Promille kann das Publikum um 15h doch noch gar nicht intus haben...
Wem dieses ganze Schauspiel zu suspekt ist, der flüchtet sich ins noch einigermaßen luftige Zelt und erlebt dort die französischen Bolz-Metaller DESTINY, welche diverse Zutaten aus Neo-Thrash, Death und sonstwas zu einer interessanten Melange zusammengerührt haben und damit das Zelt ganz ordentlich durch die Gegend prügeln. Schnelles Spiel mit diversen Black-Metal Versatzstücken und abwechselnd cleaner Gesang und Kehlkopfkrebs. Dazu noch ein gefälliges Publiko, welches den Wahnsinn richtig gut findet. Eine bestens gelaunte Band und ein druckvoller, wenn auch indifferenter Sound tun ihr Übriges, diese Band weiterhin auf dem Radar zu haben.
PANTHEON I aus Norwegen bieten 08/15-Black-Metal, welcher mit einer Cellistin aufgewertet stellenweise sinfonisch wirkt. Insgesamt ein sehr unspektakulärer Auftritt einer Band, die zwar schön eingespielt erscheint, aber noch nicht reif genug um das Publikum zu faszinieren. Dazu fehlen natürlich auch noch entsprechend überzeugende Songs. Ein Anfang ist gemacht: man spielt auf dem Summer Breeze und macht sich bekannt.
Mit den Finnen ENSIFERUM betritt an diesem Tag erstmal eine größere und bekanntere Band die Bretter des Summer Breeze-Festivals, welches bereits den ganzen Nachmittag ohne Breeze auskommt und entsprechend das Publikum mit Wasser, Wasser und Wasser kühlt. Zumindest in den ersten Reihen, dahinter wird mit Bier, Bier und Bier gekühlt. Vom ersten Moment an machen die Party-Metaller totalen Alarm, peitschen das Publikum von einem Mitgröhl-Refrain zu nächsten und legen eine Spielfreude an den Tag, dass sogar der Debeil höchstpersönlich für 'nen Moment seine Freude hat. Kurios: es bilden sich teilweise drei bis fünf gleichzeitig laufende Circle-Pits. Hut ab!
Setlist: "From Afar", "Twilight Tavern", "Into Battle", "Token Of Time", "Ahti", "Smoking Ruins", "Stone Cold Metal", "Blood Is The Price Of Glory", "One More Magic Potion", "Iron"
Wer sich noch daran erinnert: 2008 ließen ANATHEMA als letzte Band am Samstag das Festival mit einem Jahrhundert-Gig ausklingen: großartige Show, geniale Bühnen-Performance und mit "Another Brick In The Wall - Part 2" (zitiert) und "Comfortably Numb" zwei geniale PINK FLOYD Reminiszenzen inbegriffen - ein spektakulärr Gig, der mir ewig in Erinnerung bleiben wird. Diesmal spielen ANATHEMA für mich überraschend bereits am lichthellen Nachmittag kurz nach 17 Uhr. Wie auch immer das zustande kam, aber gut ist soviel Licht für eine Lichtshow-orientierte Band sicherlich nicht. Zum Auftritt: Mit "Deep" und "Empty" hart beginnend wird schonmal ganz anders in die Show gegangen, womöglich um die ENSIFERUM-Fans nicht gleich zu Beginn weglaufen zu lassen. Obwohl der Auftritt sehr symphatisch rüber kommt, lässt sowohl die Songauswahl ("Universal", "Lost Control", "Closer") zu wünschen übrig, als auch das ganze Umfeld. Nein, ANATHEMA sind beim besten Willen keinen "Tag-Band". Viel Stimmung ging hier verloren, vom Publikum dennoch sehr anständig beklatscht und für gut befunden.
Kurz bei der Metalcore-Band WAR FROM A HARLOTS MOUTH vorbeigeschaut: geht gigantisch ab, krasse Circle Pits, drückender Sound, tolles Publium, geile Performance. Aber ein wenig zu monoton auf Dauer. Zumindest für uns alte Säcke.
Nach OBITUARY sind CANNIBAL CORPSE aus dem heißen Florida die zweite traditionelle Death-Metal-Kapelle auf dem Summer Breeze. Es ist sehr voll und es gibt von Anfang an auf die Glocke. Etwas unüblich besteht die erste Hälfte des Gigs überwiegend aus Stücken der letzten Alben, bevor man auch etwas in der Vergangenheit herumwühlt. Auf der Bühne sieht man eine sehr abgeklärte Band, die mit vollem Einsatz bei der Sache ist und das Publikum zu motivieren weiß. Erst zum Ende hin gibt es mit "Hammer Smashed Face" und "Stripped, Raped And Strangled" zwei der bekanntesten und kultigsten Stücke zu hören. Insgesamt ein sehr zufriedenstellender Auftritt.
Die Summer Breeze Haus-und-Hof-Band bereits seit Urzeiten: END OF GREEN. Ihres Zeichens melodisch-riffigen Gothic-Rock fabrizierend. Die Schwaben haben hier wie bereits in Abtsgmünd natürlich ein Heimspiel, über den Köpfen der Zuschauer entwickelte sich im wahrsten Sinne des Wortes eine Crowdsurfing-Autobahn. Bereits einen Tag zuvor gab es ebenfalls hier die Release-Party zum neuen Album "High Hopes In Low Places", welches vielversprechend klingt.
Die Todesmetaller DISBELIEF aus Hessen gewittern gegen viertel vor acht ein Killer-Set ins Partyzelt und sorgen mit perfektem Stageacting, tollen Ansagen und einigermaßen gutem Sound für zahlreiches Headbangen.
Vor einigen Jahren konnte man sie fast nicht mehr sehen, weil sie auf quasi jedem zweiten Festival aufgetreten sind. Heuer freut man sich dafür nach einigen Jahren Pause wieder umso mehr sie zu sehen: die schwedischen Melo-Deather HYPOCRISY entern pünklich nach der Tagesschau die Bühne und legen sogleich mit einem ordentlichen Feuersturm los. Peter Tägtgren ist gut gelaunt, die Band hüpft auf der Bühne herum wie sau und liefert wie man es von ihnen nicht anders gewohnt ist eine grandiose und souveräne Best-Of-Show ab.
Setlist: "Fractured Millenium", "Week Out The Weak", "Eraser", "Pleasure Of Molestation" (Medley), "Apocalypse/The Fourth Dimension", "Let The Knife Do The Talking", "Adjusting The Sun", "A Coming Race", "Killing Art", "Fire In The Sky", "Warpath", "Roswell 47"
Eine völlig uninspiriertes Gerippe Namens GORGOROTH versucht sich auf der Bühne eine Stunde lang in Sachen bösem Black Metal - und scheitert. Gesang klingt nach Roadie, Performance tendiert gegen Null, in den Köpfen der Musiker scheint wohl der aktuelle Namenstreit weiterhin im Vordergrund herumzuspucken. Auch im Publikum will der Funke nicht überspringen, obwohl der Sound im direkten Vergleich zu den Studio-Ergüssen einer Offenbarung gleicht. Was kein Kompliment sein soll, denn er ist auch live nur äußerst durchschnittlich. Ein Auftriff zum schnell vergessen. Heißt: viel Bier nachkippen.
WATAIN und THE DEVIL'S BLOOD sind eigentlich DIE beiden Bands, auf die ich mich am meisten gefreut hatte. TDB konnten ihre Aufgabe erfüllen. WATAIN auch? In diesem Sektor bewegt man sich als Band immer in einem Grenzbereich zwischen Authenzität und Ausverkauf, so dürfte das neue Album "Lawless Darkness" der endgültige Durchbruch sein, gespickt mit von vorne bis hinten durchschlagenen Stücken und einer bombigen Produktion. Für die echten Undergroundler dürfte es das gewesen sein und sie werden Ausverkauf und Totschlag schreien. Sei's drum. Die Show ist absolut genial, auch wenn die Band einige Schwierigkeiten hat, ihre Studiogeschwindigkeit der Alben live 1:1 umzusetzen. Bei einem fürs Festival überraschend klaren Sound zimmern WATAIN ein äußerst dichtes und überzeugendes Set zusammen, welches zu den Highlights des Festivals zählt.
Eine der wenigen Formationen aus dem "Core"-Sektor die ich wirklich geil finde sind HEAVEN SHALL BURN, welche die perfekte Mischung aus Härte, Groove und Melodie fanden, die mir so richtig zusagt. So wird der Auftritt heute auch zu einer weiteren absoluten Siegesschau, denn es wabert an allen Ecken und Enden und überall entstehen kleine Circle Pits die sich schnell vergrößern. Dazu gibt's sehr geniale Videoeinblendungen, welche politisch sehr treffend auf die 12 hauen. Bei den Aussagen zum Thema Metal sollte die Band künftig allerdings vorsichtiger agieren, denn wer auf einem Festival eben dieser Anhänger so einen Schwachsinn vom Band lässt sollte sich nicht unbedingt wundern, wenn mal der Tourbus brennt. Zitate unterlassen wir hiermit mal lieber und verschieben die Auseinandersetzung auf ein künftiges Interview.
Setlist: "Architects Of The Apocalypse", "The Weapon They Fear", "Counterweight", "The Omen", "Buried In Forgotten Grounds", "Endzeit", "Combat", "The Disease", "Voice Of The Voiceless", "Return To Sanity", "Forlorn Skies", "Lie You Bleed For", "7th Cross", "Behind The Wall Of Silence", "Unleash Enlightment", "To Inherit The Guilt" "Black Tears"
Als GWAR die Bühne zertreten, wird jedem klar: musikalisch hat der Abend bzw. die Nacht bereits abgeschlossen. Wer jetzt noch da ist, braucht nur noch die Show. Blut, Eiter, Sperma, egal welche Körperflüssigkeiten, auf der Bühne gibts alles in rauhen Mengen. Und wer im Publikum nicht weit genug davon weg mosht, bekommt beizeiten auch davon ab. Mehr noch als bei allen vergleichbaren Bands wie ALICE COOPER oder aktueller LORDI beherrschen GWAR ihre Instrumente nicht wirklich, alles was zählt ist die Show. Und hier sind sie großer Meister.
Es ist nach zwei Uhr bereits, als die jüdische Band ORPHANED LAND das Partyzelt rockt. Die Band dürfte einigen Besuchern noch bestens bekannt sein aus Abtsgmünd, spielten sie dort bereits auf großer Bühne das Publikum auf ihre Seite. Wenn damals auch noch zu heißer Sonnenzeit am Nachmittag. Auch hier hab ich - egal um welche Tageszeit - noch nie einen schlechten oder gar mittelmäßigen Gig vernehmen müssen. ORPHANED LAND waren immer sehr gute Gäste mit allem, was sich ein Fan so wünscht: gute Musik, gute Performance und charismatische Ansagen. Eigentlich würde ich der Band ja viel mehr Fans wünschen, aber dafü r ist ihre Musik am Ende dann doch ein wenig zu progressiv. Wie dem auch sei, der Freitag klingt aus und rekapitulierend bekamen wir alle was wir verdient haben: eine große Enttäuschung war nicht dabei. Stattdessen viel Gutes, etliche Überraschungen und eigentlich auch gar keine große Enttäuschung. Ein toller Freitag als Zwischenergebnis.
Samstag
Auch die Samstagseröffner BE'LAKOR hatten eine weite Anreise: Australien! Der Melodic-Death dieser Newcomer zeigt schon sehr früh richtige Klasse und macht Spaß. Es ist um diese Uhrzeit schon sehr voll, ein Anzeichen dafür, dass die Jungs hier schon weitaus mehr als ein Underground-Tipp sind. Vier Stücke lang atmospährische, abwechslungsreiche Kost vom bisher einzigen Album bekommen wir geboten und was soll man sagen: die Zeit verging wie im Fluge. Eine interessante Band, die wir bestimmt noch öfters sehen werden.
Man kann auch ohne Instrumente. Von einem Drummer abgesehen, sind die a capella Musiker VAN CANTO in kurzer Zeit relativ beliebt und bekannt geworden. So covert man sich durch diverse Klassiker von GRAVE DIGGER, IRON MAIDEN, BLIND GUARDIAN und METALLICA, zwischendurch gespickt durch Eigenkompositionen. Wir finden das eine nette Einlage, aber über die Dauer einer halben Stunde hinaus wird's mit diesem Gesang dann doch zu monoton. Mit netten Ansagen und einer gute Performance muß man jedoch unbestritten einen sehr guten Gig attestieren.
Die Südtiroler Deutschrocker FREI.WILD waren bereits zwei Wochen vorher in Wacken und konnten uns dort in Sachen Live-Performance schon sehr überzeugen. Nahtlos können sie hier anschließen und stellen klar, dass sie derzeit die großen Favoriten als ONKELZ-Nachfolger sind. Der Sound ist sehr gut, die Jungs geben auf der Bühne alles und können das Publikum gut motivieren. Was mich eigentlich ständig stört ist, dass jede Band die harten Deutschrock spielt von irgendwelchen Gutmenschen in eine bestimmte politische Ecke geschoben wird und sich dann mit irgendwelche Liedern und Ansagen daraus befreien soll. Ein total überflüssiger Quark ist das, nicht mehr und nicht weniger. Das Publikum feiert die Burschen aus Brixen jedenfalls gehörig gut und so werden wir FREI.WILD wohl öfters mal hier sehen dürfen.
Setlist: "Frei.Wild", "Niemand", "Südtirol", "Arschtritt", "Irgendwer", "Halt deine Schnauze", "Weiter immer weiter", "Land der Vollidioten", "Feuer, Erde, Wasser, Luft", "Sieger stehen auf, wo Verlierer liegen bleiben"
Die schwedischen Rock'n'Roller PSYCHOPUNCH sorgen danach für den richtigen Hüftschwung und brettern sich mit urgroovigen Stücken in die Herzen der Fans. Man nutzt die Gelegenheit auch gleich das neue Album zu promoten, was sich in der Auswahl der Stücke niederschlägt, aber sogleich beweisen, dass sie nahtlos ans bisherige Material anschließen: eingängige Hymnen, die man auch in etlichen Jahren noch gerne auflegen wird. Da ist es keine Überraschung, dass auf der Bühne herumgesprungen wird wie ein Wirbelwind.
POISONBLACK, das ist die neue Band des ehemaligen SENTENCED-Frontmanns Ville Laihiala. Wie auch seine Vorgänger-Band spielen sie eher getragenen Melodic-Emo-Gothic, aber in einer noch verkehrsberuhigteren Version. So plättschert der Auftritt vor sich hin, Höhepunkte gibt es eigentlich keine. Viele der Anwesenden wissen gar nicht, wer da eigentlich auf der Bühne steht und es gibt eigentlich nur Gefälligkeitsapplaus. Kurzum: von seiner ex-Band ist Ville aktuell sehr weit entfernt und es gibt noch viel aufzuarbeiten, zu verbessern und zu überzeugen. Warten wir's mal ab.
SEPULTURA gab's für uns schon lange nicht mehr live zu sehen, umso interessierter waren wir auch. Die letzten Studioalben waren nicht unbedingt etwas, das man haben müsste, aber immerhin verfügt man ja auch über einen Backkatalog. Ein munteres Best-Of-Programm sieht allerdings auch etwas anders aus und die Brasilianer kommen nur sehr langsam in Fahrt. Das zunächst abwartetende Publikum zeigt erst bei "Arise" und "Refuse/Resist" erste Zuckungen, Crowdsurfer und Moshpit? Fehlanzeige. Spontan bilden sich gelegentlich einige Circle Pits. Der Funke will also an jenem Abend nicht so richtig überspringen und das Fehlen des Cavalera-Duos wird mit fortschreitender Show immer deutlicher. Erst bei "Roots Bloody Roots" kommen auch die Zuschauer richtig in Fahrt, aber da war die Mucke dann auch zuende.
Setlist: "Intro (A-Lex IV)", "Moloko Mesto", "A-Lex I", "Arise", "Refuse/Resist", "What I Do", "Convicted In Life", "The Treatment", "Troops Of Doom", "Schizophrenia/Escape To The Void", "Territory", "Innerself", "Ratamahatta", "Roots Bloody Roots"
Das aus rebellischen (höhö...) GRAVE DIGGER-Musikern gegründete Komklomerat REBELLION findet sich um zehn nach halb sieben (wie wir Franken die Uhrzeit lesen) im Partyzelt ein und gibt dort eine Lehrstunde in Sachen Teutonenstahl von sich. Zumindest ihrer Meinung nach. Obwohl die Musiker durchaus was drauf haben, bleibt das eigene Songmaterial doch eher durchwachsen. Die Fans (das Zelt ist ca. halb voll) sehen das anders und feiern ihre Helden. Das Sound ist ordentlich, die Stimmung gut. Einsamer Höhepunkt: das GRAVE DIGGER-Cover "Rebellion", welches zugleich Namensgeber ist.
Setlist: "War", "Taste Of Steel", "Odin", "Bolverk", "Kiew", "Born A Rebel", "Disdaining Fortune", "Rebellion"
KORPIKLAANI sind ein Phänomen: ihre Songtitel lauten "Vodka", "Beer Beer", "Wooden Pints" und ab und an singen sie auch über Saunen. Letzten Endes stehen um einen herum plötzlich überall halbnackte Wikinger mit Trinkhörnern und gröhlen sich zu genau diesem Material die Seele aus dem Leib. Dass diese Jungs eigentlich nur drei Songs komponiert haben und jeden anderen daran variieren, interessiert das Zielpublikum nicht die Bohne. Denn das hat zu jenem Zeitpunkt bereits im Schnitt zwei Promille inne. Wo waren diese ganzen Leute eigentlich vor 19 Uhr? Lasst mich raten... am Zelt. Trinken.
MANEGARM sind bis dato eine eher zweitklassige Viking-Folk-Black-Metal Melange, welche mit einigen wenigen sehr geilen Songs aufzuwarten wissen und somit immerhin ein gewisses Potential für die Zukunft aufweisen. Stageacting und Interaktion halten sich in Grenzen. Spätestens bei dieser Band wird aber auch klar, dass die Veranstalter das mit den Bühnen nochmal überdenken sollten: zum einen ist da die überlaute Camel-Stage in Hörreichweite zum Partyzelt, zum anderen ist genau dieses Zelt fast leer, je fortgeschrittener die Stunde wird un d je größer die Acts auf den beiden großen Bühnen.
Kurz nach 20h betritt der Comedy-Depp Bülent Ceylan die Bühne und macht vierklassige Witze am laufenden Band. Keine Ahnung warum er da steht, keine Ahnung warum die Leute dazu auch noch gröhlen und das lustig finden. Der Typ steht für Unterschichten-Fernsehen, Hartz IV-Humor und Brot-und-Spiele-Gehirndeaktivierung. Das Zielpublikum (KORPIKLAANI-Fans) war hellauf begeistert. Uns Bildungsbürgern fehlt hier zum Glück der Zugang.
Die einzige Band, die das Publikum noch zu traditionellem Pogo bewegen ist die New York er Hardcore-Institution SICK OF IT ALL, welche leider nur halb so viele Leute sehen wollen wie diesen "Comedy"-Vollpfosten kurz vorher. Nicht nur das: es gibt mit einer fetten Wall Of Death, verschiedenen Circle Pits und einem großflächigen Moshpit so richtig viel Gelegenheit sich auszutoben. Das liegt nicht nur an sehr viel groovigem Songmaterial, welches das Publikum in Zuckungen aller Arten versetzt, sondern auch daran, dass es gegen 20 Uhr 30 auch so langsam abkühlt. Soll heißen: von 32° auf 25° - weiter sinkend. Das halbtote Publiko erwacht also wieder und wenn man bei Auftritten wie bei AGNOSTIC FRONT oder SICK OF IT ALL auf dem Summer Breeze eines lernt, dann, dass die ganzen Szenen und Sub-Kulturen mittlerweile miteinander klar kommen. Starker Gig!
Der Auftritt von DARK FUNERAL gibt uns wieder Traditions-Black-Metal der zweiten Welle und zugleich auch einen Abschied und tiefen Schnitt in der Schaffen der Band. Frontmann Emperor kündigte bereits im Vorfeld an, dass er auf dem Summer Breeze sein letztes Stelldichein geben wird. Umso gespannter sind wir auf den Auftritt. Und der lässt sich natürlich nicht lumpen. Ein großartige Pyro-Show und ein dicht inszeniertes Konzert, in sich geschlossen und überzeugend dargeboten, gehört zu den Highlights des diesjährigen Summer Breeze. Die Songauswahl (Best-Of vom feinsten) stimmt, Bühnenshow und Band-Performance sind über alle Zweifel erhaben. Ein toller Auftritt und ein endgeiler Abschied. Alles Gute wünschen wir.
Ganz großes Kino aus Finnland: CHILDREN OF BODOM rotieren die Samstagsbühne mit Melodic-Death in Reinkultur. Die Band läuft auf mit sagenhaften zwei Promille Durchschnitt. Also mindestens. Die Band nudelt ein freudlos eingespieltes Set herunter, bei dem man sich echt wundert, wie man sowas schafft. Für uns sieht es so aus, als wenn jeder einzelne Musiker auf der Bühne gerade 2-3 Promille hat und dennoch ein fast einwandfreies Set spielt. Unglaublich. Man muß auch unabhängig vom sehr gelantweilt wirkenden Auftritt sagen, dass die letzten zwei Alben doch sehr nachgelassen haben. Aber wie bereits gesagt: das Zeug klingt alles sowas von überzeugend, dass wohl die meisten Fans den Status der Band gar nicht mitbekommen und sie totalitär abfeiern. COB haben es heute nicht einmal nötig großartig zu posen. Es gibt keine Bühnenshow, eine Pyros, keine Leinwandvideos. Nichts. Einfach nur COB. In dem Zustand mehr als nur respektabel.
Setlist: "Follow The Reaper", "Hate Crew Deathroll", "Bodom Beach Terror", "Everytime I Die", "Living Dead Beat", "Sixpounder", "Blooddrunk", "In Your Face", "Angels Don't Kill", "Kissing The Shadows", "Hate Me", "Silent Night, Bodom Night", "Needled 24/7", "Downfall"
Zumindest als Open Air endet das Summer Breeze heuer mit MY DYING BRIDE. Die Doom-Metaller beginnen mit Schlag Mitternacht und liefern ein beeindruckendes Statement der Langsamkeit ab. Obwohl Drummer Dan Mullins sich das Bein gebrochen hat, wollte man nicht absagen und präsentiert mit AKERKOCKEs David Gray werten Ersatz. Bei diesem Tempo ist natürlich keine große Party auf der Bühne zu erwarten, stattdessen liegt der Fokus auf Frontmann Aaron Stainthorpe, welcher sich sehr gekonnt in die Songs hineinversetzt und den Weltuntergang herbeisingt. Die Songauswahl wandelt hierbei durch die komplette Band-Karriere: "Fall With Me", "Bring Me Victory", "Wreckage Of My Flesh", "Turn Loose The Swans", "Vast Choirs", "She Is The Dark" und "My Body, A Funeral".
Zeitgleich spielen im Partyzelt EISREGEN, die niemand von uns wirklich mag.
Die schwedischen Death-Thrasher THE CROWN prügeln sich zu fortgeschrittener Stunde danach noch eine Rude durchs Partyzelt. Mit neuem Frontmann Jonas Stalhammar gibt man sich gut Mühe und legt eine ordentliche Performance hin. Leider jedoch mit einem sehr schlecht abgemischten Sound, bei dem nicht viel Freude übrigbleibt.
Es ist bereits weit nach 3h als COUNT RAVEN auf die Bühne dürfen. Ich kann mich noch an das Jahr 1992 erinnern: "In Keyboardwogen badender Monsterkitsch" oder so stand da in der Springer-Presse. Wie auch immer. Mit "Jen", "The Poltergeist", "Destruction Of The Void", "Fallen Angels", "Hippies Triumph", "Scream", "Children's Holocaust" und "High On Infinity" geben uns die Doomster eine Lehrstunde des langsamen Metal und stellen sich auf eine Stufe mit BLACK SABBATH der Ozzy-Ära. Diese Schweden sind an jenem Abend ein grandioser Ersatz für ihre Vorbilder und ein mehr als würdiger Abschluß für ein sehr tolles SUMMER BREEZE.
Bis nächstes Jahr.
Fazit: ein wirklich wieder wie immer sehr abwechslungsreiches Summer Breeze, das nicht umsonst mittlerweile nach Wacken das zweitgrößte Metal Open Air Deutschlands ist. Verbesserungsbedarf ist aktuell aber da: die Camel-Stage ist überflüssig und im Partyzelt spielen zeitgleich zu den beiden großen Bühnen einfach zu viele Bands einen ähnlichen Stil. Das Publikum bleibt demnach eher den großen Bühnen treu. Soll heißen: ins Partyzelt gehören zu fortgeschrittener Stunde eher Bands, die stilistisch anders sind. So könnte man z.B. dort eine förderungswürdige True Metal Band spielen lassen, während auf der Main Stage eine Black Metal Band spielt. Oder auf der Pain Stage spielt eine Core-Band und im Zelt Folk. Bitte mal drüber nachdenken. Ein fast leeres Zelt hilft weder der betroffenen Band noch den Fans.
Wie immer toll ist die Organisation: kein langes Warten am Eingang, der - mangels vorhanderer Infrastruktur - auf dem Campinggelände gelegenene Einkaufsmarkt und entsprechende Sanitäranlagen lassen auf langjährige Erfahrung schließen. Wir müssen es ja wissen: wir sind ja schon zehn Jahre mit dabei. Jedes Jahr!
Längst fragt man sich, wie viele Wochen Urlaub man sich für einen Wacken-Besuch denn künftig nehmen soll. Immer mehr Besucher reisen immer früher an, vertreiben sich die Zeit mit allerlei immer mehr werdenden Freizeitangeboten. Auf der W.E.T.- und der Wackinger Stage spielen die ersten Bands mittlerweile bereits am Mittwoch. Wir bleiben hier Traditonalisten und berichten ab Donnerstag mit der ersten Band auf einer der beiden großen Bühnen. Und so eröffnen auf der Black Stage dann auch SKYLINE. Vor mehr als 20 Jahren fing damit alles an. Längst spielen die Veranstalter selbst dort nicht mehr persönlich mit, dem Rest der Band ist das herzlich egal, sie nehmen sich allerlei Gastmusiker mit dazu und lassen es bei jeder Menge allzu bekannten Cover-Versionen ziemlich krachen. Heuer mit von der Partie sind Doro Pesch und Udo Dirkschneider. Klassiker wie "Balls To The Wall", "Breaking The Law" und "All We Are" eröffnen die größte Metal-Party der Welt offiziell. An den guten Dio gedenkt man in Form von "Holy Diver". Am Ende hat Wacken auch noch mit der offiziellen Hymne "We Are Metalheads" endlich seine endgültige Erkennungsmelodie.
In Punkto Festivals war Altrocker ALICE COOPER in deutschen Landen zuletzt auf dem leider sehr schlecht besuchten Magic Circle Festival zu sehen. Mit einer sehr überzeugenden Show. Was uns wohl in Wacken erwartet? Ähnliches. Sieht man davon ab, dass das Mikro erst nach dem dritten Stück zu hören ist, agiert die Band mitsamt ihrem Frontstar überaus agil. Die in letzter Zeit übliche, mehr als aufwändige Show, in welcher Alice Cooper mehrfach mit allen möglichen Werkzeugen hingerichtet wird (vom einfachen Erstechen bis hin zum Galgen) ist sehr abwechslungsreich gestaltet, dazu gibt es eine überdurchschnittliche Bühnenausleuchtung und einen Soundtrack, der sich gewaschen hat. Ein bunter Reigen aus 40 Jahren ALICE COOPER, welcher natürlich mit "School's Out", "Poison", "I'm Eighteen", "No More Mr. Nice Guy" und "Under My Wheels" großartige Alltime-Klassiker enthält, mit "Ballad Of Dwight Fry", "Cold Ethyl" oder "Nurse Rozetta" aber auch seltener gespielte Titel. Da freut man sich als alter Fan, dass die aktuelle Tour und evtl. ja auch Material aus Wacken auf einem geplanten Live-Video erscheinen werden.
Die Sleaze-Rocker MÖTLEY CRÜE sind nicht unsere Tasse Tee und werden eher am Rande begutachtet. Dabei fällt auf, dass die ehemaligen Sunnyboys mittlerweile auch nicht mehr ganz frisch aussehen, aber durchaus noch einiges auf dem Kasten haben. Eine Wirbelwind-Aufführung mit gutem Sound, vielen Fans und toller Stimmung. Vince Neil hat gelegentlich Probleme den richtigen Ton zu treffen, was aber bei der Relation Songwriting <-> Alter eigentlich auch kein großes Wunder ist. Um's kurz zu sagen: ihre Fans haben MÖTLEY CRÜE heute jedenfalls überzeugen können.
Zuerst sieht man sie Jahrzehnte lang gar nicht in Wacken und mußte sich ständig allerlei Verschwörungstheorien und Witze anhöre, weshalb ausgerechnet die größte Metal-Band der Welt nicht auf dem größten Metal-Festival der Welt spielt. Und dann hört und sieht man sie innerhalb von zwei Jahren gleich zweimal dort! Die Rede ist natürlich von den Engländern IRON MAIDEN, welche 2008 das Publiko mit einem grandiosen Old-School-Auftritt zu begeistern wußten. Und nun? Bruce Dickinson und Co. machen sich das Leben selbst schwer, ausgerechnet auf diesem Open Air - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nur Stücke der letzten drei Alben zu spielen. Nach "Dance Of Death" sinkt die Stimmung bei immer mehr Fans bis "No More Lies" fast an den Nullpunkt. Eine weitere Gruppe - immer noch stattlich an Anzahl - feiert die Jungs trotzdem. Am Ende stimmen fünf Klassiker am Stück immerhin einen Großteil der fanatischen Anhänger noch zufrieden. Alles in Allem aber ein über weite Strecken leider abartig langweiliger Gig, der zwar eine spielfreudige Band zeigt, aber auch ein enttäuschtes Publikum, dem bis kurz vor Ende leider nur verstärkter Bierkonsum hilft nicht schon vorzeitig das Zelt aufzusuchen. Liebe Leute! Das war nix!
Setlist: "The Wicker Man", "Ghost Of The Navigator", "Wrathchild", "El Dorado", "Dance Of Death", "The Reincarnation Of Benjamin Breeg", "These Colours Don't Run", "Blood Brothers", "Wildest Dreams", "No More Lies", "Brave New World", "Fear Of The Dark", "Iron Maiden" --- "The Number Of The Beast", "Hallowed Be Thy Name", "Running Free"
Freitag
AMORPHIS haben ihre Höhepunkte mit "Tales From The Thousand Lakes"; "Elegy" und "Tuonela" längst hinter sich gelassen, sich anschließend immer mehr verzettelt und fanden mit "Silent Waters" und "Skyforger" nur bedingt zu alter Größe zurück. Entsprechend diesem Status mag es für alte Fans wie mich etwas weh tun, diese Band bereits vor 12h Mittags auf den Brettern zu sehn, aber diese Tatsache wird durch überraschend klar gemixtem Sound und einer sehr querschnittigen Songauswahl mehr als wett gemacht. AMORPHIS haben sich die letzten beiden Jahre bereits auf anderen Festivals (u.a. dem Summer Breeze) wieder nach vorn gekämpft. Allein der Name Wacken hat sie jetzt endgültig wieder in den Fokus gespült. Tolle Bühnen-Performance, eine Band der es auch ob der frühen Tageszeit sichtlich Spaß macht und Fans, die das genauso sehen. Was will man denn bitte mehr?
Die Israelis ORPHANED LAND, seit jeher darum bemüht die Kultur ihrer Religion und ihres Landes mit derer der Araber und im speziellen der Palästinenser zu vermischen, haben wohl auch bereits ihre Hochzeiten hinter sich. Ebenfalls auf dem Summer Breeze, aber schon Jahre zurückliegend, als es noch in Abtsgmünd war, wurden sie damals großartig abgefeiert. Diesmal leert sich die Fläche vor der Bühne merklich. Die letzten Veröffentlichungen waren zu progressiv und hatten keine nachvollziehbaren Stücke mehr an Bord. Auch die Agilität und ein kompakter Auftritt können es nicht mehr herausreißen: ORPHANED LAND müssen sich rekalibrieren. Dringend.
Auf der W.E.T. Stage spielen die Schweden ASTRAL DOORS ein sehr überzeugendes Power Metal-Programm mit DIO-ähnlichem Gesang. Die Zielgruppe ist also klar definiert und artet mit einigen RAINBOW-Reminiszenzen bis dato sehr deutlich aus. Leider ist das erste Drittel des Auftritts unerträglich laut und wir hören draußen zu. Auch im weiteren Verlauf des Gigs geben sich Matsch-Sound, Rückkopplungen und diverse andere Probleme die Hand. Kein Fehler der Band, deren Auftritt in Erinnerung bleibt und auf künftige Alben hoffen lässt.
Eine gefühlt uralte deutsche Melodic-Metal Band spielt auf der W.E.T.-Stage: MAD MAX. Zwischen 1984 und '87 veröffentlichten sie drei Alben, welche zu den höherwertigen Veröffentlichungen zählen dürfen, der breite Durchbruch blieb ihnen verwehrt. Für 2010 steht das neunte Studioalbum an. Aufsehen erregen konnten MAD MAX zuletzt mit dem 2008er Studioalbum "Here We Are", auf dem u.a. Joe Lynn Turner (ex-RAINBOW, ex-DEEP PURPLE), Michael Schenker (MSG, ex-UFO, ex-SCORPIONS), Wolf Hoffmann (ex-ACCEPT), Axel Rudi Pell und Mitglieder von HELLOWEEN, DEEP PURPLE und KROKUS diverse Instrumente bei verschiedenen Songs bedienten. Der Stellenwert liegt also über der Wahrnehmung. Auch in Wacken verirren sich leider eher weniger Besucher ins Zelt. Was auch daran liegt, dass zeitgleich die APOKALYPTISCHEN REITER auftreten. Die wir aber bereits zum gefühlten 100. Mal gesehen haben und somit unsere Aufmerksamkeit lieber MAD MAX schenken. Diese spielen einen makellosen Gig und haben sichtlich Spaß dabei. Können letzten Endes aber nicht aus ihrem Schatten treten: Das Songmaterial gibt es im Jahr 2010 nicht her. Analysiert man allerdings die frühen Stücke im Kontext ihrer Zeit, so muss man MAD MAX die nötige Anerkennung gewähren und kann das Stelldichein der Stars durchaus nachvollziehen.
LIZZY BORDEN haben in der Vergangenheit (auch in Wacken) bereits auf größeren Bühnen gespielt. Das liegt daran, dass sie eine große Vergangenheit haben, aber bereits seit langer Zeit kein neues, überzeugendes Songmaterial mehr aufzubieten wissen. Die W.E.T-Stage ist ordentlich gefüllt, aber nicht überfüllt. Der Sound ist ok und die Bühnenshow, von der die Band nicht unerheblich lebt, aufgrund der kleinen Bühne erheblich eingeschränkt. Findet aber dennoch statt. Wir haben unseren Spaß zu Stücken wie "Red Rum", "American Metal", "There Will Be Blood Tonight" und "Me Against The World". Glückwunsch einem jeden Anwesenden, der die Band erst mit diesem Gig kennengelernt hat. LIZZY BORDEN haben noch keinen schlechten Auftritt gespielt und dürften auch hier wieder den ein oder anderen neuen Anhänger gefunden haben. Es wäre schön, sie auch mal wieder auf großen Bühnen zu sehen. Wenn auch nur im Nachmittagsprogramm.
Auf der Party-Stage spielen FREI.WILD vor wahnsinnig vielen Menschen. Die große Lücke, welche die ONKELZ mit ihrer Auflösung hinterlassen haben, versuchen ziemlich viele Deutschrock-Kapellen zu stopfen. FREI.WILD sind eine der wenigen Bands, die sich zwar am Stil der Vorbilder orientieren, aber auch eigene Elemente haben und in der Lage sind, aus deren langen Schatten zu treten. Kommt noch dazu, dass die Band aus Südtirol kommt und zumindest das Potential dazu hätte, das mittlerweile schwierige Zusammenleben zwischen den beiden Volksgemeinschaften dort auch in Liedern auszudrücken. Stattdessen regieren platonische Hymnen, die irgendwo versuchen ein Gemeinwesen aufzubauen. Was nach den ONKELZ in dieser Form aber nie wieder gelingen dürfte. Dennoch: ein hervorragender Auftritt bei toller Sound-Abmischung. Das Publikum feiert die Südtiroler mit jedem Stück und die Jungs auf der Bühne geben tatsächlich alles was geht. Wie auch immer man also zu der Band stehen mag: in Wacken bekamen die Fans eine ordentliche Vollbedienung. Und wir wurden angefixt. Schlimm genug.
VOIVOD wie immer: wir können seit jeher nichts damit anfangen. Das Publikum größtenteils auch nicht. Der technisch sehr komplexe Thrash-Metal wird auf Dauer weiterhin nur einem sehr sehr eingeschränkten Fankreis zugänglich sein. Warum diese Band auf der Party Stage herumhantiert, während Bands wie RAVEN und LIZZY BORDEN im stickigen W.E.T-Stage-Zelt auftreten müssen... niemand außer den Veranstaltern weiß es. Das Publikum siehts auch so: der Platz vor der Bühne leert sich rasch, fragende Gesichter bleiben abseits bei Bier an einem Essenstand und nur eine überschaubare Menge Hardcore-Fans bildet einen Pulk der aber umso infernaler abgeht.
Die Melodic-Todesmetaller von ARCH ENEMY sind auch in Wacken ein Faszinosum: natürlich haben sie massig geniale Songs in Petto. Die Abmischung geht indes leider nur "ok", denn speziell hier lebt der Maximalspaß im astreinen Sound. Die Jungs um Frontfrau Angela Gossow liefern ein Spitzenprogramm ab, ihre quasi Chefin röhrt sich den Death aus dem Hals. Doch eigentlich wie immer muß man attestieren: wer auch immer sich mit Musik auskennt wird bei jedem Auftritt von ARCH ENEMY sagen, dass weder die Instrumente noch der Gesang auf Albumhöhe sind. Den Fans ist das natürlich wieder mal sowas von egal und auch wir lassen uns vom "Moment" einfangen. Also alles wie immer bei ARCH ENEMY: super Gig mit mäßig live tauglichen Musikern.
Die ex von NIGHWISH tritt an: TARJA Turunen versucht es erst gar nicht bei einer anderen Band und macht nun ganz auf Solo mit Begleitband. Leider ist das Songmaterial unter aller Sau und somit komplett überflüssig. Was sie überhaupt im Billing zu suchen hat kann nur mit finanziellen Mitteln seitens der Plattenfirma erklärbar sein. Wer sich diese Tortur tatsächlich antut, wird mit etwas gar noch viel schrecklicherem konfrontiert: "Still Of The Night" von WHITESNAKE zu covern, das ist der absolute Tiefpunkt. Um es noch genauer auszudrücken: Tarja, hör das "SINGEN" (???) auf!
Wie bereits IRON MAIDEN am Vortag kacken die Melodic-Metaller KAMELOT auf die Chance mit einem Best-Of-Programm neue Fans zu gewinnen. Sie ziehen in Wacken ihr aktuelles Tourprogramm durch, legen einen Großteils der Songs in die jüngste Vergangenheit und spielen ganze drei Stücke vom noch nicht veröffentlichten Werk "Poetry For The Poisoned". Sehr mutig. Dazu gesellt sich eine sehr aufwändige Pyro-Show und eine Band, die von sich selbst überzeugt ist. Ein insgesamt netter, aber auch harmloser Gig für Feingeister.
Ich bin ja immer sehr zurückhaltend wenn ich von Bands spreche, von welchen man noch nie einen schlechten Auftritt sah. SAXON führen diese Liga an. Die Teutonenstahl-Rocker von GRAVE DIGGER gehören aber auch mit dazu. Und die lassen es diesmal richtig krachen: zum 30 jährigen Jubiläum der Band-Gründung erweisen ihnen zahlreiche prominente Gäste die Ehre, u.a. eröffnet eine schottische Dudelsack-Gruppe das Konzert, bei "The Ballad Of Mary (Queen Of Scots)" trällert Frau Doro Pesch ins Mikro, Hansi Kürsch und Van Canto blasen uns bei "Rebellion"den Marsch, ständig explodieren Pyros. Die Band rumpelt Berserker-mäßig über die Bühne, der Sound passt zumindest wenn die Windrichtung gerade stimmt bestens, wenn nicht, dann dröht der Bass sich leider teilweise ziemlich heftig in den Vordergrund. Zusammenfassend eine der stärksten Gigs der Band in ihrer langen und von mir oft live gesehenen Historie.
Setlist: "The Brave", "Scotland United", "The Dark Of The Sun", "William Wallace", "The Bruce (The Lion King)", "The Battle Of Flodden", "The Ballad Of Mary (Queen Of Scots)", "The Truth", "Cry For Freedom", "Killing Time", "Rebellion (The Clans Are Marching)", Culloden Muir", "The Fall Of The Brave", "Ballad Of The Hangman", "Excalibur", "Heavy Metal Breakdown"
Der nach wie vor sehr agile NWoBHM-Dampfer RAVEN schippert unaufhaltsam durch die Jahrzehnte und präsentiert im stickigen W.E.T.-Stage-Zelt das aktuelle Album "Walk Through Fire" und ein repräsentatives Best-Of-Programm ihrer frühen Studioscheibletten. Guter Sound und beste Stimmung sorgen dafür, dass dieser Auftritt in Erinnerung bleiben wird.
Dass SLAYER überhaupt noch in Wacken auftreten grenzt an ein Wunder. Man erinnere sich an diesen legendären Auftritt, als die Band so leise war, dass keine Stimmung bei den Fans aufkam und die "lauter, lauter"-Schreie des Publikums bei den Jungs wie ein Ausgepfiffenwerden ankam. Dann war da noch "Wacken Rocks South", bei dem leider, leider viel zu wenige Besucher anwesend waren. Für mich auch Jahre später noch nicht nachvollziehbar. Aber auch SLAYER können in Deutschland und mit Wacken nicht ewig Pech haben. Positiv: trotz Rücken- und Stimmproblemen von Tom Araya und einer Lebensmittelvergiftung von Kerry King präsentieren sich SLAYER überraschend in Höchstform. Der Sound ist sehr differenziert und gewaltig, bleibt aber lautstärketechnisch in weiter hinter gelegenen Teilen auch diesmal hinter den Erwartungen zurück. Negativ: dafür ist's vorne umso lauter. Außerdem gibt es keine große Bühnenshow und keine Videos. Wegen Arayas Rücken gibt sich der ganze Auftritt eher statisch und die Band macht insgesamt einen etwas zu routiniert wirkenden Eindruck und lässt das letzte Quäntchen Euphorie vermissen. Dank der sehr stark ausgewählten Setlist ist am Ende aber auch der größte Fan noch sehr zufrieden. Und dem schließen wir uns vorbehaltlos an. So dürfen SLAYER gerne wieder kommen. Und so haben sie hoffentlich auch ihre Wacken-Phobie überwunden.
Setlist: "World Painted Blood", "Hate Worldwide", "War Ensemble", "Expendable Youth", "Dead Skin Mask", "Seasons In The Abyss", "Hell Awaits", "Spirit In Black", "Mandatory Suicide", "Chemical Warfare", "Raining Blood", "South Of Heaven", "Angel Of Death"
ANVIL sorgen für den Abschied in eine weitere Nacht und spielen quasi das Publikum nochmal heiß. Dichte und differenzierte Abmischung, Lips wie immer sehr charismatisch. Im Vergleich zu meinem bisherigen Superlativ in Offenbach erleben wir hier einen weiteren genialen Auftritt.
Samstag
NIGHTMARE aus Frankreich spielen und das Publikum sich am Samstag auf der W.E.T.-Stage heiß noch bevor das Festivalgelände geöffnet hat. Heißt für uns: quer auf der Straße der Feuerwehrler und Händler auf die andere Seite laufen. Lohnt sich aber durchaus, denn die Jungens aus dem Nachbarland haben nicht nur zahlreiche geniale Stücke aus den tiefen 1980ern zu bieten, sondern auch ein neues Album Namens "Insurrection", welches überraschend hart, aber weniger überraschend gut daher kommt. Denn ordentliche Alben liefern NIGHTMARE eigentlich fast immer ab. Bei einer guten Abmischung und einem sehr vollen Zelt ein gelungener Samstags-Auftakt, der von Frontmann Joe Amore mit einem hundsgeilen DIO-Cover in Form von "Holy Diver" veredelt wird.
Die mysteriösen Punker Namens KASSIERER kennen wir schon allzu gut, sie spielen auf der W.E.T.-Stage, die komplett überfüllt ist, während vor dem Zelt noch mindestens genauso viele Menschen warten. Also eigentlich kennen wir sie ja nicht, aber unsere Nachbarn auf dem VIP-Campingplatz haben uns vorher und auch noch den Rest des Tages ausführlich damit beschallt. Mit drei Promille und einem IQ von unter 100 muß man bei diesen Liedern schier ausflippen. Leider gehören wir hier nicht zur Zielgruppe, finden das ganze daher nur mäßig spaßig. Da eher schon die Fans, die so richtig am Ausrasten sind. Eine völlig aus allen Nähten platzende Stage sagt uns: in Zukunft muß hier eine größere Bühne her. Was das über's Publikum aussagt? Der Alk-Pegel scheint ja wohl schon mächtig fortgeschritten zu sein. Über andere Mutmaßungen denken wir hier erst gar nicht nach.
Die Wikinger VARG liefern im Zelt der W.E.T.-Stage ein mehr als deutliches Ausrufezeichen für die Zukunft ab und machen richtig Druck. Das Publikum, anfangs etwas verwirrt weil zu unbekannte Band, feiert spätestens nach dem dritten Song und endgültig zur Hymne "Skal".
Die Neuerscheinung ORDEN OGAN spielt mit ihrem zweiten Album bereits in Wacken. Dass es sich dabei lediglich um die etwas fern des Festival-Geländes gelegene Wackinger-Stage handelt, dürfte für den Lebenslauf keine Rolle spielen. Entsprechend gut gelaunt präsentieren sich die Anhänger des getragenen Chor-Metals dem leider etwas dünn gesähten Publikum. Soll be TYR vorher wesentlich voller gewesen sein, deren Auftritt wir allerdings verpassten. Viel zu sagen gibts nicht: wir wurden nicht enttäuscht, die Band legte einen zünftigen Auftritt hin und wurde vom Publikum sehr gut aufgenommen. Der Sound war akzeptabel, aber nicht gut.
Die obskuren Senkrecht-Starter THE DEVIL'S BLOOD, in erster Linie vom aktuellen Branchenführer Rock Hard in Deutschland hochgeschrieben, dürfen auf der W.E.T-Stage zeigen was sie können. Und können tun sie tatsächlich viel. Die Mischung aus 1970er Mystik-Rock, 1980er Black-Metal-Anleihen der Frühphase und aktuellem Retro-Sound kriegen sie live richtig gut hin. Die Tatsache, dass die Debüt-EP richtig genial war, das Debütalbum aber höchstens als Durchwachsen bezeichnet werden kann, lassen einen mächtigen Schatten über THE DEVIL'S BLOOD wandern, den sie alleine durch eine starke zweite Scheibe wieder vom Makel mit dem Namen "Hype" reinwaschen können werden. Abwarten und die Originale hören hilft erstmal weiter.
OVERKILL ist DIE unzerstörbare Thrash-Band schlechthin. Wie oft hat man an ihnen gezweifelt, sie abgeschrieben, ihnen den so vielzitierten überschrittenen Zenit eingeredet. Geholfen hat es nichts. Ihr aktuelles Album "Ironbound" gehört mit zum besten, was in den letzten Jahren in diesem Genre veröffentlicht wurde. Entsprechend selbstbewußt treten Blitz und Co. in Wacken auf. "The Green And Black" und "Ironbound" reihen sich nahtlos ein zwischen den großen Klassikern "Wrecking Crew", "Hammerhead", "In Union We Stand", "Fuck You" oder "Hello From The Gutter". Die MOTÖRHEAD-Hommage "Overkill" kommt mit einem fetten Augenzwinkern daher und beweist, dass auch diese Band felsenfest zu ihren Wurzel(n) (haha, was ein Spaß... diese ganzen Wörterspiele...) steht.
Der Status von STRATOVARIUS ist in den letzten Jahre mit sehr durchschnittlichen Veröffentlichungen und dem Ausstieg ihres Bandleaders Timo Tolkki quasi monatlich gesunken und freuen sich die übrig gebliebenen Fans, dass man sie überhaupt in Wacken sieht. Diesmal allerdings nicht mehr auf einer der beiden großen Bühnen, sondern auf der Party-Stage. Vor dieser ist es immerhin mächtig voll und die Finnen nutzen ihren guten Namen aus der Vergangenheit für ein Best-Of-Programm. Toller Auftritt, gut gelaunte Musiker, beste Stimmung im Publikum und eine ordentliche Abmischung sorgen für wohlwollende Zustimmung. Willkommen zurück, liebe Finnen. Jetzt fehlt nur noch ein richtig gutes, neues Album
DEF LEPPARD, WHITESNAKE, ALICE COOPER und W.A.S.P. - das waren die angekündigten Vorbands (!) 2008 für MANOWAR auf dem Magic Circle Festival. Und auch da hat man W.A.S.P. zuletzt gesehen. Heute wissen wir, dass DEF LEPPARD und WHITESNAKE nie aufgetreten sind, das Festival leider Geschichte ist, aber zumindest die Auftritte von ALICE COOPER und W.A.S.P. in Erinnerung blieben. Und in Wacken? Auch hier machen die Jungs das Beste draus und präsentieren einen Querschnitt ihrer Karriere. Weil es nicht anders geht mit zwei ausführlichen Medleys. Wer sich die Setlist weiter unten genau ansieht, wird feststellen, dass auf die relative Spielzeit bezogen mehr gar nicht drin war. Alleine Granaten der Sorte "Chainsaw Charlie", "The Idol" und "I Wanna Be Somebody" sind den Gig wert, das Eröffnungstripple "On Your Knees/The Real Me" und "L.O.V.E. Machine" lässt schon alle W.A.S.P.-Fans nahe an den Orgasmus gelangen. Bei fettem Sound mit leider teilweise zu leisem Gesang, welcher im Laufe des Auftritts auf Normal-Lautstärke emporklettert, einer der Live-Gigs, an die man sich in der langen Historie der Band gerne erinnern wird.
Setlist: "On Your Knees/The Real Me", "L.O.V.E. Machine", "Babylon's Burning", "Wild Child", "Hellion/I Don't Need No Doctor/Scream Until You Like It", "Chainsaw Charlie (Murders In The New Morgue)", "The Idol", "I Wanna Be Somebody"
Wie sehr EDGUY die eigentlichen Nachfolger der alten HELLOWEEN-Linie mit Kai Hansen und Michaek Kiske sind, beweist alleine die Tatsache, dass ein gewisser Markus Großkopf eigentlich Tobias Exxel vertreten sollte. Der nämlich sollte in diesen Tagen Nachwuchs bekommen. Dieser fühlte sich im Mutterleib wohl noch etwas zu wohl, so dass Markus nur bei "Lavatory Love Machine" und "Superheroes" zum Einsatz kam. Aber immerhin eine nette Abwechslung. Ansonsten waren Tobi Sammet und Co. wie immer bei bester Laune und lieferten einen abgeklärten Gig mit super Sound ab, welcher leider mit gleich vier Nummern vom aktuellen Album und einer sehr kommerziellen Setlist nicht unbedingt sehr Festival-freundlich ist, aber beweist, dass EDGUY auch aktuell noch Nummern schreiben, die von den Fans kritiklos angenommen werden. Beim nächsten Mal dann vielleicht wieder weniger Tourprogramm und mehr Klassiker? Danke! :)
Setlist: "Dead Or Rock", "Speedhoven", "Tears Of A Mandrake", "Vain Glory Opera", "Lavatory Love Machine", "Superheroes", "Save Me", "Sacrifice", "King Of Fools"
Die Doomster CANDLEMASS werden von nicht wenigen Fans argwöhnisch erwartet. Die Keep It True-Absage "huah, die Vulkanasche, wir werden alle sterben!!!" und ihr daraus abgeleiteter Name "Cancelmass" haben tiefe, nachvollziehbare Abgründe beim Stammpublikum hinterlassen, war es doch in letzter Zeit nicht das erste Mal, dass die Band wegen nicht erwiesener Tatsachen lieber mal nen Gig ausließ als ihn einzuhalten. Nicht nach Wacken zu kommen wäre aber dann doch etwas zuviel des Schlechten gewesen und vermutlich auch glatter kommerzieller Selbstmord. Eine sichtlich angetrunkene Band die dazu wohl auch noch nen Kater vom Vortag mit sich herumschleppt, präsentiert sich auf der Bühne sichtlich professionell und bei glasklarem Sound (zumindest in Bühnennähe und relativ mittig, weiter weg wird teilweise gruselig). Hat auch einen Grund: wer zu nah links steht, wird in ruhigen Passagen von IMMORTAL weggefegt, welche zeitgleich nebenan spielen. Obwohl, wie bemerkt, nicht mehr nüchtern, merkt man eben bei einer Band wie CANDLEMASS den Unterschied: wer aus den tiefsten 1980ern kommt, der kann auch betrunken noch genial spielen. Denn spielen, spielen können sie richtig gut. Der Querschnitt durch die Geschichte hinterlässt die ein oder andere Gänsehaut. Leider schlägt mein Herz genauso stark für IMMORTAL und so muß ich mir die beiden Bands je zur Hälfte ansehen.
Setlist: "Marche Funebre", "Mirror Mirror", "Dark Are The Veils Of Death", "Samarithan", "If I Ever Die", "Hammer Of Doom", "Emperor Of The Void", "At The Gallows End", "The Bleeding Baroness", "Solitude"
IMMORTAL und CANDLEMASS gleichzeitig, für viele absolut abzeptabel. Für jemanden wie mich, der in den tiefsten 80ern bereits Metal gehört hat und somit in stilistischen Fragen über ein sehr weites Spektrum verfügt, eine Katastrophe. Die MOTÖRHEAD-Black-Metaller haben (weniger gut) gleich vier Stücke vom aktuellen Album im Gepäck und (richtig gut) lassen die ersten vier Alben gänzlich weg. Lediglich "Blashyrkh (Mighty Ravendark)" wird durch die Bank und von allen anwesenden generell schwer vermisst. Bei druckvollem Sound und einem Abbath, der sich ein ums andere mal zurückhalten muß einfach riesig zu grinsen, kann einem niemand mehr ernsthaft weismachen, dass Black Metal-Kapellen grundsätzlich schlechte Laune haben.
Setlist: "All Shall Fall", "Sons Of Northern Darkness", "The Rise Of Darkness", "Damned In Black", "Hordes To War", "Norden Of Fire", "Withstand The Fall Of Time", "Beyond The North Waves", "One By One"
FEAR FACTORY spielen wie immer unerträglichen Lärm.
Udo Dirkschneider U.D.O. läutet zusammen mit TIAMAT das Endes des diesjährigen Wacken Open Airs ein und hat die Zeichen der Zeit verstanden: nach der ACCEPT-Wiedervereinigung finden sich mit "Princess Of The Dawn", "Midnight Mover", "Metal Heart" und "Balls To The Wall" nur noch vier Klassiker seiner vormaligen Hauptband in der Setlist. Der Rest sind Solo-Stücke. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, der Sound drückt, Udo ist bester Laune und auch die Fans unterstützen DAS Original mit bestem Support. Leider muß man aber auch attestieren, dass die jüngeren Stücke wie "The Bogeyman", "Dominator", "Thunderball" oder "Vendetta" schon merklich hinter älteren Werken "Animal House", "Holy" merklich zurückfallen. Fragt sich also wie es weitergehen wird. Wer wird in den nächsten Jahren nochmal Geschichte schreiben? Udo oder ACCEPT? Schaun wir mal...
TIAMAT regeln an diesem Festival eindeutig den Fels. Sie spielen ihr komplettes "Wildhoney"-Album in der Reihenfolge der Tracks auf dem Album und bieten dazu eine fantastische Show am einem späten Abend bzw. frühen Morgen. Die Band nimmt man, umhüllt von Nebelschwaden, nur als Schatten war. Dazu Videos auf der Großbildleinwand. Ein nahezu perfektes PINK FLOYD-Konzert quasi. Für mich einer DER Höhepunkte überhaupt heuer in Wacken.
FAZIT
Mal wieder ein bestens gelungenes Festival. Wacken kann man quasi jedes Jahr besser machen wenn man will, die Veranstalter arbeiten aber auch daran, dass man das sieht. Ausruhen geht nicht und das weiß man bei dieser Größe auch.
Unglaublich, dass das schon wieder so lange her ist, als man auf dem ersten Bang Your Head-Festival stand. Damals noch in der Halle. Eine Halle spielte auch dieses Jahr wieder eine Rolle, denn dort fand der Donnerstags-Warm-Up Gig stand und zum ersten Mal spielten dort auch Bands am Freitag und Samstag. Teilweise parallel zu einer draußen auftretenden Band oder auch nach dem letzten Headliner. Und weil unser großer Ronnie James Dio nicht unter uns weilt gab es noch etwas außergewöhnliches: viele Bands zollten ihm Respekt, in dem sie ein Lied von alben seiner Bands coverten oder ihm zumindest einen ihrer eigenen Songs widmeten. Doch der Reihe nach:
DONNERSTAG
Der Warm-Up-Gig am Donnerstag, welcher traditionell nicht offizieller Bestandteil des Festivals ist und somit eigene Eintrittskarten erfordert, stand heuer unter dem Motto der New Wave of British Heavy Metal. Mit ROXXCALIBUR war hier eine junge Band vertreten, die teilweise hervorragende Coverversionen ihr alten Idole nachspielt - natürlich fast nur Underground Hits - und mit BLITZKRIEG, DEMON und SAXON drei sehr schwergewichtige Vertreter der alten Schule.
Das Warm-Up im Schnelldurchlauf:
Die Zeitreise zurück zu den Hochzeiten der NWoBHM begannen ROXXCALIBUR mit einem Reigen voller edel duftender Blüten der Gründerzeit. Ob "See You In Hell" von GRIM REAPER, "Seven Days Of Splendour" von JAMESON RAID, das geniale "Lady Of Mars" von DARKSTAR oder "Destiny" von TRIDENT - die Jungs sind eine eingespielte Mannschaft, verstehen sich prima und wußten das Publikum sogleich auf ihre Seite zu ziehen. Die Gruppe sollte übrigens auf dem Festival noch ein zweites Mal auftreten. Und zwar unter dem legendären Namen SAVAGE GRACE. Dazu später mehr.
Die erste "echte" überlebende Band dieser Ära waren anschließend BLITZKRIEG, welche mit solidem Stageacting und einer guten Song-Diskographie etliche Pluspunkte sammeln konnte, für den eher ungeübten Hörer aber noch etwas zu sperring waren um gleich abgefeiert zu werden. Immerhin: die Halle war SEHR voll und die Gäste waren bereits bei bester Stimmung. Nebenbei war es dann noch der Wunsch der Veranstalter, dass jede Band des Festivals zu Ehren des jüngst leider verstorbenen Sangeswunders Dio einen Tribute-Song an ihn richteten. Dabei war es egal, ob die Stück aus seiner Solo-Laufbahn oder seiner Zeit bei RAINBOW oder BLACK SABBATH waren. BLITZKRIEG eröffneten mit: "Mob Rules". Ein gelungener Einstand.
DEMON, eine meiner Lieblingsbands und leider immer noch sträflich unterbewertet. Sie legten heute den Fokus auf ihr wohl homogenstes und bestes Album "Taking The World By Storm", was natürlich sofort zu einer Latte führte. Egal ob das eingängig pulverisierende "Commercial Dynamite", der Titelsong oder "Blue Skies In Red Square". Und wem es bei den beiden Monstersongs "Remembrance Day" und "Time Has Come" musikalisch und textlich nicht eiskalt den Rücken herunterlief vor Ergriffenheit, dem konnte niemand mehr helfen. Ergänzt wurde das Programm natürlich durch die Hymnen, die einfach nicht fehlen dürfen: "Night Of The Demon", "Liar", "Don't Break The Circle", "Into The Nightmare" und "Sign Of A Madman". Aufgrund der eingeschränkten Spielzeit und dem Aufführen der beiden vorhin genannten überlangen Stücke konnte man natürlich nicht verlangen, dass wirklich alle großen Klassiker berücksichtigt wurden, aber das war herzlich egal, denn wie oft hört man denn diese Stücke bitte sehr schon live? Alle 20 Jahre? Und vielleicht wars ja auch das letzte Mal. Ein großartiger Auftritt, uneingeschränkt.
Über den Headliner des Tages, SAXON, werde ich hier mal ausnahmsweise nur sehr kurz berichten. Der einfache Grund: den Konzertbericht könnt Ihr Euch auf dieser Homepage ca. gefühlte 100 mal durchlesen, er ist - was die Festivals betrifft - eigentlich immer der gleiche: SAXON sind bestens gelaunt, rennen auf der Bühne herum als hätten sie Stecknadeln im Hintern, haben einen sauguten Sound und Biff fragt irgendwann ständig zwischen ca. 300x "fuck" ob man einen schnellen oder langsamen Song hören möchte. Das Programm besteht dabei ausnahmsweise aus Klassikern, aufgelockert durch 1-2 neue Stücke vom aktuellen Album, die sich nahtlos in besagte Klassiker einreihen. SAXON haben so viele Klassiker, dass sie eigentlich auch einen kompletten Festivaltag alleine bespielen könnten, ohne dass auch nur ein langweiliges Stück dabei wäre. Und so wie man die Band kennt, würde sie das vermutlich auch noch durchhalten. Noch fragen? Na eben.
FREITAG
Die schwedischen Newcomer ENFORCER haben mittlerweile zwei Alben im Gepäck und stellten sich unter einem glühend heißen und blauen Himmel dem interessierten Publikum. Mit ihrem Post-NWoBHM Sound gehören sie derzeit einem kleinen Trend an, der etliche frisch gegründete Bands nach einem uralten Sound klingen lässt, welcher vor ca. 30 Jahren seinen kurzen Höhepunkt erlebte. ENFORCER wildern stilistisch in alten Alben, ohne ihren eigenen Sound bereits gefunden zu haben, klingen dabei aber äußerst modern in Punkto Produktion. Auf der Bühne wirbelten sie ordentlich Staub auf und lieferten eine agile Performance. Soll heißen: die Band weiß auch mit großen Bühnen umzugehen. Was den Genuß de Auftritts leider trübte, war der sehr matschige Sound und der äußerst dünne Gesang von Olof Wikstrand, welcher auch so manchen Ton nicht wirklich immer trat. Trotzdem ein Auftritt der Spaß gemacht hat, denn die ungeheure Spielfreude war den vieren zu jedem Zeitpunkt anzumerken. Es kann als in Zukunft nur noch aufwärts gehen.
Und danach gleich nochmal drei Schweden: GRAND MAGUS, mit einem Album ("Hammer Of The North") im Rücken, welches überall abgefeiert und in manchen Magazinen gar Soundcheck-Sieger wurde, haben mit dem Vorgänger "Iron Will" und dem aktuellen Werk ihren Stil endgültig gefunden. Die doomigen Anfänge gehören der Vergangenheit an und entsprechend gestaltet wurde auch die Setlist. Bei GRAND MAGUS war es bisweilen gar umgekehrt als bei der Vorband: ein sehr klarer Sound, dafür aber wenig los auf der Bühne. Das lag natürlich daran, dass bei entsprechend wenig Leuten diese Bühne nicht ausgefüllt werden kann. Machte aber rein gar nichts. Geniale Vocals, druckvolle Gitarren und eine Hymne nach der anderen (u.a. "I, The Jury", "Hammer Of The North", "Iron Will") bekam im Laufe des Gigs immer mehr Applaus. Stimmen während des Auftritts und danach am Campingplatz waren sehr verwundert über diese Band, die bis dato noch kaum jemand hierzulande kannte. Da fragt sich der Journalist doch, wozu man überall beste Reviews findet, wenn sie denn scheinbar keiner liest. Fazit: die Band hatte sich an diesem Tag viele neue Freunde gemacht!
Wiedervereinigter Thrash aus der Bay Area erwartete uns dann in Form von FORBIDDEN. Die älteren Herren hatten zum einen damit zu kämpfen, dass auch hier der zuständige Mensch am Mischpult gehörig daneben griffelte, zum anderen häufig mit sich selbst: die lange Pause der Bandmitglieder äußerste sich live in einer nur sehr durchschnittlichen Gesangsleistung und schlecht dargebotenen Gitarrensoli, die einem als Fan der alten Alben dann doch ein wenig Magendrücken bereiteten. Auf der Haben-Seiten: man merkte den Amis an, dass sie wieder Spaß an der Musik haben und es wieder wissen wollen. Neben Klassikern wie "R.I.P.", "Step By Step" oder "Chalice Of Blood" gab's mit "Adapt Or Die" einen Ausblick aufs Reunionswerk, welches hoffen lässt. Und natürlich fehlte nicht die Verbeugung vor Dio: FORBIDDEN trugen mit "Children Of The Sea" eine respektable und zurückhaltend-basische Version des Originals vor, lediglich Frontmann Russ Anderson stieß mehr als deutlich sehr oft an die Grenzen seines Könnens. Der Wille zählt. Und was war das jetzt zusammengefasst? Wir sind gespannt aufs neue Album, wir sind froh dass die Jungs wieder da sind, aber an der Live-Performance herrscht noch Nachholbedarf.
Alle guten Dinge sind drei: Auch SABATON kommen aus Schweden. Und wem es bei ca. 30° im Schatten noch zu sehr fröstelte, der war in den ersten Reihen sehr gut aufgehoben: wie es sich für eine Band gehört, die mittlerweile textlich gesehen die meisten Kriege dieser Erde durchhaben dürfte, gab es Explosionen im Sekundentakt in Form von Pyros. Der hypereingänge Power-Metal, bei welchem sogar ein Lied welches von Auschwitz handelt noch als Mitgröhl-Polonaise gefeiert wird, polarisiert ordentlich. Die einen bezeichnen den Stil angewidert als "Schlager-Metal", die anderen tauchen in die Atmosphäre ein und feiern Und so war es natürlich auch in Balingen: was anderes außer mitsingen konnte man bei "Panzer Battalion", "Primo Victoria" oder "Metal Machine" doch gar nicht machen, oder? Der Sound war zwar nicht ganz so druckvoll wie auf den Alben, aber zumindest sehr ordentlich. An ein Dio-Cover wagte man sich nicht, deshalb wurde dem kleinen großen Mann kurzerhand die Eigenkomposition "Cliffs Of Gallipoli" gewidmet. Stageacting: Note 1. Passt. Setzen.
Leider nur sehr selten sieht man die Metal-Samurais LOUDNESS aus dem Land der aufgehenden Sonne in diesem, unserem Lande. Zuletzt war das wohl 2005 auf dem Earthshaker Fest mit einem leider etwas schwachbrünstigem Auftritt mit schlechter Songauswahl. Bereits im Vorfeld wurde uns diesmal eine Klassiker-Setlist versprochen, was die Vorfreude dann doch enorm steigen ließ. Und sie hielten auch Wort. Durfte man 2005 nur die alten Hits "Crazy Doctor", "Esper" und "S.D.I." bewundern, standen diesmal auch "Let It Go", "Crazy Nights", "Heavy Chains", "In The Mirror" und die Bandhymne "Loudness" auf dem Plan. Minoru Niihara's Stimme zerschnitt die Luft wie ein Katana, vorangetrieben von den wildesten Gitarrenriffs des Bandchefs Akira Takasaki. Keine Frage, ein Hammer-Gig, wenn auch für den Seltenheitswert der Auftritte in unseren Breitengraden viel zu kurz. Dieser Band hätte man zweifelsfrei noch als Bonus einen Hallenauftritt mit alternativem Songmaterial gönnen dürfen. Bitte nicht mehr so lange warten lassen! Denn: die Jungs habens immer noch drauf!
Ist das nicht abartig toll für die Band? Den Kanadiern ANVIL, gegründet 1978(!), blieb der große Erfolg stets verwehrt. Obwohl die Band lange vor SLAYER und METALLICA bereits den Speed-Metal mit ihren führen Klassikern zur Perfektion trieben, blieben sie leider immer im Underground verhaftet. Und dann bringen sie so ein Video auf den Markt, genannt "Anvil! The Story Of Anvil" - eine Dokumentation ihres Lebens, welche sogar in deutschen Kinos lief (unter dem Namen "Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft"). Dieser Film rückte die Band plötzlich wieder in die Öffentlichkeit und - tata! - ANVIL sind mittlerweile so erfolgreich, dass sie aktuell sogar ihren Unterhalt mit der Gruppe bestreiten können. Ich gönne es ihnen von ganzem Herzen. Was das mit dem Auftritt zu tun hat? Eine Menge! ANVIL sind nicht nur wegen ihres Frontmanns Seve "Lips" Kudlow eine der symphatischsten Bands überhaupt und heute wie damals auch eine der bodenständigsten. Mit erdbebenartig treibendem Rhythmus und saftigen Gitarrenriffs schlugen ANVIL eine dicht gestaffelte Wall Of Sound vor sich her und somit gelang es auch ihnen hier wieder etliche neue Fans aufzutreiben.
Setlist: "March Of The Crabs" (Intro), "666", "School Love", "Winged Assassins", "This Is Thirteen", "Mothra", "Heaven And Hell" (nur angespielt), "Thumb Hang", "White Rhino", "Metal On Metal"
Schlagartig wurde es deutlich voller auf dem Festivalgelände, wenn die alle nur gewußt hätten, was sie alles bereits verpasst hatten. JON OLIVA'S PAIN ist der ultimative SAVATAGE-Ersatz. Leider war der Auftritt viel zu laut. Unter diesem Gehörgangvernichter-Sound gab es neben drei Stücken des aktuellen Albums "Festival" eine ganze Latte alter Klassiker, seien es "Chance", "Jesus Saves", "Believe" oder "Hall Of The Mountain King". Mit Dio-Shirt verneigte sich auch Jon Oliva, eine großartige Version von "Rainbow In The Dark" interpretierend. Die gesamte Band ging auf der Bühne und bei abartigen Temperaturen ab wie Schmidts Katze und wurde - ganz klar - völlig zurecht extatisch abgefeiert.
Deutschlands ungekrönte Metal-Queen. Achja, da waren sie wieder, die fünf Euro für die Kaffeekasse. Fangen wir nochmal an: DORO ist seit den tiefsten 80ern mit dabei, gehört zu den metallischen Urgesteinen welche scheinbar ab einem bestimmten Alter vom Aussehen her einfach nicht mehr älter werden wollen. Gut, das war jetzt auch nicht viel besser. Auf jedenfall stellt sich mir die Frage, ob in dieser schwarzen Lederjacke welche sie auch bei 30° im Schatten nicht ablegt womöglich eine seltsame Flüssigkeit enthalten ist, die sie nicht mehr altern lässt (Der magische Schweiß, der in ihr brodelt womöglich, die Haut ständig befeuchtet und kühl hält?). Als ob das noch nicht genug wäre, wurden auch noch ständig Pyros gezündet, beim Zündel-Song "Burn It Up" sogar im Sekundentakt. Doro war an diesem Tag mal wieder sehr ordentlich, auch wenn es nicht ganz zu den besten Konzerten der Dame gehörte. Die "Begleitband" wuselte auch ständig auf den Brettern herum und natürlich durfte auch hier das berühmte Dio-Tribute nicht fehlen: "Egypt (The Chains Are On)" wurde in einer sehr pflichtbewußten Version sehr gut interpretiert. Nicht fehlen durften gen Schluß natürlich das JUDAS PRIEST-Cover "Breaking The Law" und die Hymne, die seit jeher definiert: "All We Are".
Setlist: "You're My Family", "I Rule The Ruins", "Earthshaker Rock", "Riding From The Devil", "Burning The Witches", "Egypt (The Chains Are On)", "Für immer", "Burn It Up", "Celebrate", "Metal Racer", "Always Live To Win", "Breaking The Law", "All We Are"
Viel zu lange verzichten mußten wir auch auf das schweizer Hardrock-Gespann KROKUS, welche ich zuletzt vor gefühlten 80 Jahren auf dem Summer Breeze sah. Aber zum Glück gibt es Reunions und wenn diese im Original Line-Up daherkommen, dann noch viel besser. Im Gegensatz zu ihren Kollegen von LOUDNESS haben KROKUS nicht das Geringste verlernt und legten ein Feuerwerk aus Hymnen in Reihenschaltung an den Tag. Klar darf man bei den bereits vom Radio totgenudelten Covers in Form von "American Woman" (THE GUESS WHO) und "Born To Be Wild" (STEPPENWOLF) fragen, warum dieses Zeug nicht mal in die Gerümpelkiste gepackt wird, aber sei's drum: "Long Stick Goes Boom", "Bedside Radio", "Tokyo Nights" usw. ließen einen nicht sehr lange darüber nachdenken. Der RAINBOW-Klassiker "Long Live Rock'n'Roll" wurde leider nur angespielt, worauf wieder dann doch wieder die Frage stellen: warum mußten wir stattdessen vorher eine gefühlt 20minütige Singalong-Version von "Born To Be Wild" ertragen? Egal, ein technisch hervorragender Auftritt bei bestem Klang, eine sehr aktive Band und dann kam noch dazu: es wurde endlich etwas kühler. Prost!
Die Dänen-Thrasher ARTILLERY beginnen in der Halle als KROKUS draußen verendeten und überlappten sich anschließend für 40 Minuten mit HAMMERFALL. Ganz klar bringt man so keine Halle voll, doch es fand sich ein ansehnlicher Haufen ein, der interessanterweise aus sehr vielen jungen Metallern bestand. Sehr faszinierend, sollten die nicht alle draußen? Nein? Nunja, gibt ja auch etliche Leute, die lieber keinen Plastik-Metal hören. Der Sound war eher durchschnittsware, das Stageacting zu zaghaft. Aber das konnte dem Publikum nichts anhaben, sie feierten die Band nach Strich und Faden ab und kreierten regelmäßig Moshpits. Kein Wunder, wenn man allerlei Abrissbirnen in Form von "The Eternal War" oder "Terror Squad" im Gepäck hat. Ebenfalls hervorzuheben ist hier das Dio-Tribute, "Computer God" vom 1992er BLACK SABBATH-Album "Dehumanzier" (eine geremasterte Deluxe-Edition steht angeblich bald an), mit dem unsere Landesnachbarn eindeutig Mut bewiesen und diesem leider sehr im Schatten stehenden Album wieder zu etwas mehr Beleuchtung verhalfen. Schade, dass das nicht mehr Leute gehört haben.
Ohje! HAMMERFALL sind zum ersten Mal Headliner. Zumindest auf dem Bang Your Head. Aber sind sie denn auch würdig? Nach wie vor wird die Band heiß diskutiert, aber eines kann man nicht von der Hand weisen: Hits haben sie en masse. Und Alben mittlerweile auch. Stellen wir uns mal objektiv: die Schweden begannen mit einem Bomben-Sound und zogen nach "Punish And Enslave" vom aktuellen Album mit "The Dragon Lies Bleeding" auch gleich die Fans der ersten Stunde in den Bann, welche auf Nachschlag hofften. So nahm der heitere Rückblick durch die Geschichte seinen Lauf. Joacim Cans und Co. waren auf der Bühne der sprichwörtliche Wirbelwind und strahlten mächtig gute Laune aus. Eine sehr geile Show und sich duellierende Gitarrenwände taten ihr Übriges. Hervorzuheben wäre da natürlich - auch hier - das Dio-Tribute. Diesmal nicht nur "Man On The Silver Mountain", nein - das Stück wurde von Mikael Stanne gesungen, welcher gleich im Anschluß auch noch mit seiner eigenen Band DARK TRANQUILLITY in der Halle nochmal ran durfte. Was die meisten HAMMERFALL-Anhänger bis dato wohl nicht gewußt haben dürften ist, dass Mikael Stanne quasi Joacim Cans Vorgänger war. Man lernt eben nie aus. Fazit: egal was von musikalisch und stilistisch von der Band hält - an diesem Abend waren sie ein durchaus würdiger Headliner. Das sah man auch Seitens des Publikums so, das nahezu vollständig vertreten war - zumindest gen Schluß, denn vorher waren noch einige hundert Fans bei ARTILLERY zugegen.
Setlist: "Punish And Enslave", "The Dragon Lies Bleeding", "Crimson Thunder", "Hallowed Be My Name", "Renegade", "Last Man Standing", "Blood Bound", "Heeding The Call", "Rebel Inside", "Any Means Necessary", "Stronger Than All", "Riders Of The Storm" - Zugaben: "Secrets", "Let The Hammer Fall", "Man On The Silver Mountain", "Hearts On Fire"
SAMSTAG
Kann man diese neuen SAVAGE GRACE als Band bezeichnen? Braucht vielleicht nur jemand Geld? Jedenfalls bestehen die SAVAGE GRACE des Jahres 2010 aus Chris Logue, dem einzigen wirklichen ex-Mitglied der Band und der Cover-Band ROXXCALIBUR. Bereits nach den ersten Tönen waren alle Zweifel über Bord: Es IST eine richtige Band. Und sie präsentierte sich als geschlossene Einheit. Bei den legendären 80er Klassikern "Bound To Be Free", "We Came, We Saw, We Conquered", "Master Of Disguise", "Sins Of The Damned", "Into The Fire", "After The Fall From Grace" und "The Dominatress" reiht sich Hit an Hit, wirklich überzeugend und mit großartiger Performance zurechtgezimmert, sollte und wollte man schwer darauf hoffen, dass es ja vielleicht auch nochmal ein neues Studioalbum geben könnte. Aber vielleicht wollen wir das auch gar nicht, denn diese Songs kann man nicht mehr toppen. Zum Schluß gab's mit "Exciter" noch ein JUDAS PRIEST-Cover, ebenfalls sehr überzeugend dargeboten.
Noch mehr Schweden. BULLET gehören noch zu den jungen Wilden, die ihren eigenständigen Stil erst noch finden müssen. Falls sie denn überhaupt wollen. Nachdem SAVAGE GRACE die meisen Metallköpfe erfolgreich aus ihrem komatös-betrunkenen Schlaf geweckt hatten, waren BULLET das starke Äquivalent einer starken Tasse Kaffee in Kombination mit einer filterlosen Zigarette. Stampfener, rotziger, dreckiger Rock'n'Roll der auch noch die letzte Alkohol-Leiche zu neuem Leben erweckte.
Harter Stahl aus dem Schwabenland wurde anschließend von SACRED STEEL zelibriert. Wie immer hart am Rande der Ertragbarkeit für etliche Wahrmetaller ist weiterhin Frontmann Gerrit, der irgendwie den Eindruck von viel Restalkohol hinterlässt. Jedenfalls hatten die Jungens auf der Haben-Seite eine sehr ordentliche Bühnen-Performance und viel Spaß. Auf der Soll-Seite standen hingegen - historisch gesehen keine Überraschung - die dämlich blöden Ansagen und mit dem RAINBOW-Cover "Kill The King" eine schändlich interpretierte Version eines Klassikers. Die Tore des Himmels öffneten sich hierbei sehr weit, Gott weinte. Dies führte völlig zu recht zu einer Massenflucht des Publikums, welches wieder nach und nach zurückkam, als der Regen nachließ. Denn die Musik war inzwischen wieder typisch SACRED STEEL und damit zumindest für einen Teil der Gäste wieder anhörbar.
Hat eigentlich mal jemand nachgezählt wie viele schwedische Bands auf dem Festival vertreten sind? TREAT sind der Prototyp einer 80er Haarspray- und AOR-Band und den meisten wohl nur mit ihrer Single "World Of Promises" bekannt. Auch hier war eine Reunion scheinbar fällig und wie man live bewiesen hat, absolut gerechtfertigt. Der Altherrenhaufen präsentierte sich auf der Bühne fit wie ein Turnschuh und rockte von vorne bis hinten alles durch. Ein Best-Of-Programm quer durch alle Schaffensperioden der Band. Regen vertreibt viele Zuschauer. Eine Band eigentlich, die auf dem Rock Of Ages-Festival sicherlich mehr gezogen hätte, aber trotzdem eine willkommene Abwechselung war.
Was liebe ich sie und was hatte ich sie in der Vergangenheit oft verflucht, wenn sie auf einem Konzert mal wieder nur Stücke der letzten Alben spielten: Die Prog-Götter FATES WARNING! Zum 15. Geburtstag des Bang Your Head wollte derartiges niemand erwarten und das war auch gut. Zuschauer hätten es ruhig etwas mehr sein dürfen, denn es regnete mal wieder Hunde und Katzen vom mächtig finsteren Himmel herab. Zum 20jährigem Jubiläum des Albums "Parallels", welches vor kurzem in einer liebevoll aufgemachten 3-Disc Expanded Edition erschien, wurde jener Klassiker mit gleich vier Stücken gefeatured, während der Rest des Auftritts einen bunten Reigen der Vergangenheit bildete, neue Stücke gänzlich auslassend. Und wie immer natürlich auch leider welche aus der John Arch-Ära, welcher angeblich aber 2011 tatsächlich mit einem kompletten Album zurückkehren soll. Da lassen wir uns mal überraschen. Die Band selbst war sehr gut gelaunt und Ray Alder sang wie ein junger Gott, die große Bühne über weite Strecken alleine einnehmend. Insgesamt gesehen einer der besten Auftritte der letzten Jahre, wenn auch etwas zu kurz.
Setlist: "One", "Life In Still Water", "A Pleasant Shade Of Grey: Part III", "We Only Say Goodbye", "The Eleventh Hour", "Point Of View", "Through Different Eyes"
Leider ebenfalls nur sehr selten in Deutschland anzutreffen sind die 80er Party-Rock'n'Roller THE QUIREBOYS, welche eigentlich für ein lustiges Sommerfestival genau das richtige sind. Doch leider hieß es auch hier: Dauerregen, die Temperaturen nur noch halb so warm wie gestern, etliche Metaller sind zum Campingplatz geflüchtet oder haben in der Halle Unterschlupf gesucht. Wahre Spaß-Gäste konnte das zum Glück nicht wirklich abhalten und so standen vor der Bühne Metaller aller Art mit Shirts von SLAYER über IRON MAIDEN, LED ZEPPELIN und IMMORTAL bis hin zu ALICE COOPER. Eine Band also, die eine sehr breite Zielgruppe ansprechen kann und das auch tat. Die nassen Massen bekamen wasserdichte Old-School-Hits um die Ohren geschleudert und - endlich traute sich mal jemand - eine sehr eigene Interpretation des Klassikers "Starstruck". Dio zu Ehre natürlich. Ein ordentlicher Sound und eine agile Bühnenshow taten ihr übriges zu einem sehr respektablen Auftritt einer Band, die gerne wiederkommen darf. Vorzugsweise auf eine Tour.
Der Regen ließ endlich nach, als die Seattle-Dampfwalze NEVERMORE die Bühne enterte - und leider arg enttäuschte. Zum einen muß man dem Mixer im Turm schwere Hörschäden attestieren, denn der Sound war viel zu laut, völliger Matsch und komplett falsch abgemischt. Dazu kam ein vor sich hinkränkelnder Warrel Dane, welcher wohl Stimmbandprobleme hatte und dessen Lust im weiteren Verlauf des Auftritts (deswegen?) immer mehr nach ließ. Gegen Ende fand er immer seltener die richtigen Töne und verpasste gar einige Male seinen Einsatz. Die restlichen Bandmitglieder vermochten diesen verkorksten Gig nicht mehr zu retten. In punkto Songauswahl hingegen war man mit einem Best-Of Programm ziemlich gut aufgestellt: ob nun "The River Dragon Has Come", "Your Poison Throne", "Inside Four Walls", Born" oder "The Termination Proclamation" vom aktuellen Album. In Fragen Dio widmete man ihm die Eigenkomposition "The Heart Collector". Insgesamt doch eher schade, dass diese tollen Stücke alle heute so leiden hatten. Wenigstens gemeinsam mit den Fans.
Als alter Verschwörungstheoretiker würde ich mal vermuten, dass QUEENSRYCHE einen unseligen Pakt mit dem Veranstalter geschlossen hatten um die Bierverkäufe anzukurbeln. Im Vorfeld als "Best-Of-Programm" angekündigt, quälte man das Publikum von Beginn an mit grottenschlechten Stücken von Alben, die nie jemand wirklich hören wollte: "Hit The Black", Sacred Ground", "Man Down!", "The Hands" und sogar noch "Damaged" ließen einem nach und nach das Blut in den Adern gefrieren, was nur mit regelmäßigem Biernachschub den Erfrierungstod verhinderte. Nach dem fünften Bier (einer zu jedem dieser Langeweiler) glaubte man schon an Wahnvorstellungen, doch tatsächlich: es ging aufwärts! Mit "The Thin Line", "Breaking The Silence" und "Silent Lucidity" folgte ein genialer Dreierpack der beiden letzten wirklich großen Alben "Operation: Mindcrime" und "Empire" (letzteres wird genauso wie METALLICAs schwarzes Album und PRIESTs "Turbo" unter Fans natürlich immer wieder heiß diskutiert), die Publikumsreaktionen wurden bei jedem dieser Stücke mehr, der Beifall immer größer. Um dann den Zuschauern, welche nun endlich warm waren, eine weitere Bierpause in Form von "The Right Side Of My Mind" zu gönnen. Dann war aber endgültig Schluß mit Mittelmaß: es folgte mit "Neon Knights" zu Ehren - na, wem? - Dio natürlich eine kongeniale Coverversion mit perfektem Sound und Gesang. Die abschließende Zugabe in Form von "I Don't Believe In Love", "Jet City Woman" und "Empire" stimmte am Ende fast alle Fans versöhnlich und ließ die schreckliche erste Hälfte zum Glück größtenteils vergessen. Auf jedenfall erwähnenswert: zumindest die Band selbst legte von Beginn an eine hervorragende Spielfreude an den Tag, Geoff Tate hatte einen seiner besten Tage erwischt und plauderte einiges aus dem Nähkästchen über Dio, der Drum-Sound war außergewöhnlich, die Abmischung ebenfalls nur zu würdigen. Vielleicht sollte man ja der Band künftig das Programm in den Vertrag schreiben, um bei künftigen Festivals zu verhindern, dass die Jungs so von sich eingenommen sind, dass sie wieder und wieder den gleichen Fehler machen: bereits beim "Operation: Mindcrime"-Special vor einigen Jahren hätten sämtliche Besucher liebend gerne auf den kompletten zweiten Teil des Konzeptalbums verzichtet, heute hätten wir gerne auf den ersten Teil dieses Konzertes verzichtet. Immerhin ja schonmal ein Fortschritt: lieber schlecht beginnen und gut enden als umgekehrt. Fazit: wäre da nicht die unterirdische Songauswahl in Halbzeit eins gewesen, es wäre ein perfekter Gig geworden.
Unglaubliche sieben Jahre ist es schon wieder her, als Dee Snider 2003 das Bang Your Head noch mit seiner Solo-Band als Headliner besuchte. Nach all der Zeit. Und wie erschrocken, überrascht, entsetzt, fasziniert und überwältigt er damals war. Nie im Leben hätte er wohl daran gedacht, jemals wieder von so vielen Menschen zu spielen. Vor so vielen Menschen, die ihn sehen wollten. Dieser Auftritt war zweifelsfrei ein Jahrhundert-Gig. In den Folgejahren verhaspelte man sich dann (u.a. auch auf dem BYH 2005) sehr ordentlich bei den Setlists. Pünktlich zum Jubiläum dürfen sie aber auf keinen Fall fehlen: TWISTED SISTER! Gleich drei Intros gönnte man sich diesmal, um zwischen "It's A Long Way To The Top" und dem Beginn zu "Come Out And Play" noch das Dio-Tribute "Man On The Silver Mountain" anzustimmen. Auch Dee Snider selbst ließ sein grelles Outfit im Schrank und trat ganz in schwarz auf. Dezente Hinweise also, die aber eines natürlich nicht wollten: darüber trauern. So gingen TWISTED SISTER mit "Come Out And Play", "The Kids Are Back" und "Stay Hungry" sogleich mit Monsterhymnen in die Vollen und wurden von Beginn an abgefeiert wie Götter. Die Stimmung stieg höher und höher um beim unvermeidlichen "We're Not Gonna Take It" in ein nicht enden wollendes Singalong zu münden. Irgendwann haben wir aufgehört mitzuzählen, wie oft der Refrain neu angestimmt wurde. Die Band wirbelte auf den Brettern was das Zeug hielt, dazu noch ein sehr guter Sound und ein mächtig fröhlicher Frontmann, der (bei der Hammerballade "The Price") auch schonmal das Bühnenlicht komplett abschalten ließ, damit er tausende von Fans fotografieren konnte, die reihenweise Feuerzeuge und beleuchtete Handys hochhielten. Nach "I Wanna Rock" war dann erstmal schluß mit lustig. Doch wofür gibt es denn Zugaben: es folgten "Under The Blade", die Dio-Reminiszenz "Long Live Rock'n'Roll" und "S.M.F.", mit dem das sick mother fuckende Publico schließlich in die mittlerweile sternenklare Nacht entlassen wurde.
Setlist: "Come Out And Play", "The Kids Are Back", "Stay Hungry", "Captain Howdy", "Shoot 'em Down", "You Can't Stop Rock'n'Roll", "The Fire Still Burns", "I Am (I'm Me)", "We're Not Gonna Take It", "The Price", "I Believe In Rock'n'Roll", "Burn In Hell", "I Wanna Rock", "Under The Blade", "Long Live Rock'n'Roll", "S.M.F."
Und damit wären wir am Endes des Bang Your Heads angelangt. Die neue Halle ist ein großartiger Pluspunkt des Festivals. Ob draußen Hitze oder Regen herrschen, drinnen kann sich der ausgelaugte Metal-Fan etwas Ruhe verschaffen. Auch die etwas härteren Bands teilweise parallel zum True Metal drinnen spielen zu lassen ist gewiss eine interessante Idee um auch Fans härterer Musik dauerhaft ans Festival zu binden.
Ansonsten wieder ein hervorragendes Festival, welches wir nächstes Jahr gerne wieder besuchen.
Mittwoch
Da die Presse gelegentlich auch noch an anderen Baustellen, Konzerten usw. arbeiten muß, waren wir erst bei den letzten Tönen von GOD DETHRONED vor der Bühne, weswegen wir hier gleich zu POWERWOLF kommen: die Vampir-Rocker, welche lieber aus Siebenbürgen stammen würden und es doch nicht tun, legten bei druckvollem Sound wie immer eine erstklassige Show hin, die natürlich von Hunnenkönig Attila sogleich geweiht wurde. Die Instrumentalfraktion poste in bester 80er-Manier mit fliegenden Haaren, während man Hymnen wie "We Take It From The Living" (Opener), "Raise Your Fist, Evangelist", "Saturday Satan" oder den textlichen Überbrüller "Resurrection By Erection" einfach mitsingen mußte. Keine Frage, POWERWOLF zählen aktuell zusammen mit ALESTORM und SABATON zu den powermetalligen Senkrechtstartern. Auf Letztere durften wir uns auch noch freuen, die spielten zwei Tage später.
Core-Thrash aus der Schweiz spielten als Kontrastprogramm zum Abschluß CATARACT. Als wandelnde Energiekraftwerke bolzten sie ein überzeugendes Programm, werden jedoch stilistisch nicht sehr bald zu meinen Lieblingsbands zählen.
Donnerstag
Ui, ui, ui. Nette Aussichten standen da auf der Bühne. Kamen aber leider nicht im Ohr an. Bei KATRA traf die Sängerin nicht wirklich regelmäßig den richtigen Ton, dazu gab es nicht nur wirklich langweilige 08/15-Gothic-Rock Stücke zu hören, sondern auch - sehr merkwürdig - ein Keyboard. Da auf der Bühne aber weder eins stand, noch ein dazugehöriger Tastendrücker zu sichten war, kam man unweigerlich zur Erkenntnis, dass es wohl besser gewesen wäre nicht nur das Keyboard vom Band kommen zu lassen - sondern gleich das ganze Konzert.
Die polnischen Todesblei-Aktivisten VADER machten anschließend zwar spieltechnisch alles richtig und gingen voll auf die Zwölf. Der Mann am Mischpult war aber vermutlich mit dem Kopf auf selbiges aufgeschlagen und hat dabei alle Regler verstellt. Jedenfalls waren die ersten Stücke kaum als Musik zu erkennen. Sehr schade. Danach wurde es wesentlich besser und man durfte endlich der Brillianz dieser Musiker huldigen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bands hätte man sich ein wenig mehr von den letzten beiden aktuellen Veröffentlichungen gewunschen. Aber im Gegensatz zu manch anderen Bands wissen VADER eben längst, was man auf einem Festival spielen muß: Hits, Hits Hits. Daumen nach oben!
Mit Doom-Metal konnte ich bis auf sehr wenige Alben bisher recht wenig anfangen. So rückten GRAND MAGUS auch erst mit ihrem aktuellen Album "Iron Will" in meinen Fokus. Denn vom Allerwelts-Doom der Vergangenheit sind die Schweden jetzt endgültig weit entfernt. Der an BLACK SABBATH erinnernde Sound der frühen 80er weckt zeitweise Assoziationen zu Dio, der überragende Frontmann Janne Christffersson sorgt mit seiner druckvollen, weitaus tieferen aber sehr mächtigen Stimme für die nötige Eigenständigkeit. So traf an jedem Tag Altes auf Neues, alte Fans auf neue Fans wie mich, die der Band von ganzen Herzen wünschen, dass noch viele große Werke wie "Iron Will" erscheinen mögen. Zum guten Sound hätte nur noch eines gefehlt: eine stärkere Publikumsansprache, denn die war bis auf die Ankündigung von Songtiteln nicht vorhanden.
Fans des Grafen sind wir widerum schon sehr lange, bereits seit der ersten Single "Sage ja!". Und freuten wir uns alle unheimlich auf UNHEILIG. Das mag man bei bei uns eher traditionellen Schwermetallern kaum glauben, doch ist's eben nur ein weiterer Beweis dafür, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Sogar Kollege Stormbringer (Andi), der meist nur BRAINSTORM, IRON SAVIOR oder SHIVA hört, hat an ihnen einen Narren gefressen. Warum? Ganz einfach: diesem Frontmann und Bandleader merkt man zu jeder Sekunde an, dass er nicht nur Freude hat zu singen, sondern dass er diese ganze Band einfach "lebt". Bei mäßigem Regen gab es auf der Hauptbühne ein Feuerwerk an Gefühlen, die ins Publikum schwallten und teilweise von Form von Crowdsurfern wieder zurückkamen. Man mochte es kaum glauben, doch die germanischen Gothic-Metaller wurden auch vom hammerharten Summer Breeze-Publikum auf- und angenommen. Ein dicker Grund dafür, warum das Festival so beliebt ist: die stilistische Bandbreite sorgte immer schon dafür, dass Fans neue Ufer und Stile erkunden durften.
Setlist:
Lampenfieber, Spiegelbild, Astronaut, Feuerengel, An deiner Seite, Sage ja!, Maschine, Freiheit, Mein Stern
SYLOSIS aus England spielten im Partyzelt eine eigenartige Mischung aus Hardcore, Death- und Thrash-Metal. Mangels Kompatiblität zu unseren Hörgewohnheiten nur kurz erwähnt: druckvoller Sound, überzeugender Auftritt, gute Stimmung. Und eine kleine Wall Of Death im Partyzelt. Hals- und Beinbruch im heißen Mikrouniversum. Weiter zu...
...EQUILIBRIUM. Auch wenn uns Franken schon immer eine gewisse Hassliebe mit den Bayern verband, bei Pagan-Metal steht das natürlich hinten an. Der Sound drückte, die Matten flogen, die Crowdsurfer-Welle schwappe so dermaßen heftig über die Wellenbrecher in den Fotograben, dass man sich dort als Security schon fast wie bei der Schlacht um Helm's Klamm vorkam. Bei einem überzeugenden Sound performte sich die Band in die Stratosphäre und man mußte sich unweigerlich fragen, warum es EQUILIBRIUM bei einem derartigen Massenandrang bis heute nicht geschafft haben, auch mal irgendwo zu später Stunde aufzutreten. Unverhofft kommt oft - im Übrigen. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet von brutalen Pagan-Metallern aus Bayern eine Hommage auf Michael Jackson kommt. Der Versuch, ausgerechnet "Billie Jean" zu vergewaltigen, eines der am schwersten zu singenden Stücke des "King of Pop", ging natürlich gnadenlos in die Windel. Doch wie sagt man so schön: der gute Wille zählt. "Heal The World" mit Wall Of Death - DAS wär's gewesen!
J.B.O.-Fans gibt's bei uns leider nicht. Das heißt: früher waren wir's mal ansatzweise. Früher, als ihre Texte noch so richtig gut und ihr Humor so richtig unbeschwert war. Doch das Blast-Orchester hat sich im Laufe der letzten Jahre deutlich abgenutzt. Um es so objektiv wie möglich zu machen: vermutlich sind die Franken mittlerweile auch nur mehr so ganz von sich selbst überzeugt, denn eine große Spielfreude legten sie auf dem Flugfeld nicht gerade an den Tag. Hat aber vermutlich kaum jemand gemerkt, denn das Publikum ließ sich bereitwillig mit ins Geschehen ziehen, welches da von der Bühne wie üblich sehr eingespielt hernieder prasselte. Auch weiterhin bin ich der Meinung: aufgrund überdurchschnittlicher Fähigkeiten wäre es längst an der Zeit, dass die Jungs mal ein ernsthaftes, metallisches Nebenprojekt gründen. Könnte was Großes werden.
KREATOR haben ein Problem. Ein Großes. Sie sind mittlerweile wie SAXON. Man sieht sie mindestens einmal im Jahr auf einem Festival. Mit identischer Setlist. Mit identischen Ansagen. Aber auch mit immer gleich guter Performance und gutem Sound. Gepflegte Langeweile ohne Überraschungen und zugleich eine von sich selbst überzeugte, sich selbst feiernde Band, die Metal aus dem innersten ich zelebriert wie eine Religion. Ja ist denn das zu fassen. Mille gefangen in der Zeit, eingefroren scheinbar wie ein gewisser Draufgänger in Star Wars. Ob man diese sich ständig wiederholenden Auftritte jemals wieder wird auftauen können? An jenem Abend war dies zu bezweifeln.
Setlist:
Choir Of The Damned, Hordes Of Chaos, Phobia, Terrible Certainty, Betrayer, Enemy Of God, Destroy What Destroys You, Pleasure To Kill, Violent Revolution, Extreme Aggressions, Coma Of Souls, Warcurse, Flag Of Hate, Tormentor
Ein weiterer genialer Einfall der Veranstalter: die BACKYARD BABIES haben es bisher (soweit ich mich erinnern kann) noch nicht mal auf das Bang Your Head geschafft. Als abwechslungsreicher Einschnitt machten die Rock'n'Roller totalen Alarm und hüpfen und flogen über die Bühne, als wenn ein Scharm Hornissen hinter ihnen wäre. Die Stimmung war riesig, das Publikum ging überraschend gut dazu ab - eine sehr geile Party bei der das Hauptaugenmerk auf neuere, aber dennoch sehr gute Stücke lag. Beim gut abgemischtem Sound und viel Sonne haben die BACKYARD BABIES seit diesem Abend bestimmt auch zahlreiche neue Fans aus dem harten Lager gefunden. Uns eingeschlossen.
Kein Mittelalter-Fan weilt unter uns, doch beurteilen wir das CORVUS CORAX-Projekt CANTUS BURANUS mal so objektiv wie möglich: monstermäßig gigantische Show mit massig Licht und Effekten, ein komplettes Orchester mit Chor - da war auf der Bühne nicht mehr viel Platz für großes Stageacting. Dass Bombast und Masse eben nicht alles ist, zeigten leider folgende Eindrücke: wer die Instrumente nicht kennt, sollte besser die Finger davon lassen. So schalteten sich die einzelnen Instrumente teilweise gegenseitig aus, indem sie sich alle zu übertönen versuchten, die Kombination von einigen gleichzeitig spielenden Instrumenten entweder beide nullte oder eines davon das andere überstimmte. Beim gleichzeitigem Einsatz von Orchester und mittelalterlichen Solo-Instrumenten entstand zuweilen ein sehr ärgerlicher, massiver Soundbrei. Den hätte ein schlechter Mixer ohne den ganzen Aufwand auch nicht schlechter hinbekommen. Dann das Songmaterial: für ein bis drei Stücke sehr interessant anzuhören, doch auf die Dauer eines kompletten Gigs klangen die einzelnen Songs zu gleichförmig. So wurde das ganze nach ca. 15 Minuten sehr schnell langweilig. Das sahen nicht nur wir so, denn das Gelände leerte sich zunehmend schnell.
Die schwedischen Düsterrocker KATATONIA knüpften an den mauen Auftritt von CANTUS BURANUS leider an. Bei den ersten Stücken ganz und gar sichtlich neben der Kappe spielend, dazu mit sehr bescheidenem Sound, präsentierten sich die Jungs ohne vorhandene Bühnen-Performance und zelebrierten eine Stunde lang Ödnis. Das Songmaterial bestand fast nur aus den letzten drei Alben und so wurden KATATONIA am Ende zu einer herrlichen Einschlafhilfe.
Freitag
Mit THE NEW BLACK aus unserem tollen Frankenland (sie kommen aus Würzburg) begannen wir den dritten Festival-Tag. Eine eigenartige, aber interessante Mischung aus Südstaaten-Rock und Hardrock, unterbrochen von teilweise sehr eingängigen bis an Popmusik grenzenden Refrains, teilweise begleitet von einer Mundharmonika. Insgesamt sehr gefällig und gut anhörbar. Eine "nette" Mucke wie man dazu gerne sagen würde. Ob das schon der endgültige Stil dieser Jungens ist? Die großen Melodien fehlten jedenfalls noch. Zu äußerst mittelmäßigem Sound bemühte man sich aber auf der Bühne um gute Stimmung und Performance. Alles in allem also ein akzeptabler Anfang, welcher vom noch sehr überschaubaren Publikum mit Applaus bedacht wurde.
Wie so viele Bands der letzten Zeit stammen auch BATTLELORE aus Finnland. Nach einiger Zeit der Abwesenheit sind sie nun wieder da. Auf dem Summer Breeze versuchten sie die Zuschauer mit ihrem hymnenhaften Gothic-Metal für sich zu gewinnen und präsentierten sich in entsprechend mittelalterlich um für ihr von Tolkien's Herr der Ringe stark beeinflusstes Liedgut zu werben. Etwas lahmarschig auf der Bühne, aber scheinbar gut eingestellt, wußten BATTLELORD erstaunlich viele Leute vor die Bühne zu holen. Insgesamt gesehen zwar ein überzeugender Auftritt, doch das Songmaterial ist auf Dauer dann doch zu durchschaubar und eintönig.
Auch True-Metal aus dem Schwabenland darf in Dinkelsbühl mal ran. SACRED STEEL beehrten das Festival und Gerrits schneidene Stimme zerschnitt das Partyzelt. Die Band - und allen voran ihr Frontman - war bestens gelaunt und ließ es sich nicht nehmen einige Slapstick-Einlagen zum besten zu geben. Bei hervorragendem Stage-Acting und super Stimmung war der Sound der passend. Die Songauswahl eher durchwachsen. Der Titeltrack des vierten Albums "Slaughter Prophecy" zeigte die Traditionsmetaller von einer schon wieder vergessenen Vergangenheit: mit Growling "aufgewertet", dürften bei diesem Release auch einige Todesmetaller ein wenig aufgehorcht haben.
Setlist: Heavy Metal To The End, Metal Is War, Battle Angel, Open Wide The Gate, Blood On My Steel, Slaughter Prophecy, Wargods Of Metal
Nicht nur SACRED STEEL spalten die Metal-Welt ziemlich eindeutig in Fans und Hasser. Auch die ebenfalls aus Germanien stammenden BLACK MESSIAH - wenn auch auf ganz andere Art. Tolle Bühnen-Performance, super Stimmung - und ein Zelt, das zu platzen drohte. Der hymnenhafte Pagan-Sound lockte unheimlich viele Besucher ins Zelt, welche die Band nach Strich und Faden abfeierten. Der aktuell größten Abräumer sind neben dem "Moskau"-Cover "Söldnerschwein" und das "Sauflied", bei dem die ganze Bude fast auseinanderfliegt und man sich wundert, warum sich da nicht sehr spontan eine Wall Of Death gebildet hatte. Kommt beim nächsten mal bestimmt. Auf größeren Bühnen.
Setlist: Vor den Toren Valhalls, Irminsul, Söldnerschwein, Von Rachsucht und Lüge, Sauflied, Moskau
Die bayerische "Allstar-Combo" OBSCURA kombinierte gekonnt Lärm mit Melodien und hinterließ bei arg durchwachsenem Sound einen eher durchschnittlichen Eindruck.
Live sind SABATON nicht erst seit gestern eine absolut teuere Bank. Mit dem relativ tiefen Gesang fand der eingängige Bombast-Powermetal auch bei nicht truem Publikum viel Anklang. Entsprechend verwandelten sich Bühne und Festivalgelände binnen Minuten zu einer riesigen Party, bei der gefühlte 80 mal das Wort "Bier" fiel. Wenn dann - wie hier - auch noch der Mixer im Turm konzentriert arbeitet, hat man ein perfektes Konzert. Fast perfekt - es war nämlich zu kurz.
Setlist: Ghost Division, Art Of War, 40 To 1, Cliffs Of Gallopoli, Aterus Dominatus, The Price Of A Mile, Panzer Battalion, Primo Victoria, Metal Machine
Vorbei sind glücklicherweise längst die Zeiten, als AMORPHIS sich nach ihrer erfolgreichsten Phase in dumben "THE DOORS für Arme"-Sounds verstrickt hatten. Sie sind wieder da und haben sich auf ihre Stärken zurückbesonnen. Zu einer wahnsinnigen Lightshow gibt es sehr gut abgemischten Sound. Das Stage-Acting ist ok und die Jungs haben sichtlich Spaß. Das Programm (siehe Setlist) zieht einen bunten Reigen quer durch die Geschichte und verzichtet auf überflüssige Langeweiler. Aber überraschend auch auf den größten Hit "Black Winter Day", was wohl als Emanzipation zu werten ist. Im Gegensatz zum Vortag spielte hier ein eindeutiger und würdiger Headliner, der die 25.000 Besucher fast alle an sich zu binden wußte. Beide Daumen nach oben! Ach halt! Das sollten ja eigentlich AMON AMARTH sein. Erstmal sehn was VREID zu bieten haben.
Setlist: Leaves Scar, Towards And Against, From The Heaven Of My Heart, Against Widows, The Castaway, Sampo, Silver Bride, Alone, The Smoke, My Kantele, House Of Sleep, Magic And Mayhem
Weitaus besser als auf Platte konnten VREID mit ihrer Mischung aus Black-Metal und Rockabilly überzeugen. Klarer Sound, massiv aufgedrehte Stimmung auf der Bühne und ein Publikum, welches darauf scheinbar richtig gut abzumoshen weiß.
Auch das Wikinger-Schiff AMON AMARTH muß langsam aufpassen: überall wo es Festivals gibt spielen sie. Ständig. Ein Overkill steht kurz bevor. Denkt man. 25.000 Metalheads dachten da anders als wir. Zwar verzichteten die Schweden auf der Bühne auf eingangs erwähntes Schiff, welches in Wacken noch mächtig auf den Brettern hoch über dem Publiko segelte, doch eine Orgie an Licht, Pyros und Nebel kreierte in Dinkelsbühl eine völlig eigenständige Interpretation der Band-Visionen. Zumindest in dieser Hinsicht herrscht Abwechslung. Der Mixer war zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon ziemlich gut angetrunken, anders sind der total übersteuerte Sound und die rumpelnden Drums kaum zu erklären. Aber auch das störte niemanden, denn die Schweden werden ähnlich wie vorher bereits AMORPHIS von treuen Anhängern unterstützt, die ihnen quasi aus der Hand fressen und teilweise sämtliche Texte mitsingen. Das ist normalerweise eher im True-Metal-Bereich zu finden. Aber wie sagten uns einige Fans "das ist die Death-Metal-Version von MANOWAR". Aha. Wieder was gelernt.
Setlist:
Twilight Of The Thunder God, Free Will Sacrifice, Asator, Varyags Of Miklagaard, Runes To My Memory, Thousand Years Of Oppression, Guardians Of Asgaard, Live For The Kill, Fate Of Norns, Victorious March, Pursuit Of Vikings. Zugabe: Cry Of The Blackbirds, Death In Fire
HAGGARD kurz und schmerzlos (da wir sie nicht sehr spannend finden): guter Sound und gute Show. Das Songmaterial besteht fast ausschließlich aus Material der letzten drei Alben. Kam bei den Fans trotzdem sehr gut an.
FIREWIND regelten zu später Stunde im Partyzelt noch den Fels und wußten durch eine überzeugende Bühnen-Performance alles in Grund und Boden zu Twin-Guitaren. Obwohl FIREWIND nicht ganz die songwriterischen Fähigkeiten POWERWOLF oder SABATON haben, wußten sie durch eine sehr lebendige Performance zu überzeugen. Dazu gabs guten Sound und ein sehr angetanes Publikum.
Über zwei Stunden nach FIREWIND wuchtete ich mich nochmal aus meinem Stuhl um mir ELVENKING zu geben. Die Mischung aus Folk-, Power- und Death-Metal ist zwar nicht sehr oft zu finden - vorallem nicht bei einer Band aus Italien - doch so richtig gelohnt hat sich der Weg nicht. Zum wahrlich durchschnittlichen Songmaterial gesellt sich noch eine Band, welche "ihr Ding" herunternudelt. Kommunikation mit dem Publikum findet kaum statt. Schade eigentlich.
Samstag
Die völlig gehypten KRYPTERIA - eine der wenigen neuen Metal-Bands die aus dem Stand heraus für ihr Debüt von einem Major (EMI Records) angeheuert wurden - sorgten für volles Haus. Für mich völlig unverständlich, für Kollege Andi völlig selbstverständlich. So spaltet die Band um die holde Frontfrau Ji-In die Metalwelt ganz ohne Axt.
Ähnlich überflüssig wie KRYPTERIA auch die Gothic-Metaller von EPICA, welche uns mit tosend langweiligem Plastik-Gothic nervten. Die Band hingegen zeigte viel Spielfreude und passte sich mit der Auswahl von härteren Stücken dem allgemeinen Niveau des Festivals an.
Setlist: Indigo, Obsessive Devotion, Sensorium, Menace Of Vanity, Cry Of The Moon, Sancta Terra, Consign To Oblivion
Im Partyzelt waren die Pagan-Metaller WAYLANDER nach längerer Auszeit mal wieder zu sehen. Die Kapelle ist weit entfernt vom derzeit angesagten Tralala-Folk von vielen angesagten Kollegen und heben sich somit wohltuend ab. Die Band hatte sichtlich Spaß daran wieder da zu sein und ein dankbares Publikum füllte ordentlich den Platz.
Setlist: As The Deities Clash, Walk With Honour, A Hero's Lament, Beyond The Ninth Wave, Born To The Fight
Die Schwaben BRAINSTORM waren auch auf dem Summer Breeze ein gern gesehener Gast: die Power Metal-Kapelle versammelt eine sehr ordentliche Schar Leute um sich und bietet schnörkellose Banger-Hymnen bei bester Laune und gutem Sound. Dass Frontmann Andy B. Franck ein guter Showmaster ist, ist allseits bekannt. Obwohl viele der anwesenden die Band gar nicht so gut kannten, hörte man nur Lob. BRAINSTORM legten beim Songmaterial etwas unverständlich großen Wert auf die letzten Alben und ließen so manches Schmankerl außen vor. Dennoch ein sehr arschtretender Auftritt.
MOONSPELL sind wieder da! Mit den beiden Jahrhundertalben "Wolfheart" und "Irreligious" mitte der 1990er sehr schnell zu meinen Favoriten aufgestiegen, begann schon kurz danach ähnlich wie bei AMORPHIS der schnelle Fall in poppige Wave-Musik der Unterklasse. Ähnlich wie AMORPHIS konnten sich auf MOONSPELL in den letzten Jahren wieder erholen, besannen sich auf alte Stärken, legten wieder deutlich an Härte zu und spielten wieder nach ihrem Herzen. Und den Herzen ihrer Fans. Obwohl die eingangs erwähnten Meisterwerke natürlich unerreicht bleiben, zeugten die aktuellen Veröffentlichungen auch live von neuer Kraft und so spielten die Portugiesen einen riesen Gig quer durch ihre Geschichte. Guter Sound, gutes Stage-Acting, volles Feld, beste Stimmung. Die größten Höhepunkte waren natürlich "Opium", "Vampiria" und "Alma Mater".
Anschließend ward's wieder an der Zeit für eine Lektion Knüppel-aus-dem-Sack. LEGION OF THE DAMNED enterten die Bühne und zeigten sich als eingespielte Gemeinschaft unglaublich tight und souverän. Indes konnte es aber nichts daran ändern, dass das Songmaterial für ein komplettes Konzert dann doch sehr gleichförmig ist und diese Band mittelfristig kaum Chancen hat Größen wie KREATOR, SODOM oder auch TANKARD in technischer und songwriterischer Hinsicht paroli bieten zu können. Kurzum: nett und aus dem Herzen, doch nur zweite Liga.
Vor zwei Wochen spielten sie als Headliner bereits in Wacken. Selber Status auf dem Summer Breeze. VOLBEAT sind DIE Senkrechtstarter der letzten Jahre. Mit der Elvis-ähnlichen Stimme von Michael Poulsen und einer ordentlichen Schippe schwermetallischen Rock'n'Roll im Gepäck kein Wunder. Das Publikum fras der Band buchstäblich aus der Hand, sang in weiten Teilen mit und stellte die Security vor buchstäblich schwere Aufgaben: über den Köpfen entstand quasi aus dem Nichts binnen kürzester Zeit eine Crowdsurfer-Autobahn, die man nicht alle Tage sieht. Grandios! Ein perfekter Auftritt, der einige von uns, welche die Band vorher noch nicht so kannten, zu neuen Fans machte. Ich selbst sah in Wacken nur die letzten drei Songs, da wir zu diesem Zeitpunkt auf Erkundungstour im Wikingerdorf bzw. bei einem Interview waren. Höhepunkte waren der Überraschungsauftritt von Pernille Rosendahl von THE STORM, welche bei "Mary Ann's Place" mit Michael im Duett sang, eine kurze Hommage an SLAYER mit einem angespielten "Reign In Blood" und einer neuer, noch unbetitelter Song, welcher scheinbar mit einem spontanen Text übers Summer Breeze sehr augenzwinkernd vorgetragen wurde. Der mit Abstand beste Gig des Festivals!
Setlist: End Of The Road, Guitar Gangsters & Cadillac Blood, Hallelujah Goat, Radio Girl, Sad Man's Tongue, Mr. & Mrs. Ness, Pool Of Booze, Angel Fuck, Mary Ann's Place, River Queen, Neuer Song (wurde nicht mit Namen angekündigt und hatte scheinbar auf dem Summer Breeze noch einen eher spontanen Text), The Human Instrument, The Garden's Tale, A Broken Man And The Dawn, Still Counting, Caroline Leaving, We
Sichtlich leerer wird es vor der Bühne, als VOIVOD selbige entern um eine transgalaktische Mischung aus Punk-, Techno-, Psychedelic-, Rotz'n'Roll-Thrash zu spielen, welche irgendwo aus den 1980ern zu kommen scheint, aber sich in den unendlichen Weiten des Universums in Zeitlosigkeit verirrt. Zu fortgeschrittener Stunde passt das Drumherum um einiges besser als das Frühabend-Programm auf dem Bang Your Head. So kommt man in den Genuß einer guten Lightshow mit ordentlich Wumms. Bandleader Snake, anfangs verwirrt, weil im Wellenbrecher so wenig Leute sind, entscheidet sich dann aber doch dazu das Publikum zu fotografieren und beim Stageacting alles zu geben. Eine Band mit viel Spielfreude, welche bis heute ein Underground-Tipp von Gourmets geblieben ist.
OPETH Headliner? Sei ihnen vergönnt. Aber ob sowas nötig ist? Mit VOLBEAT hatte der eigentliche Headliner nämlich schon gespielt. Mit ihren sphärischen Klangwelten konnten mich die Jungs, obwohl ich sehr großer OPETH-Anhänger bin, auf einem Open Air noch nie überzeugen. Sie passen irgendwie nicht auf eine Festival-Atmosphäre und irgendwie erzeugen ihre langen Stücke live einen gewissen Gähn-Effekt. Kam noch verschlimmernd hinzu, dass der Sound teilweise so unterirdisch abgemixt war, dass man einige Stücke nur noch ansatzweise erkennen konnte. Das bekamen schnell auch die Perfektionisten um Sänger Mikael mit, welche zuerst von den Roadies genervt waren, die da auf der Bühne umherwackelten und anschließend davon, dass diese es nicht schafften den Sound wirklich besser zu machen. Das Publikum nahm es ziemlich locker, es war fast genauso voll wie vorher bei VOLBEAT und als der Sound ab der Hälfte der Show endlich wieder besser wurde, war die ganze Aufregung fast vergessen. Technisch perfekt, gesangsmäßig brilliant - soviel kann man hier zusammenfassen. Doch eben leider live nicht ganz mein Bier.
Setlist: Heir Apparent, Soldier Of Fortune, Ghost Of Perdition, Harvest, The Leaper Affinity, Closure, The Lotus Eater, Delieverance
Die Franzosen DAGOBA, hier relativ unbekannt, überraschten mit einer kuriosen Mischung aus Todesmetall, gepaart mit deftivem Industrial. Das funktionierte überaus wirkungsvoll und trat mächtig Arsch. Die Band steigerte sich im Verlauf des Gigs in rasende Wut, der die Spielfreude so richtig als Kontrapunkt anzusehen war. Damit werden wir uns wohl demnächst näher beschäftigen müssen.
Noch mehr Elektronik gibt es anschließend bei den DEATHSTARS, die man quasi ständig irgendwo sieht, aber sie meistens ignoriert. Zu unüberzeugend ist ihre Musik. Das Publikum sah das zu später Stunde anders, auch wenn immer mehr das Gelände verließen.
SECRETS OF THE MOON beendeten das Freiluftkonzert anschließend im Partyzelt. Von den fünf Stücken, welche sie spielten, stammten die ersten drei vom neuen Album. Das könnte man auch glatt als Selbstmord bezeichnen. Wars aber nicht. Auch wenn die Stimmung im Publikum noch etwas verhalten war, stieg sie von Stück zu Stück um dann bei den beiden bekannten Stücken "Black Halo" und "Lucifer Speaks" zu kulminiren und das Festival würdig beendeten.
Fazit
Die Organisatoren haben heuer mal wieder sehr gute Arbeit geleistet und wieder versucht alles besser zu machen und zu optimieren. Das ist rückblickend mehr als nur gelungen. Nicht nur die Anfahrt war problemlos, auch wurde heuer erstmals fester Boden vor die Hauptbühne gelegt. Das garantiert auch bei heftigem Regen schlammfreies Bangen. Diese enorme stilistische Bandbreite der auftretenden Bands ist immer wieder erstaunlich. Vorallem, wenn man es genau damit schafft 25.000 Leute zum kommen zu motivieren. Rock'n'Roll, Black-, Death-, Doom-, True- und Thrash-Metal, Hate- und Hardcore, Hardrock und Fun-Metal. All das gibt es einmal im Jahr - auf einem sehr großen Flugfeld nahe der kleinen historischen Stadt Dinkelsbühl, deren Altstadt immer wieder einen Besuch wert ist.
Donnerstag: Anfahrt. Wie üblich. Diesmal fuhren wir nicht wie letztes Jahr die Nacht durch (um dann bei IRON MAIDEN Abends ziemlich müde zu sein), sondern übernachteten im Hotel im Hamburg (nach einem lustigen Reeperbahn-Besuch, natürlich). Ankunftszeit war fast gleich, wir kamen an bevor es Mittag schlug. Diesmal ganz ohne Stau und mit komplett neu organisierter Anfahrt. Das fing doch schonmal mehr als positiv an!
Donnerstag
Was gab es im Vorfeld nicht alles für Gerüchte. Wer will IRON MAIDEN dieses Jahr toppen, hörte man oft. AC/DC? METALLICA? Doch LED ZEPPELIN exklusiv? KISS? Nichtnichten! Keine dieser Giganten anwesend. Trotzdem genauso voll wie immer. Trotzdem alles wie immer. Zum Beispiel die Nacht zum Erinnern am Donnerstag:
Die Dänen D.A.D. hatten das Problem, dass es von Anfang an sehr windig war und der Sound im wahrsten Sinne des Wortes vom Winde verweht wurde. Da man die meisten Songs nur ansatzweise erkennen konnte, bleibt hier nur zu sagen: sie haben eine riesige CD-Box angekündigt. Mit ALLEN ihren Alben. Digital-remastert. Da freuen wir uns drauf!
1994 machten die BÖHSEN ONKELZ das Festival erst richtig groß. 2004 spielten sie hier eines ihrer Abschiedskonzerte. Diesmal war nur einer von ihnen da: DER W., auch Stephan Weidner genannt. Und was bereits im Vorfeld klargemacht wurde: ONKELZ-Lieder wird er auch in Wacken nicht spielen. So war es dann auch. Die Frage, die man sich da stellen muss: warum steht der da, an dieser Position, mit nur einem Album im Gepäck, von welchem auch nur zwei bis drei Stücke wirklich gut sind und der Rest so im Nirvana herumpendelt? Genauso war dann leider auch der Auftritt. Über weite Strecken biederer Deutsch-Rock der zweiten Liga, den eigentlich niemand wirklich braucht. Das kaum vorhandene Stage-Acting und eine nicht anwesende Show im Allgemeinen machten den W. reichlich überflüssig.
Was hatten wir uns alle auf den Abschied der Piraten-Metal-Legende RUNNING WILD gefreut. Eine abwechslungsreiche Bühnenshow, ein letztes ambitioniertes Stelldichein, für eine spätere DVD-Veröffentlichung vielleicht. Von allem NICHTS. Rock'n'Rolf stand einem Roboter gleich auf der Bühne und zockte völlig gelangweilt einen Song nach dem anderen herunter. Das Publikum wurde weder mit großartigen Ansagen beglückt, noch in die Show in Form von Singalongs oder ähnlichem mit einbezogen. Man hatte ständig das Gefühl, dass da jemand unbedingt ein Abschiedskonzert geben muss, weil es irgendwer von ihm so verlangt. Vielleicht ja auch nur seine Fans. Spaß daran hatte Herr Kasparek daran aber zu keinem Zeitpunkt. Sehr, sehr schade. Hätten sich beide ersparen können. Fans und Band.
Setlist: Chamber Of Lies, Intro, Port Royal, Bad To The Bone, Riding The Storm, Soulless, Prisoner Of Our Time, Black Hand Inn, Purgatory, The Battle Of Waterloo, Drum Solo, Raging Fire, The Brotherhood, Draw The Line, Whirlwind, Tortuga Bay, Branded And Exiled, Raise Your Fist.
Zugaben: Conquistadores, Under Jolly Roger
HEAVEN AND HELL
Setlist: E5150, The Mob Rules, Children Of The Sea, I, Bible Black, Time Machine, Fear, Falling Off The Edge Of The World, Follow The Tears, Die Young, Heaven And Hell. Zugaben: Country Girl, Neon Knights
Freitag
UFO. Eine Band wie aus einer anderen Zeit. Mit bestem Sound (für die frühe Uhrzeit), agierten sie äußerst souverän und lieferten eine sehr guten Bühnenshow ab. Die bekanntesten Songs ihrer Setlist: "Rock Bottom" und "Lights Out" natürlich. Warum ihr größter Hit "Doctor, Doctor" fehlte, wissen vermutlich nur sie.
Was GAMMA RAY zu so früher Stunde bereits auf den Brettern zu suchen haben? Keine Ahnung. Nicht genügend Kohle seitens der Plattenfirma rübergewachsen. Anders lässt sich es nicht erklären, dass diese Headliner-verdächtige Band bereits bei hellstem Sonnenlicht und noch vor Kapellen wie TRISTANIA, NEVERMORE, AIRBORNE, ... ach egal. Das einzige Manko von GAMMA RAY ist und bleibt, dass der Kai leider wenig Kontakt mit dem Publikum pflegt und kein großer Entertainer ist. Das ist aber doch völlig nebensächlich, wenn man gar nicht weiß welchen der großen Klassiker man überhaupt zuerst spielen soll. So fallen viele Lieder weg, die man gerne gehört hätte. Von den alten HELLOWEEN-Stücken haben es noch "Ride The Sky" gleich am Anfang als Zwischenstück von "Heavy Metal Universe" geschafft, sowie als Rausschmeißer "Future World" und "I Want Out", welche nahtlos ineiander übergehen. Ansonsten gibt es bei akzeptablem Sound einen Querschnitt durch die Karriere, eine Band der der Freude stets ins Gesicht geschrieben steht und ein Publiko, dass diese Jungs völlig zurecht gnadenlos abfeiert. Wie immer, eigentlich.
Setlist:, Heavy Metal Universe / Ride The Sky / Heavy Metal Universe, New World Order, Rebellion In Dreamland, Man On A Mission, Into The Storm, Heaven Can Wait, To The Metal, Future World / I Want Out
Somewhere Out In Space. Zugabe: Send Me A Sign
Die Gothic-Metaller TRISTANIA waren gegen Ende der 90er und Anfang des neuen Jahrtausends mal richtig "in" - mit richtig guten Alben. Seitdem geht es langsam, aber stets bergab. Das merkte man auch bei diesem Auftritt, welcher absolut leblos war und kaum zu überzeugen wußte. Kurzum: gepflegte Langeweile.
Die Riff-Metaller aus den USA, genannt NEVERMORE, fanden nur schwer ins Spiel, kamen anfangs kaum ausm Pott, mühten sich redlich. Doch mit jedem Song wurden sie besser. Ob es an der Tageszeig lag oder am ausgiebigem Feiern, wollten wir da gar nicht erst wissen. Sound viel zu laut und zu verwaschen, Band noch nicht ganz wach. Songmaterial über jedem Zweifel erhaben.
Die australischen Newcomer AIRBOURNE rockten mit verdächtig naher AC/DC-Bandbreite durch ihre Stücke (Alben: bisher nur eines) und gaben dabei eine ganz schlechte Figur ab. Obwohl die Jungens wie ein Wirbelwind auf der Bühne herumsprangen (vor Freude auch ab und an in den Fotograben), verpassten sie mehrfach ihre Einsätze, begannen ab und an mal dann wieder von vorne, Frontmann Joel O'Keeffe ist ein ganz schlechter Ersatz für jeden AC/DC-Sänger und überhaupt... diese Band wurde zwar in den letzten Monaten von allen uns bekannten "Szene-Magazinen" gehypt ohne Ende, am Ende sind sie nur heiße Luft.
Was für richtig fette und armseelige Poser HAMMERFALL doch sind, stellte bereits eine sehr lustige Ansage der Band klar: "bitte keine Wall of Death, Wacken soll ein friedliches Festival bleiben". Was für Trolle! Und vorallem: wer bitte will denn ausgerechnet bei HAMMERFALL überhaupt eine Wall of Death machen? Doch keine alte Sau! Das hieße ja, dass diese Pop-Band harte Musik macht. Sind Stücke wie "Renegade", "Any Means Necessary" oder "Let The Hammer Fall" etwa Metal? Nein? Richtig! Auf der Poserskala von 1 bis 10 rangieren HAMMERFALL auf Platz 2, direkt hinter MANOWAR. Zum Auftritt: ordentlicher Sound (je nachdem wo man gerade stand, Bühnen-Performance ok, Ansagen für den Kanal. Songmaterial auch.
DRAGONFORCE. Das ist in erster Linie: zwei Gitarristen spielen so schnell wie ein ICE fährt, dazu gibt es melodische Songs - genauso schnell. Und eine massige Anwesenheit von Energie. Scheinbar ist die gesamte Band hyperaktiv. Alles ist schnell, schnell und schnell. Zum Glück bei einigermaßen guter Abmischung. Was macht das Songmaterial? Tja, also... es ist schnell.
WHIPLASH, US-Thrasher der ersten Stunde, spielten die Wet Stage in Grund und Boden. Knallten bei sehr gut abgemischtem Sound richtig in den Arsch und waren sehr erfreut und motiviert, auf dem größten Heavy Metal-Festival der Welt spielen zu dürfen. Das mögen wir. Sie scherten sich um nichts und machten einfach nur Party. Obwohl der größte Teil des Publikums die Band kaum kannte, verwandelte sich die Wet Stage nach dem dritten Song in einen Moshpit erster Klasse. Leider kann mir immer noch niemand zwei grundlegende Dinge erklären: warum ist es im Zelt (das natürlich genau deshalb auch Wet Stage heißt) immer naß (überall Wasserlachen) und warum leitet man den Urin des direkt angrenzenden Urinals eigentlich direkt vor den Eingang des Zeltes statt in die andere Richtung? Ekelhaft. Und zwar jedes Jahr!
Band-Chef Lemmy sah nicht gut aus an diesem Abend. Alt, müde und uninspiriert ließ er sich nur zur Ansage von Songtiteln hinreißen. Ansonsten spielten MOTÖRHEAD ein Standardprogramm mit etwas zu wenigen alten Klassikern, dafür mit interessanten, nicht sehr oft gehörten Stücken. Am agilsten agierte noch Gitarrist Phil Campbell, der an diesem Abend zeitweise als Animateur auftreten durfte. Am einprägsamsten blieb dieser Auftritt vorallem wegen seiner unvorstellbaren Lautstärke in Erinnerung. Wir flüchteten vom Gelände, doch egal wie weit man weg lief, es half nichts. Vermutlich konnte man auch noch in einigen Hamburger Vororten bei Zimmerlautstärke mitsingen.
Setlist:, Iron Fist, Stay Clean, Be My Baby, Rock Out, Metropolis, Over The Top, One Night Stand, The Thousand Names Of God, Another Perfect Day, In The Name Of Tragedy, Just 'cos You Got The Power, Going To Brazil, Killed By Death. Zugaben: Ace Of Spades, Overkill
2003 hatten sie Wacken als mit Abstand beste Band dominiert. 2009 das Gegenteil: unheimlich voll ist es, als IN FLAMES die Bühnen entern - um auf ganzer Linie zu enttäuschen. Ein völlig uninspirierter Auftritt ohne großes Stageacting, ein viel zu leiser Sound wie bei SLAYER damals in Wacken und eine Setlist fast ohne Hits, denn es wurden fast nur Stücke der letzten drei Alben gespielt. Und die braucht man nicht wirklich, bei einem derartig großen Fundus an Sahnestücken im Backkatalog. Sehr, sehr schade. Einzig überzeugend: der grandiose Pyro-Einsatz, bei dem es nicht nur auf, sondern auch neben und über der Bühne krachte und brannte.
Bei DORO hätten IN FLAMES mal vorher fragen sollen wie das geht. Na das mit einer grandiosen Show. Eine Ritterburg auf der Bühne, massiver Pyro-Einsatz, powervolle Ansagen, super Stimmung und die Musiker flitzten wie ein Bienenstock über die Bühne. Doro hatte einen ihrer besten Tage erwischt und das Publiukum danke es ihr mit fleißigem Mitklatschen und -singen. Auch der Sound war klar und hatte - im Gegensatz zu MOTÖRHEAD und IN FLAMES - das richtige Maß an Lautstärke. Bei der Setlist gab es nichts zu bemängeln, schließlich fährt Doro immer noch mit der WARLOCK-Jubiläumsshow um die Welt und präsentierte somit ausschließlich Hits.
Setlist:, Für Immer, I Rule The Ruins, Burning The Witches, True As Steel, The Night Of The Warlock, Fight, Above The Ashes, Burn It Up, Celebrate, Breaking The Law, All We Are,
Beendet wurde der Freitag von AMON AMARTH, die einem Trend folgten und ein Wikingerschiff auf die Bühne hievten. Der Sound war leider viel zu leise, aber auch undifferenziert und komplett falsch ausgepegelt. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Die Band überzeugte durch eine gute Bühnen-Performance, war sehr gut aufgelegt und fing das Publikum auch Nachts um 3h noch für sich ein.
Samstag
Sechs Jahre waren die Wiking-Metaller EINHERJER verschwunden. Ihr Comeback starteten sie in Wacken. Es war relativ früh - und entsprechend relativ leer. Was der Stimmung keinen Abbruch tat. Einige Sahnestücke komponierten sie in der Vergangenheit - und diese gab es auch zu hören. Warum es die Jungs damals nicht schafften (im Großen und Ganzen waren ihre Alben nicht mehr als Durchschnitt), blieb zumindest an diesem Tage unklar, zu gut war das gespielte Songmaterial. Man merkte der Band allerdings die lange Abwesenheit an: nicht alles war wirklich stimmig. Dazu kam ein übersteuerter Sound vom Mischpult. Ob EINHERJER damit neue Freunde gewonnen haben? Lässt sich nicht eindeutig beantworten. Aber gut, dass sie zurück sind.
Auch RAGE feierten Jubiläum: ihr 25-jähriges! Warum diese Feier so früh stattfinden musste, wissen nur die Veranstalter. Feine Gäste kamen zur Unterstützung, so z.B. Eric Fish, Schmier von DESTRUCTION oder die blinde Gardine Hansi Kürsch. Der Mixer hatte vermutlich noch etwas Restalkohol, doch wurde ein Teil des Sounds auch etwas vom Winde verweht, so dass man schon direkt und nahe vor der Bühne stehen musste um den Auftritt genießen zu können. Die Jungs waren sehr gut aufgelegt und die Gäste sorgten für massive Abwechslung. Ein guter Auftritt, nur das Songmaterial war nicht wirklich gut ausgewählt. Achja: und dieses ultraschlechte "Gib Dich nie auf" bitte künftig komplett streichen. Danke.
Setlist:, Carved In Stone, Higher Than The Sky, Set The World On Fire (mit Hansi Kürsch), All I Want (mit Hansi Kürsch), Invisible Horizons (mit Hansi Kürsch), Lord Of The Flies, From The Cradle To The Grave, Prayers Of Steel (mit Schmier), Suicide, Down (mit Schmier), Gib Dich nie auf (mit Eric Fish), Soundchaser
Ein großer CATHEDRAL war ich noch nie. Die zeitgleich auftretenden KAMPFAR sollten keine Alternative darstellen - sie mussten kurzfristig absagen. Ersetzt durch ONKEL TOM zog ich es dann doch lieber vor den Doomstern zuzuhören und kann zumindest sagen: die langsame Musik ging auch an der Band nicht vorbei: behäbig spielten sie vor sich hin, überzeugen konnten sie aber bestimmt auch ihre Fans nicht unbedingt.
Ja so muss das sein. Die U.S.-Thrasher von TESTAMENT hatten live einen wuchtig-fetten und glasglaren Sound (eigenen Tontechniker im Turm, oder was?) - die Hölle. So gings natürlich vor der Bühne richtig ab. Natürlich auch im Moshpit. So zünden alte Klassiker wie "Over The Wall" erstklassig. Schade, dass nur wenige andere Bands derartig guten Sound hatten.
Irgendwas mit "-core" im Namen ist mein Musikstil nicht. HEAVEN SHALL BURN heizten ordentlich zu einem guten Sound. Dass die Band noch großes vor hat, merkte man an der Zuschauerzahl: es waren Headliner-verdächtig viele Fans vor der Bühne, was übrigens auch die Band überraschte, die Anfangs sehr nervös war. So gab es einige Spielfehler und auch die Ansagen wurden verbaumelt. Nach drei, vier Stücken kam die Band so richtig in Fahrt, wie auch das Mob vor ihnen. Dann musste ich gehen. Zuviel Lärm.
Mein Weg führte mich zu den zeitgleich zu HEAVEN SHALL BURN spielenden BORKNAGAR, welche uneingeschränkt zu überzeugen wußten. Ein wirklich schlechter Spielplan, warum ließ man die nicht auftreten, während auf den Großen Bühnen eine andere Stilrichtung wie True Metal gespielt wird? So waren nur ein paar hundert Leute vor der Bühne. Guter Sound, nur das Keyboard hat man nicht gehört. Gute Show, agile Performance. BORKNAGAR hätten sich deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt.
AXEL RUDI PELL war da mit seinem Melodic-Metal, nach ziemlich viel Lärm am Stück, eine willkommene stilistische Abwechslung. Mit gutem Sound und überzeugendem Stage-Acting entschied man sich aufgrund der kurzen Spielzeit für zwei Medleys (siehe Setlist). Wieso man dann ein ewig langes Drumsolo einlegen musste? Niemand wußte es.
Setlist:
Tear Down The Walls, Strong As A Rock, Masquerade Ball / Casbah / Tales Of The Crown / Casbah / Drum Solo, Rock The Nation, Mystica, Fool Fool / Eternal Prisoner
Wir hörten und sahen die Rock'n'Roller VOLBEAT zuerst auf dem Rückweg vom Wikingerdorf. Hier hatte man eine schöne Übersicht über das gesamte Gelände bis zur Bühne. Beeindruckend sah das dann schon aus, denn VOLBEAT hatten nicht weniger Zuschauer als die ganzen Headliner. Und so war es von Bühne bis Ausgang massivst voll. Die Band zeigte sich ob der Menge schon sehr überrascht und etwas ehrfürchtig, spielte aber ein fehlerfrei routiniertes Konzert mit glasglarem Sound. Die Fans hatten es nicht leicht, denn über ihren Köpfen entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit eine Crowdsurfing-Autobahn wie bei keiner anderen Band zuvor und danach. Die groß aufgebaute Lightshow kam leider nicht voll zur Geltung - es war noch zu hell.
Die Neo-Thrasher MACHINE HEAD machen Lärm. Zuviel Lärm für uns, so dass es nur keinen kurzen Eindruck gibt: geile Bühnenshow mit Videoclips, sehr guter Sound. Viel Lärm.
Da schauten wir lieber zur Party Stage rüber, denn da spielten ENSLAVED. Und die waren heute so gut drauf, dass Frontmann Grutle ständig Witze über Wikinger erzählte. Bei bestem Sound lief im Hintergrund ein Video, welches schon als sehr psychedelisch zu bezeichnen war und auch sehr gut zu den frühen PINK FLOYD gepasst hätte. Von "Eld" über "Ruun" bis "Isa" gibt es ein sauberes Best-Of-Programm zu bewundern. Und natürlich auch Stücke ihres neuen Meisterwerkes "Vertebrae".
20 Jahre Wacken, 30 Jahre SAXON. Zum Jubiläum durften die Fans im Vorfeld übers Internet abstimmen, welche Stücke gespielt werden. Natürlich kam dabei eine Jahrhundert-Setlist dabei heraus, welche sich aber von den vergangenen Konzerten nur unwesentlich unterscheidet. Warum auch? SAXON wissen längst selbst, welche Songs die Fans auf Festivals hören wollen. Nur die ersten Stücke dieser gigantisch langen Liste von 22 gespielten sind neueren Datums, danach darf nur noch "Live To Rock" als Opener der Zugabe ran. Der Rest - ein Fest: obwohl Biff es auch diesmal nicht lassen konnte doofe Fragen wie "schneller oder langsamer Song" ans Publikum stellte, obwohl er kaum andere Formen des Dialogs mit dem Publikum hatte - die Musik ist über alle Zweifel erhaben. Gigantische Bühnenshow mit fast etwas zuviel Pyro.
Setlist:, Battalions Of Steel, Let Me Feel Your Power, Lionheart, Strong Arm Of The Law, Killing Ground, Metalhead, Wheels Of Steel, Unleash The Beast, Dogs Of War, Rock'n'Roll Gypsy, Rock The Nations, Motorcycle Man, Forever Free, Solid Ball Of Rock, Crusader, Power And The Glory, Princess Of The Night, Heavy Metal Thunder. Zugaben:
Live To Rock, 747 (Strangers In The Night), Stallions Of The Highway, Denim And Leather
Organisation
Sehr beeindruckt waren wir von der Optimierung der Anfahrtswege. Sowohl für die normalen Festival-Besucher als auch für die Presse. Alles ging wesentlich zügiger als in den Vorjahren. Sehr überzeugend heuer war auch das Wikingerdorf mit allerlei Köstlichkeiten, die man nicht alle Tage bekommt. Auf der dort anwesenden kleinen Bühne treten gehäuft Mittelalter-Bands auf. Allerdings war keine dabei, deren Namen man sich merken musste.Die Fans werden leider nicht intelligenter und stapeln sich weiterhin auf Bühnenbreite vor der jeweils aktiven Bühne bis zum jeweiligen Eingang zurück, während man ein paar Meter weiter rechts und links teilweise bis fast vor zur Bühne laufen kann.
Fazit
Sehr erstaunlich. Das 19. Wacken Open Air mit IRON MAIDEN. Das 20 jährige Jubiläum ganz ohne die wirklich großen Namen. Niemand war böse, es war trotzdem ausverkauft, überall gute Stimmung, eine nochmals deutlich optimierte Organisation (vorallem diesmal bei der Anfahrt). Obwohl sich die Organisatoren zwar wie üblich freuen, aber wie üblich auch nie ausruhen dürfen, gelang es wiedermal etwas ganz Großes aufzuziehen. Und so langsam wird auch den letzten klar: es ist zwar nicht wirklich ganz egal, wer in Wacken spielt oder nicht spielt, aber selbst beim größten Jubiläum ist das Wort "Wacken" der große Anziehungspunkt. Sehr beeindruckend.
So bleibt zum Abschluß nicht mehr viel zu sagen außer:
Wie seit ewigen Zeiten üblich, ging auch heuer die Reise wieder ins lustige Balingen. Ziemlich vieles war heuer anders: nur noch "Club-Mitglieder", Presse und Crew durfte in der Nähe des Festivals zelten und parken. Die anderen Besucher wurden auf eine riesige neue Campingfläche ausgelagert, welche bereits letztes Jahr zur Verfügung stand. Da gab es allerdings noch Alternativen. Grund war auch mit, dass einige Flächen heuer gar nicht mehr zur Verfügung standen. Da dieses "Metalcamp" allerdings 25-30 Minuten Fußweg erforderte, fuhren Shuttlebusse.
Freitag
Los gings am Freitag mit einer traurigen Nachricht, welche so langsam ihre Runden drehte: Michael Jackson, der King of Pop, ist tot.
Eröffnet wurde das Festival schließlich mit HATSTIK, welche mit gar fürchtlich schlechter Hüpfhüpf-Crossover-Mucke mit kuriosen Thrash- und Death-Einflüssen derart nervten, dass es so manchem die Zehennägel hochrollte. Au weia!
Danach traten die Piraten-Metaller ALESTORM auf die Bühne, welche quasi gerade dabei sind so richtig durchzustarten. Natürlich nur, wenn sie in der Lage sind ihren Status mit künftigen Veröffentlichungen zu untermauern. Doch nicht nur das ist dazu nötig: die hymnenhaften Songs benötigen einen entsprechend drückenden Sound. Fehlanzeige! Bei gradiosen Mitsing-Brechern wie "Keelhauled", "Captain Morgan's Revenge" oder "Over The Sea" waren die Gitarren nur zu erahnen, die Band stand auf der Bühne so statisch herum, als stünden sie auf einem Magneten. Bühnenshow, Piraten-Outfit - nicht anwesend. Frontmann Christopher Bowes sang wenigstens sehr ordentlich, seine plumpen Ansagen allerdings hinterließen den Eindruck, dass die Band noch sehr viele Baustellen hat - zumindest live.
Mit KISSIN' DYNAMITE trat nach HATSTIK eine weitere Lokal-Band auf. Die jedoch genau das Gegenteil darstellte: unglaubliche Power, ordentlicher Sound, klasse Performance. Der AC/DC-auf-Melodic beeinflusste Stil ihres Debüts "Steel Of Swabia" hat zumindest teilweise die nötige Eigenständigkeit. KISSIN' DYNAMITE sind verdammt jung, stellten an jenem Tag die wesentlich bekannteres ALESTORM aber gnadenlos in den Schatten. Der war bei reichlich Sonnenschein an diesem Tag übrigens rar. Achja: zwei neue Tracks,"Iron Fist" und "Addicted To Metal", vom kommenden zweiten Album gabs auch noch. Daumen hoch!
ROSS THE BOSS, nach langjähriger Abwesenheit ist der kultige ex-MANOWAR-Gitarrist wieder unterwegs. Nach Auftritten beim "Keep It True"-Festival (sehr gut) und "Magic Circle Fest" (grade noch ok), hatte der Boss auf dem Bang Your Head sein neues Soloalbum "New Metal Leader" im Gepäck. Was soll man sagen? Die Stücke sind größtenteils ziemlich lahmarschig, ein Album welches zu kaufen leider nicht lohnt. Melodic-Metal aus der mittleren Schublade quasi. Weit besser kamen da schon die alten MANOWAR-Tracks "Gloves Of Metal", "Thor (The Powerhead)", "Death Tone" und "Hail And Kill", bei denen Ross den Saiten ordentlich einheizte. Das Publikum sahs auch so, die größte Stimmung kam bei diesen Stücken auf, während beim Solomaterial hauptsächlich "netter" Beifall ertönte. Wie lange der Boss mit aufgewärmten Brötchen und halbgarem Solomaterial auf den Bühnen der Welt durchhalten wird, lässt sich derzeit schwer sagen. Von Sänger Patrick Fuchs indes wird man garantiert noch so einiges hören. Wetten?
Die Prog-Veteranen VOIVOD spielten - und das Publikum litt. Matschiger Sound, die Gitarren fielen zeitweise ganz aus, die Drums generell zu dünn. Die Band selbst versuchte das beste daraus zu machen, schaffte es aber nicht wirklich einen kompakten Eindruck zu hinterlassen. Das Stage-Acting war zwar sehr agil, das Zusammenspiel aber nicht immer im Takt. Die Setlist war hingegen mit einer gut bestückten Mischung aus allen Bereichen der Bandgeschichte "Voivod", "Tribal Convictions", "The Unknown Knows", am Ende gabs mit mittlerweile besserem Sound noch das PINK FLOYD-Cover "Astronomy Domine" zu hören. Seine Lieblingsband hört man immer wieder gerne.
So langsam machen sich bei mir Ermüdungserscheinungen bereit: jedes mal wenn ich PRIMORDIAL sehe, spielen sie genial, tight und verdammt überzeugend auf. Und jedes mal wird der Sound ihren Stücken nicht gerecht, denn diese benötigen eine entsprechend gute Abmischung um live zu funktionieren. Und jedes mal ist es Nachmittag und die Sonne strahlt bei heißestem Wetter darnieder. Dass die Düsterrocker damit auf einem überwiegend von True Metal-Fans besuchten Festival kaum neue Anhänger gewinnen können, scheint da auf der Hand zu liegen. An der Band selbst und am Songmaterial liegt das nicht.
Tom Engelrippchen ist wieder da. Mit SODOM im Gepäck! Und wie üblich mit bester Stimmung. Los gings mit "Napalm In The Morning", hernach folgte ein grandioses Best-Of-Programm mit Thrash-Nackenbrechern der Marke "The Saw Is The Law", "Outbreak Of Evil", "Bombenhagel", "Agent Orange" oder "Die stumme Ursel". Warum Onkel Tom ausgerechnet "Axis Of Evil" dem verstorbenen Michael Jackson widmete, entschloss sich mir nicht wirklich. Der Mischer hatte wohl ein paar zuviel gemixte und drehte sämtliche Regler genau dorthin, wo sie garantiert an der falschen Stelle standen. Denn einige Stücke waren Anfangs nur nach längerem Zuhören zu erkennen. Zum Glück war das den meisten der relativ wenigen Zuschauer sichtlich egal, sie feiertern den Ruhrpott-Metallpanzer nach Strich und Faden ab, die drei Jungens auf der Bühne dankten es ihnen mit sichtlich viel Spaß und einer gehörigen Portion Bühnenauslastung in alle Richtungen.
Wie es LITA FORD auf's Billing schaffte war uns ein ziemliches Rätsel. Zwar hat sie mit einigen sehr schönen Songs ihren festen Platz in der Hardrock- und Heavy Metal-Historie, aber irgendwem hätte doch irgendwann auffallen müssen, dass diese Band aktuell nicht wirklich in der Lage ist aufzutreten. Die gute Frau sieht aus wie 80, das Gesicht wird gerade noch so von Falten und Tonnen an Make-Up zusammengehalten. Weder Lita noch die Instrumentalfraktion trafen irgendwann eine richtige Note - und sollte es tatsächlich passiert sein, dann war es aus Versehen, aus Zufall oder sonstwas. Dazu kam noch, dass ihr ständig die Hose herunterrutschte, weil die richtige Größe bei KIK scheinbar gerade ausverkauft war. Ein unterirdischer Auftritt ihres Mannes, welcher dann auch noch einen Song ins Mikro plärren durfte und sinnloses Gelaber zwang auch den letzten ex-Fan dieser Frau an den nächsten Bierstand.
Den ganzen Tag schon hörte man an allen Ecken und Enden Diskussionen um die angekündigte ACCEPT-Reunion ohne U.D.O. Dirkschneider. Die Antwort darauf gab Udo rein musikalisch und ohne ein Wort darüber zu verlieren: ohne große Bühnenshow, ohne Pyros oder Videoleinwände stiegen die Jungs mit "Metal Heart" ein und rockten sich quer durch das Beste der gesamten ACCEPT- und U.D.O.-Geschichte. Ob "Midnight Highway", "Man And Machine", "Balls To The Wall", "Holy", "Living For Tonite", "I'm A Rebel" oder "Princess Of The Dawn" - tausende Kehlen sangen als ob es kein morgen gäbe und feierten echten Stahl aus Solingen. Auf der Bühne und vor der Bühne herrschte der totale Alarm und am Ende wissen alle: ACCEPT ohne Udo - das kann nichts werden. Denn wer soll diese Performance denn genauso überzeugend herüberbringen wie das Original? Das geht nicht.
Ganz schön mutig von den Veranstaltern, auf einem eher truen Festival und ausgerechnet nach U.D.O. die AOR-Superstars JOURNEY auftreten zu lassen, welche in Europa mittlerweile völlig zu unrecht kaum noch bekannt ist. Kaum noch bekannt war sie auch einem erschreckend hohen Anteil der anwesenden Fans. Zumindest Anfangs. Im Laufe der Gigs jedoch kamen immer mehr zur Erkenntnis, dass man mit Radiohits wie "Wheel In The Sky", "Don't Stop Believin'", "Anyway You Want It" und und und doch tatsächlich aufgewachsen ist und lediglich die Band-Zuordnung nicht mehr bekannt war. Die Altherren-Rige um den relativ neuen Frontmann Arnel Pineda gab sich zu keiner Sekunde die Blöße, rockte wie sau eine Hymne nach der anderen herunter, hatte einen hervorragenden Sound (warum geht das denn wieder nur bei den Headlinern, hä?) und ein Publikum, das Anfangs etwas zurückhaltend, aber später von Minute zu Minuten begeisterter wurde und der Band immer mehr Applaus zollte. Der grandiosen Songauswahl war es zu verdanken, dass zum Glück die meisen U.D.O.-Besucher blieben, die zu Beginn noch relativ skeptisch dreinschauten. Am Ende des Gigs gab es zwar am monumentalen Auftritt der Vorband nichts zu rütteln, aber ich bin mir sicher, dass JOURNEY an diesem Abend eine Menge Fans hinzugewonnen haben. Und so mancher Altfan wird nach dem Festival aus seinem Regal das ein oder andere Album herausziehen, auflegen und sich auf eine Zeitreise begeben.
Samstag
CLOVEN HOOF wurden bereits beim NWoBHM-Special auf dem diesjährigen Keep It True abgefeiert. Auf dem Bang Your Head hatten sie erstmal Pech: aus der Hitze des Vortags war irgendwann Nachts ein andauernder Starkregen geworden, welcher sich zum Samstagsauftakt gegen 10 Uhr noch keine Gedanken machte auch jemals wieder aufhören zu wollen. Sehr schade für CLOVEN HOOF, welche deshalb vor nicht mehr als ca. 250 oder 300 Fans spielen mussten. Das sind doch alles Weicheier, diese ganzen Heavy Metal-Fans! Tipp: bereits ein drei Euro Regenponcho hilft! Doch die harten Kerle auf der Bühne namens mit Humor und gaben trotzdem alles. In ihrer Liga ist man es gewohnt in kleinen Hallen mit derartigen Zuschauerzahlen zu spielen, wozu also darüber großartig aufregen. Den harten Kerlen VOR der Bühne kann dies nur recht sein. Sie sehen quirllig-aufgedrehte Altmetaller, welche sichtlich Spaß haben und bereits zu früher Stunde abgehen und feiern. Als Überraschungsgast enterte auch noch Kalli von der NWoBHM-Coverband ROXXCALIBUR die Bretter und veredelte "Gates Of Gehenna". Geil!
Es regnete und regnete. Und auch wir waren bei LÄÄZ ROCKIT mittlerweile ins Trockene geflüchtet. Ein "hail" and die Veranstalter, welche es im VIP-Bereich erstmals ermöglicht hatten, dass die Presse auf bühnenhöhe das Geschehen aus der Ferne beobachten konnte. Denn im strömenden Regen kann man sich kaum digitale Notizen machen. Auch die U.S.-Metaller um Sänger und Mitbegründer Michael Coons mussten so vor einer sehr übersichtlichen Meute auftreten. Und auch ihnen wars egal: die nutzten die Bühne auf ganzer Breite aus, boten eine Aggressivität wie sie zigtausend namenlose Nullnummern-Newcomer nicht in tausend Jahren aufbringen werden und schöpften auf einem Fundus an Klassikern. Mit zunehmender Spieldauer trafen dann auch immer mehr Leute ein, denen wohl inzwischen der Regen sehr laut ans Zelt geklopft hatte. Na geht doch.
POWERWOLF, wie ALESTORM Senkrechtstarter im (noch) Underground, bereits in den vergangenen Jahren in den Wacken- und Summer Breeze-Zelten abgefeiert, stehen endlich auf den richtig großen Bühnen der Welt. Wenn auch Mittags in strömendem Regen. Aller Anfang ist schwer. Die Bombastmetaller geben mit ihrer Sakralmusik und ihren teilweise sehr lustigen und überdrehten Texten wie immer mächtig Gas, umschiffen dabei oft gekonnte die Grenze zum Kitsch mit schweren Portionen an Selbstironie und haben stets ein Augenzwinkern in ihrem Tun. Wie üblich segnet dabei Attila Dorn, seines Zeichens mit rumänischem Akzent (so nah wie das Saarland an Frankreich liegt, kann das schonmal vorkommen *g*) zwischen Priester und Vampir schwebend, das gesamte Publikum und zieht mit seinen kultverdächtigen Ansagen das Publikum wie üblich bereits nach wenigen Sätzen auf seine Seite. POWERWOLF musizieren wie immer live sehr souverän. Ich hoffe ALESTORM haben zugesehen.
Die Kalifornier DRIVER wollte ich schon seit ewigen Zeiten mal sehen. Dass dies ausgerechnet bei Dauerregen der Fall sein würde kann da nur als ein makaberer Scherz der Geschichte gewertet werden. "Petrus, Son Of A Bitch" wäre sicherlich ein noch geilerer Songtitel für ACCEPT gewesen. Wie auch immer. Goldkehlchen Rob Rock am Mikro, Roy Z. an der Gitarre bürgen zumindest für musikalische Qualität. Doch wie stehts um das Songmaterial? 50:50 in etwa. Die "Projekt: Driver"-Stücke sind durch die Bank Klassiker, während das restliche Material, bestehend aus etlichen Solostücken und dem neuen Studioalbum "Sons Of Thunder" im songwriterischen Niemandsland des ewigen Durchschnitts herumtümpeln. Das Stageacting geht ok, Ansagen und Stimmungsmache waren eher Mangelware. So bleibt unterm Strich leider ein etwas enttäuschender Gig.
Auch WARRIOR sieht man in hießigen Breitengraden eher selten. Warum, wurde bei diesem Auftritt sehr schnell deutlich. Doch erstmal wieder zum Wetter: fast pünktlich zum Spielbeginn blinzelten die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken und flugs wuchs die Mengenmenge vor der Bühne deutlich an. Das änderte allerdings nichts an der Tatsache, dass man leider nur sehr halbgares Songmaterial hat - und zwar auf jedem Album! Nur einen Song-Klassiker hat die Band im Gepäck: "Fighting For The Earth". Das wars aber auch schon. Als das Stück gegen Ende erklang, waren alle froh. Zum einen weil man die langweiligen Stücke nicht mehr hören musste und zum anderen, weil man mit "Fighting For The Earth" doch noch einen versöhnlichen Abschluß gefunden hatte.
PINK CREAM 69 vertraten kurzfristig TESLA, geboten wurde mit allseits bekannten Hardrock-Songs der gehobenen Klasse ein sehr kurzweiliges Set, welches sich, angefangen von der Andi Deris-Phase bis zum aktuellen Album, quer durch die gesamte Schaffensperiode zog. Eine Party-Band, die für Abwechslung sorgt und mit allerlei Singalongs und Chören die Stimmung hebt. Das langsam besser werdende Wetter trug dazu bei, dass es vor der Bühne jetzt erstmals deutlich voller wurde. Guter Auftritt!
Knüppel aus dem Sack: mit EXODUS kam nun die härteste Band des Tages um mächtig einzuheizen. Und damit daran erst gar keine Zweifel aufkamen, ging es los mit "Bonded By Blood". Der Bay-Area Vierer knallte kompakt, intensiv und druckvoll. Die Gitarren-Duelle der Herren Altus und Holt waren allererste Sahne und das Best-Of-Programm prügelte uns durch drei Jahrzehnte Thrash-Geschichte. Auch Dukes, der Mann am Mikro, hatte einen seiner besten Tage erwischt und das Publikum antwortete darauf mit überschäumendem Beifall und über den Köpfen schwebenden Armen und Beinen, die sich Richtung Bühne vortrugen ließen.
Im Vorfeld gab es Gerüchte ob Y&T denn überhaupt auftreten würden. Grund: Drummer Mike Vanderhule hatte sich ein Handgelenk gebrochen. Der machte aber einfach einen auf DEF LEPPARD und trommelte einarmig. Das ist doch mal eine Einstellung! Respekt! Stilistisch im Vergleich zu EXODUS eher ruhig, ließen die Jungens auf der Bühne erstaundlich viel Platz neben sich und hielten sich ziemlich zurück. Das tat der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch, denn wer Hits wie "Open Fire", "Dirty Girl", "Black Tiger", "Rescue Me", "I Believe In You" oder "Mean Streak" im Gepäck hat, braucht sich um entsprechenden Support keine Sorgen machen.
Mal sind die gut, mal sind sie schlecht. Manchmal sagen sie ihre Gigs auch einfach kurzfristig ab. An diesem Abend war alles gut: W.A.S.P. in bester Form mit einem auch stimmlich überragenden Blackie gab's Klassiker ohne Ende auf die Glocke ("On Your Knees", "The Idol", "I Wanna Be Somebody", "L.O.V.E. Machine"). Neueres Material blieb glücklicherweise die Ausnahme ("Take Me Up"). Fragt sich nur, wozu man bei Festivals Chöre vom Band braucht? Dafür ist doch das Publikum da, Herr Lawless! Die Herren boten eine massive Bühen-Performance und wurden abgefeiert wie vor ihnen eigentlich nur U.D.O. und EXODUS. Geil und ein hervorragender Aufwärmer für die nachfolgenden Jungs aus Krefeld.
BLIND GUARDIAN. Gruselschock gleich zu Beginn: Hansi mit kurzen Haaren. Ohje! Zum Glück hatte das auf die Musik aber keine Auswirkung. Hansi kann immer noch keine guten Ansagen machen, kann immer noch nicht das Publikum mit in die Show einbinden, dem wars egal. Es feierte die Band auch so, ist man ja auch nicht anders gewohnt. Dieses mal gabs nach langer Zeit mal wieder eine deutliche Setlist-Umstellung, man überraschte mit "Time Stands Still (At The Iron Hill)" und brachte auch seltener gespielte Stücke ("Blood Tears", "Vahalla"). Mit "Sacred" gab es einen neuen Song, welcher allerdings zum gleichnamigen Computerspiel gehört. Ob er auf dem nächsten Album sein wird, ist noch nicht bekannt. Die Bühnenshow war klasse, das Stageacting auch, Hansi lag wie üblich etliche male einige Oktaven falsch und ein paar Verspieler waren auch für den ein oder anderen Schmunzler gut. Warum aber auch der Headliner mit derartig üblen Sound-Problemen zu kämpfen hat, blieb ein Rätsel des Mixers. Auch als es bei "Valhalla" zu regnen anfing und kaum noch der Wind an den musikalischen Verwehungen schuld sein konnte, wurde es nicht besser. Im Gegenteil. Zum Glück störten sich die Zuschauer nicht weiter darum und brachten ein weiteres Bang Your Head zu einem gelungenen Ausstand.
Setlist: War Of Wrath (Intro), Time Stands Still (At The Iron Hill), Another Holy War, Nightfall, Traveller In Time, Turn The Page, The Script For My Requiem, Blood Tears, Goodbye My Friend, This Will Never End, Valhalla, Sacred, Time What Is Time, Lord Of The Rings, Punishment Divine.
Fazit
Schon lange war auf dem Bang Your Head nicht mehr so wenig los wie heuer. Ca. 13.000 Fans kamen statt der üblichen 25.000. Nach Aussagen des Veranstalters hat diese Zahl immerhin gerade noch gereicht, um eine schwarze Null zu schreiben. Sehr schade eigentlich. Es könnte daran gelegen haben, dass am gleichen Wochende mit dem Graspop ein weiteres sehr großes Festival stattfand. Oder daran, dass das Festivalgelände mittlerweile einfach zu weit vom Publikum weg ist, welches ewig lange Fußmärsche oder Schuttlebusse in Kauf nehmen muss. Vielleicht liegt es aber auch der Wirtschaftskrise. Oder wie es meistens ist: von allem ein bißchen was.
Die Organisation war wie immer richtig Klasse, die jahrelange Erfahrung zahlt sich eben aus. Die Preise sind weiterhin ok, die Lage mit großem Supermarkt und nahegelegenem Freibad machen das Festival weiterhin einzigartig. Hoffentlich bleibt uns das Festival noch lange erhalten und wir sind uns alle sicher, dass die Veranstalter alles tun werden, um die Gründe für die Flaute genau zu analysieren und schnell darauf zu reagieren.
Bis zum nächsten Jahr - in Balingen :-)
Ja. Auch am Mittwoch spielten schon eine ganze Menge Bands. Wir konnten sie nur nicht sehen. Denn wir standen sechs Stunden(!) im Anreise-Stau. So ging es tausenden von Summer Breeze-Besuchern dieses Jahr. Und dabei hatten wir noch Glück, denn alle die nach uns kamen standen bis zu 14(!) Stunden im Stau. Es staute sich quer durch die Pampa sogar bis zurück zur A6. Schuld daran: die Besucher. Denn laut Veranstalter konnte ja niemand wissen, dass die Festival-Besucher schon alle an dem Tag kommen, an dem die ersten Bands spielen. Unfassbar. Die Zufahrt war nur von einer Richtung aus möglich und was natürlich am längsten aufhielt waren die nervigen, aber unvermeidlichen Glas-Kontrollen, bei der so manches Auto ähnlich wie damals auf der DDR-Transitstrecke fast komplett auseinandergenommen wurden. Jungs, für so eine Fehlplanung nach so langer Festival-Erfahrung gibt es keine Entschuldigung! So verendeten gerade die letzten Klänge des Mittwochs, als wir am Campingplatz endlich ankamen.
DONNERSTAG
Ein Flugfeld im Niemandsland. Die Somme brannte. Es war halb drei am Nachmittag als ABORTED die Bühne enterten um einen Großangriff aufs Trommelfell zu starten. Früher kaum auszuhalten, diese Mischung aus Hatecore, Todesmetall und Ohrenbluten durch unmenschliche Grunzlaute eines Abartigen am Mikrofon. Doch spätestens seit ihrem aktuellen Werk "Strychnine.213" sind plötzlich auch hier und da wirklich interessante Melodien zu vernehmen. ABORTED mögen zwar dadurch ihren einzigartigen Sound teilweise eingebüßt haben, doch nicht ganz. Und wer hier etwas von auswimpen erzählt, der kann auf Musik im eigentlichen Sinne gar nicht stehen. ABORTED gingen ultrabrutal vor, hüpften auf der Bühne herum als wollten sie sie zertreten und blasteten Beats im Sekundentakt in die Meute. Früh am Nachmittag, es war schon sehr ordentlich voll und ganze fünfzehn Reihen gingen ab sie Luzi. Ohne dass jemand auf der Bühne eine Ansage diesbezüglich auch nur andeutete, bildete sich im weiteren Verlaufe des sehr kurzen Auftritts (35 Minuten) spontan eine Wall Of Death. Geil!
Die Südtiroler Dark-Metaller GRAVEWORM interessierten mich gegen Ende der 1990er Jahre mal etwas mehr, danach entwickelteten sie sich für meine Belange in eine zu uninteressante Richtung weiter. Speziell für diesen Sound ist es um diese Tageszeit und vorallem auch noch im glühenden Sonnenlicht doch etwas ungewöhnlich. Düstere Mucke, welche ständig zwischem gemäßigtem Death-Metal und Gothic hin- und her wabert, das hätte in einem Zelt doch wesentlich mehr Spaß gemacht. Der symphatische Frontmann Stefan machte einige witzige Interaktionen mit dem Publikum und versuchte sogar mal kurz eine Wall Of Death zu organisieren. Ja, weiß ja nicht, aber eine Todesmauer bei trauriger Musik? Insgesamt gesehen legten die Jungens zwar einen absolut sehenswerten Auftritt hin, doch der viel zu dünn und falsch abgemischte Sound und ein Songmaterial, welches einfach nicht weit genug aus dem Durchschnitt herausragt, als dass einen die Musik mitnehmen würde, hinterließen letzten Endes dann doch einen eher zwiespältigen Eindruck.
Nachdem SOILWORK in den letzten Jahren auf Festivals oft nur neuere Stücke spielten, kehrten nun auch sie zurück zu einem bunten Best-Of Programm. Naja, zumindest teilweise. Etwas über die Hälfte des Songmaterials besteht aus Stücken der letzten beiden Werke "Sworn To A Great Divide" und "Stabring im Darm" (oder so ähnlich). Der Rest stammte so ziemlich gut verteilt von früheren Releases. In der ersten Hälfte war der Sound nur Matsch, danach war er zuerst schwer, dann leicht verwaschen, bei den letzten Liedern wurde es endlich anhörbar. Doch da wars ja dann leider schon wieder vorbei. Auch die Band passte an jenem Spätnachmittag bestens dazu: die Jungens torkelten mit gefühlten drei Promille über die Bühne, bei den Publikumsansagen wurde ausgiebig gelallt und alle spielten falsch. Einzig Bassist Ola machte einen wachen Eindruck und poste mit kultig-krellem Shirt wild auf der Bühne herum. Vermutlich musste einer nüchtern bleiben um den Rest der Kapelle auf die Bühne zu führen. Im Hintergrund lieferte ein Alibi-Keyboarder zusätzliche Gesangsspuren und diverse Soundeffekte. Setzen, sechs.
THE WILDHEARTS kommen aus England und spielen eine abgefahrene Melange aus Punk-Rock, Hardrock, hartem Pop und wilden Melodien. 1993 erschien ihr Debüt "Earth vs. The Wildhearts", welches sogleich bei mir einige Monate ein gern gesehener Gast auf dem Plattenteller war. Danach wurde die Band leider immer belangloser, was in einer zwischenzeitlichen Auflösung mündete (wieso sehe ich nur immer alles weitaus vorher den Bach hinuntergehen *g*). Mittlerweile sind sie aber auch schon wieder zwangswiedervereinigt und beackern die Bühnen der Welt. Und wie! Mit eingänigen Refrains, teilweise zuckersüß und kurz darauf folgendem Drei-Akkorde-Rotz fackelten sie ein Rock'n'Roll-Feuerwerk ab. Zu dumm, dass man die Truppe hier nicht kennt und so war es vor der Bühne leider sehr, sehr überschaubar. Auffallend: die Stücke des Erstlingswerkes ragen deutlich aus dem Rest heraus und ernten auch den größten Applaus. Je weiter der Gig voranschritt, desto voller wurde es, desto mehr Leute drehten sich auch von den Bierständen und Händlermeilen Richtung Bühne. Und kamen dann. Gen Ende war es demnach auch deutlich voller. Wer von Anfang an mit dabei war, erlebte eine äußerst agil aufspielende Formation, welche mit ihrer Mischung aus guten Songs und professionellem Stageacting Party-Stimmung verbreitete. Auch beim Metal-Publikum. Gerne mal wieder.
Langsam aber sicher ging die Sonne unter und blendete dabei - verursacht durch die etwas unglückliche Bühnenaufstellung - zahlreiche Zuschauer. Die Melodic-Deather ARCH ENEMY, mittlerweile wieder mit beiden Gebrüdern Amott unterwegs, zockten sich quer durch viele Scheiben und ließen natürlich dabei Hits vom Schlage "We Will Rise" oder "Dead Eyes See No Future" nicht aus. Front-Grunzerin Angela Gussow laberte wie immer eher zuviel als zu wenig, riss die an sich schon quirligen Jungs aber wie üblich mir und sorgte für gute Stimmung. Bei dumpfem, undifferenziertem Sound und meines Verachtens nach auch zuviel Routine geriet der auf Tonkonserve sonst so schön druckvolle und aggressive Grundton völlig aus dem Ruder und ließ die Band um mehrere Härtestufen nach unten sacken. Wann werden Veranstalter von Freiluftkonzerten es endlich einsehen, dass ein Tontechniker nicht ein Tontechniker ist und ein offenes Feld keine Halle?
Sehr obskur: im Partyzelt rockten KISSIN' DYNAMITE. Ein paar Lausbuben, welche gerade die Pubertät hinter sich haben spielen eine Mischung aus KISS, CINDERELLA, POISON und MÖTLEY CRÜE (oder so ähnlich). Dazu gibts ohne Ende aufgestylte Fönfrisuren und 80er Sleaze Outfit. Als ich in das Zelt kam, dachte ich zuerst ich wäre ausversehen durch ein Zeitportal gegangen. Wie es sich für so eine Band natürlich gehört, standen in der ersten Reihe dann auch massenweise Mädels herum. Schwer zu sagen ob da nicht einige dabei waren, die noch viel jünger waren als die Jungs auf der Bühne aussahen. Eigentlich entsetzlich genug, doch eine gewisse Professionalität kann man hier attestieren und wenns auch nicht mein Musikgeschmack ist: bin sehr gespannt was wir von diesem Namen künftig noch hören werden.
Die Polen BEHEMOTH, welche Anfangs zu den Vertretern der "reinen Black Metal-Lehre" zählten und sich in den letzten Jahren immer mehr Einflüsse aus dem Death-Bereich hinzuholten, sind in den letzten Jahren immer öfters auf deutschen Bühne zu sehen. Ihre Anhängerschaft wird immer größer. Und ihre Vorhersehbarkeit leider auch. So zockte man zwar noch mit Pandabär-Farben im Gesicht durch die Gigs, aber was speziell auf dem Summer Breeze sehr deutlich wurde: auch BEHEMOTH gehören inzwischen zu der Sorte Bands, die bei Festivals kaum etwas Neues wagen. Die ewiggleiche Setlist bei trotzdem perfektem Bühnenauftritt - da verweist der Daumen immer noch nach oben. Der Sound-Engineer hatte einen seiner seltenen lichten Momente und knüpfte nach anfänglich dumpfem Sound ein sehr kompaktes Klanggewitter, optimal für eine derartige Stilrichtung.
PARADISE LOST haben abwechslungsreiche Zeiten hinter sich. Angefangen als Knüppel-Todeskombo welche kaum ihre Instrumente beherrschte über Vorreiter einer neuen Stilrichtung bis hin zum ausgefeilten Gothic Rock, danach der Absturz in die Gefilde einer neuntklassigen DEPECHE MODE-Kopie mit einer lange währenden Rückbesinnung. Indes, hörbar geworden sind sie wieder, an glorreiche Zeiten anknüpfen ist etwas anderes. Welchen Weg werden sie wohl gehen, um sich wieder in die Herzen des Summer Breeze-Publikums zu spielen? Anhang der Setlist ("The Enemy", "In Requiem", "As I Die", "Pity The Sadness", "Never For The Damned", "No Celebration", "Erase", "Enchantment", "True Belief", "Say Just Words", "One Second", "Joys Of Emptiness" usw.) könnte man das fast meinen. Die Interaktion mit dem Publikum ist vorbildlich. Die Stimmung der Stücke wird angenehm nachvollziehbar übermittelt. Nick Holmes kann nicht mehr richtig singen. Da fing das Problem an. Seine fiepsig-dünne Stimme, die kaum wahrnehmbaren Keyboards, der Sound, welcher erst nach der Hälfte der Stücke überhaupt als solcher zu bezeichnen war - konnte durch die saubere restliche Instrumentalfraktion leider nicht mehr ganz aufgefangen werden. So kam es, dass die Leistung insgesamt sehr ordentlich war, aber das Publikum nach anfänglicher Begeisterung immer mehr zu Salzsäulen erstarrte oder sich mit sich selbst beschäftigte (z.B. im sinnlos herumrennen und sich mit Heu zu bewerfen). Sehr schade.
Wer PRIMORDIAL in Wacken gesehen hatte (in gleißendem Sonnenschein, wie ekelhaft), musste sich bestimmt über den an diesem Abend sehr unkoordinierten Drum-Sound wundern. Das lag allerdings daran, dass der Trommelfell-Schwinger Simon an diesem Abend halb tot auf die Bühne geschleppt wurde und dann eher als Untoter stoisch auf sein Schlagzeug einprügelte, da so schnell kein Ersatz aufzutreiben war. Wie ernst es um den Gesundheitszustand stand, machten die Ärzte klar, die den ganzen Gig über direkt am Bühnenrand verharrten. Sei's drum. Andere Bands sagen so einen Auftritt ab, Hut ab vor den Iren! So machen das echte Rock'n'Roller. Das Songmaterial konzentiert sich deutlich auf das Jahrhundertwerk "To The Nameless Dead", welches von mir bereits beim Erscheinen als Klassiker tituliert wurde und von dem man auch in 10 und 20 Jahren noch lesen und sprechen wird. Sänger Alan hypnotisiert das Publikum mit seiner genialen Stimme (die Hälfte davon hätte bei PARADISE LOST locker gereicht um gut zu sein), die Show ist gut, die Gitarre perfekt wie immer. So werden PRIMORDIAL fast eine Stunde lang vom Publikum abgefeiert.
HELLOWEEN wollte ich das letzte Mal freiwillig live sehen im Jahre 1993 in der Neumarkter Jurahalle. Doch irgendwer war krank. Ich glaube Kiske. Und deshalb wurde das Konzert abgesagt. Nur kurze Zeit später flog Kiske aus der Band. Und HELLOWEEN haben seitdem keinen Sänger mehr. So krächzte sich ein gewisser Andi Deris (welcher zuvor bei der Hardrock-Band PINK CREAM 69 richtig gut sang, weil er eben keine Metal- sondern eine Hardrock-Stimme hat) jahrelang durch unzählige Live-Auftritte und brachte es fertig, jeden einzelnen Song aus der legendären "Keepers"-Ära grundsätzlich einfach komplett falsch zu singen. Es gibt sehr viele Zeitzeugen die beschwören, dass Deris bei diesen Stücken keine einzige Note richtig trifft und somit sogar die Wahrscheinlichkeitsrechnung ad absurdum führt. So kam es, dass ich ihn im Jahre 2008 endlich einmal live bewundern durfte, nachdem ich mich jahrelang davor gedrückt hatte. Doch was war das? Nachdem man das gewaltige, riesige Drum-Kit auf der Bühne bewundert hatte, erklang bereits das Intro zu "Halloween" und Andi legte los. Und zwar um Meilen besser als in all den Jahren zuvor! Man merkte dem Kerl an, dass er inzwischen eine gewisse Routine darin hat, mit den alten "Keepers"-Stücken live umzugehen. Natürlich wird er niemals so hoch kommen wie Michael Kiske, natürlich wird er diese Klassiker nie so gut singen und natürlich sollte man erst gar nicht mehr vergleichen. Doch noch nie zuvor kam Andi wie an diesem Abend auch nur annähernd so nah ran wie dieses Mal: durch oftmals geschickt abweichende Modulationen übersprang er an vielen kritischen Stellen Peinlichkeiten vergangener Jahre und sang einfach ein, zwei Lagen höher oder betonte einiges anders. Die Band passte sich mit ihren Instrumenten an und am Ende wunderten wir uns über eine sehr respektable Gesangsleistung von Herrn Deris. Ja ehrlich. Auch wenn man uns das bis heute nicht glaubt. "Eagle Fly Free", "A Tale That Wasn't Right" und "Dr. Stein" klangen schon viele viele Jahre nicht mehr so gut. Zum Ende hin dreht Andi nochmal auf und muss sich bei Stücke aus "seiner" Ära nicht mehr ganz so viel anstrengen. Ob es daran lag oder daran, dass er am Ende seiner Ausdauer angekommen war? Die beiden Zugaben "Future World" und "I Want Out" klangen dann plötzlich wieder ziemlich schief. Schade eigentlich. Zu erwähnen wären dann noch die zwei riesigen geilen Kürbisse, welche während der Show immer größer wurden und die sehr gute Lightshow. Insgesamt aber ein sehr guter Auftritt, bei welchem zumindest in der ersten Hälfte Andi mehr als überraschen konnte.
Setlist: Halloween, March Of Time, As Long As I Die, Eagle Fly Free, A Tale That Wasn't Right, Drum Solo, If I Could Fly, Dr. Stein,
I Can / Where The Rain Grows, Perfect Gentleman, Power, Zugaben: Future World. I Want Out
Der Abend klang gemütlich aus mit der liebreizenden Balladen-Band MARDUK, welche kurzerhand das Gelände mit einer kompletten Panzerdivision räumte. Natürlich wie immer ausschließlich und durchgehend in Blitzkrieg-Geschwindigkeit. Was auffällt ist der überraschend gute Sound (Tontechniker wurde gegen nüchternen ausgetauscht?) und dass fast ausschließlich altes Songmaterial gespielt wird. Was aber auch kein Wunder ist, da die letzten Alben nicht wirklich brauchbar waren. Insofern stand die Band zumindest zu diesem Urteil.
FREITAG
Pagan-Metal. HEIDEVOLK. Trinkhörner und Volksmusik auf Heavy Metal-Instrumenten. So schön, so langsam ausgenudelt und totgehört. Geht aber schlimmer: stellt Euch vor ein gewisser Joris, welcher normalerweise nicht schlecht singt, fällt aus. Stellt Euch vor, ein gewisser Mark versucht ihn zu ersetzen. Und stellt Euch vor, wie das in die Hose ging. Natürlich stellt Ihr Euch jetzt auch vor, wie trotzdem bereits einige verstrahlte Mosher in der überschaubaren Menschenmenge herumhymneten und mitsangen, das Trinkhorn vom gestrigen Abend noch in der Hand...
In Underground-Kreisen ziemlich angesagt sind derweil die True-Power-Metaller 3 INCHES OF BLOOD aus Kanada (hochdeutsch: niemand hier). Es ist noch nicht mal 13h und es stehen schon verhältnismäßig viele Warrior vor der Bühne und führen diese Aussage ad absurdum. Und kämpfen gegen das miese Wetter an. Der Rest pennt noch im Zelt und träumt von Regentropfen, die an sein Zeltdach klopfen. Die Fahnen der britischen Kolonie wehr derweil auf der Main Stage und es regnet truemetallisches Liedgut. Mehr gibts eigentlich nicht zu sagen. Außer: geiler Auftritt!
ENEMY OF THE SUN sind leider mit neuem Namen noch ziemlich unbekannt. Deshalb hier etwas Nachhilfe: es ist die neue Band um Waldemar Sorychta und stilistisch ein quasi Nachfolger von GRIP INC. - wenn auch mit neuer Besetzung. Wie dem auch sei - der zuletzt von selbiger Band schon weit vom reinen Thrash der Anfangstage entfernte Sound wurde dekonstruiert, wieder zusammengefügt und um diverse andere Bestandteile zu einem netten Konklomerat vielfältigster Einflüsse erweitert. Hier ein wenig Punk, dort ein wenig Death und jede Menge thrashige Riffs, welche schon fast in die Nähe der späten DEATH herangereichen, dazu ein sehr variabler Gesang. Die "Feinde der Sonne" (so ein tieffliegender Name für so gute Musik...) lieferten einen ungemein aufregenden Gig ab und wurden im Party-Zelt deshalb auch von der ersten bis zur letzten Minute gefeiert. Das lag auch am berühmten Tüffelchen auf dem i, denn plötzlich stand der alte GRIP INC.-Frontmann Gus Chambers am Mikro und es ertönte der Klassiker "Ostracized". Da flippten die Fans natürlich aus. Doch es kam noch besser: danach folgte der Schädelspalter "Hostage To Heaven", eine dermaßen geile Abrissbirne die auch perfekt auf SLAYERs "Seasons In The Abyss" gepasst hätte. Schade, dass ENEMY OF THE SUN nicht länger gespielt haben.
KORPIKLAANI zum dreihundertsten Mal? Das ist doch...
...PRO-PAIN! Also warum nicht gleich die Band nehmen die so heißt. Die Hardcore-Band, welche in zwei Jahren volljährig wird, holte den Knüppel von Anfang an aus dem Sack. Nicht aber ohne zuvor als Intro das Deutschlandlied(!) zu spielen. Die Publikumsreaktionen zeigten umgehend einen Querschnitt durch die deutsche Politik: viele waren überraschend, einige verwirrt, etliche blieben stehen, drehten sich Richtung Bühne, legten die Hand auf die Brust und sangen auch teilweise mit. Danach gabs aber kein Halten mehr: von der ersten Minute an dominierte New York-Old-School-Sound, das Liedgut orientierte sich überwiegend an die alten Stücke aus den 90ern, nahm jedoch auch an geschickt platzierten Stellen Neues mit ins Set. Während ich nie ein großer Anhänger der Jungs auf "Platte" war, da mir die Musik auf Dauer immer sehr schnell zu eintönig wurde, sind Live-Auftritte immer eine Bestätigung dafür, warum sie trotzdem einen riesigen Haufen Fans haben: die komprimierte Härte und Kompaktheit eines PRO-PAIN Gigs ist immer wieder zum Zunge schnalzen und eine willkommene Ablenkung. Der Meinung waren auch dutzende von Crowdsurfern, welche in Hochgeschwindigkeit über unseren Köpfen hinwegdonnerten. Zum Rausschmeißer "All For King George" waren plötzlich ganz viele Gäste auf der Bühne und wurden als Background-Sänger "missbraucht". Auch Gus Chambers war mal wieder mit dabei - der kriegt wohl nie genug, was? *g* - starker Auftritt!
Zur Abwechslung mal eine kultige alte 80er Bay Area Thrash-Kapelle. EXODUS waren mal wieder in deutschen Landen um sämtlichen Nachwuchs-Knüpplern eine Lektion zu erteilen. Holen wir mal wieder den Phrasendrescher hervor: sie kamen für eine weitere Lession in Violence! Haha... wie platt. Nunja, EXODUS hatten sich für eine sehr überraschende Setlist entschieden, welche man nicht alle Tage von einer Band bekommt (aber irgendwo muss man ja sparen, wenn man so einen derartig großen Backkatalog hat). So gab es diesmal ausschließlich Songs der letzten drei Alben und dreimal Todesdampfwalzen vom legendären Debüt "Bonded By Blood", dessen Titelsong den Auftritt auch gleich eröffnete. Während die Jungs danach "Iconoclasm", "Funeral Hymn", "Piranha" (wie geil!), "Children Of A Worthless God", "Deathamphetamine", "Blacklist" und "Strike Of The Beast" (Killer!!!!) mit einer drückenden Wall Of Sound runterzockten, bildeten sich neben dem Moshpit, welcher quasi schon eine Todeszone war, mehrfach riesige Circle Pits. Zum Glück passte hier nach kurzer Leidensphase auch der Sound ziemlich schnell und pustete heftig fett. So muss das sein!
Flammenwerfer, gigantische Pyro-Effekte: ja, genauso war es damals im Mittelalter! Nicht? Macht nix, vor paar Jahrhunderten hätte sich auch nicht ein gewisser Sänger Namens Fish innerhalb weniger Sekunden zum Volldeppen der Nation gemacht, in dem er, stolz darauf Stefan Raabs schwachsinnigen "Bundesvision Song Contest" gewonnen zu haben, der Welt mal eben erklärt, dass SUBWAY TO SALLY damit "dem Metal und Gothic im Fernsehen zum Durchbruch" verholfen haben. Ja gehts denn noch Du Knallerbse? Nagut, kommen wir zur Musik, das ist ja wohl immer noch das wichtigste an so einem Bericht, oder? Die ersten zwei Drittel des Sets wurden hauptsächlich den letzten beiden Alben "Bastard" und "Nord Nord Ost" gewidmet, unterbrochen von ein, zwei älteren Stücken. Gen Ende hin packten die Mittelalter-Rocker dann doch noch paar alte Klassiker aus. Hier wird am ehesten deutlich, dass die Band mit diesem Konzept wohl kaum so lange Leben wird wie JUDAS PRIEST oder BLIND GUARDIAN. Das ganze Gedüdel wirkt auf Dauer ermüdend, neue Ideen sucht man bei RAMMSTEIN oder im allgemeinen modernisieren des Soundgewandes. Wo bleibt da denn das Mittelalter? Wo die Basis, von der man einst kam? Das Publikum schien sich darum aber keine Gedanken zu machen und feierte die Band ab, dazu schunkelnd und wippend und ganz viel Bier konsumierend. Da wird wohl das Problem liegen: ab einer gewissen Promillegrenze ist Volksmusik (bisweilen hier dann auch mit F geschrieben) wohl erlaubt. Volks-PC, Bundesvision und BILD lassen grüßen.
Was haben wir die Österreicher HOLLENTHON mit ihrem Monsterwerk "With Vilest Of Worms To Dwell" damals, im Jahre 2001, abgefeiert, gell. Dann war die Band einfach weg. Ungefähr so wie BRIMSTONE, die auch sehr genial waren. Doch im Gegensatz zu jenen tauchten HOLLENTHON jetzt urplötzlich wieder auf, ein neues Werk Namens "Opus Magnum" im Gepäck. Bescheidenheit ist ihre Stärke. Die Band um ex-PUNGENT STENCH Martin Schirenc zeigte sich für die lange Abwesenheit erstaunlich gut eingespielt und wußte technisch zu brillieren. Dass die gewaltigen Chöre und Synthie-Wälle vom Band kamen, mag man verschmerzen, schließlich kann die Band ob ihres Underground Status kaum mit einem Chor und einem Orchester auftreten. Wett machte das allemal die gigantische Lichtshow, welche nicht alle Tage zu sehen ist. Vorallem nicht in einem Partyzerlt. Schade nur, dass der Sound zwar gut, aber dafür meilenweit zu laut war. Willkommen zurück, Jungs!
Die EMPYRIUM-Nachfolger THE VISION BLEAK erschienen dann zu vorgerückter Stunde noch im Partyzelt und uns mit ihrem Horror Metal zu beglücken. Vor ein paar Jahren spielten sie bereits auf dem Summer Breeze, damals noch in Abtsgmünd auf der Pain Stage und am Nachmittag. Was auffiel war, dass die Stücke im Vergleich zu den Alben viel zu langsam gespielt wurden. Wieso, wußte kein Mensch. Interessanterweise entfaltete der düstere Sound dabei wohl eher unfreiwillig eine sehr doomige Atmospähre, was die Stücke in einem etwas anderen Licht erschienen ließ. Der Auftritt selbst war äußerst unterhaltsam und am überraschendsten dürfte wohl gewesen sein, dass das Publikum ganze Textpassagen auswendig sang, wenn es von der Bühne dazu Anlass gab.
SAMSTAG
Mit DISMEMBER stand eine Old-School Death-Metal Combo der ersten Stunde auf dem Billing. Ihr wisst schon, eine dieser Band, welche Anfang der 90er so richtig "trendy" waren. Genau da liegt das Problem. Das überwiegend junge Publikum des Summer Breeze, welches gerade die stilistische Breite des Festivals liebt um Neues zu entdecken, entdeckte hier nur sehr altes. Nämlich einer der Wurzeln des alten Death Metal, eine Stilikone von Bands, welche normalerweise hier auftreten. So war es dann auch nicht gerade sehr voll, obwohl der Nachmittag doch schon in der Mitte seiner Pracht stand. Die Band gibt alles, legt zwar das Augenmerk auf den aktuellen, selbstbetitelten Opus, aber spielt sich ansonsten quer durch den riesigen Backkatalog. Die Twin Guitar-Riffs sind allererste Sahne, Bass und Drums drücken ohne Ende nach vorn. Da ist eine Abgeklärtheit und technische Professionalität im Spiel, die die Band zu ihren Anfangszeiten gewiss noch nicht hatte, aber genau das ist der Vorteil, den sie eben jetzt gegenüber den ganzen Nachwüchslingen hat. Wo die aktuellen Bands meist nur sinnlos herumschreddern, lassen DISMEMBER hoch einen Hauch der guten alten 80er mit in die Moderne wehen.
Die Melodic-Death-Hardcore-ler NEAERA aus Münster schöpften aus dem Fundus ihrer bisherigen drei Alben sämtliche Highlights heraus und spielten einen hervorragenden Gig. Auf der Bühne fegten sie auch im letzten Eck noch sämtliche Staubkörnchen weg und sorgten mit guter Laune und lustigen Ansagen für großen Spaß in diesem sonst so griesgrämigen Milieu. Im Verlaufe des Auftritts schafften sie es nicht nur auf zwei komplette und ziemlich große Walls Of Death, nein, bei "Scars Of Gray" sollte das Publikum einen Circle Pit um den Mischpultturm machen. Und folgte dem Befehl sofort. Innerhalb von Sekunden wuchs und wuchs das Ding und wollte dann von der Länge her auch gar nicht mehr aufhören. Am Ende dürften einige dabei fast einen Halb-Marathon hingelegt haben.
Mal wieder extra dumpfen Sound gibt es anschließend bei ENSIFERUM, die zwar alles geben, einen bunten Querschnitt bieten und ein Publikum vor sich haben, dass sie von der ersten bis zur letzten Note abfeiert (und nebenbei mehr Heu durch die Gegend wirft als es Schnupfen gibt). Das alles kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre letzten Alben meilenweit von der Qualität ihrer ersten sehr guten Outputs entfernt sind. Daumen nach oben für die Performance, zur Seite bezüglich der Songauswahl und nach unten für den Mixer.
PRIMAL FEAR. Weiß irgendwer, was diese Trolle auf dem Summer Breeze verloren haben? Nein? Ich auch nicht. Einzig und allein Stormbringer findet die Kapelle gut. Der schreibt aber zum Glück nie an den Festival-Berichten mit.
Böse Zungen behaupten die H-BLOCKX währen die PANTERA der Crossover-Szene: ein billiger Rip-Off. Dabei wird natürlich gerne übersehen, dass das bei PANTERA zwar stimmt, aber sie ab "Cowboys From Hell" auch plötzlich Vorreiter für neue Ideen wurden. Auch von mir wurden die H-BLOCKX lange Zeit ignoriert, vorallem wenn bei jedem Disco-Besuch mindestens einmal "Risin' High" läuft und man es irgendwann nicht mehr hören kann. Dennoch hatte mich die Band auf dem Summer Breeze schwer überrascht: sie passte erstaunlich gut als nette Abwechslung ins Billing und verbreitete Party-Stimmung ohne Ende. Zwischen all dem Punk, Hardcore, Pop-Rock, Metal, usw. war immer genügend Raum für flotte Sprüche und um die Bühne komplett auszufüllen. Herzlichen Glückwunsch an die Veranstalter, immer wieder nette Überraschungen für Metal-Anhänger in dieses Festival zu streuen.
Manche Band werden so lange gehypt bis sie niemand mehr leiden kann. SONIC SYNDICATE dann auch noch als Alternative zu IN FLAMES anzukündigen half dabei auch nicht sonderlich, sondern schraubte nur die Erwartungen in unermäßliche Höhen. Das Debüt war dann auch nur entsprechend halbgut und auch der Nachfolger "Only Inhuman" haute einen nicht vom Stuhl. Nichtsdestotrotz waren auf beiden Alben auch einige relativ gelungene Stücke zu finden und mit "Jack Of Diamonds" gabs gar die aktuelle Single vom kommenden dritten Album. Machte nen guten Eindruck. Die Band wirkte auf der Bühne etwas hölzern und beim Gesang gibt es gleich mehrfach Abzüge in Punkto Treffsicherheit und Tonleiter-Bandbreite. So klingt das ganze Material dann auch gleich um einiges eintöniger, als es tatsächlich ist. Durchschnittlicher Auftritt einer durchschnittlichen Band.
HEAVEN SHALL BURN sind derzeit wohl eine der besten und wichtigsten Metalcore-Kapellen auf disses grosses Planät! Leider blieb von der grandiosen Sound-Dampfwalze ob des fürchterlichen Sounds nur wenig übrig. Zum Glück sind Metalfans sehr leidensfähig und feiern trotzdem Party. Allerdings begannen diese Walls Of Death und Circle Pits of Death und sonstwas of Death nun entgültig zu nerven. Bei einer der zahlreichen Aufforderungen zum Pit wenigstens was vernünftiges "...und nehmt den (Mix-)Turm dahinten gleich mit..." - bei dem Klangmatsch wäre es kein Verlust gewesen. Highlights: gleich am Anfang des Auftritts schreien ca. 15.000 "Resistance!" und immerhin haben HEAVEN SHALL BURN den mit Abstand größten Circle Pit aller Bands heute. Gefilmt wird auch. Geil, aber leider dank Soundbrei keine "Wall Of Sound" wie man sie zu dieser Musik eigentlich haben müßte.
Die Schweden MUSTASCH gehörten im Party Zelt zu unseren ganz persönlichen Überraschungen des Festivals. Bisher hatten wir die Jungs (Schande über uns!) nämlich nicht beachtet. Die Mischung aus alten BLACK SABBATH und Wave-Bands, gepaart mit True Metal-Anleihen und einer ganz großen Portion Rock'n'Roll ist mal wieder was neues und innovatives im gleichförmig gestrickten Metal-Markt unserer Tage. Frontmann Ralf Gyllenhammer passt mit seiner rotzigen Stimme dazu wie die Faust aufs Auge und wirkte mit seinen Ansagen, welche ständig eine Mischung aus deutsch und englisch darstellen, von Beginn an äußerst symphatisch. Auf der Bühne wurde gerackert was das Zeug hielt, die witzige Moderation und die eingängigen Refrains sorgten für beste Unterhaltung. Schade, dass das alles bereits nach 30 Minuten vorbei war. Ich hoffe, künftig noch viel mehr von ihnen zu sehen und werde mich sogleich mit dem Backkatalog versorgen.
Sonst wundert man sich auf Festivals immer, warum dann ausgerechnet der Headliner nen supertollen Sound hat (also nicht wirklich, man weiß ja warum...), aber auch CRADLE OF FILTH hatten ihn an diesem Abend NICHT. Gitarren? Hörte kein Mensch. Bass? Nicht vorhanden... Gesang? Mikro war kaputt, kam erst ab Song drei. Drums? Dumpf und leise. Background-Sängerin? Viel zu laut, viel zu schief, zuviel von allem. Um höllens Willen! Ja, ab Song drei wurde es tatsächlich besser. Immerhin waren die Gitarren jetzt sauber, aber ganz weit weg zu hören. Der Bass war da. Der Gesang war auch, aber gehört hat man von Dani Filzgretl trotzdem kaum etwas. Vermutlich hat ihn der Mixer mit dem Backgroundsänger verwechselt und stattdessen die Backgroundsängerin in den Vordergrund gemixt. Herrje, was nach zrölfzig Bieren so alles geht aufm Mischpult. CRADLE OF FILTH spielen ein gutes Querprogramm ihrer Historie durch, in den vordersten Reihen hüpfen und moshen einige DieHard-Fans ihrem Untergang entgegen. Dahinter erwarteten ca. 20.000 weitere Menschen ein Inferno an gutem Sound und guten Songs. Das Inferno kam zwar, aber in Form von miesem Sound. Kommt noch dazu, dass das ganze Konzept auf einem Studioalbum richtig gut funktioniert (schließt man das letzte mal dezent aus), live aber spätestens nach 30 Minuten nur noch nervt.
Einer der besten Auftritte des gesamten Festivals kommt ganz zum Schluß: ANATHEMA entern die Bühne und liefern ein Best-Of Programm ab, das sich gewaschen hat. Zum einen überraschte die Band mit einer unglaublichen Fröhlichkeit, mit total lockeren Ansagen und einer Spontanität, die ihresgleichen sucht. Mir als alten PINK FLOYD-Fan (der deshalb vorallem die Alben "Alternative 4" und "Judgement" mag) läuft es heiß und kalt den Rücken herunter, als bei "A Dying Wish" plötzlich "Another Brick In The Wall (Part Two)" angestimmt wird und entgültig den Tränen nahe bin ich beim letzten Stück, denn da spielen die Jungs "Comfortably Numb". Hier kommt sogar der Mad Butcher von DESTRUCTION noch zusätzlich überraschend auf die Bühne und liefert sich einen virtuellen Kampf mit der Band. Noch geiler wirds, als die Security plötzlich selbst zu Crowd Surfern wird. Das wird von Band und Publikum nochmal gesondert honoriert. Besser kann ein Festival nicht ausklingen.
AUSBLICK
Wie immer war das Summer Breeze ein schönes und sehr entspanntes Festival. Sieht man vom stundenlangen Anreise-Streß einmal ab. Für die Zukunft kann man den Veranstaltern nur wünschen, dass sie eine vernünftige Anreise-Lösung finden mögen. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass auf einem großen Areal, welches sonst als Flugfeld Verwendung findet, keine Flaschen erlaubt sind. Doch wenn man schon solch umfangreiche Kontrollen durchführt, muss man diese im Vorfeld auch so organisieren, dass auch zu jeder Zeit eine relativ zügige Abfertigung stattfindet. Es hat bestimmt niemand etwas dagegen, wenn er mal eine halbe Stunde warten muss - aber danach wirds lästig. Vorallem wenn es gleich mehrere Stunden sind. Davon abgesehen haben es die Veranstalter wie immer geschafft ein "etwas anderes" Metal-Festival auf die Beine zu stellen. Nämlich ein enorm abwechslungsreiches. Ob Folk, True, Thrash, Black, Hardcore, Punk oder Crossover - überall kann man immer wieder neben bereits bekannten und etablierten Bands viele Newcomer und Nieschen-Sahnestückchen entdecken. Somit wird auch 2009 das Summer Breeze wieder eine Reise für uns wert sein. Vorausgesetzt, wir müssen nicht wieder so lange warten bis wir auf den Campingplatz fahren dürfen ;)
Das Festival Monate vorher bereits ausverkauft, feierten 75.000 Besucher das immer noch größte Heavy Metal-Festival der Welt.
Donnerstag
Den Donnerstag eröffnen zeitgleich GIRLSCHOOL auf der Black- und MUSTASCH auf der Party-Stage. Es ist ein Abend mit traditioneller Ausrichtung, so dass alle Black- und Death-Metal Anhänger beruhigt zuhause bei ihren Zelten bleiben können.
Während die deutschen MUSTASCH mit ihren bereits sechs Alben und einer EP immer noch nahezu unbekannt sind, tingelt das NWoBHM-Schiff GIRLSCHOOL bereits seit Jahrzehnten durch die Gegend und kann zu ihren Fans u.a. Lemmy von MOTÖRHEAD zählen.
MUSTASCH versammeln bereits etliche tausend Leute vor der Bühne und spielen einen roh klingenden, mit leichten Rock'n'Roll-Elementen versehenen True-Metal. Die Songs sind zwar allesamt nicht wirklich schlecht und teilweise sogar ganz ordentlich, insgesamt jedoch zu unspektakulär um längerfristig ein größeres Publikum zu erreichen. Der rollige Groove lädt allerdings durchaus zum mitwippen ein.
GIRLSCHOOL blasen indes mit langjähriger Bühnenerfahrung Hymnen wie "999 Emergency" oder "Race With The Devil" in die Meute und sichern sich so den Sieg im direkten Duell der Oldschool-Sounds.
LAUREN HARRIS ist die Tochter von IRON MAIDEN's Steve. Sie stellt livehaftig ihr Debütalbum vor, doch ist die Musik nicht wirklich gut genug, irgendwen groß zu interessieren. Grottenlangweiliger 08/15-Rock, absolut Fahrstuhlmusik-kompatibel. Mal schaun, was die Zukunft bringt...
Mit AIRBOURNE treten dann DIE Senkrechtstarter aus Australien auf die Bühne und erweisen sich im Verlaufe des Gigs als genau die richtigen Anheizer für den Headliner. Wenn zu Beginn "Bad Boy For Love" ihrer Landesgenossen ROSE TATTOO aus den Amps dröhnt, weiß man in welche Richtung es gleich gehen wird: Rock'n'Roll! Unglaublich, die Jungs haben mit ihrem Debüt "Runnin' Wild" erst ein Album im Gepäck, doch im Verlauf des Auftritts versammeln sich immer mehr und mehr und mehr Besucher vor der Bühne. Am Ende sind es bestimmt um die 30.000-40.000. Höhepunkt: Gitarrist Joel klettert während "Girls In Black" einfach mal die Bühne hoch bis kurz unters Dach und spielt in ca. 10-15m Höhe kopfüber nach unten hängend ein Gitarrensolo! Nachdem man nach gut einer Stunde das Album vorgestellt hat, sind sind alle sicher: die werden nochmal gaaaanz groß.
Noch nicht viel älter als die Australier sind ALESTORM, die mit ihrem Piraten-Metal im total überfüllten Wet-Stage-Zelt zusammen mit einigen tausend Fans schwitzen. Die Wet-Stage. Jedes Jahr wieder eine herrliche Mischung aus matischgem Boden (egal bei welchem Wetter!) und dem Geruch nach Schweiß, Bier und Urin. Ist aber wohl jedem egal, denn die Stimmung kocht bei Hymnen wie "Captain Morgan's Revenge", "Tavern Wench" oder "Flower Of Scotland" genauso wie das Zelt. Prophezeihung: dieser Auftritt lag auf einer Stufe mit EDGUY und CHILDREN OF BODOM damals im Zelt. ALESTORM sehen wir in Wacken garantiert nie wieder im Zelt! Das nächste mal dann auf ner großen Bühne! So come take a trink and drown your sorrows, and all of our fears will be gone 'til tomorrow...
Und dann kommen sie endlich: IRON MAIDEN! Die Veranstalter hatten vorgesorgt: der Auftritt wurde quer über das ganze Festivalgelände und auch außerhalb auf mehreren sehr großen Videoleinwänden übertragen, u.a. auf dem Fußballfeld (welches allerdingsdings fast leer war). Die meisten Besucher drängte es verständlicherweise direkt auf das Gelände und damit direkt vor die Bühne. Und hier zeigte sich der Fehler im Organisationssystem: ALLE Leute stürmten durch den Eingang, welcher direkt vor der Bühne war. Es kam, wie es kommen musste: als alles von der Bühne bis zum Eingang aufgefüllt war und Fan an Fan dicht gezusammengedrängt stand, musste dieser Eingang geschlossen werden. Wütende und unverständliche Reaktionen vor dem Eingang von Fans, die nicht mitbekommen haben, dass es neben diesem Eingang links noch einen weiteren gab und die Party-Stage einen völlig eigenen Eingang hatte, bei dem absolut niemand rein wollte. Wer diesen Eingang nahm, konnte über die rechte Flanke auch zu diesem Zeitpunkt noch bis kurz vor die Bühne!!!
"Somewhere Back In Time" heißt die aktuelle Welt-Tournee des NWoBHM-Flagschiffs. Und genau dieses Programm spielen sie auch in Wacken. Eine unglaubliche Zeitreise zurück in die 80er folgt: "Aces High" und "2 Minutes To Midnight" eröffnen DAS Konzert des Festivals, legendäre Klassiker, darunter "The Trooper", "Run To The Hills", "Rhyme Of The Ancient Mariner", "Can I Play With Madness", "Wasted Years", "Revelations", "The Number Of The Beast" oder "Hallowed Be Thy Name". IRON MAIDEN sind in Höchstform, präsentieren sich tight wie in ihren besten Jahren. Man merkt der Band die Spielfreude geradezu an. Sie steht ihnen in den Gesichtern geschrieben. Sie sagen uns: "Wir sind IRON MAIDEN. Und für uns war der Metal NIE tot!". Die Bühne besteht aus dem kompletten "Powerslave"-Set, welches in Deutschland bei der 1984er-Tour nie komplett zu sehen war. Bruce Dickinson ist abartig gut aufgelegt, das Publikum hat er fest im Griff. Ständig erscheint er mit einem neuen Satz Klamotten, während der Rest der Band ihre Geräte maltretiert. Der Sound ist bestens und ertönt auch auf der nebenan stehenden Black Stage, so dass das komplette Gelände vollbeschallt ist. Gänsehaut kommt auf, wenn 70.000 Fans "Fear Of The Dark" mitsingen, das einzige Stück übrigens im Set, welches nicht aus den 80ern ist. IRON MAIDEN 2008: eine Macht.
Freitag
Den zweiten Festivaltag eröffnen auf der Party-Stage die Iren PRIMORDIAL, welche sich in den letzten Jahren zu einer sehr erstaunlich genialen Band entwickelt haben. Mit ihrem aktuellen Meisterwerk "To The Nameless Dead" im Gepäck, wecken sie Wacken auf und präsentieren ein Best-Of Programm. Leider bei den ersten Stücken mit einem sehr ärgerlich schlechten Sound. Zum Glück wurde es langsam besser. Stücke wie "Heathen Tribes", "Coffin Ships" und "As Rome Burns" haben nichts anderes verdient, als einen guten Sound zu haben. Ansagen gibts aus Zeitmangel kaum, warum die Band auf der Bühne relativ leblos agiert, weiß indes niemand so wirklich genau. Insgesamt gesehen ein eher durchschnittlicher Auftritt für PRIMORDIAL-Verhältnisse.
Auf der True-Metal-Stage dröhnen anschließend die Australier MORTAL SIN mit gefühlten 2000 Dezibel. Vermutlich ist der Mixer noch vom Vortag taub, vielleicht war er es schon immer. Wir flüchten so schnell wir können weit vors Gelände und hören uns die Jungs vom Metal Markt aus an. Die meisten Stücke stammen von ihren beiden Erstlingswerken "Mayhemic Destruction" und "Faces Of Despair", welche gerade neu remastert in den Regalen liegen. Die Thrash-Klassiker "Blood, Death, Hatred", "Into The Fire", "I Am Immortal" sprechen für sich: wie der Wirbelwind rocken und moshen die Altmetaller auf der Bühne herum, Funken sprühend, welche im nu zum Publikum überspringen. Geiler Gig, super Sound, leider bei weitem zu laut.
Reunion! Hieß es anschließend auf der Party-Stage. Nach über 10 Jahren versammelten sich die Technik-Thrasher CYNIC mal wieder auf den Brettern die die Welt bedeuten und spielten hochkomplexe Stücke, die für Fans ein echter Zungenschnalzer sind. So mit sich selbst beschäftigt, lässt die Bühnenshow und das Acting natürlich zu wünschen übrig, dazu noch einige lange Ansagen und fertig ist eine Show, die war interessant, aber auch ein wenig langatmig war. Hauptsache, sie sind wieder da.
Alle Wacken-Neulinge wissen spätestens jetzt, was "Wacken rain or shine" zu bedeuten hat. Während bei PRIMORDIAL noch die Glatze glühte, fallen bei ENSIFERUM massenweise Wasserbomben aus den Wolken. Die versammelten Wikinger stört das indes überhaupt nicht, sie schütteln ihre Mähne zur derzeit wohl angesagtesten Pagan-Band überhaupt. Diese brennen Hymnen der Marke "Hero In A Dream", "Token Of Time", "Windrider", "One More Magic Potion", "Iron" oder "Deathbringer From The Sky" ab und sorgen dabei für mächtig Stimmung. Wie der Wirbelwind hausen die Jungens auf der Bühne ab, während sich die ersten Fans vor der Bühne in Matsch-Schlachten tümmeln. Schade nur, dass der Sound stellenweise gruselig schlecht war.
HEADHUNTER sind so ein Projekt, welches kaum bekannt wurde, obwohl dahin solch Größen wie Schmier (DESTRUCTION), Schmuddel oder auch Jörg Michael stehen. Ihr wohl bekanntestes Album "A Bizarre Gardening Accident" aus den 90ern dürfte einigen da wohl am ehesten noch etwas sagen. Schmier schafft es überraschend mühelos, deutlich melodischer zu singen und nimmt auch die schwierigeren Gesangsabschnitte recht locker mit. Das technisch anspruchsvolle Songmaterial "Parody Of Life", "Caught In A Spider's Web" geht nicht gleich ins Ohr und so versammelt sich vor der Party-Stage nur eine überschaubare Anzahl von DieHard-Fans. Die aber werden es kaum bereut haben, denn die Musiker sind sehr gut drauf, geben sich locker und interagieren auch mit dem Publikum ganz gut. Vom Publico geforderte Rufe nach DESTRUCTION-Songs wurden wegen der kurzen Spielzeit und um HEADHUNTER als eigenständiges Projekt zu etablieren zwar erhört, jedoch freundlich abgewiesen.
Irgend etwas falsch machen danach die U.S.-Wahrmetaller KAMELOT um Frontmann Roy Khan. Zwar stehen vor der True-Metal-Stage mehrere zehntausend Leute herum, doch die weitaus größte Anzahl von ihnen verharrt eher mit einem gemütlichen Bier in der Hand auf der Stelle. Vielleicht liegt es an der pompösen Show, die gleich zu Beginn wuchtige Pyro-Effekte auffährt, große Feuersäulen gen Himmel reckt, vielleicht auch an Khan, welcher aus welchen Gründen auch immer fast den gesamten AufTRITT auf Knien verbringt. Die Band kommt beim Publikum steril, kalt und seltsam entrückt an. Highlights "Centre Of The Universe", "The Haunting", "March Of Mephisto" klingen gut wie immer, helfen aber letzten Endes nicht, dass der berühmte Funke zum Publikum überspringt. Ein sehr merkwürdiger Gig einer Band, die man auf etlichen Festivals und Konzerten schon bedeutend überzeugender gesehen hat.
SOILWORK sind mit ihrem Neo-Thrash mittlerweile Stammgäste in Wacken. Eine Stunde gibt es Knüppel-aus-dem-Sack, wobei das Songmaterial fast ausschließlich aus "Figure Number Five"-Stücken besteht, ergänzt "Stabbing The Drama" und "Sworn..."-Auszüge. Zu meckern gibt es im Großen und Ganzen zwar nichts, jedoch wird man das Gefühl nicht los, dass jeder SOILWORK-Auftritt irgendwie der gleiche ist...
Aus Schweden kommt nicht nur Todesblei, auch die True-Metaller SABATON. Die haben, zählt man ihr wesentlich später erschienenes Debüt "Metalizer" mit, mittlerweile vier Alben im Gepäck und sind somit kaum noch als Newcomer zu bezeichnen. Unerreicht jedoch bis dato immer noch ihr Zweitling "Primo Victoria", welcher die Messlatte in diesem Bereich doch schon sehr hoch setzte. Und so ließen sie "Metalizer"-Songs weg und spielten ansonsten eine abwechslungsreiche Mischung der drei regulären Studioalben mit großem Einsatz und sehr gutem Stageacting. Auch der Sound war sehr ordentlich und so bekam eine große Anzahl von Leuten einen richtig guten Auftritt zu sehen und zu hören, bei welchen SABATON bestimmt eine ganze Anzahl von neuen Fans gewinnen konnte.
Immer noch tief im Underground verwurzelt sind die 80er-Metaller DESTRUCTOR aus den U.S. von A., welche nach langer Auszeit (ihr 1986er Klassiker "Maximum Destruction" blieb lange Zeit ihr einziges Album) wieder unter den lebenden sind und seit 2003 die Alben "Sonic Bullet", "Forever In Leather" und die "Storm Of Steel"-EP ihrer Diskographie hinzugefügt haben. Um sie zu sehen, muss man natürlich die W.E.T.-Stage aufsuchen. Was das heißt, haben wir ja bereits weiter oben erläutert. So kreisen die Mähnen u.a. zu den Thrash-Klassikern "Bring Down The Hammer", "Iron Curtain" oder dem bereits vom kultigen "Heavy Artillery"-Sampler bekannten "Storm Of Steel". DESTRUCTOR sind auch 2008 eine authentische Metalband alten Schlags, die es schaffen auf ihrem aktuellen Material den 80er Sound so modern klingen zu lassen, dass er schon wieder modern ist. Und genauso fühlen sie sich auch: modern und aktuell. Auf der Bühne wird gemoshed und herumgewirbelt wie in der Hölle, das Publikum geht ab wie sau und am Ende der Show wird ganz true noch ein Keyboard in seine Einzelteile zerschlagen um der Welt zu zeigen: wahrer Metal braucht sowas nicht!
Das mit den Keyboards sehen die finnischen Melodic-Speedster von SONATA ARCTICA natürlich ganz anders. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass man von denen nur ihr Debüt "Ecliptica" im Regal haben muss, aber viele junge Metalfans, die ja mit mittelmäßigen Bands und Alben aufgewachsen sind und meist (noch) nichts anderes kennen, mögen das natürlich anders sehen.
Der Auftritt bleibt nicht lange in Erinnerung. Die Setlist wurde mit vielen langsamen Stücken aufgeweicht und verstärkt den Eindruck, dass die Band niemals den Status ihrer Vorbilder STRATOVARIUS und Co. erreichen werden. Einziger Höhepunkt ist "Don't Say A Word", das vom Publikum großflächig und lautstark unterstützt wird. SONATA ARCTICA sind eines jener Beispiele, die beim Versuch sich stilistisch unbedingt von ihren großen Vorbildern trennen zu müssen, gescheitert sind.
OPETH sind bei mir immer ein etwas zweischneidiges Schwert. So sehr ich den progressiven Extrem-Metal der Schweden auch mag und mir desöfteren zu einem guten Gläschen Wein ihre Platten anhöre, so langatmig finde ich oft ihre Live-Auftritte. Obwohl die durchaus meist sehr witzigen und bissigen Ansagen von Frontmann Mikael eine gewisse Würze ins Programm bringen, passiert es mir durchaus, dass ich nach dem dritten oder vierten Song einfach zur nächsten Band weitergehe. Warum? Fragt mich nicht. Vermutlich gehört zu einem Live-Gig mehr Action. Und auch wenn es mir hier wieder passiert ist: technisch perfekt gespielt wie immer, hatten OPETH ihr neues Album "Watershed" mitgebracht und es auch ausführlich vorgestellt. Somit wie immer: nichts auszusetzen, abgesehen von meinen persönlichen Problemen ;)
CHILDREN OF BODOM holen danach mit der Sense zum Hate Crew Deathroll aus und genauso fühlt es sich im Pit auch an. Alexi Leiho hat seine Kumpels mitgebracht und sie laufen zu Bestform auf! Neben "Silent Night, Bodom Night", "Follow The Reaper", "Blooddrunk", "Lake Bodom", "Downfall" oder "Hate Me!" gibt es vorallem noch einige Highlights zu erwähnen: bei "24/7" formiert sich quasi aus dem Nights heraus plötzlich einer der größten Circle-Pits die ich je gesehen habe. Ganz nebenbei verwandelt sich das Gelände in eine Crowd-Surfer-Autobahn. In unzähligen Parallelen lassen sich weit über 1000 Menschen vom Publikum von hinten nach vorne tragen. Und so mancher hat rein gar nichts an! Auf der Bühne indes legt sich Tastenakrobat Janne Viljami Warman Finlandia Prost Wie Heiss Ich Wirman einen BH um und wird sogleich von Alexi befummelt was das Zeug hält. Neben einigen angespielten Ablenkungsmanövern in Form von "Umbrella" oder "Jump" fönen einem die Jungs ansonsten mit 300 Grade sämtliche Haare vom Kopf. Das ist mal Partymucke!
Die Mittelalter-Gesellen CORVUS CORAX sind mitsamt einem kompletten Orchester angereist. Da bleibt auf der Bühne natürlich nicht mehr viel Platz. Ihr neues Machwerk nennt sich "Cantus Buranus II" und ist ungefähr soviel Metal wie Boney M. - nämlich gar keiner. Vor lauter klassischen Musikern sieht man die eigentliche Band gar nicht, macht nichts, denn hören kann man sie auch kaum. So gerät der Auftritt zu einer Konzert-Farce, denn der substanzlose möchtegern "Carmina Burana"-Verschnitt wirkt so aufgeblasen wie er inhaltsleer ist. Nächstes mal bitte in die W.E.T.-Stage zu selbst naßmachen und dafür ALESTORM oder DESTRUCTION an deren Platz!
THE HAUNTED...made me do it! Knüppel aus dem Sack, fette Lightshow, auf der Bühne gehts ab wie in einem Hornissennest und dazu kommt noch ein wirklich guter Sound. Nur an der Zusammenstellung des Songmaterials könnte man herumnörgeln, ist dieses doch zu sehr aufs aktuelle Tourprogramm mit Promotion des neuen Albums ausgelegt denn auf eine zündende Best-Of-Show. Aber man kann ja nicht immer alles haben.
Headliner der zweiten Abends sind Tobias Sammet's AVANTASIA und natürlichen waren alle gespannt wie ein Flitzebogen darauf welche Musiker es von den Albenkonserven auf die Bühne geschafft haben, schließlich ist so ein umfangreiches Stelldichein der Creme de la Creme faktisch nie gleichzeitig an einen Ort zu bringen. Den Status als wichtigste Band des Tages verdankt das Projekt natürlich EDGUY, deren Ableger es ist. Aufgrund des immensen logistischen Aufwands an Lebendgewebe war es ja gar nie nicht geplant, AVANTASIA jemand überhaupt auf die Bühne zu bringen, doch nach den immensen Erfolgen von "The Metal Opera Pt. 1" und "Pt. 2" gesellte sich zu diesem Doppelpack dann doch noch ein Drittling in Form von "The Scarecrow" hinzu. Und zwar nicht minder erfolgreich. Da kann man dann irgendwann nicht mehr anders, da muss auch ein Konzert her. Der einzige Auftritt in Deutschland natürlich nirgendwo anders als in Wacken. Und so beginnt es...
Tobi Sammet ganz in schwarz mit Cowboy-Hut - hoppla - das ist ja fast schon spießig. Aber bevor man noch groß darüber nachdenken kann beginnt die Show auch schon in Form von "Twisted Mind", gleichzeitig auch Eröffnungsstück des aktuellen Werkes. Als Unterstützung sollte im Duett sollte ja eigentlich Jorn Lande dienen, doch dessen Mikro bleibt stumm (er singt trotzdem). Auch beim nächsten Stück "Another Angel Down" ändert sich dieser Status nicht. Sehr schade. Ein ums andere Mal fragt man sich ob der Mixer eingeschlafen oder taub ist - vielleicht doch das Mikro selbst? Selbiges wurde allerdings nicht getauscht. Weitere Gaststars sind André Matos (welcher u.a. auch die Michael Kiske-Parts übernimmt), Bob Catley und Uli Jon Roth. Der Mittelpunkt dieses grandiosen Gesamtkunstwerks, welches um eine gute Lightshow und einen sehr guten Sound (abzüglich zwischendurch nicht vorhandener Mikros) ergänzt wird, ist und bleibt natürich der Initiator Tobi. Er setzt weiterhin auf schlechte Witze und eine Show, welche reine Geschmackssache ist. Ob seine Witze nun "alternativ geil", "geschmacklos", "langweilig" oder einfach nur "Tobi" sind, wird wohl auch in 1000 Jahren noch keine einstimmige Meinung zu vertreten wissen. Bei der Dampfhammer-Hymne "Reach Out For The Light" holt er kurzerhand eine Deutschland-Flagge aus seinem Zauberhut und heizt das Publikum damit noch weiter an (wir wissen ja: spätestens seit der WM im eigenen Land darf man das wieder "einfach so" - endlich... ). Weitere Stücke sind "The Seven Angels", "Serpents In Paradise", die Bandhymne "Avantasia", aber auch die umstrittene Single "Lost In Space". Insgesamt gesehen wird eine Mischung aus Heavy Metal-Konzert, Musical und ganz großem Kino geboten, die beim Wacken-Publikum dermaßen gut ankommt, dass sogar einem Tobias Sammet ein ums andere Mal einfach so die Sprache wegbleibt. Zumindest kurze Zeit.
Um es kurz zu machen: Es lässt sich natürlich darüber streiten, ob EDGUY bzw. AVANTASIA wirklich Metal sind, doch sie sind derzeit das größte, was Deutschland in dieser Sparte zu bieten hat.
Den zweiten Festival-Tag beenden die bösen Schwarzmetaller GORGOROTH, welche eine abartige Show mit allerlei Nackedeis auffahren. Die Headliner der Black-Stage fuhren ein großes Bühnenprogramm auf: zwei nackige Mädels, zwei nackte Jungs hängend an Kreuzen mit Sack überm Kopf, Pfähle, Feuer, rotes Licht. Herrje! Das Böse persönlich hat Wacken erreicht. So spielt die Musik auch eine eher untergeordnete Rolle bei diesem Auftritt, ist die Show das Programm und der Wahn. Es ist im Übrigen das gleiche Bühnenbild wie bereits 2004 auf der Polen-Tour. Damals kam dann die Polizei und alles war böse. Die Band, die Nackten, die Zuschauer... nuja, Polen ist ja auch sehr katholisch und hat hinterm Eisernen Vorhang noch einiges verpasst. Hier in Germanien sind inzwischen gut ein Drittel der Bevölkerung aus der Kirche ausgetreten. Die glauben somit weder an Gott noch an den Teufel. Deshalb findet Wacken das ganze richtig großes Fernsehen. Nicht mehr. Und nicht weniger. Ohne Werbeunterbrechung. Ah doch. Von der Band selbst. Zwischen einigen Stücken kommen seltsam-lyrische Ansagen "This is a song about SATAN!". Fazit: Geile Show. Musik egal. Bei DISSECTION wars noch anders rum.
Samstag
Tag drei. Für manche Festival-Besucher schon Tag vier, fünf, sechs oder 23.
3 INCHES OF BLOOD eröffnen um 12 Uhr einen sehr windigen, aber sonnig-herben letzten Festival-Tag. Mit ihrer Würzmischung aus Death- und 80er Heavy Metal sorgen die Jungs für einigen Aufruhr, denn es ist bereits ziemlich voll vor der Bühne. Schwarz-, Todes- und Wahrmetaller aller Coleur lassen ihre Matte kreisen, die Band zeigt mächtig Spielfreude. Ein sehr gelungener Auftakt für Freunde aus allen Stilrichtungen.
Die Finnen MACHINE MEN begeisterten mich 2002 mit ihrer selbstbetitelten, selbstproduzierten Debüt-EP, welche noch sehr IRON MAIDEN-lastig, aber auch sehr genial war. Leider schafften sie es in der Folgezeit mit ihren Studioalben nicht, mich als Fan längerfristig an sie zu binden. Mal sehen, was sie uns in Wacken zu bieten haben: Die Party-Stage ist um die Mittagszeit noch sehr überschaubar. Sound ist ganz ordentlich, das Publikum sehr angetan, stellenweise begeistert. Die Auswahl des Songmaterials legt Wert auf Highlights. Insgesamt gesehen ein "netter" Auftritt: agile Band, munteres Publico, im Vergleich zu 3 INCHES OF BLOOD ziehen MACHINE MEN jedoch eindeutig den Kürzeren.
So richtig Pech haben die NWoBHM-Originale SWEET SAVAGE, welche guten alten britischen Heavy Metal aus den beginnenden 1980er Jahren spielen. Pech deshalb, da laut Running Order eigentlich die Thrash-Metal-Walze EXODUS an der Reihe wäre. So kommt dann was kommen muss: während sich SWEET SAVAGE den Arsch abspielen, dabei eine ganz gute Figur abgeben und den ein oder anderen Gassenhauer in die Ackerlandschaft abgeben, bleibt's vor der Bühne emotional zurückhaltend bis explosiv. Gelegentlich ertönen großflächige EXODUS-Sprechchöre. Doch die kommen nicht. Dafür geht das Publikum. Sehr schade für eine Band, die ich nach langer Zeit mal wieder sehen durfte.
MERCENARY aus Dänemark schauen auf der Party Stage vorbei und ganz viele Leute schauen ihnen zu. Der moderne Power Metal, welcher in einer Schnittmenge zwischen U.S.-Metal und melodischerem Euro-Metal liegt, lässt die MERCENARY aktuell zu einer überaus bekannten Band werden, von welcher wohl noch sehr viel zu erwarten sein dürfte.
Und dann kommen sie doch noch: die U.S.-Trash-Metal-Abrissbirne EXODUS! Das Wetter ward mal wieder ein anderes: es regnet. Welch Überraschung. Interessiert aber niemanden wirklich. Es ist fast so voll wie bei den Abend-Bands. Welchen Status EXODUS hier in Deutschland haben, spürt man den gesamten Gig. Etwas überraschend eröffnen sie gleich mit "Bonded By Blood". Im weiteren Verlauf gibt es einen sehr gelungenen Querschnitt zwischen alten Klassikern "A Lesson In Violence", "Strike Of The Beast" und den letzten drei Alben "War Is My Shepard", "Children Of A Worthless God" zu hören. Frontmann Rob Dukes ist bestens aufgelegt und schreit sich am laufenden Band die Seele und andere Dinge aus dem Leib. Förmlich am überkochen ist die Stimmung dann bei "Deathamphetamine", als Dukes von den ganzen "Motherfuckers" vor der Bühne den größten fuckin' Circle-Pit des Festivals sehen will. Er soll ihn bekommen. Und er dauert so ziemlich den halben Gig!!! Vermutlich würde der Auftritt als Legendär eingestuft, hätte er nicht ein großes Manko: die Gitarren - ein einziger Soundbrei. Bass und Drums total übersteuert. Doch es kommt noch schlimmer: der True Metal-Stage Mixer lässt sich nicht davon abbringen, auch fast alle anderen Bands dieses Tages dermaßen katastrophal abzumischen. Muß das sein?
Todesmetall der Sonderklasse kommt von den Amis OBITUARY. Diese präsentieren uns ein sehr gelungenes Best-Of-Programm quer durch fast alle Alben. Technisch präzise und absolut überzeugend dargeboten, verharrt die Band auf der Bühne leider allzusehr in bewegungslosem Zustand und ignoriert ein riesiges Publikum nahezu perfekt einfach komplett. So sieht Wacken eine äußerst superbe wie auch langweilige Show und kann sich - positiv betrachtet - voll und ganz auf die Musik konzentrieren.
Sie waren ganz große Vorreiter des Grind- und Death-Metals: CARCASS sind wieder da! Zunächst nur für eine Welt-Tournee. Spätestens jetzt herrscht Headliner-Stimmung. Das ganze Areal ist voll. Zurück nach 15 langen Jahren. Pünktlich dazu erschienen auch ihr kompletter Backkatalog, digital-remastert und limitiert als Deluxe-Editionen. Wenn schon, denn schon. Jeff Walker, eine Spaßgranate mit deftig-trockenem Humor, Bill Steer und Michael Amott an Bass und Gitarren - doch Moment mal - wer sitzt denn da hinterm Drumkit? Daniel Erlandsson, bekannt wie ein bunter Hund als Trommler von AMON AMARTH. Ken Owen, der da eigentlich sitzen müßte, leidet bereits seit Jahren an einer schweren Krankheit. Bei seltsamem Wind ist der Sound auf verschiedenen Standpunkten mal gut, mal gar nicht gut. Während Jeff das Publikum bestens animiert und sichtlich Spaß hat, konzentiert sich der Rest der Band auf die (mit Ausnahme von Daniel) lange nicht mehr regelmäßig gespielten Instrumente. Das Songmaterial nimmt eine Reise von den rauhen Knüppelzeiten bis zum Ende. Schwerpunkt natürlich die beiden großen Klassiker "Necroticism..." und "Heartwork". Die Vermischung der Backkatalogs gelingt, OldSchool-Fans werden genauso zufrieden gestellt wie die breitere Masse, die hauptsächlich die Spätwerke kennt. Highlights sind zum einen der Auftritt von ARCH ENEMY-Frontröhre Angela Gossow bei "Incarnate Solvent Abuse", von Jeff anschließend furztrocken mit "I still hate Arch Enemy" kommentiert, sowie der sehr überraschende Auftritt des sichtlich gezeichneten Ken Owen, welcher kurzerhand ein Drum-Solo einprügelt und danach noch eine rührende Ansprache von sich gibt. Wacken hat wieder einmal Geschichte geschrieben.
Mit POWERWOLF ist ein großer Hoffnungsträger auf der W.E.T.-Stage zu finden. Das Publikum wird brav mit rumänischem Akzent gesiezt, die True-Metal-Mucke klingt mit sakralen Einlagen und White-Metal-Texten eigenständig genug um ein öffentlichkeitswirksames Profil zu schärfen. Speziell das aktuelle Album "Lupus Dei" ist ein Schmankerl vor dem Herrn (sic!). Frontmann Attila Dorn gehört zur Speerspitze der nationalen Szene, "Saturday Satan", "Prayer In The Dark", "Tiger Of Sabrod" oder "We Take It From The Livin'" zum Besten, was dieser Tage in diesem Metier erschienen ist. Die Bühnenshow ist okkult und die Musiker agieren sehr souverän für eine so junge Band. Alle Daumen hoch!
ENEMY OF THE SUN haben keinen sehr publikumswirksamen Namen gewählt, gehören aber trotzdem in die Kategorie "muss man kennen". Warum? Weil der Bandcheffe Waldemar Sorychta heißt und einst zusammen mit SLAYER-Kulttrommler Dave Lombardo unter dem Namen GRIP INC. die Metal-Welt beglückte. Ohne Dave musste ein neuer Name her und da wären wir. Mit nur einem Album wirds mit der Songauswahl natürlich eng, so gibt es einen Großteil des Debüts zu hören und mit "Ostracized" und "Hostage To Heaven" leider nur zwei absolute geniale GRIP INC.-Abrissbirnen. Was bleibt: eine großartige Performance, ein gut aufgelegter Waldemar, ein toll abgeschmischter Sound und ein Wiedersehen in zwei Wochen - auf dem Summer Breeze.
Für alle Arten von Wiedervereinigungen war Wacken ja schon immer gut. Ein Wunder, dass der 2+4-Vertrag damals nicht dort unterschrieben wurde, aber damals war das Dorf wohl noch etwas zu unbekannt. AT THE GATES sind wieder da! Sozusagen die Blaupause des Göteborg-Sounds schlechthin. Und so sind sie nach geschlagenen 12 Jahren wieder zurück um mehreren zehntausend Besuchern zu zeigen, wie es sich wohl angefühlt hat, damals. Damals, als man diesen einzigartigen Gitarrensound zum ersten Mal hörte. Als hunderte von Menschen dazu verdonnert wurden eine Band zu gründen, weil sie nicht mehr anders konnten. Damals, als der Death Metal plötzlich melodisch wurde. Mit ihrem Sound bereiteten sie den Weg für Bands, welche noch viel größer werden sollten als sie. Die Revolution frisst bekanntlich sehr oft ihre Kinder. Wieder mit langen Haaren am Start ist Mikrofön-Grunzer Tomas Lindberg, sichtlich ergriffen von all diesen Menschenmassen, welche gekommen sind ihnen zu huldigen. Nach all den Jahren weiß man natürlich auch, was das Publikum wirklich hören will: "Slaughter Of The Soul". Das ganze Album wurde gespielt, ergänzt um Stücke aus allen anderen Veröffentlichungen. Es war ein Fest, ein spannungsgeladener Moment der Geschichte. Die Jungs haben großen Spaß, eine enorme Spielfreunde und in Anbetracht der crowdsurfenden Menschenmenge wohl ernsthafte Zweifel daran, dass dieses Konzert - wie im Vorfeld angedroht - ihr endgültig letztes sein sollte. Viele Menschen waren nach diesem Auftritt der Meinung, dass es zusammen mit IRON MAIDEN der mit Abstand beste des Festivals war. Eine Meinung, welche der Autor uneingeschränkt teilt.
NIGHTWISH zum ersten Mal ohne Tarja als Headliner in Wacken. Die neue Stimme, Anette Olzon, hat nicht nur bereits ihr erstes Album eingesungen, sondern steht auch bereits bei vielen Fans in der Kritik. Die Vorwürfe sind breitbandig: die Stimme wäre zwar gut, aber austauschbar und somit NIGHTWISH als eigenständige Band nicht mehr erkennbar. Die Stimme ist zu dünn. Die Frau hält dem Druck nicht stand und bricht Konzerte gesundheitsbedingt auch mal gerne mitten in einem Auftritt mehr oder weniger unfreiwillig ab. Gute Presse ist das nicht. Was würden die Finnen bei ihrem Wacken-Auftritt tun? Fragen über Fragen. Alle Augen gerichtet auf die Band des Tages. Nach EXODUS, CARCASS und AT THE GATES alles andere als einfach. Vorallem wenn stilistisch verwandte Bands wie AXXIS und LORDI entweder zeitgleich oder erst später spielen. Das Zielpublikum verstreut über Metal Markt, W.E.T.-Stage und Campingplatz, die Vorberichterstattung katastrophal bis bemitleidend. Fangen wir doch einfach an: Ein Best-Of Programm, das wir nicht näher erläutern wollen ohne Eulen und ähnliches zu zitieren wird geboten, formidable Licht-Show, zurückhaltende Pyros. Nein, Anette Olzon kommt tatsächlich sympathischer, emotionsvoller und aufgeschlossener rüber als die "große Diva Tarja". Aber genau DAS ist ja eben das Problem: NIGHTWISH ohne Tarja sind QUEEN ohne Freddie Mercury. Eine Band, die stellenweise so klingt wie unzählige andere Kapellen. Sind das jetzt NIGHTWISH oder WITHIN TEMPTATION? Es mag durchaus richtig sein, sich von Tarja getrennt zu haben. Es ist nachvollziehbar und menschlich. Doch einen gleichwertigen Ersatz gefunden haben sie nicht. NIGHTWISH 2008 riecht nach IRON MAIDEN ohne Bruce Dickinson, nach JUDAS PRIEST ohne Rob Halford. Es riecht modrig. Und nach Wiedervereinigung.
Vor der Party-Stage ist die Hölle los und tatsächlich spielen die deutschen Urzeit-Metaller AXXIS nicht zeitgleich zu NIGHTWISH, sondern zu KREATOR. Überschneidungen bei Geschmacksfragen sind damit zumindest bei stilistisch eingeschränkten Mitbürgern größtenteils ausgeschlossen und somit zoomen wir gleich ins Geschehen: geile Bühnenshow, viel Licht und ausnahmsweise sogar sehr guter Sound. Das riecht nach Verschwörung. Den Zuschauern ist's egal, sie feiern eine Band, die gerade ihren zweiten Frühling erlebt. Und überhaupt: die Party-Stage. Im letzten Jahr noch ein Hort des Teufels, kaum erreichbar duch einen viel zu schmalen Eingang, bei Wacken 2008 schon fast ein Schmuckkästchen. Mit eigenem Eingang und breitem Durchgang erreicht man auch bei Headliner-Alarm ganz schnell Bier-, Jacky- und Fress-Bunden mit sehr überschaubaren Ansteh-Zeiten. Aber das nur ganz nebenbei. Zurück zu AXXIS: für Fans der ersten Stunde wie mich bleiben "Kingdom Of The Night", "Axxis II" und das grundgeile "Access All Areas"-Live-Album natürlich die Ursuppe des deutschen Melodic-Rock. Doch nach einer soliden Stagnation Mitte bis Ende der 90ern kehrten die Jungs mit sehr überzeugenden Alben wieder zurück ins Licht der Öffentlichkeit und präsentierten uns zuletzt mit "Paradise In Flames" und "Doom Of Destiny" melodische Leckerbissen. Ein genialer Querschnitt durch die Geschichte und einer der besten Auftritte an diesem verlängerten Wochenende. Weiter so!
Thrash aus Deutschland, da sind KREATOR nicht weit. Und die fahren heuer eine gigantische Lightshow auf, welche von zahlreichen Videoclips unterstützt wird. Dazu gibt es ein Best-Of-Programm das sich gewaschen hat. Der Mixer scheint wieder einigermaßen nüchtern zu sein und Mille nervt wie immer mit politischer Einseitigkeit und Moralpredigten auf Vorschulkinder-Niveau. Mehr muss man dazu eigentlich nicht mehr schreiben, denn man bekommt was man verdient: harte Mucke bei der sich Klassiker an Klassiker reiht, genug Riffs und Hymnen für 14 Tage Genickschmerzen - KREATOR-Fans ignorieren zum Glück mittlerweile das drumherum und konzentrieren sich auf die Mucke.
THE BONES sind eine der wenigen Kapellen, welche in Wacken einfach und richtig absichtlich KEIN Metal sind. Mit ihrer Mischung aus Punk und Rock'n'Roll geh'n sie in der W.E.T.-Stage ab wie Luzi. Diese hat sich mittlerweile allerdings ziemlich geleert. Vergleichbar mit der Menge Bier, welche die Besucher dieses Zeltes in den letzten 12 Stunden wohl hier zurückließen. Das nicht mehr zu umgehende Matschfeld vor dem Eingangsbereich hat sich mittlerweile zu einem mächtigem Stück Urin gewandelt. Vermutlich der Grund, warum es in diesem Zelt nie trocken ist: die Pisse vom Vorjahr ist 12 Monate später immer noch am verdunsten. 2008 der einzige Bereich, an dem noch DRINGEND etwas geändert werden muss.
LORDI machen alles ein weniger kommerzieller, schneller und geiler als HAMMERFALL, doch im Gegensatz dazu haben sie nicht nur den Eurovisions Song Contest gewonnen, sondern auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie ziemlich tuntig im Fahrwasser von ALICE COOPER und KISS schwimmen. HAMMERFALL hingegen tun seit Jahren so, als währen sie Heavy Metal. Eine Behauptung deren Beweis bis heute aussteht. Bei starkem Niederschlag haben LORDI an der Festivalfront mit zahlreichen Verlusten zu kämpfen, doch wahre Fans crowdsurfen auch bei diesem Wetter ziemlich unbeeindruckt über den Köpfen der Besoffenen. Den besten Tag hat die Band indes nicht erwischt: man zockt sich durch ein Programm von mittlerweile allseits bekannten Stücken, interagiert jedoch kaum mit dem Publikum - obwohl die Jungs mit dem Mädel auf der Bühne herumflitzen als hätten sie Wespen im Arsch. Kurios. Blut spritzt, Knochen fliegen, Fleisch wird aufgespießt, Horrorshow. Richtig Angst machen sie damit allerdings niemandem. Nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein sehr solider Auftritt, welcher das Festival zum Ende führt.
Fazit und Ausblick
Das 19. Wacken Open Air war mal wieder ein absolutes Highlight. Eine durch die Bank überzeugende Bandauswahl, ein noch weiter verfeinerte Organisation. Auch aus dem groben Fehler vom letzten Jahr - dem weitaus zu engen Durchgang zum Party-Stage-Gelände - hat man gelernt. Das Gelände ist nun wieder nahezu offen und hat sogar einen komplett eigenen Eingang von außen bekommen. Leider hat sich das allerdings noch nicht sehr weit herumgesprochen.
Die Anfahrt wurde noch besser geplant und zum ersten Mal seit etlichen Jahren sind die Staus vor den Campingplatzeinfahrten sehr deutlich zurückgegangen. Auch Dixis und Duschen wurden subjektiv mehr (wir haben nicht gezählt). Bleiben noch zwei Probleme zu lösen: das auslaufende Urinal an der W.E.T.-Stage, welches die Flächen vor dem Zelt großflächig zu Matsch werden lässt und müffelt ohne Ende sowie die etwas unflexiblen Eingangsbereiche, die den Gästen nicht automatisch (z.B. per Videotafeln) mitteilt, dass ein Eingang zwar geschlossen, die daneben aber noch geöffnet sind.
2009 ist ein Jahr zum noch größer feiern: 20 JAHRE WACKEN OPEN AIR. Natürlich fragen sich bereits jetzt sehr viele Leute, wie die Veranstalter IRON MAIDEN denn zum großen Jubiläum noch toppen wollen. Eine gute Frage. Tipps gibt es ja bereits genügend: AC/DC, METALLICA, KISS, eine 30 Jahre ONKELZ-Reunion-Show *g* und vieles mehr.
Fest steht bisher nur eines: Wacken expandiert! Es wird 2009 noch einen etwas kleineren Ableger in Brasilien geben. Tja, mal sehn ;)
Freitag
TYR, die seltsame Metalband von den Faröern, spielen eine eigenständige Mischung aus Folk- und Epic-Metal, mit mehrstimmigem und -sprachigem Gesang. Unterscheidet sich eindeutig von anderen Folk- und Viking-Kapellen, mit welchen die Jungs unangebrachterweise immer wieder in Verbindung gebracht werden. Obwohl ich die Musik generell nicht übel finde und auch die beiden ersten Alben in den raren Erstpressungen besitze, ein Fan werde ich wohl nicht mehr. Kommt noch dazu, dass TYR ziemlich sperrig für jungfräuliche Ohren sind, denn kaum jemand vor der Bühne kennt die Band. So beginnt das Bang Your Head heuer ein wenig verhaltend (CONTRACRASH habe ich zum Glück verpasst) und auch noch mit dumpfem Sound.
Spürbar mehr Zulauf bekommen die U.S.-Speedster AGENT STEEL, welche sich in den 80ern mit den beiden Göttergaben "Skeptics Apocalypse" und "Unstoppable Force" in die Annalen der Musikgeschichte schrieben. Doch auch in den späten Neunzigern und mit ihren letzten Werken mussten sich Juan Garcia und Co. nie verstecken. Trotz sehr kurzer Spielzeit versuchen sie alte und neue UFO-Fanatiker zu begeistern und schaffen das auch. Beginnend mit überwiegend neuem Material "Ten Fists Of Nations", "Destroy The Hush" lassen AGENT STEEL zum Ende hin die Kuh fliegen mit unsterblichen Klassikern wie
"Mad Locust Rising", "Unstoppable Force", "Children Of The Sun" und natürlich der ultimativen Hymne "Agents Of Steel". Frontmann Bruce Hall weiß dabei in fast allen Bereichen zu überzeugen. Nur beim Stageacting agiert die Band etwas zu steif. Insgesamt gesehen jedoch ein geiler Auftritt, der so richtig Stimmung bringt.
Jessas! Punk, Dänen-Folk, Speed-Metal und jetzt auch noch KORPIKLAANI. Ja wo sammer denn... auf dem Bang Your Head! Über die stilistische Bandbreite kann sich am Freitag gewiss niemand beschweren. Humppa-Metal bringt das Publikum in Fahrt und regt bei Temperaturen um den magischen 30° zum Bier trinken an. Spätestens bei "Beer Beer" sind sich da alle einig. Durchgeschwitzt, naßgemoshed - was immer man nachher ist - auf jedenfall durstig!
Eine noch größere Meute wollte anschließend die erst kürzlich wiedervereinigten Bay-Area-Veteranen FORBIDDEN sehen und erwartete einen thrashigen Gig vom Feinsten. Den gibs dann auch, da man sich bei der Setlist auf alte Tage konzentriert und einen Großteil des Erstlingswerkes "Forbidden Evil" von sich gibt. Von selbigem Klassiker auch der formidable Opener "March Into Fire", bei dem die Gitarren des Duos Glen Avelais und Craig Locicero zu ersten Hochformen auflaufen. Verstärkt wird die Truppe von Mark Hernandez (Drums), Bassist Matt Camacho und Russ Anderson in der Paraderolle als äh ja... Gozilla oder wahlweise auch Sumo-Ringer - nebenbei singend. Das "nebenbei" macht sich in Form von merkwürdigen Gesangspassagen bemerkbar, welche dann doch sehr anders als auf den Alben klingen: Russ singt stellenweise sämtliche hohen Stellen einfach deutlichen tiefer - wenn er sie nicht gerade einfach mal weglässt. Hat das jemand gemerkt? Scheinbar nicht. Die Fans gehen ab wie Luzi, was bei Stimmungsgranaten wie "Chalice Of Blood", "Through Eyes Of Glass" oder "On The Edge" auch kein Wunder ist. Hinzu kommt, dass die Instrumentalfraktion wirklich zu überzeugen weiß und auch gutes Programm macht. Insgesamt ein noch guter Gig, welcher denn auch mehr als nur artig beklatscht wird.
Noch mehr Finnen. Noch viel mehr Zuschauer als bei KORPIKLAANI. Ein Intro. Keine Band. Moment - wo ist denn die Band? Die hat ihren Auftritt vergessen und hechtet gerade noch auf die Bühne, bevor das Intro ein drittes Mal angestimmt werden muss. ENSIFERUM sind ebenfalls kein typischer Bang Your Head-Zielmagnet. Dennoch erspielen sich die Wodka-Säufer mit ihren großartigen Melodic-Hymnen, welche mit Schwarzmetall-Getöns hervorragend gekreuz(ig)t werden, sehr schnell eine immer größer werden Schar, welche ihr Bier in die Höhe recken, ihre Matte kreisen lassen und beides auch mal ein wenig durcheinanderbringen. "Iron", "Token Of Time", Blood Is The Price For Glory!
Zurück nach Deutschland: auch wenn es so manche Fans anders sehen machen RAGE vor WHITE LION Sinn. Denn richtig voll ist es bereits, auch wenn RAGE noch eine gehörige Prise an Headbangern miteinbringen Peavy Wagner hat einen guten Tag erwischt, ist sichtlich gut gelaunt und wird dabei bestens von Viktor Smolski und Andre Hilgers unterstützt. Während Erstgenannter wie ein Wirbelwind auf der Bühne hin- und herflitzt, hat sich der Neuankömmling am Schlagzeug bereits sehr gut eingelebt und spielt ein fehlerfreies Set. Der im Vergleich zum umfangreichen Ouvre der Band doch sehr frühe Auftritt macht sich alsbald in einer doch etwas zu kurz kommenden Spielzeit bemerkbar, durch die sich RAGE mit einem Best-Of Programm in einen wahren Rausch spielen. So gibt es neben "Refuge", "Carved In Stone", "Down" oder "No Regrets" am Ende noch ein dreiteiliges Medley, bei dem "Don't Fear The Winter" natürlich den unumgänglichen Rausschmeißer bildet.
Sagte ich gerade noch, RAGE machen vor WHITE LION Sinn? Nun, zumindest der Beginn des Auftritts spricht alles andere als dafür. Die Band beginnt mit einem hundsmißerablen Sound, die ersten Stücke sind kaum zu erkennen und erinnern eher an eine landende Boing mit einem an Brechdurchfall erkrankten Kapitän. Zum Glück erwacht der Mixer wieder, der wohl im Vollsuff sämtliche Regler verstellt hat, als er mit dem Gesicht aufs Mischpult aufgeschlagen ist. Bereits beim vierten Song wissen wir endlich mit Gewissheit, dass WHITE LION auf der Bühne stehen. Zurück zum Gig: ein Best-Of Programm mit massig Highlights ("Lady Of The Valley", "Cryin' Out", "Little Fighter", "Broken Heart", "Dream", "El Salvador", "Wait", usw.), eine Band die so dermaßen nach 80er aussieht, als wäre sie gerade mit einem Fluxkompensator aus der Vergangenheit transportiert worden und ein Auftritt, der etwas holprig aber dennoch symphatisch wirkt. Doch noch ein gutes Konzert geworden.
Nach dem weißen Löwen nun ein weißer Hai: GREAT WHITE. Jack Russel und Begleitung zünden von der ersten Minute an ein Hitfeuerwerk, auch wenn seine Stimme wegen eines defekten Mikroföns zu Beginn noch fehlt. "Call It Rock'n'Roll" ist da ein perfekter Einstieg, mit "Back To The Rhythm" gibt es den Titeltrack des Comeback-Albums zu hören (feines Teil!), bei "On Your Knees" hören wir eine LED ZEPPELIN-Hommage und "Save Your Love" ist eine stimmungsvolle Ballade. So wissen auch die Hardrock-Haie mit einem großartigen Best-Of Programm zu begeistern, dessen Höhepunkt natürlich das abschließende "Once Bitten Twice Shy" ist, bei dem entgültig auch die letzten Zuschauer mitsingen.
Spätestens nach diesem Auftritt sollte jeder kapiert haben: wir können froh sein, dass es die Band noch gibt. Nach der 2003er Feuerkatastrophe von West Warwick, bei der Pyrotechnik den Club "The Station" in Brand setzte und bei dem neben über 100 Zuschauern auch Gitarrist Ty Longley ums Leben kam, ist es keine Selbstverständlichkeit, dass der alte Hai noch so eindrucksvoll durch die Meere zieht und seine (Hardrock)-Zähne zeigt.
ICED EARTH sind mit neuem, alten Sänger Matt Barlow zurück. Es ist ja schon immer unglaublich, wie tief Bands sinken, wenn ihr langjähriges Aushängeschild in Form des Frontmanns plötzlich weg ist. IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, ICED EARTH. Dabei waren die Ersatzmänner eigentlich nie wirklich die Schuldigen: Blaze Bayley hat einfach stimmlich nicht zu den Jungfrauen gepasst, die schwachen Songs, welche alle drei Bands in der Zwischenzeit geschrieben haben, hatten jedoch ganz alleine die lange eingesessenen Bandmitglieder zu verantworten. Gut, wenn man immer so schnell schuldige findet. Doch auch bei Matt Barlow ist etwas in der Stimme, das bei ICED EARTH einfach gefehlt hat: Wärme und Natürlichkeit. Während sein Ersatzmann Tim Owens sang wie eine Präzisionsmaschine, zeigt Barlow auch einfach, dass er ein Mensch ist. Mit "Declaration Day" und "Ten Thousand Stong" beweist Barlow, dass er auch Ripper-Stücke ohne Tadel beherrscht, der Rest des Gigs besteht aus Material, welches sowieso schon auf seine Stimme zugeschnitten ist. Alte Klassiker wie "Violate", "Vengeance Is Mine", "The Coming Curse", "Burning Times", "My Own Savior" oder die Bandhymne "Iced Earth" - sind sind wieder zurück. In bester Verfassung! Hoffentlich geht auch die Qualität der Alben wieder steil nach oben.
QUEENSRYCHE kündigten im Vorfeld etwas an, das man bestimmt nicht sehr oft in seinem Leben sehen wird: "Operation: Mindcrime" in beiden Teilen - komplett Stück für Stück hintereinander gespielt wie auf den Platten. Wer beide Werke kennt weiß schon was im blüht. Die Amis fahren eine riesige Show auf, welche ansatzweise mit PINK FLOYDs "The Wall" vergleichbar ist: Orchestermusiker, Background-Sängerinnen, großes Bühnenbild, die Band als Spielfiguren der Show, die eine weitflächige Handlung darstellt. Tate in der Rolle als Junkie (Nikki), Pamela Moore spielt seine Schwester Mary, ehemals Nonne und nun Prostituierte. Als Spielball von Dr. X, welcher ein mafiöses Terrornetzwerk kontrolliert, findet auf der Bühne ein ums andere Mal ein Straßenkampf statt. Am Ende treibt Dr. X Mary in den Selbstmord. Die Band agiert im großen und ganzen mehr als solide, nur Mike Stone wird seiner Rolle als Gitarrist eher selten gerecht. Auch Geoff Tate ist nicht bei bester Stimme. Pamela Moore sorgt hier als Doppler-Effekt zeitweise so gut für Unterstützung, dass man derartige Schwächen nur am Rande mitbekommt. Links und rechts vom Bühnenrand werden zu ersten Mal an diesem Tage die Videowände zum Leben erweckt und übertragen parallel zur Bühnenshow zahlreise Musikvideos, welche die Storyline überzeugend ergänzen. Insgesamt gesehen ein guter Auftritt, der natürlich von Anfang bis Ende mit Hymnen "Revolution Calling", "Spreading The Disease", "The Needle Lies", "I Don't Believe In Love", "Eyes Of A Stranger" gespickt ist und ein mehr als nur zufriedenes Publikum hinterlässt.
Pause. 15 Minuten. Und dahinter die Unendlichkeit.
Die Unendlichkeit ist in diesem Verhältnis als Zeiteinheit anzusehen. Es dauert einfach unendlich lange bis dieser - die Langeweile völlig neu definierende - Nervbrocken "Operation: Mindcrime II" zu Ende geht. Während dieser zweiten 90 Minuten ergreifen immer mehr Zuschauer die Flucht mit dem Ziel, lieber vom Alkohol blöd zu werden als von der Musik. Dafür sieht man in der aufkommenden Dunkelheit nun die Videoclips besser. Die sind aber auch nur ein trauriger Abklatsch des ersten Teils und so wartet man... auf die Zugabe.
Mit "Walk In The Shadows" zaubert man nur einen einzigen Song aus der Prä-Mindcrime-Ära hervor und macht sich damit auch nicht viel mehr Freunde. Die "Empire"-Stücke "Jet City Woman", "Silent Lucidity" und der Titeltrack entschädigen allerdings zumindest einigermaßen für die grauenhaften Stücke des überflüssigen zweiten Teils eines Klassikers, in dem Nikki versucht sich an Dr. X für den Tod seiner Schwester zu rächen.
Ein gelungener erster Teil, ein Rohrkrepierer danach. An diesem Abend haben sich alle gewünscht, QUEENSRYCHE wären 90 Minuten später auftreten und hätten nur den ersten Teil gespielt - die Videoeffekte und die Bühnenshow kommt schließlich Nachts viel besser zum Tragen als bei gleißendem Sonnenschein.
Samstag
Die deutschen Prog-Metaller SECRECY, welche uns die beiden feinen Scheiben "Art In Motion" und "Raging Romance" bescherten, kehren 15 Jahre nach ihrer Auflösung wieder zurück auf die Bretter der großen weiten Welt. Das hätten sie besser sein lassen. Man merkt den Jungs an, dass sie in der Zwischenzeit kaum etwas getan haben und völlig neben der Spur sind. Nervös, holprig, hölzern - Staceacting findet nur ansatzweise statt. Sänger Peter Dartin klang auch schonmal besser, der Sound war suboptimal. Und somit die Band beim sehr überschaubaren Publikum klar durchgefallen. Was natürlich auch daran liegt, dass das Songmaterial schon alleine sperrig genug ist und schon mehrfacher Durchläufe bedarf, bis man deren Klasse erkennt. So kann man der Band nur raten: bitte das nächste Mal erst zwei Jahre auf kleinen Brettern Touren und sich wieder warm spielen, bevor man sich auf einem großen Festival lächerlich macht. Schade schade.
Auch BREAKER waren bis vor gar nicht all zu langer Zeit länger weg, doch im Gegensatz zu SECRECY machten sie alles richtig: ausgiebiges Touren in allen Clubs und Räucherkneipen die nicht schnell genug schließen können. Trotz des Ausfalls von Shouter Jim Hamar (Stimmband-OP) machen die U.S.-Metaller einen tighten Eindruck. Ersatz-Frontmann Greg Wagner ist ein sehr guter Ersatz und Jungs werden auch garantiert nicht in die Verlegenheit kommen, dass ihnen die Songs ausgehen: Ohrenzeugen berichten, dass die Band am Vorabend im Club eine bis auf wenige Ausnahmen komplett andere Setlist hatte. Na sowas. Wie auch immer, es gibt genügend Stücke ihres großen Klassikers "Get Tough!", bei welchem ja alleine die CD-Neuauflage noch massig gute Tracks zu bieten hat. Doch auch das neue Release "Peace Love Death" fährt ganz in altbekannter Fahrrinne und passt sich gut ins Programm ein. Um in Erinnerung zu bleiben verkauft man die Scheibe für geschenkte sechs Euro am Merchandise-Stand und wirft noch ca. 12 Tonnen T-Shirts ins Publikum. Weiter so!
LIZZY BORDEN sind auch so eine Band, die eigentlich so viele geile Songs im Repertoire hat, dass sie längst viel viel größer und bekannter sein müßte. Nützt alles nichts. An diesem Tag gibts wieder ein gigantisches U.S.-Showtheater zu sehen, welches zwar um drölf Ecken glamiger rüberkommt als die QUEENSRYCHE-Show vom Vorabend, dafür aber umso lustiger. Lizzy Borden himself wechselt ständig sein Aussehen während die Instrumentalfraktion bestens aufgelegt ist. Im Vordergrund steht die Show, ergänzt natürlich um ein Best-Of Programm durch die komplette Historie, bei welchem neben "Red Rum" (wie geil!), "There Will Be Blood Tonight", "Me Against The World" oder "Rod Of Iron" auch drei Songs vom neuen Album mit ins Programm wandern. Zwischendurch packt Lizzy die Titten einer uns unbekannten Dame aus, welche ständig irgendwo auf der Bühne irgendwas macht. Als er genug davon hat, meuchelt er sie auch gleich darnieder. Jaha, gutes altes 70er Jahre Kontrastprogramm im 80er Jahre Soundgewand.
Verkannt wegen öffentlich propagiertem Alkoholmißbrauch werden die Frankfurter Thrash-Metal Urgesteine TANKARD immer noch von einigen Metallern schwer unterschätzt. Denn in Wirklichkeit spielen die Jungs schon längst auf Top-Niveau. Auch wenn das Programm nur selten variiert und "Die With A Beer In Your Hand" zusammen mit "Freibier für alle" auf keinem Konzert fehlen darf, so knüppeln sich die Jungs nicht nur quer durch ihre Historie, sondern verwandeln das Bang Your Head mir nichts dir nichts in eine riesige Headbanger-Party. Relativ neu im Programm ist der neue Stadionfeger "666 Packs", ohne den wohl kaum mehr ein Auftritt auskommen wird. So sind TANKARD wie sie immer sind: eine sichere Bank.
Danach folgen HARDCORE SUPERSTAR, welche an diesem Tag verdächtig nach LIZZY BORDEN klingen. Äh, ach das sind ja LIZZY BORDEN. Schon wieder. Denn die Superstars haben sich angeblich an irgendeinem Flughafen ausversehen selbst verzollt.
Wie abgezockt eine Band wirklich ist, merkt man ein diesen Amis: sie haben spontan ein komplettes zweites Programm im Gepäck und spielen glatt einen zweiten Gig mit anderer Bühnenshow. Einfach kultig. Diesmal gibt es z.B. "American Metal" und "We Only Come Out At Night", das Mädel wird diesmal von einem Vampir-Lizzy totgebissen und von der Bühne getragen und zum finalen Abschluß läuten sämtliche Party-Glocken nochmal ganz laut, denn die Jungens des heutigen Openers AGE OF EVIL gesellen sich mit dazu und zocken gemeinsam "Long Live Rock'n'Roll" (RAINBOW) und "Born To Be Wild" (STEPPENWOLF). Zweimal LIZZY BORDEN, zweimal geiler Gig!
Gute Bands mit großem Back-Katalog wissen wie man sich im Zweifelsfalle negative Kommentare seitens der Fans ersparen kann: sie lassen den Fans die Setlist einfach selbst aussuchen. Das versuchen SAXON jeden Jahr seit Jahrhunderten immer live, GRAVE DIGGER haben es tatsächlich im Internet getan. Die Teutonen-Grabschaufler sind die Inkarnation des Mitklatsch- und -sing und -gröhl Metals, denn während sie u.a. "Rebellion", "Knights Of The Cross", "The Dark Of The Sun" oder "Excalibur" zum Besten geben, werden die Refrains konsequent unterbrochen und das Publikum mit integriert. Während man sich von anderen Bands wünscht, dass sie dies überhaupt mal tun würden, machen GRAVE DIGGER das bei fast jedem Stück. Auch das kann auf die Nerven gehen. Insgesamt gesehen jedoch ein toller und sehr souveräner Auftritt, bei dem die Band eine sehenswerte Performance abliefert und ihre gute Laune schnell auf das Publikum überträgt, welches auch ganz brav wirklich jeden Scheiß mitmacht. Eigentlich ja ein idealer Opener für die nachfolgende Triple-Axe-Attack von MALMSTEEN, SAXON und JUDAS PRIEST.
YNGWIE MALMSTEEN hat einen neuen Sänger: Tim "The Ripper" Owens. Ein wenig Mitglied hat man ja schon mit ihm: zuerst haben ihn JUDAS PRIEST entlassen, dann haben ihn ICED EARTH rausgeschmissen. Und beide Bands spielen auf diesem Festival. Der gute Ripper nimmts gelassen und teilt dem Publikum mit, dass er mit ihnen zusammen später JUDAS PRIEST ansehen wird. Das ist doch mal nett. Tim Owens ist jemand, der genau weiß, dass er bei den Priestern und auch bei ICED EARTH nur eine Übergangslösung war. Aber er weiß auch, dass es eine große Ehre war, überhaupt bei solchen Bands singen zu dürfen. Wer kann das schon von sich behaupten? Eben. Warum also soll er ihnen böse sein? Die Chancen sich bei Malmsteen längerfristig etablieren zu können, sind so klein nicht, schließlich gibt es in dieser Formation nur einen Chef und der wechselt bei Bedarf seine Musiker ohne größere Schmerzen aus. Kommt eben darauf an, wie Tim mit so einem Ego zurechtkommt.
Wie IRON MAIDEN "Somewhere Back In Time"-Tour besinnen sich auch SAXON derzeit wieder auf ihre alten Tage und spielen spezielle Tourneen oder Shows, welche fast ausschließlich Material aus der ersten Hälfte der 1980er Jahre beinhaltet. Sehr überraschend beginnt die NWoBHM-Legende mit dem "The Inner Sanctum"-Abschlußtrack "Attila The Hun", dem nach "Motorcycle Man" noch "Let Me Feel Your Power" von diesem Album folgt. Der Rest des Programms besteht dann nur noch aus Klassikern: "To Hell And Back Again", "Strong Arm Of The Law", "20.000 Feet", "Crusader", "Wheels Of Steel", "Princess Of The Night" - zum niederknien! Die komplette Mannschaft um Biff Byford ist demnach eigentlich auch aufgelegt wie immer: bestens! Wie ich ja regelmäßig schreibe: ich habe noch NIE einen mittelmäßigen oder gar schlechten Auftritt der Angelsachsen gesehen. Wirklich noch NIE. Zwischen und in den Songs macht Biff seine üblichen Ansagen, welche entweder aus "Fuck" oder den Fragen bestehen, ob gerade ein schneller, langsamer, alter oder neuer Song gespielt werden soll. Natürlich immer darin endend, dass niemand wirklich jemals eine klare Antwort darauf erhalten wird, weil sowieso alle Zuschauer wild durcheinander schreien und die Jungs am Ende sowieso nur das Stück spielen, welches sowieso gerade auf ihrer Playlist steht. Das alles zusammen macht aber SAXON gerade so sympathisch und gespickt mit all diesen großen Klassikern einfach zeitlos. Bei "Denim And Leather" steht plötzlich Malmsteen mit auf der Bühne, die dritte Gitarre spielend. Besser kann man ein Publikum nicht mehr anheizen. Genau das haben SAXON nämlich bereits schon 1981 bestens gekonnt: auch damals folgten danach JUDAS PRIEST.
JUDAS PRIEST verlangen ihren Fans dieser Tage mehr ab als IRON MAIDEN: während die Jungfrauen mit der Rückkehr von Bruce Dickinson ein eingängiges Reunionswerk ablieferten und anschließend etwas progressiver weiterhin ihrem Stil fröhnten, muten die Priester nach dem über weite Strecken ebenfalls geglückten "Angel Of Retribution" dem geneigten Hörer ein 100 Minuten Mammut-Konzeptalbum über Nostradamus zu, welches neben einer umfangreichen Storyline mit einem sperrigen Monster-Soundtrack aufwartet, dass nach allem klingt, nur nicht nach JUDAS PRIEST. Andererseits war das aber auch schon öfters so. Man denke nur an "Turbo" zurück, welches damals die halbe Republik in Fans und Gegner teilte und für monatelangen Gesprächsstoff sorgte. Ganz nebenbei: ich fand "Turbo" schon immer geil, mutig und anders. Wie auch immer:
Das Konzert beginnt mit dem Intro "Dawn Of Creation" des "Nostradamus"-Albums und geht in dessen ersten Song "Prophecy" über. Rob Halford im silbernen Mantel mit Priest-Zauberstab und massenweise Haare im Gesicht repräsentiert sich als der Held, um dem es bei dieser Geschichte geht. Erstaunlicherweise funktioniert das Stück auf der Bühne richtig gut, weckt Erinnerungen an ein Musical - und natürlich an die Auftritte von QUEENSRYCHE und LIZZY BORDEN. Ein doch überraschend guter Auftakt!
Danach wirds - wie bereits von diversen Tourneen gewohnt - komisch: wir sehen eine Instrumentalfraktion, welche wie in alten Zeiten herumwirbelt, hammergeile Gitarrensoli in die Menge zupft, einen ordentlichen Bass und ein geiles Drumming von Herrn Travis. Doch der "Metal God" Rob Halford steht meist auf dem Fleck, tief nach unten gebeugt um die Songtexte von einem Telepromter zu lesen. Unfassbar! Nach über 15 Jahren Sex'n'Drugs'n'Rock'n'Roll jenseits der Priest hat man ihm sowas direkt nach der Wiedervereinigung ja noch verziehen. Doch mittlerweile kann man sich über dieser Unsicherheit ja nur noch wundern, sang Rob diese Stücke doch quasi jahrzehnte lang fast jeden Tag. So freut man sich natürlich über "Metal Gods", "Eat Me Alive", "Between The Hammer And The Anvil", "Hell Patrol" und "Breaking The Law" - ist ja klar. Doch die Gesamt-Performance lässt deutlich zu wünschen übrig. Zumal auch der Rest der Band im Verlauf des Programms auf Sparflamme schaltet und Arbeit nach Vorschrift macht. Die schon länger in den Knochen steckende Tour mag dafür verantwortlich sein, vielleicht auch der ehemalige Metal God, welcher zeitweise wie ein Häufchen Elend aus der Vergangenheit wirkt. Nämlich immer dann, wenn er schnell und hoch singen muss. Mit "Death" gibt es noch einen kurzen Abstecher zum neuen Album, bei dem Halford, auf einem Thron sitzend in rotes Licht getaucht, wieder ansatzweise ehrfürchtig drein blickt. Auch dieses Stück kommt live weitaus gewaltiger und besser als auf dem Album. Weiter gehts mit Klassikern wie "Dissident Aggressor", "Electric Eye" und "Rock Hard, Ride Free", welche die bisherige Performance bestätigen. Zwei Songs zeigen, wo Licht und Schatten bei JUDAS PRIEST aktuell zu finden sind: ein überragender Rob Halford brilliert bei "Angel" tatsächlich gottgleich mit herzenswarmer und eindringlicher Stimme um nicht viel später beim "Painkiller" aber so richtig total zu versagen. Zum Glück gibt es drei Zugaben und viel Alkohol in Reichweite, dieses Stück gleich wieder vergessend machend. Man fragt sich, ob JUDAS PRIEST nicht hätten an jenem Abend so richtig groß sein können, in dem sie den anwesenden Ripper Owens auf die Bühne geholt hätten. Einige Stücke singend, die der große Metal God nicht mehr drauf hat. Man, was hätte das für ein Konzert werden können. So bleibt am Ende ein eigentlich guter Auftritt, den man sicherlich nicht bereut hat. Aber auch ein flaues Gefühl in der Magengegend, in welche Zukunft diese Band wohl gehen wird.
Playlist:
Dawn Of Creation,
Prophecy,
Metal Gods,
Eat Me Alive,
Between The Hammer And The Anvil,
Devil's Child,
Breaking The Law,
Hell Patrol,
Death,
Dissident Aggressor,
Angel,
The Hellion,
Electric Eye,
Rock Hard, Ride Free,
Sinner,
Painkiller
Fazit
Das Billing war wieder sehr aufschlußreich und zeigte wie es sich für ein gutes Festival gehört Licht und Schatten. Wiedervereinigte SECRECY, die es besser hätten sein lassen, gigantische BREAKER. Der Beweis, dass Folk Routine sein kann (KORPIKLAANI) oder richtig geil (ENSIFERUM). Wir durften mit ansehen, wie ein und die selbe Band am gleichen Abend göttlich und grottig zugleich sein kann (QUEENSRYCHE), wie spontan alte Hasen agieren (LIZZY BORDEN), wie ein überall nur als Ersatz-Sänger bekannter Tim Owens über allen steht und wie es aussieht, wenn ein Frontmann die ganze Zeit auf den Bühnenboden gafft, weil dort der Teleprompter vorbeiläuft. Ein Festival sagt mehr als tausend Bücher und Berichte: nur LIVE zeigen die Bands, wer sie wirklich sind.
Nächstes Jahr wird sich in Balingen so einiges ändern: es wird gesonderte Campingplätze für Clubmitglieder und VIPs geben, während die normalen Besucher das Gelände nur noch mit langen Fußmärschen oder per Shuttle erreichen können. Gründe dafür gibt es genug: Am und um das Festivalgelände wurde und wird gebaut. Neue Hallen sind entstanden. Campingflächen stehen wegen Bauflächen-Ausweisung nicht mehr zur Verfügung. In Abtsgmünd endeten solche gravierenden Umbaupläne mit dem Abzug des Summer Breeze nach Dinkelsbühl. Das wollen wir für Balingen nicht hoffen. Doch andererseits gehören zu einem Festival auch Campingplätze, die in günstiger Fußmarsch-Reichweite entfernt liegen. Wollen wir mal sehen, wie es mit dem Bang Your Head weitergeht. Hoffen wir das Beste.
Gegenüber dem Vorjahr gab es zahlreiche Veränderungen und Verbesserungen:
Die Anfahrt ging sehr schnell und ohne Komplikationen von statten. Die Ausgabe der Festival-Bändchen allerdings weniger: diese wurden nämlich direkt am Festival-Eingang ausgegeben, gegen Abgabe der Eintrittskarte. Daraus folgernd gab es am Donnerstag Abend und Freitag Mittag ewig lange Schlangen und viele Besucher hörten einige Bands nur leise von der Ferne. Denn die Bühnen waren noch weit entfernt. Dazu später mehr. Lustigerweise gab es bei meiner Ankunft am Mittwoch Abend schon gar keine laminierten Fotopässe mehr. Kommen wir zu den Bands:
Mittwoch
Der Mittwoch hatte vorallem drei Dinge zu bieten: eine MANOWAR-Generalprobe, den ersten Teil des Band-Contests und das abfackeln des Wikinger-Schiffes, welches letztes Jahr auf der Bühne stand. Das zumindest war die Ankündigung.
Die Generalprobe fand dann auch statt. Allerdings ließ man uns alle geschlagene zwei Stunden warten! Der anschließende Band-Auftritt ging dann ziemlich glatt vonstatten und die PA war relativ schnell richtig gut, laut und druckvoll konfiguriert. Zu später Stunde war dann das Wikinger-Schiff dran. Besucher vom letzten Jahr enttarnten das Schiff als plump gefälschten Nachbau und das Anzünden verlief - wie sollte es anders sein - sehr unspektakulär. Es dauerte ca. 20 Minuten ehe das Schiff überhaupt größerfläch brannte, danach ging es aber sehr schnell und nach etwas über einer halben Stunde war der Spuck auch schon wieder vorbei. Nimmt man für diesen Tag einen zusätzlichen Urlaubstag? Künftig wohl nicht mehr.
Donnerstag
Die releativ junge Band BENEDICTUM (zwei Alben) um Frontfrau Veronica Freeman eröffnete das Festival am Donnerstag vor einem sehr sehr überschaubarem Publikum. Scheinbar interessierten sich die meisten angereisten Besucher wohl weder für die Band noch für den Festival-Beginn. Die Bühnenshow war agil, die Musiker um Stimmungsmache bemüht. Die Gesangsleistung ganz ordentlich (das ACCEPT-Cover "Balls To The Wall" passt sehr gut zur kauzigen Stimme). Die Eigenkreationen, eine Mischung aus Wahr-Metall und Hardrock, konnten jedoch nur ansatzweise überzeugen. Aufgrund der musikalischen Fähigkeiten gehe ich erstmal von Steigerungspotential in der Zukunft aus. Insgesamt gesehen ein brauchbarer Auftakt.
Während der Umbaupause wurde dann die "Flamme des Metal" entzündet, welche das restliche Festival den olympischen Spielen gleich für uns leuchten sollte.
Die in Würde, aber nicht unbedingt in Weisheit ergrauten MSG um Namensgeber Michael Schenker sollten folgen. Und zwar mit halbstündiger Verspätung, da der Sänger der Band im Stau steckte. Der anschließende Auftritt verlief sich in gepflegtem Mittelmaß mit mehreren Ausflügen in tiefergelegte Langeweile. Das Songmaterial war überwiegend durchwachsen und ließ von einstigen Höhenflügen der Jungs nur ansatzweise etwas erahnen. Selbst gute Stücke wurden nur unzureichend umgesetzt. Stimmung wollte weder im kaum vorhandenen Publikum noch auf der Bühne aufkommen. Vielleicht aber auch kein Wunder, wenn ein Michael Schenker vor gerade einmal hundert Leuten spielen soll? Ein versöhnliches Ende folgte mit der großartigen UFO-Hymne "Doctor Doctor".
Waffenfanatiker TED NUGENT ließ anschließend das Durchschnittsalter nicht wirklich sinken und legte ebenfalls einen routinierten Gig an den Tag. Im Gegensatz zu MSG jedoch mit deutlich mehr Elan und Power. Mit ihrem bluesigen Rock'n'Roll traf man jedoch auch hier nicht unbedingt den Nerv des "True Metal needs closed minds"-Publikum, so dass einzig bei "Cat Scratch Fever" mal kurzzeitig das Licht der Amis zu Leuchten begann.
ALICE COOPER, der Altmeister des Horror-Rock, kann aus einem großen Fundus schöpfen. Und das tat er auch. Trotz seiner Jahre, die er mittlerweile so auf dem Buckel hat, denn der Herr hat mittlerweile die 60er erreicht. Und endlich war es auch auf dem Festivalgelände wesentlich voller geworden. Eröffnet wurde das Set mit "No More Mister Nice Guy". Hier machte sich zuerst die Unart vor der Bühne breit, welche bis zum Ende des Festivals viele Zuschauer sehr nerven sollte: MANOWAR-Fans aus der ganzen Welt hatten auch alle artig die Flaggen ihrer Heimatländer mitgebracht und hielten diese direkt vor der Bühne auch von Anfang bis Ende schwenkend hoch. Mangels einer Videoleinwand sah man somit kaum noch was von der durchaus sehr anspruchsvollen und sehr gut umgesetzten Bühnenshow. Stand man näher an der Bühne, sah man vor lauter Flaggen nichts, stand man weit weg konnte man zwar wieder einigermaßen auf die Bühne sehen, jedoch war dann alles so klein, dass man auch keine Details mehr wahr nahm. Sehr schade. Zu Tracks wie "I'm Eighteen", "Lost In America", "Billion Dollar Babies", "I Love The Dead" und vielen anderen Klassikern gab es u.a. eine Inszenierung welche verschiedene Stationen eines Lebensabschnittes zeigte. Parties, Hochzeit und der Tod am Galgen - ganz großes Kino! Mit "Poison", "School's Out" und "Elected" beendeten ALICE COOPER einen zweistündigen Auftritt, welcher zu den ganz großen Höhepunkten des Magic Circle Festivals gehörte.
DEATH ANGEL sollten als Absacker anschließend noch in der "Event Hall" auftreten. Dort spielten aber nach ALICE COOPER nur massenweise unbekannte Rocker beim "Battle Of The Bands" Contest mit um den Festival-Eröffner des Samstages auszulosen. Wann DEATH ANGEL denn nun eigentlich spielen sollten, wußte niemand so genau. Sie wurden elfundachzig mal angekündigt und immer wieder verschoben. Am nächsten Tag erfuhren wir alle, dass sie dann doch noch um 3h Nachts gespielt haben. Da waren fast alle Besucher aber schon längst im Zelt und schliefen.
Freitag
Die Südafrikaner KOBUS, von MANOWAR höchstpersönlich entdeckt, eröffneten den Freitag vor deutlich unter 100 anwesenden Besuchern. Was an der Band gut sein soll, konnte ich bisher noch nicht herausfinden.
Nach den fulminat abgefeierten Auftritten mit Kai Hansen in den letzten Jahren (u.a. auf dem Earthshaker, in Wacken und auch letztes Jahr hier auf dem Magic Circle Festival) waren die Hamburger Jungs STORMWARRIOR zur Abwechslung mal wieder "Solo" unterwegs und verzichteten somit komplett auf Coverversionen aus alten HELLOWEEN-Tagen. Die Band legte eine enorme Spielfreude und Laufbereitschaft an den Tag, gab trotz überschaubarem Publico wirklich alles und heizte ohne Ende. Eigenkreationen wie "Into The Battle", "Heavy Metal Fire", "The Axewielder" sind gutklassige Hymnen und völlig Festival-tauglich. Am über die komplette Spielzeit dann doch langsam eintönig werdenden Sound muss in den nächsten Jahren allerdings noch gearbeitet werden. Sämtliche bisherige Alben leiden an dem Manko, dass die Stücke alle sehr gleichförmig aufgebaut klingen und meistens auch noch in der gleichen Geschwindigkeit vorbeirauschen. Ein wenig mehr Abwechslung täte da gut. Trotzdem: sehr geiler Gig!
Mit der Verpflichtung von JACK STARR'S BURNING STARR bewiesen MANOWAR ein glücklichtes Händchen. Schließlich habe ich diese Band leider noch nie zuvor auf deutschen Bühnen erblicken dürfen, obwohl vorallem "No Turning Back" aus dem Jahre 1986 (1998 geremastert auf Sentinel Steel Records wiederveröffentlicht) ein richtig geiler Klassiker ist. Zudem kam 2003 noch unter dem neuen Banner JACK STARR'S GUARDIANS OF THE FLAME ein weiteres sehr gutes Album heraus. Jedenfalls rocken die Jungens zu Tracks der Marke "Light In The Dark", "Evil Never Sleeps", "New York Woman", "The Flame That Never Dies" oder "Road Warrior" sehr ordentlich ab.
Laut Running Order sollten nun BRAZEN ABBOT feat. JOE LYNN TURNER spielen. Taten sie aber sehr zur Enttäuschung der sich langsam vermehrenden Zuschauer nicht. Kurzfristig und ohne Vorankündigung tauschten sie nämlich den Slot mit der ursprünglich für Samstag spielenden Truppe BELOVED ENEMY. Was diese seltsame Band überhaupt auf einem MANOWAR-Festival zu suchen hat, wußte auch niemand wirklich. Sie passt weder stilistisch noch aus sonstigen Gründen ins Billing. Die Fans quittierten den Auftritt deshalb überwiegend mit Nichtbeachtung und Flucht zu den überteuerten Merchandising-Ständen, welche allerdings jederzeit sehr gut besucht waren.
Danach stieg die Zahl der Besucher deutlich an. Deutschlands "Metal Queen" DORO enterte die Bühnen des wahren Stahls und zündete mit einem 80er-Jahre Alltime-Classics Set ein regelrechtes Feuerwerk an Hits. Doro war bestens aufgelegt und hatte eine sehr fein agierende Begleitband dabei, welcher das Publikum bald aus der Hand fraß. Auch kein Wunder, wenn man "I Rule The Ruins", "Burning The Witches", "All We Are", "Metal Racer" oder das JUDAS PRIEST-Cover "Breaking The Law" im Gepäck hat. Eine Zeitreise in eine glorreiche Vergangenheit, bis heute leider von keinem Soloalbum mehr erreicht. Aber wer braucht schon neue Alben, wenn man bei Live-Auftritten jederzeit auf eine Bank zurückgreifen kann? Eben!
Ein "Missverständnis" zwischen Organisation und mir sorgte dann dafür, dass ich ein paar Stunden zu spät zur MANOWAR-Pressekonferenz gelangte, welche natürlich schon vorbei war. Was solls... inzwischen wurde ich auch ohne dieses Meeting bereits darüber informiert, dass WHITE SNAKE und DEF LEPPARD "aus vertraglichen Gründen" *hüstel* nicht auftreten werden und MAJESTY nun METALFORCE heißen.
Diese schlechten Neuigkeiten wurden nämlich vor dem W.A.S.P.-Auftritt nun auch dem gemeinen Festivalbesucher verkündigt. Einem völlig verblüfftem Publikum wurde dort verkündet, dass man die Möglichkeit habe, bis VOR 20 Uhr des heutigen(!) Tages sein Festival-Bändchen zurückzugeben und abzureisen. Man bekäme dann eine Rückerstattung von 15 (!!!) Euro ausbezahlt. Wenn das mal nicht frech ist. Ganz klar wurde den Besuchern dann noch vermittelt, dass sie schließlich wegen MANOWAR hier wären und nicht wegen DEF LEPPARD oder WHITESNAKE. Etliche Fans sahen das verständlicherweise völlig anders. Von der Möglichkeit der Bändchen-Rückgabe machten allerdings kaum 15 Leute Gebrauch. Immerhin war doch wirklich kaum jemand anwesend, der MANOWAR dann doch nicht sehen wollte.
W.A.S.P. hatten in diesem Fall die berühmte "A-Karte" gezogen nach dieser Verkündung antreten zu müssen. Sie versuchten mit Anfangs guter Laune und vielen Jahren Routine gute Laune zum bösen Spiel zu machen, fackelten Gassenhauer wie "Blind In Texas", "I Wanna Be Somebody", "Animal (Fuck Like A Beast)", "Inside The Electric Circus" oder "L.O.V.E. Machine" ab und sprangen agil auf der Bühne herum. Das teilweise immer noch sehr verärgerte Publikum hatte aber scheinbar einen so großen Schock erlitten, dass es nur in den vordersten Reihen noch Reaktionen zeigte. Das merkten irgendwann auch Blackie und Co., so dass sie ihren Enthusiasmus immer weiter herunterfuhren, immer lustloser wurden und die Stimmung damit noch weiter herunterzogen. Sehr, sehr schade.
Danach versuchten sich die Schweizer Hardrocker GOTTHARD noch am Publikum, wurden aber teilweise sogar ausgepfiffen. Ob das noch was werden konnte?
MANOWAR lieferten bereits vor ihrem Auftritt unfreiwillig ganz großes Kino: pünktlich um 21h, als der Gig eigentlich beginnen sollte, schüttete es aus Eimern. Über 20 Minuten lang. Als es aufhörte, kam im Westen die Sonne durch und im Osten entstand ein riesiger Doppel(!)-Regenbogen. Was für ein Effekt. Fünf Minuten später ertönte endlich "Ladies and gentlemen! From the United States of America - MANOWAR!".
Sie hatten ihr letztjähriges Versprechen gehalten ihre ersten sechs Studioalben komplett an zwei Abenden zu spielen. Meistens hielt man sich auch an die Reihenfolge, in welcher die Stücke auf den jeweiligen Alben stehen. Aber da man natürlich jedes Konzert mit "Manowar" beginnt, gab es hier auch schon die erste Ausnahme. Ansonsten blieb es dabei. Die drei Alben wurden vom Publikum Wort für Wort mitgesungen, die Stimmung war super und Eric Adams sang wie ein junger Gott. Wer die Band auf ihren Tourneen sieht, weiß wie sehr er dort seine Stimme schont, sehr zum Ärgernis der Fans enden hohe Tonlagen nicht selten in ekelhaften Growl-Attacken, bei welchen man schnell an B-Klasse Todesgrunzer denkt. Nicht so hier. Er verausgabte sich ungemein, sang genial wie auf dem Album und stellenweise in den ruhigen und langsamen Passagen sogar noch einen Tick besser. Meine Hochachtung! Ein zwischenzeitliches Ärgernis waren "nur" in der Anfangsphase des Konzertes die Verbalattacken gen nicht auftretende Bands, Presse und das Publikum, welches deshalb schon frühzeitig aufgebrochen ist. Joey fragte das Publikum so lange ob jemand WHITESNAKE oder DEF LEPPARD sehen will, bis aus dem anfänglichen "JAAAAA" ein "NEEEEINNN" wird. Dann geht er dazu über diese Bands zu beschimpfen und die Presse gleich mit dazu. Diese hatte es nämlich bei der Pressekonferenz zu fragen gewagt, warum genau die beiden Bands nicht spielen. Frechheit!
Nach "Black Arrows" wird das "Hail To England"-Album unterbrochen für die neue Single "Die With Honor", von welcher im Laufe des Freitags 20.000 Frei-Exemplare an die Fans verteilt wurden. Ein nettes Sammlerstück mit Hülle und neuen Cover-Artwork. Nach dem anschließenden "Warriors Of The World United" folgte mit "Bridge Of Death" der ewig geniale Abschlußtrack des großartigen Klassikers und entließ uns in die Nacht.
Manowar Setlist Freitag:
BATTLE HYMNS:
Samstag
Stell Dir vor es ist Samstag und niemand kennt die Running Order. Stell Dir vor Du findest diese Running Order irgendwann auf dem Festivalgelände nach langer Suche angetackert an einer Fressbude vor der 80 Leute bereits anstehen und die Sicht verdecken. Und stell Dir vor Du musst dann feststellen, dass es das schlechteste Tages-Billing ist, welches zu jemals bei einem Festival gesehen hast. Ist das nicht grausam? Außer MANOWAR sollten an diesem denkwürdigen Tag nach Absage von DEF LEPPARD und WHITESNAKE nämlich ausschließlich noch zweit- bis viertklassige Kapellen auftreten, von denen man in Wacken einige nicht mal in der W.E.T.-Stage sehen möchte.
Die deutschen Melodic-Rocker MOB RULES lasse ich erstmal aus Ausnahme gelten. Sie haben sich über die letzten Jahre als gute Konstante mehr durchwegs überdurchschnittlichen Alben etabliert und performten auf auf der Bühne gut durch die Gegend. Sie versuchten von Anfang an das Publikum zu puschen und spielten sehr tight. Stimmung kam mangels Masse nur in den ersten paar Reihen auf, denn den ganzen Tag über sollte es relativ leer auf dem Gelände bleiben - bis MANOWAR zumindest.
Die New Yorker Progressive-Metaller TITANIUM BLACK haben ein durchaus sehr feines Debütalbum im Gepäck, ihre Fans aber zuhause gelassen. Kaum jemand kennt die Jungs, welche auf der Bühne noch wenig Erfahrung zeigt, vom Publikum aber völlig zurecht zwar verhalten, aber sehr wohlwollend aufgenommen wird. Kein Songmaterial welches gleich beim ersten Hören ins Ohr geht und für Partystimmung sorgt. Aber dass man es hier mit einem beachtenswerten Newcomer entgeht hier kaum jemandem. Mal sehen, was wir künftig noch alles hören dürfen. Und wo man sich als nächstes sieht.
Vom Major EMI künstlich zu einer NIGHTWISH-Konkurrenz gepuscht und von gekauften Printmagazinen abgefeiert ohne Ende: das sind KRYPTERIA. Mit ihrem völlig inhaltsleeren und langweiligem Programm nerven sie trotz ihrer hübschen Frontfrau, die trotz guter Stimme aus dem Drittliga-Songwriting keine guten Songs machen kann.
Wenn eine Band kein Schwein kennt, nimmt man mal eben kurz einen sehr berühmten Musiker und baut ihn kurzerhand in den Bandnamen mit ein. Warum auch nicht, hat doch schon bei STORMWARRIOR hervorragend funktioniert. Und so freuten wir uns auf BRAZEN ABBOT feat. JOE LYNN TURNER, welche bereits am Vortag spielen sollten, aber kurzerhand mit BELOVED ENEMY tauschen mussten. Die Jungs spielen eine abwechslungsreiche Mischung aus eigenen Stücken und Stationen von TURNERs großer Vergangenheit, u.a. RAINBOW. Machte ein Menge Spaß, da die Band technisch erstklassig war und auf der Bühne ordentlich Feuer machte. Joe Lynn Turner selbst lieferte eine astreine Gesangs-Performance ab. So muss das sein.
HOLYHELL, die Band von ex-MANOWAR-Drummer Rhino, scheint wohl ein Stammgast auf dem MCF zu werden. Da Scott Columbus persönliche Probleme hat, ersetzt er ihn heuer übrigens auch bei beiden MANOWAR-Gigs. Sängerin Maria Breon hatte die Sache gut im Griff und wußte die Band als abgezockte Party-Band zu verkaufen. Gut umgesetzte Cover-Versionen wie z.B. "Rising Force" von MALMSTEEN oder "Holy Diver" von DIO wechselten sich mit leider sehr durchschnittlichen Eigenkompost ab. Somit gnadenlos überbewertet. Anders sahens aber größere Teile des Publikums, welche mit der Band erstaunlich gut können. Und das ist ja nunmal die Hauptsache, oder?
MAJESTY haben an diesem Tag viel vor. Statt WHITESNAKE und DEF LEPPARD spielen sie den Aufheizer für MANOWAR. Eine anspruchsvolle Tätigkeit. Noch dazu als die Band gleich zu Beginn bekannt gibt, dass MAJESTY ab sofort METALFORCE heißen.
Vergessen wir bei dieser Band einmal kurz, dass wir ohne sie seit Jahren auf das Keep It True-Festival, eines der geilsten
Underground Festivals überhaupt, verzichten müssten (das Festival wurde nur ins Leben gerufen, weil MAJESTY von niemanden
sonst für Konzerte gebucht wurden). MAJESTY spielen keinen True Metal, sondern ziemlich erbärmlichen Poser-Metal der
Sonderklasse. "Hymnen" im 08/15-Strickmuster ("Epic War", "Metal Law", "Son Of Metal", Hail To Majesty", ...) sind total langweilige Stücke, einzig und allein optimiert für Live-Auftritte mit 15-minütigen Singalongs mit dem Publikum, welches dabei vergessen soll, dass diese Musik null Spannung und Anspruch aufweist. Sei's drum. Das bereits für MANOWAR ziemlich warm getrunkene Publikum steigt zumindest in den vorderen Reihen mit ein und sorgt für gute Laune.
MANOWAR zum Zweiten. Sie wiederholten das Unfassbare: wieder begann es gegen 21h, dem eigentlichen Auftrittstermin, zu regnen. Es regnete und regnete und 20 Minuten später kam im Westen die Sonne durch, im Osten entstand ein Regenbogen. Fünf Minuten später ertönt... "Ladies and gentlemen..." - DIO würde für so einen Effekt töten! An zwei Tagen hintereinander - das ist einfach zu abgefahren!
Mit dem unvermeidlichen "Manowar" steigen die Jungs wie immer ins Programm ein, bestens in Form wie bereits am Vortag. Die "Sign Of The Hammer"-Phase fräst sich ins Gedächtnis als das letzte große MANOWAR-Album des alten, epischen Stils, bevor es mit "Fighting The World" in den Sound der späteren 80er bis in die Mitte der 90er geht. Das Album fällt als einziges der sechs dargebotenen qualitativ deutlich ab, darüber konnten auch die beiden Klassiker "Defender" und "Black Wind, Fire And Steel" nichts mehr ändern. Sowas ätzendes wie "Blow Your Speakers" und die totalitäre Poser-Hymne "Carry On" braucht kein Mensch, schon gar nicht von MANOWAR. Das eindeutig schwächste Album der Band bis heute - das einzige Zugeständnis an eine Plattenfirma.
Mit "Kings Of Metal" packten Joey und Co. dann wieder einen ganz großen Klassiker aus, bei dem es von der ersten bis zur letzten Minute brannte. Die Tracklist war jedoch komplett durcheinander. Und überhaupt Joey, welcher sich glücklicherweise meist zurückhielt. Doch bei zwei Szenen konnte ihn eben keiner mehr aufhalten mit ganz großem Theater: zwischen "Kings Of Metal" und "Pleasure Slave" müssen wir einen Heiratsantrag eines weiblichen MANOWAR-Fans ertragen, der kitschiger kaum sein kann. Dem Paar viel Glück. Nach "Blood Of The Kings" verkündet Joey dann bereits Details für das dritte Magic Circle Festival 2009: ein neues Studioalbum will man bis dahin fertig haben, welches exklusiv auf dem Festival zum ersten Mal gespielt werden wird. In den Läden soll es erst später stehen. Neben dem Album soll es auch noch einen Film und ein Computer-Spiel geben. Und das ganze soll auch noch ein gesamtheitliches Konzept haben, basierend auf einer Story, welche niemand geringeres als Deutschlands bekanntester Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein schreiben wird. Na da sind wir aber mal gespannt wie ein Flitzebogen!
Bei "Heart Of Steel" wird über der Bühne ein gewaltiger Live-Chor entblößt, welcher extra aus Belgien angereist kam. Der Chor kommt sehr gut an und klingt ansatzweise gewaltig. Wie Tags zuvor bereits wird das Album wieder von "Die With Honor" und "Warriors Of The World United" unterbrochen, bevor es mit "The Crown And The Ring" einen großartigen Abschluß gibt: der Chor singt zum ersten Mal richtig laut und die Solopassagen klingen atemberaubend genial. Mit einem granatenstarken Feuerwerk verabschiedet sich das Magic Circle Festival 2008 bis zum nächsten Jahr.
Manowar Setlist Samstag:
Manowar
SIGN OF THE HAMMER
Organisation
Die Organisation des Festivals war heuer um mehrere Stellen professioneller als letzes Jahr, aber es gibt noch einiges zu tun. So gab es weder einen Festival-Guide noch sonstwo Informationen über das Festivalgelände (außer einem Lageplan auf der Homepage). Von den etlichen Händlern an der "Händlermeile" vom letzten Jahr ist heuer leider wenig übrig geblieben. So gab es am Mittwoch und Donnerstag nur Würste und Steaks an sämtlichen Ständen zu essen. Erst ab Freitag wurden auch Gemüse- und Kartoffelgerichte angeboten. Die massenweise verfügbaren Dixies sind erste Sahne und verdienen volles Lob. Zum Duschen musste man allerdings ins fünf Kilometer entfernte Bad Arolsen fahren - oder laufen. Am Biergarten tauchte sporadisch ein fahrender Supermarkt auf, welcher wohl fast alles hatte, was die Besucher NICHT suchten.
Ausblick
Nächstes Jahr wird sich zeigen, ob sich das Festival endgültig etabliert und vielleicht künftig sogar ohne MANOWAR überleben kann (letztes Jahr konnte sich die Band vorstellen, dass man nicht jedes Jahr auftreten wolle, das Festival dennoch stattfinden solle). Wie man sich die Fans zurückholen will, welche man mit dem unprofessionellen Umgang der DEF LEPPARD und WHITESNAKE-Ausfälle vergrault hat und wie man damit sogar noch viel mehr Besucher anlocken will - das steht definitiv noch in den Sternen. Ein Festival sollte das volle Programm nicht nur dann fahren, wenn die erwarteten Zuschauerzahlen stimmen, sondern von Anfang bis Ende konsequent unabhängig davon. Das zeichnet ein solides und für Fans berechenbares Festival aus, in welches man auch bereit ist sein Eintrittsgeld zu investieren. Dies künftigen Besuchern zu vermitteln liegt jetzt ganz alleine bei den Veranstaltern, welche in diesem Fall ganz eindeutig MANOWAR heißen.
Mittwoch
Satte vier Stunden Covers am Stück präsentierten die Party-Metaller JUSTICE dem Publikum am Mittwochabend im Partyzelt. Von Rock bis Thrash gab es durch die Bank alles. Von ALICE COOPER über METALLICA bis SLAYER eine bretterharte, abwechslungsreiche und sehr überzeugende Darbietung der Franken, welche mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus den Status einer famosen Coverband genießen. Die Band klingt fast immer wie das Original, ob das nun ein "Painkiller" oder ein "The Number Of The Beast" ist. Ein größeres Kompliment kann man einer Band, die andere Gruppen nachspielt, doch gar nicht machen, oder?
POWERWOLF sind dann das erste Highlight in Dinkelsbühl. Ihr theatralischer, hymnenhafter (White)-Metal geht unversehens ins Ohr. Dazu kommt eine arschtighte Performance und der charismatische Rumänen-Deutsche Frontmann Attila Dorn singt wie ein echter Hunnenkönig. Speziell das aktuelle "Lupus Dei"-Material ist eine Klasse für sich und POWERWOLF empfehlen sich damit mit einem sehr dicken Ausrufezeichen als kommende Helden. Sehr kultig sind die Ansagen, welche mit einem leichten Akzent von Dracula einfach nur famos sind. So spricht Attila das Publikum konsequent mit "SIE" an und bedankt sich derartig höflich, dass es einem schon fast peinlich ist. Wäre jemand mit nem Klingelbeutel durchs Publikum gegangen, ich glaube ich hätte den Geldbeutel gezückt.
Donnerstag
SWALLOW THE SUN kommen aus Finnland und spielen düsteren Doom. Nicht unbedingt unser Geschmack, sieht man einmal von wenigen Ausnahmen ab. Das ganze war musikalisch allerdings eine gute Sache und so gibts objektiven Applaus. Lediglich das Stageacting bekommt die Note 6. Kein Mensch hat sich auf der Bühne bewegt. Oder sie waren einfach so langsam wie ihre Songs und ich habs gar nicht bemerkt.
Der größte Vorteil des Summer Breeze ist dessen stilistische Vielfalt. LACRIMAS PROFUNDERE spielen Gothic Metal. Leider mit etwas zuviel Gothic: lustlos, zeitweise völlig gelangweilt klingt die Band, völlig demotiviert und kaum einen Ton richtig treffend ihr "Sänger". Heiliger bimbam! Schnell weiter zu
AFTER FOREVER - welche mit ihrer superben Mischung aus Gothic-, Prog- und Klasik-Rock deutlich abwechslungsreicher zu Werke gehen und dabei auch noch sehr viel Spaß haben. Bei einer Werkschau quer durch die Geschichte erhielt Floor Jansen bei "Who I Am" noch Unterstützung von DORO, welche später am Abend noch ihr eigenes Set vortragen sollte.
KRYPTERIA mit ihrer äußerst attraktiven koreanischen Frontfrau Ji-In ("Tonic" wäre ein passender Nachname *g*) spalten Presse und Fans. Die von Major EMI gepushte Band soll "ihr" NIGHTWISH-Klon werden. Ähnlich klingen sie ja auch. Bombastrock mit deutlichem Klassik-Touch. Das Songmaterial klingt wie auf dem Reißbrett konstruiert und dennoch sind einige Anflüge von Zukunft mit dabei. Einige Stücke, die der Band auf Dauer ein gewisses Potential bescheren, lassen aufhorchen. Doch dazu müßten sich sämtliche Musiker auf ihre Stärken besinnen - und genau das machen was sie wirklich wollen. Wie auch immer - KRYPTERIA haben scheinbar trotzdem genügend Publikum, dass sie vor der Bühne abgefeiert werden wie die kommenden Superstars. Das muss man ihnen auf alle Fälle schonmal lassen. Ob's am Hype liegt oder nicht, sagt uns mit dem nächsten Album das Licht (des Laser-Abtasters).
RAGE muss man ja mittlerweile fast als zwei verschiedene Bands sehen. Da ist zum einem die Drei-Mann-Kapelle, die straighten Traditions-Metal spielt und aus einem großen Fundus an Studioalben fischen kann - und die Formation, welche mit einem kompletten Orchester oder zumindest einem halben davon die Bühne entert. Beides machen RAGE mittlerweile eher abwechselnd. Auf dem Summer Breeze wurde deshalb die große Abrißbirne ausgepackt und ein Querschnitt von den frühen 90ern bis zum Heute zum besten gegeben. Aus den 80ern hat - wie bei GRAVE DIGGER - nur EIN Stück überlebt: "Don't You Fear The Winter". Der Auftritt selbst war bestens, die Band in guter Form und die Fans feierten in bester Laune.
DORO - die deutsche "Metal Queen" - in letzter Zeit wieder öfters auf den Bühnen der Nation zu sehen. Auch wenn der Nachlass von WARLOCK und ihren Soloalben nicht nur hochkarätiges zu bieten hat und oft von einer vielzahl Durchschnittsware durchsät ist - manche wirklich großartigen Stücke hört man eben immer wieder gerne. Und einen ganzen Sack von hatte Doro Pesch diesmal mitgebracht. Passend zur etwas härteren Ausrichtung des Summer Breeze war auch die Setlist diesmal etwas härter ausgerichtet. "Earthshaker Rock" eröffnete hier auf dem Flugfeld von Dinkelsbühl eine ausgesprochen abwechslungsreiche Darbietung mit einer Frontfrau in bester Laune und einer super eingespielen Begleitband. Um das Summer Breeze-Publikum anzusprechen gab es dann auch nur recht wenige Solonummern wie "Fight", meist alte WARLOCK-Hits der Marke "True As Steel", "Hellbound" und natürlich den Rausschmeißer "All We Are". Auch eine Coverversion war im Gepäck: "Breaking The... what? ... the Law!" von den Metal Gods höchstpersönlich, JUDAS PRIEST.
DORO SETLIST:
SUFFOCATION hingegen kommen von der Ostküste der Staaten und spielen Old-School Death-Metal. Das ist nicht wirklich unsere Lieblingsmusik (Melodien?!), aber dennoch muss man den Jungs attestieren, dass sie einen souveränen Auftritt abliefern. Wer immer sie mag - war wohl begeistert.
NEVERMORE - die Jungs aus Seattle, die keinen Seattle-Sound spielen - sehen an jenem Tag etwas seltsam aus. Bandleader und Sänger Warrel Dane hat plötzlich kurze Haare - und diese auch noch gefärbt - und wirkt auf der Bühne etwas leblos und mitgenommen. Jim Sheppard ist gleich ganz krank und wird von Tim Johnston ersetzt. Und an der Gitarre zupft Chris Broderick von JAG PANZER herum. Sieht auf dem ersten Blick wie ein Betriebsunfall aus, um überhaupt auftreten zu können. Doch auch die Ersatzmannschaft zieht sich mehr als nur durchschnittlich aus der Affäre. Der Auftritt wirkt insgesamt (bis auf die erwähnte Schwäche des Frontmanns) sehr kompakt und man präsentiert eine Auswahl aus der gesamten Schaffensphase der Band. Ein wirklich guter Gig!
TANZWUT - alleine der Name führt bei echten "Wahrmetallern" bereits zu Gesichtslähmung und Übelkeitsanfällen. Doch auch bei etlichen Mittelalter-Metal Freaks. Denn neben Dudelsack und Schalmei glaubt man, dass sich hinterm Drumkit heimlich die Members Of Mayday oder TALLA 2 XLC versteckt hätten. Techno-Mittelalter-Industrial-Metal... wie auch immer - obs gut war oder nicht? Keine Ahnung. Wir bekamen allesamt einen Anfall von Kopfschmerzen und flüchteten uns in diverse Cocktails.
Beim Schwedentod AMON AMARTH bin ich wirklich dafür, dass die Band ab jetzt mindestens zwei Jahre auf keinem Festival in Deutschland mehr zu sehen ist. Grund: Übersättigung. Ich weiß nicht, auf wie vielen Festivals ich diese Jungs mittlerweile sehen durfte und am Schluss musste. Sie sind natürlich meistens sehr gut, haben geniales Songmaterial an Bord und mobilisieren ihre Anhänger vom ersten Song an. In Dinkelsbühl hatten sie sogar ein Wikingerschiff auf der Bühne herumstehen. Das wäre normalerweise eigentlich der totale Bringer gewesen. Nur taten das auch MANOWAR ca. sechs Wochen vorher auf dem Magic Circle Festival. Wer hat da von wem geklaut? Egal. Die Riffgenialisten aus dem hohen Norden lieferten - eigentlich wie immer - einen nahezu perfekten Todesblei-Auftritt. Mit unzähligen Pyro-Effekten. Wenn das mal die Wikinger gehabt hätten - sie hätten die Indianer im Sturm erobert.
Kitsch, Kunst, harter Metall und Todessehnsucht mischen sich in Österreich zu einem Geflecht mit Namen DORNENREICH. Diese Dornen bilden den Abschluss des Donnerstags - zumindest auf dem eigentlich Festivalgelände. Die Musik, ein Markenzeichen für sich. Ein Stil, das muss man ihnen lassen, der einmalig ist. Das Publikum ist gespalten, aber zum Glück nur verbal und geschmacksmäßig.
Freitag
ELUVEITIE kommen aus der Schweiz, sind zu acht und spielen... nordischen Folk-Metal. Das ist ungefähr so nachvollziehbar, wie Finnen die lustigen Melodic-Speed spielen. Bei ELUVEITIE klappte das aber ganz gut. Der Stil, den die Mädels und Jungs kreierten ist nämlich - wohl auch wegen der Herkunft - ein ziemlich eigentümlicher und somit wieder eine neue Variation und keine sinnlose Abkupferei. So sah es auch das Publikum, welche die Band bereits am frühen Morgen richtig gut abfeierte. Ich bin überzeugt: diese Schweizer haben das Potential ganz groß zu werden. Mal sehen, ob sie es nutzen.
Kein Mensch wusste, was das war. Sie hießen SIRENIA. Und sie waren abgrundtief schlecht. Morten Veland gründete diese Band, zuvor war er bei TRISTANIA - die auch einige Götterwerke hinterließen. SIRENIA hingegen taten das nicht. Ihre Alben sind ja schon Regionalliga, aber das Stageacting und die Kommunikation mit dem Publikum, was die völlig überforderte Frontfrau da von sich gab - das gehörte schonf fast verboten. Ohne die geringsten Kenntnisse was eigentlich Rhythmus heißt, hüpfte eine gewisse Nokia... halt nein... Monika... völlig willkürlich herum, die ähm... Geräusche waren irgendwas zwischen Death-Metal und Gothic, gepaart mit Death-Meal (ohne t). Eine Band, bei der man sich nicht mehr wundert, dass es Alkoholiker gibt. Ganz schnell Bier holen, exen, nachbestellen, exen, über den Sinn des Seins nachdenken. Zur Erkenntnis gelangen - wer nicht weiss, wie schlecht Bands sein können, weiss die guten nicht zu schätzen. Welch ein weiser Satz.
NECROPHOBIC und BELPHEGOR verwechsle ich immer sehr gerne. Muss am O im Namen liegen. Dabei haben ja die einen immer diese lustigen Boxen im Angebot. Mal mit Gasmaske, dann mit NATO-Fressration. Das nächste mal bestimmt mit Uniform, Stahlhelm oder sonstwas... hachja... aber NECROPHOBIC waren das nicht, jetzt fällts mir wieder ein. Ne, doch nicht. Hab vergessen, was ich schreiben wolle. 'tschuldigung :)
L'AME IMMORTELLE - das ist ja das eigentlich schöne am Summer Breeze - haben rein gar nichts mit Metal zu tun. Gothic aus Österreich, es singen die Klabauter, mal leiser und mal lauter... ah ne, das war Pumuckl. Ich glaube wir sind hier in einer Phase angekommen, in der wir zwar sehr wollend zuhören, aber letzten Endes doch aufgrund fehlender Nachvollziehbarkeit kapitulieren müssen.
Für die Stilvielfalt bin ich dem Summer Breeze echt dankbar. In den ganzen Jahren, in welchen wir das Festival begleiteten, durfte ich viele interessante Bands kennenlernen, die ich mir so vermutlich gar nicht angehört hätte. CREMATORY sind Gothic-Metal und DIE kennen wir natürlich alle schon sehr lange. Der mit süßlichen Keyboard-Sounds durchtränkte Melodic-Death stellt quasi ne Parallelausgabe von MODERN TALKING im Todestrakt dar. Dabei ist die Musik teilweise recht brauchbar, die Texte überwiegend Gülle. Verdammt viele Gäste stehen da drauf und so mag ihnen der Erfolg natürlich gegönnt sein. Die Darbietung selbst kommt sehr überzeugend. CREMATORY sind etwas, was man "Nieschen-Band" nennt.
Humppa, Humppa tätärääää... tätäräää... FINNTROLL sind wieder da. Diesmal hatte niemand aus unserer Crew ein IN FLAMES T-Shirt an und somit ging auch keines davon in Flammen auf beim FINNTROLL-Interview. Die Finnen schafften es quasi aus dem Nichts das Publikum innerhalb von wenigen Minuten zu verdreifachen. Das ist sensationell genug, vorallem wenn man objektiv betrachtet einfach mal sagen muss: neben AMON AMARTH eine überaus liebenswerte Band, die aber einfach zu oft auf Festivals und Konzerten zu sehen ist. So liefern die Jungs wie immer ein gnadenlos geiles Folk-Konzert ab, die Menge tobt im Pit, um den Pit und sogar mit dem Pit. Aber so langsam würde ich sagen: etwas vorsichtig sein. Mittelalter- und Folk-Metal - das sind so Dinge, die auf Dauer dazu führen werden, dass von diesen Genres nur zwei, drei Bands überleben werden. Die Melodien und die Arrangements sind sich einfach zu ähnlich, als dass es hier einen großen Pool geben könnte. FINNTROLL werden da sein. Auch in der fernen Zukunft denke ich. Aber nur, wenn sie sich jetzt ein wenig rar machen.
Vorhin erwähnte ich, dass wir nicht wirklich auf Melodien verschmähenden Todesblei stehen. BOLT THROWER sind dabei eine sehr, sehr große Ausnahme unter ganz wenigen. Denn BOLT THROWER haben vieles davon, was die meisten sogenanten "Old-School"-Deather nicht haben: geniale Riffs, geile Texte, stimmige Alben - und viel mehr. Sie sind die mit Abstand geilste Band des Tages und zusammen mit OOMPH! sehr würdige Headliner. Sie rattern, stampfen, fahren vorwärts, einer großen Armee gleich. BOLT THROWER sind Krieg, plätten nach wenigen Sekunden alles darnieder und fahren eine Show auf die beweist: auch der oftmals geschundene Death Metal der ersten Stunde hatte seine ganz großen Bands. Sie hier, sie gehören dazu. Ohne Zweifel. Wer jetzt gerade Fragezeichen in den Augen hat: "Mercenary" beantwortet Euch diese Fragen. Ob es ihr bestes Album ist oder nicht, das wage ich nicht zu entscheiden. Aber es reflektiert diese Band am besten.
MANOWAR hieften ca. sechs Wochen zuvor ein Wikingerschiff auf die Bühne, ein paar Stunden vorher AMON AMARTH - und nun auch IN EXTREMO. Klar, waren immer verschiedene, aber ich hoffe nicht, dass das langsam zum Trend wird. Kann man ja gleich auf nem Schiff ein Open Air veranstalten. Das wär doch mal was. Die Mittelalter-Combo packte alle Instrumente aus, die sie so hatte und spielte sich durch ein Best-Of Programm, welches zwar nicht zu jedem Zeitpunkt wirklich funkensprühend rüberkam, von den Fans aber durchgehend abgefeiert wurde. Ist ja auch kein Wunder. Wer viele Hits im Angebot hat, kann sich ein paar Schwankungen nach oben und unten leisten. Und nicht immer kann man von einer Band Höchstleistungen verlangen. Dass IN EXTREMO im Vorfeld bereits angekündigt hatten, nach der Festival-Saison eine längere Pause einzulegen, kann ihnen nur gut tun. Kraft tanken und entspannen. Denn auch ein Musikerleben ist irgendwann nur noch Alltag. Ein Beruf, wie jeder andere auch. Wie auch immer - BOLT THROWER und IN EXTREMO waren zwei sehr würdige Headliner am Freitag.
DARK FUNERAL beenden den dritten Festivaltag zumindest auf dem offiziellen Festivalgelände, während danach noch einige weitere Bands im Festzelt etwas abseits herumrocken sollten. Black Metal als Betthupferl - das hat man auch nicht alle Tage. Magus Caligula mimt zwar den bösen, schrecklichen Schwarzmetaller, schafft es aber immer wieder mit subtilen Anspielungen und schwarem (höhö!) Humor zu beweisen, dass DARK FUNERAL unter ihrer harten Schale einen weichen Kern besitzen. Die Band rollt über das Flugfeld wie ein A380, walzt alles nieder und geht am Schluss als Sieger vom Platz.
BLACK MESSIAH boten im Zelt den involvierten Fan zwei Gesichter: Studioalben und Live-Set. Denn nach dem überraschend genialen Debütalbum "Oath Of A Warrior" kackte die Band mit "Of Myths And Legends" überraschend sehr stark ab, was Songqualität und Produktion betraf. Die Jungs aus dem Ruhrgebiet waren sehr gut drauf an jenem Abend, spielten mir sehr viel Hingabe auf und boten kleine Klassiker wie "Blutsbruder", "Götterdämmerung" oder "Feld der Ehre" auf. Von der zweiten CD fallen natürlich das "Sauflied" und die Coverversion von "Moskau" auf meisten auf, wobei letzteres den Rausschmeißer darstellte. Die Stimmung war zu jedem Zeitpunkt am Siedepunkt und BLACK MESSIAH bewiesen, dass sie das Zeug zu Größerem haben. Bleibt nur zu hoffen, dass ihnen Stücke wie die letzten zwei erwähnten nicht zu Kopfe steigen und sie in Schlager-Pagan abdriften - oder noch schlimmeren Kombinationen.
Samstag
Nach ihrem sehr gelungenen und abgefeierten Cover-Auftritt am Mittwoch im Partyzelt enterten erneut JUSTICE die Bühne. Diesmal zu früher Morgenstund' am Samstag. Und mit eigenem Songmaterial. Leider. Denn ihr derber Thrash-Metal ist zwar nicht wirklich übel, doch wirklich gut auch nicht. Die symphatischen Jungs aus unserem geliebten Frankenland sollten das machen, was sie am besten können: Coverversionen. Klingt böse, ist aber ein gut gemeinter Rat. Das sahen auch die meisten Zuschauer so, die eher spärlich und wenn, dann sehr desinteressiert vertreten waren.
Black- und Doom-Metal verknüpft hatten SECRETS OF THE MOON. Und zwar bei hellstem Sonnenschein, als diese gerade auf dem Zenit stand. Wer stand da vor der Bühne? Natürlich! Nicht wirklich die echten Schwarzmetaller. So verpuffte der Auftritt irgendwo im Nirgendwo. Das Repertoire ist nicht wirklich hochverzückend, die Stimmung nicht vorhanden. Die Band wirkt etwas verloren. Schade eigentlich. Vielleicht sieht man sich eines Tage in einem schnuckeligen kleinen Konzertsaal bei finsterster Nacht wieder?
COMMUNIC. Und dahinter die Unendlichkeit. Zumindest auf CD. Man kann es nicht öfter sagen: ihre Debüt ist ein Geniestreich wie ein funkelnder, einsamer Monolith im Weltall. Nicht mehr zu toppen. Das Zweitwerk immer noch weit über Durchschnitt. Auf der Bühne haben die Norweger allerdings nur wenig zu bieten. Wer gleichzeitig singt und Gitarre spielt ist viel zu sehr damit beschäftigt als großartig auf der Bühne hin- und her zu rennen. COMMUNIC sind auf den Brettern der Welt eher stoisch, bringen aber zu ihrem anspruchsvollen Prog-Metal auch gleichzeitig Ruhe und Andacht vor die Bühne. Die überlangen Stücke verlangen einiges vom Publikum, welches die Band zum größten Teil gar nicht kennt. Doch am Ende ist da mehr als nur Höflichkeitsapplaus. COMMUNIC hatten die Besucher überzeugt.
BLITZKID spielen "Horrorpunk". Was es nicht alles gibt! Dieses Konglomerat aus MISFITS, ALICE COOPER, DANZIG und SEX PISTOLS rockte los wie die ganz großen (eben erwähnten), spielten dröhnend straight - und verschreckten damit scheinbar sogar böse Schwarzmetaller. Es wurde nämlich (leider) immer leerer vor der Bühne, dabei fand ich den Stoff aber dermaßen interessant, dass ich von Anfang bis Ende gebannt vor der Bühne verweilte. BLITZKID sind kein Metal, aber genau das macht ja den Unterschied zu anderen Festivals aus - immer wieder für ne Überraschung gut.
HARDCORE SUPERSTAR sind alles, nur nicht Hardcore. Glam-Rocker sind sie und tragen zumindest den zweiten Teil des Bandnamens in ihrer Heimat Schweden mittlerweile zurecht. Ihr naiver Rock'n'Roll-Sound in Tradition von TWISTED SISTER, KISS, THE SWEET und sonst noch was verbreitet gute Laune bei heißen Temperaturen. Da könnte noch was ganz großes draus werden. Auch bei uns.
XANDRIA hingegen sind so langweilig wie eh und je. Braucht kein Mensch. Zeit für Bier, Pinkeln und Pause mit gegrillten Ameisenaugen. Keine Ahnung wo ich die her hatte. Schmeckte aber sehr lecker und knusprig.
DIE APOKALYPTISCHEN REITER waren aus Mitteldeutschland ins fränkische Dinkelsbühl geritten und lieferten eine gewohnt lässig Show ab. Der Publikumsandrang - sehr auffällig auch bei allen anderen Festivals - war so groß, dass diesmal auf dem Summer Breeze sogar OOMPH! als Headliner leicht übertrumpft wurden. DIE REITER lieferten eine großartige Party ab, Wert legend natürlich auf die großen Hit-Werke der nahen Vergangenheit. Leider muss man als alter Fan auch attestieren - ein paar lustige alte Death-Metal-Böller würden der Abwechslung auch nicht schaden. So richtet man das Augenmerk verstärkt auf Party. Und das heißt: holt die Jungfrau aus dem Publikum auf die Bühne, sperrt sie in einem Käftig, macht mit ihr allerlei derbe Späße und lasst nebenbei ein paar Boote ins Publikum ab, damit Crowdsurfen eine völlig neue Dimension erlangt. Aber Leute! RAMMSTEIN hatten die Idee vor Euch. Auch wenn sie nicht die Titelmelodie zu "Das Boot" schrieben. Wie auch immer: Reitermania überall. Zumindest in Deutschland werden die REITER mittelfristig auch zu den künftigen Headlinern zählen, die alteingesessene Bands der zweiten und dritten Metal-Generation ablösen werden. Aber aufpassen: nur nicht zu poppig werden.
Weiter gehts mit Partymucke: die Frankfurter Thrasher TANKARD wackelten auf die Bretter die das Bier bedeuten und legten das Flugfeld mit einem Hit-Alarm in Schutt und Asche, dass so manchen das Bier beim moshen aus der Hand kippte. Erwähnte ich eigentlich schon, dass ich es langsam keine Lust mehr habe bei jedem Festivalbericht irgendwelche Songs zu zitieren? Sind nämlich immer die gleichen, die man hervorkramt. So spielen auch TANKARD - natürlich - ein Best-Of Programm durch, gespickt von wie immer lustigen Gerre-Kommentaren. Kein Zweifel: wären nach den REITERN und TANKARD jetzt z.B. IRON MAIDEN aufgetreten, ich glaube das komplette Freiluftkonzert wäre vor Hochstimmung implodiert, hätte ein schwarzes Loch erzeugt und unsere Milchstraße verschluckt.
Aber zum Glück kommen da DARK TRANQUILLITY, welche in Kürze einen Teil des Publikums auf magische Art auswechseln. Vielleicht liegt es aber auch am gänzlich anderen Musikstil. Im Gegensatz zu vielen Artgenossen steht die Band mit dem Copyright "Schweden-Tod" weder in einer Schaffenskrise noch am Ende ihrer Karriere - sondern genau jetzt auf ihrem Höhepunkt. Und genauso bombardieren sie uns dann auch mit Monsterriffs in Masse. Melodic-Death auf dem Olymp.
MOONSORROW hatten gerade eine EP mit zwei Tracks veröffentlicht. Und trotzdem dauert sie 30 Minuten. Sowas führt man natürlich nicht am Stück auf einem Festival auf. So zitierte man aus allen Schaffensperioden anspruchsvollen Prog-Blackmetal auf höchstem Niveau. Die Umsetzung war weit von Party entfernt, dafür große Musik zum Genießen. Ein wenig deplaziert ist da so ein Open Air, um diese Musik zu würdigen und zu genießen. Dennoch: Begeisterung durch die Bank.
Bei OOMPH! zeigt sich, dass es Objektivität eben nicht geben kann. Für ein Metal-Publikum war die Songauswahl eindeutig zu soft. Für jemanden wie mich, der ein sehr großer OOMPH!-Fan ist, genau richtig. So werden OOMPH! zur umstrittensten Band des gesamten Festivals. Ausgepfiffen, ausgebuht, Anti-Sprechchöre - Metalfans brauchen eben ein Feindbild. Zum Glück sind genügend Anhänger der Band da, um auch den Gegenpart dieser Bewegung zu zeigen: Hüpfen, Tanzen, Klatschen, Singen. Frontmann Dero reagiert darauf sehr gelassen, springt erstmal ins Publikum, lässt sich auf Händen tragen, singt einfach weiter. Man kann die Bandauswahl nicht genügend loben: egal ob einen manche Band interessiert oder nicht - wenn man OOMPH! konsequent ausbuht, zeigt man damit nur, wie beschränkt die eigene Toleranz gegenüber anderem - und vermutlich dann auch anderen - ist. Vielleicht steht ja eines Tages sogar David Hasselhoff hier in Dinkelsbühl... und singt "I've Been Looking For Free Porn" - ich werde dann auch noch da stehen. Mit einem Bier. Und mir denken... was für ein abgehalfterter Star - ich sehe viel besser aus als er. Würde mir auch Spaß machen.
SOULFLY hatten sich im Vorfeld vermutlich zu viele Summer Breeze-Videos reingezogen und dabei bemerkt, dass DANZIG vor nicht all zu langer Zeit auch den kompletten Backstage-Bereich und das halbe VIP-Gelände absperren ließ um aller Welt zu demonstrieren was für kein Rockstar er doch ist. Denn Max Cavalera und Co. spielten sich hier genauso auf. Warum weiß niemand. Zwar präsentierte sich die Band sehr überzeugend und war gut eingespielt. Dennoch waren die mit Abstand größten und abgefeiersten Stücke natürlich die der ehemaligen Brötchengeber SEPULTURA.
PAIN in zweifacher Hinsicht: zum einen markierte die Band um Peter Tägtgren das Ende des Festivals und zum anderen was genau das ja auch die "pain": es ging zu Ende. Die letzte Band. Dann war es aus. Doch es ist ja auch immer eine Frage WIE man geht... und PAIN gaben alles. Mit rücksichtslosem Radikalgebolze auf hohem Niveau wurden nochmal die letzten Reserven beim Summer Breeze-Publikum eingefordert - und auch abgeholt.
Fazit
Das war es also. Das große Jubiläumsfestival zum Zehnjährigen. Underground Empire gratuliert recht herzlich. Das Summer Breeze ist weiterhin das eindeutig stilistisch abwechslungsreichste unter den Hartmusik-Festivals auf deutschem Boden und bietet eine breite Palette von Punk bis Black Metal. Egal auf was man wirklich steht - man wird hier immer wieder sehr interessante Bands kennenlernen, für welche man sich vorher niemals interessierte.
Der Umzug nach Dinkelsbühl vor einem Jahr war die einzige und richtige Lösung. Ein neues, wirklich großes und noch ausbaufähiges Festivalgelände ist zwar ein herber Kontrast zum kleinen, teilweise einengenden Platz in Abtsgmünd, gelegen direkt im schnuckeligen Herzen der Kleinstadt. Doch die Probleme waren immer deutlicher abzusehen.
Dinkelsbühl und Summer Breeze, das sieht nach langer Zukunft aus. Bei einer derartig geschickten Bandauswahl natürlich sowieso. Wir kommen wieder! Und hier endet die Geschichte.
DONNERSTAG
Die NWoBHM-Legende BLITZKRIEG, welcher trotz METALLICA-Hype (coverten den gleichnamigen Song) nie eine größere Aufmerksamkeit zuteil wurde, fungierten als Eröffnungskapelle des diesjährigen Festivals. Brian Ross und Co. zelebrierten
das Subgenre in Vollendung, waren gut drauf und machten damit schon vorab Werbung für ihr neues Album "Theater Of The Damned", welche demnächst erscheinen wird und hoffentlich niemanden enttäuschen wird. Denn der Auftritt setzte schonmal ein großes Aufrufezeichen.
Die Down Under Rock'n'Roller ROSE TATTOO dürften hingegen in Sachen Bekanntheitsgrad wesentlich weniger Probleme haben. Bei Hymnen wie "Nice Boys", "Rock'n'Roll Outlaw", "One Of The Boys", "All The Lessons", aber auch bei den neueren Songs wissen die Jungs spieltechnisch zu überzeugen. Die ganz große Show mag ihnen diesmal nicht so ganz gelingen, denn Frontsau Angry Anderson hatte nicht seinen besten Tag erwischt. Er sprintet zwar ordentlich über die Bühne, aber die Kommunikation mit dem Publikum hakt ein wenig. Nichtsdestotrotz: das Publikum geht gut mit und wird ordentlich warmgespielt.
NWoBHM, Rock'n'Roll - und jetzt gings weiter mit gutem, alten OldSchool-Thrash "Made in Germany". SODOM waren zurück und mit ihnen natürlich Tom Angelripper! Diesmal mit einer ganz besonderen Geburtstags-Show zum 25jährigen Bandjubiläum! So begann die Show zuerst etwas unspektakulär mit vier neuen Songs ihres gleichbetitelten Studioalbums, welche bis auf "Axis Of Evil" eher unspektakulär klangen. Danach ging die Feier richtig los: die ehemaligen Bandmitglieder Michael Hoffmann, Andy Brings, Grave Violator, Frank Blackfire und Atomic Steif malträtierten abwechselnd ihre Gitarren bzw. bei Atomic Steif das Drumkit und spielten einen hammergeilen Reigen quer durch die Bandhistorie. Auch live eigentlich nie gespielte Stücke wie "Tarred And Feathered" wurden aus der virtuellen Schatzkiste ausgepackt. Neben reichlich Interaktion mit dem Publikum war Bandleader Tom Engelrippchen bestens gelaunt, hatte seine mittlerweile etwas enge 80er-Kutte an und vermittelte den Eindruck, dass uns noch weitere 25 Jahre bevorstehen. Den Abschluss der Party markierten die üblichen Klassiker "Bombenhagel", "Ausgebombt" und "The Saw Is The Law", ohne die ein SODOM-Konzert nicht vollständig wäre.
Der Donnerstag begann mit NWobHM und so endete er auch: zum Abschluss des ersten Tages erklommen SAXON die Bretter und performten eine komplette Best-Of Show, in welcher glücklicherweise neben altbekannten Klassikern der Marke "Crusader", "Princess Of The Night" oder "Denim And Leather" auch neuere Stücke wie "Witchfinder General" davon kündeten, dass SAXON weiterhin Songs schreiben können, welche wirklich zu überzeugen wissen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, welche ausschließlich noch von ihren alten 80er Songs leben. Die größte Überraschung des Auftrittes war ein Auftritt von EDGUY Kuhflecktarn-Komiker Tobias Sammet, welcher mit seinem Goldkelchen "747 (Strangers In The Night)" im Duett mit dem guten alten Biff veredelte.
Ein insgesamt sehr gelungener Festival-Auftakt! Da hatten wir leider völlig OVERKILL vergessen, welche leider zeitgleich zu SAXON auf der Hellfest-Stage spielten. Wer macht denn sowas? Da die Band sowieso nur eine Stunde spielte hätte man sie auch nach SAXON von 00:00-01:00h auftreten lassen können. So endete der Donnerstag pünktlich um 00:00h. Nur Mambo Kurt wollte und wollte im Biergarten einfach nicht mehr aufhören zu spielen...
FREITAG
SUIDAKRA haben einen sehr abwechslungsreichen Weg hinter sich. Ihr Stil hat sich im Laufe der Jahre zwar nie geändert, die Einflüsse aber dafür umso deutlicher. Insgesamt betrachtet hat sich die Band, auch nach mehrmaligem auf- und ab in der Albumqualität, einen sehr großen Einfluss vorallem in der Pagan- und Folk-Metal-Gemeinde erspielt, auch wenn man nur bedingt wirklich dazugehört. Schließlich sind unter den Fans auch viele IN FLAMES-, CHILDREN OF BODOM und sonstige Anhänger des Melodic Death zu finden. Dass dies absolut berechtigt ist, zeigt die agile Performance der Band. Sehr viel Spielwitz, Motivation und ein guter Querschnitt über das Schaffen der Band füllen gegen 11h Vormittags den Platz vor der Bühne.
Bei AMORPHIS heißt es dann: Feueralarm! Und zwar im eher unfreiwilligen Sinne. Vermutlich eine weiterglimmende, weggeworfene Zigarette entflammte einen Teil des Strohs vor der Bühne, welches wegen der enormen Regenfälle vor Festivalbeginn dort ausgelegt wurde. Mittlerweile wegen permanentem Sonnschein natürlich trocken wie Dörrobst. Es dauerte eine Weile, bis die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle brachte, denn etliche Zuschauer blockierten sie bei den Löscharbeiten. Als das Feuer gelöscht war, begannen die Finnen mit einem bunten Reigen an Hits, anfangen von ihrer Death Metal-Phase Anfang der 90er, über ihre stärkste Phase Mitte der Neunziger, ihren diversen Ausflügen in Pop-Rock-Gefilde bis hin zur aktuellen Rückbesinnung auf alte Tugenden und die Phase ihres größten Erfolges. Der Auftritt war zwar nicht so zwingend konsequent und überragend als noch ein Jahr zuvor auf dem Summer Breeze, weit weg davon war er jedoch nicht. AMORPHIS haben sich mit einem dicken Ausrufezeichen zurückgemeldet.
In direkter Nachbarschaft wohnen COMMUNIC aus Norwegen. Der Musikstil indes ist jedoch von Schweden-Tod, Norwegen-Death und Finnen-Melodien ganz weit entfernt und ist dem progressiven U.S.-Metal verpflichtet. Manche sagen gar, dass COMMUNIC mit ihrem Debüt das beste NEVERMORE-Album eingespielt haben, welches NEVERMORE nie komponieren werden. Wie auch immer - tatsächlich gesehen war "Conspiracy In Mind" bereits bei Erscheinen ein neuer Klassiker. Da muss man dem Zweitwerk "Waves Of Visual Decay" indes Stagnation auf sehr hohem Niveau vorwerfen. COMMUNIC spielten natürlich eine ausgeglichene Mischung aus beiden Alben, erreichten aber auf der Bühne die Qualität der Studioalben nur mit viel Mühe.
Ihr Klassiker "Theli" ist unerreicht. Eine perfekte Symbiose aus Bombast, Klassik und Schwermetall. Zuvor waren THERION zu unspektakulär und danach wurden sie immer langweiliger. Ihr mittlerweile gespielter Bombast-Metal mit Klassik-Anleihen gleicht einem Haufen warmer Luft, welcher in den Annalen der Musikgeschichte nicht einmal eine Randnotiz abgeben wird. Warum die Band dennoch sehr viele Fans hat, mag daran, liegen, dass sie die meisten von ihnen wohl noch nie mit echter Klassik beschäftigt und somit keinen Plan haben, wie schlecht THERION im direkten Vergleich dazu wirklich sind. Der Auftritt selbst muss einer eigenständigen Bewertung unterzogen werden: die Bühnenshow ist sehr ordentlich, die Umsetzung des musikalischen Programmes gelungen. Kein Wunder, dass man vor der Bühne begeistert ist. Ich jedoch war es nicht. Vorallam auch deshalb, weil die wirklich guten Songs der Band faktisch nicht gespielt wurden.
1985 waren POSSESSED einzigartig, stilprägend und härter als der Rest. Rückwirkend betrachtet will man ihnen ihren Einfluss auf die Black- und Death-Metal-Szene natürlich auch nicht streitig machen. Musikalisch gesehen sind POSSESSED aus heutiger Sicht jedoch genauso einzuordnen wie VENOM: instrumentalisch unter aller Sau, textlich benebelt und historisch gesehen nur Kult. Kommt noch dazu, dass der im Rollstuhl sitzende Sänger Jeff Becerra als einziges Gründungsmitglied der Band den Begriff "Reunion" zu einer Farce degradiert und der Rest der "Band" aus Mitgliedern einer drittklassigen Death Metal-Combo besteht. Selbige Aussage wie bereits bei THERION gilt jedoch auch hier: der Auftritt selbst ließ für Fans der Band keine Wünsche offen. Es wurden Songs aus "Seven Churches", "Beyond The Gates" und "Eyes Of Horror" gespielt und vorallem Jeff Becerra hatte mächtig Spaß daran, wieder auf den Brettern dieser Welt zu stehen äh... pardon... zu sitzen.
GRAVE DIGGER haben RUNNING WILD seit etlichen Jahren als Aushängeschild des Teutonen-Metal abgelöst. Zum einen, weil RUNNING WILD kaum noch existieren und zuletzt nur noch sehr schlechte Alben ablieferten, zum anderen weil GRAVE DIGGER das genaue Gegenteil davon getan haben. Während ihre 80er-Veröffentlichungen nur ein müdes Gähnen wert sind, brachten sie in den 90ern saustarke Alben heraus. Und auch in den letzten Jahren gab es das ein oder andere Highlight zu bewundern. Bestens gelaunt präsentieren sich Chris Boltendahl und Co. an diesem Tag, ziehen ein Best-Of Programm ohne Gnade ab. Die beiden größten Höhepunkte unter Höhepunkten sind natürlich wie bei jedem Auftritt "Rebellion (The Clans Are Marching)" und ihr einziger wirklich guter Song aus den 80ern "Heavy Metal Breakdown" (DieHard-Fans mögen Nachsicht walten lassen). GRAVE DIGGER legten einen fehlerfreien und frenetisch gefeierten Auftritt vor, welcher als Steilvorlage für alle folgenden Bands des Tages zu gelten hatte.
Allen voran FALCONER schauten im direkten Vergleich sehr blass dazu aus. Der traditionelle Heavy Metal mit Folkanleihen wurde nach dem sehr starken Debüt mit der Zeit immer langweiliger. Die Band hatte nicht ihren besten Tag erwischt, die Songauswahl ließ zu wünschen übrig und der Funke zum Publikum wollte absolut nicht überspringen. Sehr schade eigentlich.
SABBAT kommen wie die anderen SABBATH (die, mit dem BLACK davor) von der Insel, unterscheiden sich musikalisch aber sehr stark von ihnen. Nur zwei Alben ("History Of A Time To Come" und "Dreamweaver") waren ihnen vergönnt. Danach zerstritt sich die Band und brach auseinander. Martin Walkyier gründete daraufhin SKYCLAD. Deren letztes Album liegt nun auch wieder drei Jahre zurück und somit war es Zeit für eine - TATAAAA - Reunion. Zumal pünktlich dazu auch beide SABBAT-Alben sehr schön geremastert und aufgemacht dieser Tage wieder käuflich zu erwerben sind. Ums kurz zu machen: der Auftritt bestand aus den besten Songs der beiden Alben. Die Band wurde im W.E.T.-Stage Zelt abgefeiert ohne Ende. Einer der besten Auftritte des gesamten Festivals. Ehrlich gesagt: so eine Band gehört in Wacken auf die Party-Stage. Als Aufheizer für einen größeren Act. Und nicht in einem kleinen Zelt versteckt. Vielleicht wirds ja noch. Bei EDGUY hats funktioniert ;)
CHTHONIC kommen aus Taiwan und spielen Black Metal. In ihrer Heimat sind die Jungs bereits eine bekannte Größe, hier wirds mit Sicherheit noch etwas dauern. Sie sind wohl am ehesten mit eingängigeren Bands wie DIMMU BORGIR vergleichbar, mit ihren zwei Keyboards jedoch noch um einiges softer und kommerzieller ausgerichtet - wenn man bei dieser Art von Musik denn davon sprechen kann. Kurz vor dem Festival waren neben das neue Studioalbum und eine aufwändig gestaltete DVD bei uns eingetroffen. Einmal reingezogen, wusste man, warum CHTHONIC in ihrer Heimat diesen Status besitzen. Ob es für europäische Ohren eines Tages reichen wird, wird die Zukunft entscheiden. An der Band selbst liegt es nicht: charismatisch und sehr agil präsentierte man sich, die kleine Bühne voll ausnutzend und mit einer echten Spielfreude. Ein heißer Untergrund-Tipp.
ENSLAVED sind Spalter. Während die einen sie inzwischen auf eine Stufe mit EMPEROR stellen, können die anderen ihnen nicht viel abgewinnen. Fakt ist jedenfalls: ihre Entwicklung von einer unmusikalischen Knüppelband hin zu einer der anspruchsvollsten und progressivsten Black Metal-Bands der Geschichte ist sehr spannend und interessant. Speziell nach ihrem letztjährigen Manum Opus "Ruun" dürften ENSLAVED auch für FATES WARNING- und DREAM THEATER-Fans zumindest teilweise mal ein Ohr wert sein. Der Auftritt war Band-Programm: leicht eisig, abgezockt, großartig, ohne viel Worte. Die Fans waren durch die Bank begeistert. Was bei einer True Metal-Band ein schweres Manko darstellt, nämlich fehlende Kommunikation mit dem Publikum und agile Stage-Performance, gehört bei ENSLAVED einfach mit dazu.
Die sträflich unterbewertete W.E.T.-Stage im Zelt hatte speziell am Samstag viel zu bieten. Neben SABBAT, CHTHONIC und BELPHEGOR auch die Australier BLACK MAJESTY, welche beweisen, dass es im Lande der Känguruhs nicht nur Hardrock der Marke AC/DC und ROSE TATTOO gibt. Tipp am Rande: hört mal in die Alben von ILIUM rein. BLACK MAJESTY legten einen schwerst geilen Auftritt hin. Zwischen den IRON MAIDEN-beeinflussten Gitarren-Duellen spritzte wahre Spielfreude ins Publikum. Die eingängigen Songs, welche zwischen Melodic Speed und True Metal liegen, klingen weder wie eine langweilige Kopie noch wie viele andere Bands dieses Genres, welche verzweifelt versuchen an diesem Stil festzuhalten und neue Elemente mit einbringen, welche aufgesetzt wirken. Diese Band spielt einfach drauf los. Da ist alles echt. Und das merkt man. Ein ganz toller Auftritt im Schatten der großen Bands auf den anderen drei Bühnen. Und doch war es bedeutend heißer. Einerseits wegen der überzeugenden Performance und andererseits weil es im Zelt einfach viel zu heiß war.
Bei BLIND GUARDIAN einzelne Songs aufzuzählen wäre wie Eulen nach Athen tragen. Die Krefelder haben bis heute kein einziges schwaches Album veröffentlicht, auch wenn gewiss nicht alle Alben in die Kategorie "Klassiker" oder "Sehr gut" fallen. Eine konstant überdurchschnittliche Leistung reicht hierfür schon aus. Die Band um Hansi Kürsch hat die deutschen Tugenden verinnerlicht wie kaum eine andere. Und zwar positiv wie negativ: solide, ehrlich, überzeugend haben sie mittlerweile so viele Hymnen in petto, dass sie sie gar nicht anders spielen können. Aber auch die negative Seite ist weiterhin vorhanden: bieder sind sie - vorallem durch ihre mehr als langweiligen und abgedroschenen Ansagen, die man sich lieber sparen sollte. Hansi hat einen ureigenen Gesangsstil, welcher zur Band und ihrem Sound wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passt. Doch ein guter Frontmann und Entertainer ist er nicht. Und wird es auch nie mehr werden. Das mag jetzt sehr negativ klingen, doch zwischen all den geilen Liedern des Abends ist das nur Makulatur. BLIND GUARDIAN ziehen eine bunte Diskographie hinter sich her, die sie lustig vermischt an jenem Tag auf der Bühne ablassen und gefeiert werden wie kaum eine andere Band auf diesem Festival. So typisch deutsch eben: solide, ein wenig bieder - und doch unangefochten bewundert und umschwärmt.
Zurück auf der W.E.T.-Stage gibts mit BELPHEGOR eine der wenigen österreichischen Bands. Mit ihrem Extremst-Metal ist den Männern, welche ihre Alben teilweise mit Gasmasken, NATO-Verpflegung und anderem Militaria ausstatten, auch auf lange Sicht keine größere Anhängerschaft prophezieen. Doch die, welche sie haben, ist dafür umso enthusiastischer. BELPHEGOR stehen für Kompromisslosigkeit in Reinkultur und das ziehen sie auf der Bühne konsequent durch. Und zwar sehr überzeugend.
DIMMU BORGIR waren zwischenzeitig so etwas wie die "IRON MAIDEN des Black Metal" - mit großartigen Hits, welche eingängige Songs, monumentale Refrains und textlich anspruchsvolle Texte mit sich brachten, sich deutlich abhebend von der sich selbst feiernden Black Metal-Bewegung, welche quasi sich darum stritt wer die wenigsten Fans hatte und somit elitärer und besser war als der Rest. DIMMU BORGIR sind von "Lords Of Chaos" und "Inner Circle" weit entfernt, sind sozusagen "Pop" in einem eng abgesteckten Subgenres eines Subgenres. Haben aber mittlerweile genau deshalb auch Headliner-Qualitäten. DIMMU BORGIR sind quasi das, was BLIND GUARDIAN für die True Metal-Stage darstellen: Party pur. Da die Band allerdings verstärkt auf neueres Songmaterial wert legt, kommen einige ihrer bekanntesten Stücke leider nicht mehr zu Bühnenehren. Sehr schade. Insgesamt gesehen: sehr gute Show, geiles Stage Acting, stimmige Performance - aber etwas zu wenig "Altmaterial".
Die U.S.-Metaller ICED EARTH sind zusammen mit BLIND GUARDIAN quasi die Headliner der True Metal Stage und stehen hier vor der Aufgabe, ihren neuen Sänger "Ripper" Owens zu präsentieren, welcher das große Vorbild Matthew Barlow ersetzen muss. Wie wir alle wissen, ging das bereits bei JUDAS PRIEST in Punkto Rob Halford nicht gut. Passt er zu ICED EARTH? Im Grunde genommen - jain - der Ripper singt wie ein junger Gott, aber passt zu den alten Songs stimmungsmäßig einfach nicht so recht dazu. Allein - es fehlt das Charisma, welches ein Rob Halford und ein Matthew Barlow in seiner Stimme hat. Der Ripper ist quasi genial - aber emotionslos im direkten Vergleich. So oder ähnlich sehen das auch etliche "alte" Fans, welche sogar teilweie aus den vordersten Reihen die Aufführung etwas verwirrt und sehr enttäuscht verlassen. Um es mal so zu sagen: ICED EARTH haben hier ein großartiges Best-Of Programm aufgetischt - quer durch alle Alben. Die beherrschen ihre Instrumente und bemühen sich als kompakte Band dazusehen. Die völlig platten Interaktionen mit dem Publikum diskreditieren jedoch den Ripper auf der einen Seite, seine Stimme, welchen vielen Stücken ihren eigentlichen Reiz nimmt, auf der anderen Seite. Ein genialer Sänger, welcher offensichtlich hier neben der Band existiert. Und einfach nicht so wirklich zu ihr passen will.
Für ausgefallene Shows bekannt waren und sind natürlich DIE APOKALYPTISCHEN REITER bekannt. Diesmal gibts riesige blaue Ballons, Crowdsurfing in Gummi-Booten und einen Keyboarder welcher in einem Käfig verweilt. Aber da war ja noch was: die Musik! DIE REITER lassen ihre alten Alben leider gänzlich außen vor und spielen nur neueres Material. Das ist zwar teilweise genauso gut (objektiv betrachtet), Fans der ersten Stunde reagieren darauf aber enttäuscht. Scheinbar haben sich die REITER nun endgültig von ihren Death Metal-Roots entfernt und sehen diesen Abschnitt auch als abgeschlossen an. Der Party indes schadet das keineswegs.
Gleichzeitig mit den APOKALYPTISCHEN REITERN spielen SAMAEL auf der Party-Stage. Die Schweizer, welche mit "Passage" und "Eternal" Mitte bis Ende der 1990er den Höhepunkt ihres Schaffens erreichten, konnten noch vor wenigen Jahren beim Summer Breeze mit Industrial-Sounds überzeugen, welche einer anrückenden Panzer-Division gleichkamen. Die Lightshow war beinahe die gleiche wie vor einigen Jahren. Die überzeugende und zwingende Performance war allerdings nicht mehr so ganz wirklich vorhanden.
SAMSTAG
Mit einer bereits etablierten Band verglichen zu werden, ist für manch eine Band bereits ein Todesstoß. SONIC SYNDICATE klingen irgendwie nach IN FLAMES. Doch sie kopieren sie nicht. Ob es ein Vorteil ist, dass sie mit dieser Band ständig verglichen werden? Die Zukunft wird es zeigen. Die Band indes legt eine famose Spielfreude an den Tag, agiert für einen Newcomer völlig abgebrüht auf der großen Black Stage und wird bald schon zeigen, ob sie aus dem Schatten ihrer Vorbilder heraustreten und einen eigenen Stil etablieren kann. Wir wünschen es den Jungs mit dem einen Mädel, denn das Zeug dazu haben sie allemal.
MOONSPELL sind eine Band in der Linie von THERION und AMORPHIS: Aufgestiegen von anfänglichem Death Metal hin zu Klassikern Mitte der 90er, danach kam der Absturz: es wurde immer poppiger, im Falle von MOONSPELL versuchte man sich zeitweise gar als billige DEPECHE MODE-Kopie. Alles war ein Reinfall. Und so besannen sich auch MOONSPELL dieser Tage wieder auf ihre Stärken: harter Metal mit sehr schönen Melodien. Auch der Auftritt war vergleichbar mit AMORPHIS: letztes Jahr Summer Breeze wars einfach besser, lebendiger, überzeugender, mitreißender. Die Setlist indes fast die gleiche. So gab es einiges von den letzten beiden Alben, jeweils ein paar Stücke der zurückliegenden Veröffentlichungen - und die großen Highlights waren allerdings wie üblich und weiterhin die großen Hits aus "Irreligious" und "Wolfheart"-Zeiten. Fraglich, ob die Portugiesen es einst mal wieder schaffen mögen, Klassiker der Marke "Alma Mata" oder "Opium" zu komponieren. Wünschen möchte man es ihnen.
Bei den Finnen STRATOVARIUS ist nach mehreren äußerst schwachen Scheibletten in Folge die Luft eigentlich raus. Da kann der Versuch zumindest mit gelungenen Festivalauftritten zu punkten, sicherlich nicht ganz falsch sein. Und sie wussten das. Innerhalb der einen Stunde des Auftrittes boten Timo Tolkki und Co. ein Best-Of Programm quer durch fast alle Alben, in dessen Verlauf sich die Jungs immer mehr steigerten. Das Publikum war konsequent aus dem Häuschen und feierte die Jungs ab wie in besten Tagen. Man wünscht sich, dass diese bald wieder kommen mögen - in Form guter Studioalben.
10 Jahre ist es bereits wieder her, dass RAGE hier in Wacken zusammen mit dem Lingua Mortis Orchestra auftraten. Damals erschien gerade ihr erstes Orchesterwerk "Lingua Mortis" und etablierte die Germanen-Rocker ausm Pott überraschend als ernsthafte Klassik-Metaller. So konsequent, organisch und auf den Punkt gebracht klang die Verschmelzung von harter Musik und Klassik seit DEEP PURPLEs legendären "Classic Suite for Rock and Orchestra" nicht mehr. Inzwischen haben die Jungs zwischen regulären Alben noch einiges an Orchester-Stücken nachgelegt und so lieferten sie eine sehr überzeugende und perfekte Show ab. Da stimmte einfach alles. Das Orchester indes hatte bei weiten nicht damit gerechnet, dermaßen abgefeiert zu werden, dass diverse Musiker das geschehen mehrfach mit dem eigenen Fotoapparat festhielten. Sehr kultig. Sehr menschlich. Sehr Metal.
Mit DESTRUCTION ist neben SODOM eine weitere deutsche Thrash-Metal Institution vertreten. Zusammen mit KREATOR bilden die drei das berühmte germanische Thrash-Metal-Dreigestirn. Letztere waren in Wacken allerdings nicht zu sehen. Die spielten dafür zwei Wochen vorher bereits auf dem Earthshaker Fest in der Oberpfalz. Nur ein knappes Jahr jünger als SODOM, zogen DESTRUCTION ihren Geburtstag etwas vor und feierten ebenso wie die Jungs um Tom Angelripper ihr 25jähriges bestehen. Und auch hier gab es Gäste ohne Ende: neben den Sängern von OVERKILL, SODOM, COMMUNIC und RAGE (bildeten bei "The Alliance Of Hellhoundz" gar einen großartigen Chor), gab es u.a. mit teilweise drei gleichzeitig spielenden Schlagzeugern ein Drumkit-Inferno ohne Konkurrenz. Einzelne Songs aufzuzählen auch hier eine reine Farce - eine superbe Bandbiografie wie sie sein soll.
MOONSORROW enterten die W.E.T.-Stage und sorgten im feucht-warmen Zelt im Nu für Partystimmung. Pagan-Metal der Sonderklasse verheisst dieser Name und nichts anderes ward hier geboten. Ihre aktuelle EP mit den beiden fast halbstündigen Mammutstücken wird nur ansatzweise zitiert, dazwischen gibt es kultige Hymnen ihrer Studioalben. Die Stimmung kocht in diesem kleinen Zelt fast über. MOONSORROW spielen sich und das Publikum in Ekstase und empfehlen sich für größere Weihen in naher Zukunft. Große Helden von morgen.
Welch bleibenden Eindruck die ersten drei HELLOWEEN-Alben in den Analen der europäischen Metal-Historie hinterlassen haben, davon bezeugen nicht nur unzählige "Keepers-"Möchtegern-Kopien, sondern auch Bands wie STORMWARRIOR, welche stilistisch weniger von den "Keepers"-Zwillingen als viel mehr vom härteren aber nicht minder melodiösen Debüt "Walls Of Jericho" beeinflusst wurden. Was liegt da näher als Hamburger Band das große Vorbild Kai Hansen mit auf die Bühne zu bitten. Mittlerweile so erfolgreich, dass das Ereignis mehr oder weniger regelmäßig auf Festivals wiederholt wird. So besteht die erste Hälfte des Auftrittes aus STORMWARRIOR-Stücken, während der zweite Teil einen bunten Reigen alter HELLOWEEN-Klassiker auspackt. Im direkten Vergleich zum Auftritt beim Magic Circle Festival vor drei Wochen in Bad Arolsen agierten sämtliche Beteiligte diesmal durch die Bank hochkarätig und wie aus einem Guss. Schade, dass das nur ein Mann unsrer Crew live erleben konnte. Der Rest gab im Stau beim Durchgang zur Party Stage auf und konzentrierte sich auf IMMORTAL. Sich einen Eindruck von beiden Bands zu verschaffen, war für eine Person leider nicht möglich. Sehr, sehr schade sowas.
IMMORTAL sind wieder da! Etwas anders bei diesem Bandnamen wäre sowieso nur purer Hohn. Wie Phoenix aus der Asche kehrten sie zurück, waren auf einmal wieder da. Als wären sie nie weg gewesen. Denn genauso klang es auch: jeder Song wurde perfekt wie man ihn perfekter nicht spielen kann intoniert. Die komplette Palette der Bandhistorie wurde ausgepackt und jeder Song wurde gefeiert ohne Ende. Sehr lustig, als Opener "The Sun No Longer Rises" zu wählen, war die Sonne über Wacken doch pünklich zu IMMORTAL verängstigt untergegangen. Wen wundert's... "One By One", "Sons Of Northern Darkness", "Tyrants", "At The Heart Of Winter" oder "Battles In The North" stehen für die einsame Klasse der Band, welche Black Metal in Vollendung darstellt. Ganz einsam ist es da oben. EMPEROR sind da noch gute Kumpels auf diesem Gipfel der Perfektion, "Nexus Polaris" funkelt da noch am Firmament und BAL-SAGOTH, ENSLAVED und DIMMU BORGIR stehen in den Vorhallen der Götter. Doch unsterblich stehen sie weiterhin in ihrer kalten, eisigen Halle aus schwarzer Magie, Töne ausspuckend, so faszinierend wie das Böse nur sein kann.
IN FLAMES. PUNKT. IN FLAMES werden zusammen mit EDGUY wohl die kommenden Festival-Headliner darstellen, die sie zwar jetzt z.B. in Wacken schon sind, aber eben bei den meisten anderen Freiluftkonzerten noch den "großen alten" überlassen müssen. Wenn SAXON, IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, HELLOWEEN oder gar BLIND GUARDIAN weg sein werden. IN FLAMES traten in ihrer Karriere im Gegensatz zu vielen anderen Bands nie auf der Stelle. Ließen sich nie in die Niederungen des Kommerzes herab, in dem sie wie AMORPHIS, MOONSPELL usw. plötzlich unfreiwillig komische und langweilige Pop-Rock Alben auf den Markt warfen. Nein, IN FLAMES haben sich konsequent und nachvollziehbar immer weiterentwickelt, gingen ihren Weg von Folk-Melodien beeinflusstem Death Metal über Melodic Death bis hin zu sehr modernem Metal, welcher eben auch NICHT mit NuMetal vergleichbar ist, sondern derartige neue Wege geschickt in bereits vorhandene Strukturen integriert. Genau DAS zeigten die Jungs in Wacken. Und genau DESHALB sind sie Headliner. Und genau DARUM zitiere ich hier auch keine einzelnen Stücke. Ganz großes Kino!
UNHEILIG sind alles, nur kein Metal. Und da stehen sie in Wacken allein auf weiter Flur. Das macht aber nichts, denn für den Graf lassen wir alles stehen und liegen - sogar IN FLAMES - und eilen in die immer noch triefende und schweinewarme W.E.T.-Stage. Die EBM-Maschine UNHEILIG legt an jenem Abend einen legendären Auftritt hin, bei dem wirklich alles stimmt. Das Stageacting, die Kommunikation mit dem Publikum, die Stimmung. Die Fans gehen ab wie Luzi und der Graf steht wohl irgendwo zwischen Erstaunen und Ejakulation. Er ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens, singt sich in ferne Welten und ist doch so nah. Kein Zweifel - ein EBM-Festival hätten UNHEILIG auf einer großen Bühne und Grund und Boden gerockt. So aber bleibt es einer treuen Fangemeinde vorbehalten, abseits der ganzen Metalbands etwas völlig anders zu sehen. Eine Band, die hart ist, melodisch und doch so anders. Eine andere Welt. Man wünschte sich mehr davon. Und vielleicht ist ja künftig auch in Wacken noch ein kleines bißchen mehr Platz, um Metalfans über den berühmten "Tellerrand" blicken zu lassen. Was einige Vollspaten hier zu suchen hatten, welche sich furchtbar über diese Musik aufregten, kann ich leider auch nicht beantworten. Geht dahin, wo der Pfeffer wächst und legt Euch zu DISSECTION mit ins Grab. Niemand vermisst Euch Penner! Musik ist Geschmackssache und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Kann man es gut finden oder schlecht, aber bei einem so großen Festival mit so vielen Bands kann man wenn es einem nicht gefällt auch einfach gehen und sich eine andere Kapelle ansehen, bevor man hier herumkotzt und Bierbecher wirft. UNHEILIG haben jedenfalls gezeigt, dass gute Musik sich überall durchsetzt und überall ihre Anhänger hat und vielleicht sogar im Metalbereich neue finden wird. Denn Qualität setzt sich am Ende immer durch.
SUBWAY TO SALLY beendeten ein weiteres Wacken-Jahr. Mittelalter-Fanatiker hatten mit SCHANDMAUL auf der grünen Wiese nur eine wirkliche Alternative. Ein Festival für alle eben. Da es in unserem Verein derzeit leider keinen wirklichen Mittelalter-Metal-Fan gibt, bleibt da nur ein möglichst objektives Vorbeischauen übrig: qualitativ souverän, stellten die SUBWAY-Bürger scheinbar sämtliche Fans mehr als nur zufrieden. Die Stimmung war toll, die Zuschauer sternhagelvoll... was will man mehr... außer natürlich, dass das nächste Wacken sobald wie möglich wieder kommen möge.
Rückblick
2007 war mal wieder ein großartiges Wacken-Jahr. Sehr viele sehens- und hörenswerte Bands sowie durchgehend gutes Wetter - Spaß und Urlaub pur. In Punkto Organisation gibt es jetzt einiges zu bemängeln: so waren offiziell 70.000 Zuschauer anwesend, doch es sah auf dem Festivalgelände im Vergleich zum Vorjahr eher so aus, als wären es über 100.000. Laut Polizeibericht sollen wohl sogar ca. 120.000 Menschen anwesend gewesen sein. Hierzu zählen dann aber auch alle, d.h. Crew, Presse, Feuerwehr, Sanitäter, Polizei, usw. - dennoch - es war zuviel. Auf dem Festivalgelände ging besonders in den Abendstunden teilweise nichts mehr. Hinzu kam die Verlegung der Party-Stage auf ein abgetrenntes Gelände, welches vom Black-/True Metal-Stage Gelände mit nur einem relativ schmalen Durchgang getrennt wurde. Man benötigte teilweise eine halbe Stunde um an die Party Stage zu kommen. Hier muss sich wirklich dringend etwas tun, sonst endet das nächste Wacken mit IRON MAIDEN als Headliner in einem Fiasko.
11:45 - 12:15 pm HEAVENLY
Intro
Ungläubig schauten einen im Vorfeld des Festivals viele Headbanger an - ein Festival für 10 Euro und MANOWAR sind Headliner? Sowas gibts doch gar nicht! Gibt's schon: in Bad Arolsen. Und MANOWAR bzw. deren eigene Plattenfirma, Magic Circle Music, waren Veranstalter. Da stürmten natürlich die Massen zum Vorverkauf, so dass MANOWAR sich relativ kurzfristig dazu entschlossen einen Tag vorher das gleiche Programm für ebenfalls 10 Euro nochmal anzukündigen. Letzten Endes spielten sie an beiden Tagen eine etwas differente Setlist, sehr zum Ärger der Fans, welche nur einen Tag da waren. Macht aber nichts. Auch ein Tag reichte völlig aus für ein sehr überraschendes und - für das erste mal stattfindend - relativ gut organisiertes Festival. Unsere Crew reiste erst am Samstag an.
Anfahrt
Das Festival war ab der Autobahn gut ausgeschildert. Normale Festivalbesucher kamen auch sehr zügig zum Campingplatz. Dabei gab es zwei eher unschöne Dinge zu "bewundern": zum einen hatten die "Freitags-Camper" sämtliche dem Gelände nahen Campingflächen bereits verbraucht. Was allerdings umso ärgerlicher war, als dass diese zu einem Großteil ja bereits wieder am Abreisen waren. So kam es, dass die ersten Besucher am Samstag am weitesten vom Festivalgelände weg parken und zelten mussten. Noch dazu kam, dass man nicht am Auto zelten durfte. Autostellflächen und Zeltplätze wurden fein säuberlich getrennt. Und das, obwohl es sich um ein und den selben Acker handelte. Lange Fußwege zum Gelände, längere Fußwege zum Auto - ärgerlich. Zumal die Besucher, die am Samstag immer später kamen wieder deutlich weiter vorne parken durften. Wir von der Presse hatten da gleich weitaus mehr zu Fahren und zu Laufen: zuerst stellte sich der VIP-Campingplatz als nur für Bands/Personal heraus und dann mussten wir fast zwei Kilometer vom Eingang zum Kartenhäuschen laufen und danach gleich wieder den weiten weg zurück zum Auto. Erst dann durften wir aufs Campinggelände parken. Umständlicher gehts ja nicht. Sehr positiv widerum anzumerken: es gab Dixi-Klos in Hülle und Fülle - genauso soll es sein!
Festivalgelände
Der Eingang zum Gelände erstreckt sich auf einer ehemaligen Kaserne zwischen einem Gebäudeschlauch mit massenweise Essens- und Getränkeständen links und rechts. Danach steht man auf einem großen Innenhof, welcher Platz für ca. 15.000 Besucher bietet. Sehr interessante Aufmachung allemal.
Nach stundenlangem hin- und herlaufen begann das Festival für uns schließlich erst mit HOLYHELL. Die überzeugten von Beginn an mit sehr guten Coverversionen - allem voran das Eric Adams/Maria Breon-Duett bei "Phantom Of The Opera". Die Band hatte sichtlich Spaß und wußte die noch sehr überschaubare Menge an Headbangern, welche da vor der Bühne stand, zu überzeugen. Bekanntheitsgrad? Tendiert schräg nach oben.
STORMWARRIOR FEAT. KAI HANSEN - liegt ja auch nahe, wenn GAMMA RAY mit im Billing sind. Das versprach in den zwei Jahren immer sehr viel Spaß. Diesmal hielt dieser sich in Grenzen: Während des gesamten Auftritts konnte man kaum den Ansatz eines Gitarrensounds ausmachen. Der Großteil des Gigs war ein massiver Baß-Matsch, gefolgt von Drums. In der ersten Hälfte des Sets gabs ordentlich STORMWARRIOR-Songmaterial quer von so ziemlich allen Alben zu hören. Danach umwehte der Geist der alten HELLOWEEN die Bühne, Kai Hansen schnappte sich das Mikrofön und sang allseits bekannte Klassiker: "Ride The Sky", "Murderer", "Victim Of Fate" und den Speed-Fetzer "Heavy Metal Is The Law". Die Fans pfiffen auf den Sound und feierten eine große Party.
MAJESTY werden immer beliebter. Der Härtegrad bewegt sich zwar meist in sehr eingängigen EDGUY-Gefilden, textlich gehen die Jungs aber weitaus klischeehafter zu Werke und bedienen mit ihren Sword-Army-Sorcery-Dragons Miniepen auch einen Großteil der anwesenden GAMMA RAY/MANOWAR-Fangemeinde. Diese zeigte sich sehr offen und ging von Anfang an mit. Obwohl viele Besucher die Band noch gar nicht kannten, wurde eine große Party gefeiert. Eine der Höhepunkte zweifelsohne war das sehr gelungene und atmosphärische "Guardians Of The Dragon Grail" im Duett mit Johanna Mott von MIDNIGHT SYMPHONY. Diese Band trat leider nur am Vortag auf.
GAMMA RAY im Pech: zuerst funktionierte die Technik gar nicht, zehn Minuten später fingen die Jungs von der Waterkant dann endlich an. Mit zuerst ultramiesem und später erträglich miesem Sound. Die Gitarre sollte überwiegend fehlen bis zum Schluss. Dazu kam ein lange anhaltender sehr stressiger Wolkenbruch vorbeigeflogen, entleerte sich über dem Gelände und vertrieb einen Teil der Zuschauer. Die Hamburger spielten sich durch ihre umfangreiche Diskographie, tauschten dabei allerdings so manchen Gassenhauer gegen etwas spannungsloseres ein und wirkten dabei auch nicht sehr motiviert.
Neben einem schlechten Sound hatte leider auch die Band nicht ihren besten Tag erwischt. An manchen Tagen kommt eben alles zusammen. So kann man sagen: nett diesmal, mit einer leichten Enttäuschung im Unterton. Das sah auch die Band so und deshalb fasste Kai Hansen am Ende realistisch zusammen: "Ihr wart geil und wir waren scheiße". Einsicht ist der beste Weg zur Besserung.
Es wurde dunkel und auf einem Schlag war eben noch sehr überschaubare Festivalgelände komplett gefüllt. Unfassbar. Niemand wußte, so auf einem Schlag so viele Besucher herkamen. Mußten sich zuvor wohl alle versteckt haben. Sie alle kamen wegen
MANOWAR - der truesten Bastion im Heavy Metal. Sie kürten sich 1988 mit dem gleichnamigen Album selbst zu den "Kings Of Metal" - und hatten damit damals auch recht. In den letzten Jahren brandete allerdings immer wieder heftig Kritik auf: die endlose Warterei auf ein neues Album, ausufernde Konzerte bei welchen mehr geredet als gespielt wird - und letzten Endes auch Interviews, die vor Pathos nur so triefen. Das alles wollten MANOWAR mit diesem Festival wieder gut machen. Und vorab schon sei gesagt: SIE TATEN ES!
Mit einer guten Mischung quer durch fast alle Alben begannen die "Brothers Of Metal"
mit dem obligatorischen "Manowar", steigerten die Stimmung schnell über "Call To Arms" und "Gloves Of Metal" zu "Each Dawn I Die". Bei
Göttergaben der Marke "Mountains" und "The Oath" waren die Fans, welche aus aller Herren Länder angereist waren, bereits längst aus dem
Häuschen. Man wolle nicht so viel reden kündigte man im Vorfeld an - ein "straight forward" Konzert sollte es werden. Doch natürlich wären
MANOWAR nicht MANOWAR, wenn man nicht doch noch die Labertasche auspackt. Gut, es hielt sich aber diesmal in Grenzen. Tausende von Litern
Freibier wurden fürs nächste Jahr angekündigt. Die vier originalen Motorräder der Band sollen den Besitzer wechseln - und - man werde die
ersten sechs (!!!!!!) MANOWAR-Alben am Stück spielen. Wie geil wird das denn? Zwischenzeitlich holte man wie üblich einen Fan auf die Bühne
um mit den Jungs zu jammen. Diesmal leider den schlechtesten Gitarristen aller Zeiten. Gegen Ende des ersten Teils bließ wieder der
Hymnenwind um Bad Arolsen: "Kings Of Metal", "Warriors Of The World United" und als Zugabe noch "Black Wind, Fire And Steel". Ganz klar:
das war einer der besten Auftritte der Band seit wirklich langem!
Setlist Teil 1 am Samstag:
Setlist Teil 2 am Samstag:
Am Ende folgte noch ein gigantisch gutes Feuerwerk und entließ ca. 15.000 Besucher glücklich in die Nacht. Richtung Zelte, welche teilweise so weit weg standen wie der am weitesten entfernte Campingplatz in Wacken. Ein Ausblick auf kommende Jahre?
Ausblick
Im nächsten Jahr bitte die Leute zusammen mit ihren Autos zelten lassen. Es gibt absolut keine sinnvolle Erklärung auf einem riesigen Acker Auto und Zelte zu trennen. Ansonsten: weiter so! Der Preis von 10 Euro wird sich natürlich nicht halten lassen. Schließlich wird das Festival nächstes Jahr VIER Tage dauern - und entsprechend viele Bands zusätzlich anbieten.
Die Professionalität, ein dermaßen großes Festival komplett aus dem Nichts hochzuziehen, verdient höchsten Respekt. Klar ging beim Debüt so einiges nicht glatt (bis auf MANOWR hatten fast alle Bands mit Sound-Problemen zu kämpfen), an der Organisation der Campingplätze gibt es noch einiges zu basteln - die Zahl der angebotenen Märkte und Merchandising-Artikel war jedoch sehr gut ausgewählt. Die Preise für Essen und Getränke bewegten sich auf durchschnittlichem Festival-Niveau. Soll heißen: nicht sehr billig, aber auch nicht zu teuer.
Das nächste Jahr wird deshalb zum Muß für alle wahren MANOWAR-Fans. Nicht nur, dass MANOWAR eine großartige Show abgeliefert haben, auch die Ankündigung an drei Abenden die ersten sechs Alben jeweils komplett am Stück spielen zu wollen, lässt jedem Metal Warrior jetzt schon im Dreieck springen. Bad Arolsen - wir kommen!
Freitag, 22.06.2007
Samstag, 23.06.2007
Bewertung:
Der Freitag
Reiner Zufall war es, dass die italienischen Kult-Metaller ADRAMELCH auf dem Bang Your Head-Festival landeten und es auch noch eröffnen durften. VIOLENT STORM hatten kurzfristig abgesagt und so landete eine Band auf dem Billing, welche 17 Jahre zwischen ihrem legendären Erstling "Irae Melanox" und ihrem Comeback "Broken History" verstreichen ließ. Der Aufstieg zurück zu einer gewissen Wahrnehmung innerhalb der Szene erfolgte durch Auftritte beim Headbangers Open Air und beim Keep It True, erreichte 2007 nun erstmals ein Publikum, dass nicht unbedingt dem Underground angehört. Hoffentlich geht der Aufwärtstrend weiter, denn ADRAMELCH gehörten schon von Anfang an zu der Sorte Bands, die es nun überhaupt nicht nötig haben etwas zu kopieren. Während man einen Tag vorher in Itzehoe noch massig "Irae Melanox"-Songs für ein Mikro-Publikum spielte, legte man auf dem Bang Your Head leider zuviel Wert auf das neue Album. "Broken History" ist zwar alles andere als Durchschnitt, enthält gewiss wieder einige Perlen. Doch insgesamt gesehen sind "Zephirus" und der gigantische Ohrwurm "Was Called Empire" doch etwas wenig für einen großartigen Metal-Klassiker, wenn man zwar nur ca. 40 Minuten Spielzeit hat, aber den großen Wurf dabei zu einer Randerscheinung degradiert. Musikalisch gesehen ein starker Auftritt, der etwas Stageacting vermissen, jedoch eine gute Stimmung im Publikum hinterließ und einen sehr guten Opener darstellte. Beim nächsten mal bitte mehr vom Debüt!
WOLF aus Schweden sind eine dieser obskuren neuen Metalbands welche absolut keinen eigenen Stil hat, gnadenlos beim Sound von IRON MAIDEN klaut, teilweise ziemlich eingängige Hooklines aufweist, welche genauso schnell wieder aus dem Ohr sind wie sie in selbiges hingekommen - und dennoch live eine Stimmung verbreiten, welche sich nicht wegdiskutieren lässt. Eine Band, welche in den 80ern gnadenlos untergegangen und in den 90ern nachträglich zum Kult erklärt worden wäre. Derartiges wird in Zukunft eher weniger passieren WOLF haben bereits eine kleine, treue Fangemeinde, welche auch im Regen ausharrt. WOLF werden auch 2017 noch ein paar Fans haben. Doch Kult - das werden sie damit nicht. Dafür bräuchte es schon einen eigenen "Markierungsduft". Indes - das Zeug, doch noch eigenständig zu werden, haben sie allemal.
Nach totalem Kult und interessanten Emporkömmlingen landen mit GIRLSCHOOL die ersten "Altvorderen" in Balingen. Ganz klar, das sowas meistens aus England kommt. Während das Publikum mittlerweile im Regen stand, ließ es sich nicht davon abhalten die Mädelz von der Insel abzufeiern, sei es zu "Race With The Devil", "Screaming Blue Murder" oder ihr wohl bekanntestens Stück, "Hit And Run". Positiv anzumerken ist hier, dass man sich von einem etwas sehr gemütlichen Beginn im weiteren Verlaufe des Auftritts kontinuierlich steigerte. Am Ende fegten GIRLSCHOOL einem Furienhaus gleich über die Bühne und machten richtig Stimmung. Insgesamt gesehen sahen Kim, Enid, Denise und Jackie weder spieltechnisch, noch altersmäßig wirklich alt aus. Im Vergleich dazu viele Newcomer hingegen richtig.
Hinterher gleich noch eine Prise NWoBHM mit PRAYING MANTIS, der wohl softesten Truppe aus dieser Kategorie, welche ihr Album "Time Tells No Lies" völlig zurecht zu den besten Veröffentlichungen dieses Geschichtsabschnittes zählen darf. Enthält es doch, angefangen von "Cheated" über "Running For Tomorrow" und "Panic In The Streets" bis hin zu "Children Of The Earth" ausschließlich Hitmaterial. In den 90ern legte die Band ein zweites Comback hin, welches uns großartige Melodic-Rock-Alben der Marke "Nowhere To Hide" oder "Forever In Time" hinterließ. Die komplette Bandbreite ihrer Karriere ließen sie denn auch auf dem Bang Your Head nochmal Revue passieren und präsentierten ein überzeugendes Best-Of Programm.
Nach ADRAMELCH gleich nochmal tonnenschwerer Kult: Die Amerikaner LETHAL waren fast genauso kurzfristig im Billing gelandet wie die Italiener, spielen ebenfalls progressiv - und könnten in ihrem Stil nicht unterschiedlicher sein. Denn LEATHAL klingen wie alte QUEENSRYCHE - sowohl vom Gesang als auch vom Songwriting her - und sind dabei alles andere als eine einfache Kopie. Man verzichtete darauf, Songs des unterirdisch langweiligen "Poison Seed" Rohrkrepierers zu spielen und konzentrierte sich stattdessen auf die Klassiker des Debüts "Programmed" und der darauf folgenden EP "Your Favorite God". Als der Opener "Fire In Your Skin" ertönt, mit der gottgleichen Stimme eines Tom Mallicoat, hält das Festival für einen kurzen Moment den Atem an. Und schwelgt anschließend in Ekstase. SO und nicht anders klingt Perfektion!
Im Gegensatz zu ADRAMELCH oder LETHAL waren VICIOUS RUMORS trotz schwerer Schicksals- und Rückschläge nie wirklich weg. Aber nach ihren vier großen Klassikern "Soldiers Of The Night", "Digital Dictator", "Vicious Rumors" und "Welcome To The Ball" auch nicht wirklich richtig gut. Mit neuem Sänger James Rivera im Gepäck, welcher sich in der Vergangenheit ja bei zahlreichen anderen kultigen Bands einen guten Namen gemacht hat, galt es diesmal Balingen zu erobern. Glücklicherweise besann man ich auf seine Großtaten, triumphierte gleich bei der Eröffnung mit "Digital Dictator" auf, ließ dann weiter Klassiker mit Namen "Don't Wait For Me", "Down To The Temple", "Minute To Kill" oder "You Only Live Twice" vom Stapel und lockerte zwischendurch mit einigen neueren Nummern das Set auf. Im Vorfeld des Gigs durften die Fans die Setlist sogar selbst zusammenvoten. Die Band zeigte sich wahrhaft spielfreudig. Für gute Laune sorgte auch James Rivera, der noch so manchen alten Klassiker vom Textblatt ablas und nicht wirklich immer wusste, was er da eigentlich gerade von welchem Album zusammensang. Einen Profi wie ihn kann das natürlich nicht erschüttern - die Gesangsleistung selbst war sehr überzeugend, kam an Carl Albert aber dann in letzter Konsequenz nicht ganz heran. Gestört hat das aber vor der Bühne - und garantiert auch auf der Bühne - niemanden.
Mit EVERGREY, DARK TRANQUILLITY und AMON AMARTH wurde dann ein vom Sound her deutlich moderner klingendes Tripple ins Rennen geschickt, welches allerdings genauso unterschiedlich tönt wie ihre älteren Kollegen vorher. EVERGREY aus Schweden konnten in den vergangenen Jahren eine solide Fanbasis aufbauen mit einer völlig eigenständig klingenden Mischung aus Progressive-Metal trifft auf Emotion mit gelegentlicher Depression. Zumindest vom Soundgewand her. Doch während ihre Alben meist eine gezimmerte, kompakt eingerichtete Wohnzimmerwand darstellen, welche aus einem Guss nach festgelegtem System daherkommt, kann die Band diese Stärke auf der Bühne nicht immer umsetzen. Meist eine Klasse für sich, gab es auf dem Bang Your Head durchaus gewisse Schwächen zu entdecken: Kontakt mit dem Publikum? Kaum erwähnenswert. Stageacting? Nicht vorhanden. Bassist: passt mit seinem Zirkus-Clown-Rockstar-Gepose zur Band und zur Musik wie DISSECTION zum Musikantenstadl. Für die technischen Probleme an der Gitarre können die Jungs wiederum gar nichts. Aber wenns mal blöde läuft, dann eben komplett. Schön für die Band, dass viele Fans vor der Bühne einfach nur Spaß haben wollten und bei wunderschönen Stücken wie "Recreation Day", "Nosferatu", "Solitude Within" oder "A Touch Of Blessing" lieber moshen als meckern wollten.
Die DieHard-True-Metaller verlassen fluchtartig das Gelände oder haben sich schon soviel Mut angetrunken, dass sie sie eh nicht mehr mitbekommen. Die Fans der härteren Gangart betreten das Gelände oder liegen mittlerweile bewusstlos vor ihren Zelten herum, weil es so lange gedauert hat, bis endlich eine wirklich harte Band aufspielt. DARK TRANQUILLITY nennt sich diese und bringt den melodischen Tod aufs Freiluftkonzert. Glücklicherweise in der Überzahl ist diese Gruppe Besucher, die einfach alles mitnimmt was gerade spielt "Eigentlich find ich die Musik super kacke, aber ich hab dafür bezahlt, deshalb seh ich sie mir jetzt auch an!". Und so tobt auch hier eine fette Mosh-Legion herum. Mickael Stanne heißt die rotehaarige Frontsau, die da auf der Bühne ins Mikro röhrt und sämtliche Facetten der harten Musik drauf hat, welche sich bei aller Brutalität immer wieder ausladend Zeit dafür nimmt, furchtbar geniale Melodien zu kreieren. Hinter ihm spielen Musiker, die auch gleiche Art und Weise ihre Instrumente beherrschen und eine perfekte Stimmung zelebrieren, welche durch die sehr guten Ansagen von Mickael perfektioniert wird. Egal was die Jungs spielen, quer durch alle Alben pickt man sich Perlen unter Perlen heraus. Der Auftritt war genau das, was sich viele von EVERGREY erhofft, aber nicht bekommen hatten: energiegeladen, stimmig, gewaltig, überzeugend und bestens ausgeleuchtet. Übrigens wird derjenige, von dem obengenanntes Zitat stammt, künftig öfters Mucke hören, welche "super kacke" ist. Er wollte sich gleich nach dem letzten Song auf der Plattenbörse ein Album von DARK TRANQUILLITY kaufen.
Nach THUNDER waren mal wieder AMON AMARTH dran. Man sieht sie mittlerweile wirklich auf jedem Festival und langsam überlegt man sich, ob man nicht lieber ganz weit weg geht. Manche Band hat langfristig das Zeug dazu sich live totzuspielen. Hachja, ich liebe diese Wortspiele. Vermutlich sehen das die Jungs inzwischen genauso und peppen ihren Auftritt mit Wikingern auf, welche so tun, als wären sie böse. Blut spritzt, die Knochen fliegen - wenns echt wäre, wärs ein großer Spaß. Nebenbei fackelt man mehr Pyros ab als es in Sydney Silvesterfeuerwerk gibt (unter uns: ist dort verboten, aber ich fand das gerade lustig). Achso ja... die Musik... naja, die ist wie immer: die gleichen Songs in der immer gleichen Reihenfolge. Hey, sowas schaffen weder IRON MAIDEN noch MANOWAR! Da sagt man noch was von alten Knackern! Was soll man noch sagen... "Victorious March", "With Oden On Our Side", "Death In Fire", ... geile Stücke ohne Ende. Eine Setlist, welche abwechslungsreich ohne Ende ist, wäre mir aber so langsam mal lieber.
HEAVEN AND HELL - das sind Ronnie James Dio (v.), Tony Iommi (g.), Geezer Butler (b.) und Vinnie Appice (dr.) - also BLACK SABBATH. Aus Vertragsgründen mit der Ozzy-Familie jedoch mit Alternativnamen auf Weltreise. Ob es nur das wird oder etwas Längeres wird sich noch zeigen. Drei neue Songs für die Best-Of "The Dio Years" haben die Jungs bereits geschrieben. Vom Songmaterial her konnte man auf vier Alben zurückgreifen, welche zusammen mit Dio aufgenommen wurden: die beiden legendären Alltime-Klassiker "Heaven And Hell" und "Mob Rules", sowie das Reunionsalbum "Dehumanizer", welches sich kurz nach Erscheinen eher als Spalt-Material denn als Atombombe entpuppte. Auf vergangenen Touren seiner gleichnamigen Solo-Band DIO konnte man in der Vergangenheit - auch in Balingen - immer wieder regelmäßig sehr gut interpretierte BLACK SABBATH-Klassiker zwischen allerlei DIO-Hits hören. Da war man doch schon sehr gespannt, ob HEAVEN AND HELL auf gleichem Niveau spielen würden - oder das ganze ja gar noch zu toppen wußten.
Die Bühnenaufbauten zumindest waren schonmal deutlich spektakulärer als bei den letzten DIO-Gigs. Die Bühne sieht aus wie eine alte Ritterburg, unterbrochen durch drei große umrahmte Flächen, auf welchen während des gesamten Auftritts abwechselnd Bilder, Album-Covers, die Musiker und andere Dinge angezeigt wurden. Ganz großes Kino. Man eröffnet mit "The Mob Rules". Dio singt mit seinen 65 Lenzen immer noch wie ein junger Gott. Unglaublich, diese kleine, große Mann. Die anderen drei Musiker agieren da wesentlich "entspannter", Tony Iommi und Geezer Butler stehen auf der Bühne wie hingenagelt - sowas erwartet man sonst nur von Ozzy oder Johannes Heesters - die würden unangenagelt sonst umfallen.
Wenn die ROLLING STONES sowas abliefern würden, würden sie schon längst vor leeren Hallen und Plätzen spielen.
Die Stimmung im Publikum ist natürlich bei einem derartigen Hammersong schon ziemlich gut, die alten Haudegen fanden eine gute Eröffnungsphase. Bereits mit "Children Of The Sea" stockte jedoch der Spannungsaufbau vor der Bühne, bei "I" und "The Sign Of The Southern Cross" verflachte die angedachte Party zu einem lauwarmen Konzertabend. Im weiteren Verlauf tat man sich mit "Dehumanzier"-Dingen a la "Computer God", neuen Stücken und endlosen Solis keinen großen Gefallen. Bei "Die Young" und der Eröffnung von "Heaven And Hell" war das Publikum wieder da, begann es langsam wieder zu brutzeln - doch dann wollte dieser Klassiker einfach nicht mehr aufhören. "Heaven And Hell" wurde auf über 20 Minuten ausgedehnt, echte RAINBOW-Verhältnisse. Nur nicht so spannend umgesetzt. Danach verschwand die Band von der Bühne, kehrte nach kurzer Zeit für "Neon Knights" nochmal zurück - und ging dann endgültig. Ungläubig schauten sich viele an. Wars das etwa schon? Ja! Das wars schon! Und dafür so ein Tamtam?
Am Ende stand die Gewissheit, dass der Bandname Programm ist: Himmel und Hölle. Verdammt himmlische Lieder zu einem höllisch langweiligen Auftritt.
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Setlist HEAVEN AND HELL:
Der Samstag
ARCHER heißt ein Captain vom Raumschiff Enterprise, aber auch ein Newcomer aus Kalifornien, welcher sich als perfekter Opener erweist, um müden Geistern Leben einzuhauchen. Die Band hat starke METALLICA-Einflüsse, klingt jedoch aufgrund von zahlreichen weiteren Einflüssen aus dem 70er-Hardrock bis 90er Dark-Metal-Bereich mitnichten wie eine Kopie. Die hierzulande noch sehr unbekannten Jungs wissen die große Bühne auszunutzen, springen umher wie die Berserker und machen Stimmung ohne Ende. Einen Hit haben sie noch nicht, dafür wird ihre Homepage nach dem Festival bestimmt ganz viele haben.
Die multistaatliche Vereinigung MYSTIC PROPHECY fällt in die Kategorie BRAINSTORM: musikalisch gut, Songwriting nur teilweise. Im Gegensatz zu den Schwaben sind sie abwechslungsreicher, gleichzeitig aber auch in Punkto Vorbilder durchschaubarer. Der melodische Power-Metal zitiert Riffs und kurze Passagen von JUDAS PRIEST, von allerlei Speed-, Power- und Thrash-Metal Bands und mischt es zu einem bunten Reigen voller interessanter Songs zusammen, bei welchen man desöfteren Dejavu-Erlebnisse bekommt. Was in erster Linie hier zählt ist, dass man mit R.D. Liapakis einen sehr formidablen Sänger aufweisen kann, welcher das Publikum mit ins Gesehen einzubeziehen weiß. Der Rest der Meute hatte ebenfalls eine erhebliche Freude an dem Auftritt und die Stimmung im Publikum war bereits zu früher Stunde schon auf erhöhter Betriebstemperatur.
Zusammen mit ADRAMELCH und LETHAL der Underground-Dreibund schlechthin: POWERMAD aus den Staaten haben bisher nur ein einziges Album aufgenommen (neben einer EP). Es erschien 1989 und nannt sich "Absolute Power". Der Name war Programm. Mit einer fulminanten Mischung aus Power- und Speed-Metal mit leichtem Thrash-Einschlag fönt das Album auch heute noch sämtliche Rasta-Locken in Sekundenbruchteilen zu einem Seitenscheitel um. War man vor Beginn des Auftritts noch traurig, dass so wenige Fans sich für diese Truppe interessierte, so war man hinterher ganz froh darüber, vielen jungen Leuten auch künftig noch von der Klasse des einzigen Albums erzählen zu können, ohne dass sie einen schief ansehen. Denn POWERMAD demontierten in kürzester Zeit ihren eigenen Kult: zuerst verfolgt von gruseligem Bühnensound, wusste man scheinbar auch nicht, was mit der Bühne anzufangen, wirkte zerfahren und hölzern. Sänger und Gitarrist Joey DuBay schien sich bei manchen Passagen nicht einmal an den Text zu erinnern, während der Rest der älteren Herren zeitweise orientierungslos vor sich hin spielte. Am Ende stand der Eindruck, dass die Band sich nicht wirklich Mühe gegeben hatte, hier im Vorfeld viel zu proben um sich für ein Comeback-Album empfehlen zu können. Schade, schade, schade.
Wie man es deutlich besser macht, zeigten anschließend die Dänen MERCENARY. Sie kombinieren klassischen, hohen Metalgesang in PRIEST-Nähe mit Melodic-Death und Thrash-Riffs und Melodien vom Feinsten und haben damit eine kleine, aber feine Nische gefunden. Ich würde mir wünsche, dass noch viele andere Bands sich um derartige Experimente bemühen, statt wild bei sämtlichen Bands alles 1:1 zusammenzukopieren, um am Ende doch wieder wie ein ganz bestimmtes Vorbild zu klingen - mit Songs, die diese Band nicht mal als B-Seite verwenden würde. Und so klingen MERCENARY zum Gesang her nach klassischer Metalband - mit Songs, die mit zum härtesten gehören, was das Bang Your Head zu bieten hat. Eine Brückenbauer-Band also, welche die ansonsten dünnen Bindfäden zwischen den anderen Kapellen hier miteinander verbindet. Vom AMON AMARTH-Fan bis hin zum EDGUY-Anhänger konnten die Jungs punkten.
AMORPHIS gehörten zu einer Garde Bands, welche mit einfachem und teilweise nicht wirklich gutem Death Metal Anfang der 90er begannen, sehr schnell immer besser wurden und auf ihrem Höhepunkt eternale Klassiker von wunderhafter Schönheit präsentierten. Die Rede ist von Bands wie TIAMAT, MOONSPELL oder eben in diesem Falle - AMORPHIS. Und allen ist gemein, dass sie nicht wussten, wann sie aufhören sollten noch eingängiger und noch kommerzieller zu werden. Sie verstrickten sich in Dark Wave-Rock und Pop und verloren ihre Wurzeln wie ihre Fans in etwa genauso schnell. Nach und nach besannen sich die Bands wieder auf ihre Stärken. Und so ist es kein Wunder, dass AMORPHIS zu jenem Stil zurückgefunden haben, den die Fans so lieben: dem melodischen Death mit zeitweiligen Grunzeinlagen. Für die Größe der Band spricht, dass sie ein sehr fein und breit abgestimmtes Set im Schlepptau haben, welches von alten Death-Metal Anfängen ("Magic And Mayhem" vom genialen "Tales From The Thousand Lakes") über ihre großen Hits vom "Elegy"-Meisterwerk ("Against Widows") zu experimentellen Alben wie "Tuonela" und "Am Universum" reichte und nebenbei noch neue, alte Sounds von aktuellen Werken wie "Silent Waters" und "Eclipse" vorstellten.
FINNTROLL. Auch so eine wirklich geile Band, von welcher man sich wünschte, man würde sie nicht so oft auf Festivals erblicken. Und da wundern sich derartige Musiker, warum ihre Tourneen schlecht besucht sind. Kein Wunder - man geht im Sommer auf vier Freiluftkonzerte und sieht auf dreien davon AMON AMARTH und FINNTROLL. Dieses Gefühl scheint sich mittlerweile auch bei der Band selbst eingeschlichen zu haben. Ihren Auftritte werden immer routinierter und ihre Studioalben immer langweiliger. Mit einem Querschnitt durch ihr bisheriges Schaffen lassen sich durchaus Qualitätsunterschiede erkennen, welche durchaus in Richtung Vergangenheit zeigen. Die Konkurrenz im Humppa-Sektor wird größer. Die Vorreiterrolle von FINNTROLL hingegen immer kleiner. Die Finnen sollten sich eine schöpferische Pause gönnen. Ihre alten Alben mit den neuen Outputs vergleichen, Urlaub nehmen und in zwei, drei Jahren mal wieder zurückkommen. Ganz gewaltig. Mit einem Klassiker im Gepäck, ihrer alten Spielfreude und ein paar Festival-Besuchen weniger.
BRAINSTORM aus Germanien sind eine dieser seltsamen Bands, die ständig gute Alben abliefert, live eine richtige Bank mit Stimmungs-Garantie sind - und trotzdem ewig Kellerkinder bleiben. Der Grund liegt am Konzept: man nimmt ständig das gleiche Album auf. Man hat gute Hooklines, welche allerdings genauso schnell wieder aus dem Ohr sind wie sie selbiges erreicht hatten - Verzweiflung. Ignorieren wir diese Tatsache für den Moment: wo auch immer die Schwaben auftreten, hat Andy B. Franck gute Laune, die gerade zu in Sekundenbruchteilen auf das Publikum überschwappt. Das nennt sich wohl Idealismus-Assimilierung, denn schon steht auch jeder noch so kritische Zuschauer unter Starkstrom und mosht sich die Matte weg. BRAINSTORM sind und bleiben ein echtes Phänomen.
NAZARETH nehmen mit 37 Jahren Bühnenerfahrung den Klassiker-Part 2007 ein. In der Vergangenheit machten ja schon weitere sehr alte Rocker-Gruppen in Balingen von sich reden, war die Setlist doch immer sehr Retro-orientiert. Ob es die SCORPIONS waren, welche auf ihre alten 70er bis Ende der 80er Stücke zurückgriffen, oder letztes Jahr FOREIGNER. Auch in diesem Jahr war darauf Verlass, dass es wieder nur all das zu hören gab, was man kennt, was die größten Hits der Band waren, womit sie groß wurde und warum sie heute noch von diesen legendären Perlen der Songwriting-Geschichte leben können. Mit Granaten vom Schlage "Night Woman", "Razamanaz" und "This Flight Tonight" holte man gleich zu Beginn den Knüppel aus den Rocker-Sack und bereits in den Anfangsminuten ging das Publikum mit. Die Stimmung war großartig, Frontmann Dan McCafferty fühlte sich zwar selbst, als wäre er bereits 150 Jahre alt, sang aber glücklicherweise wie jemand, der gerade mal um die 40 ist. Dem Alter der Musiker entsprechend erwartete natürlich niemand, dass sie auf der Bühne zwischen den Seitenwänden herumturnten, aber was die "Jungs" da für eine Spielfreude an den Tag legten, daran sollten sich viele andere Kapellen ein sehr großes Beispiel nehmen. Zeit zum Schunkeln gab es mit den zwei großen Balladen "Dream On" und "Love Hurts". Die Brücke zur jungen Generation baute übrigens Jimmy Murrison: der war so cool, dass er glatt mit einem SLAYER-Shirt seine Gitarrenriffs herunterspielte. Ganz groß, Alter!
Wenn man noch vor fünf Jahren einem Metal-Fan über 25 Jahren gesagt hätte, dass dereinst W.A.S.P. auf einem Festival vor HAMMERFALL und EDGUY auftreten, hätte man entweder schallendes Gelächter vernommen - oder man wäre auf dem Boden erwacht - etwas benommen. 2007 war es soweit. An die alten W.A.S.P.-Klassiker wie das Debüt, "The Headless Children" oder die Rockoper "The Crimson Idol" erinnert man sich gerne, legt sie immer wieder auf. Doch viele Jungspunde, welche mit HAMMERFALL oder EDGUY aufgewachsen sind, kennen diese Alben gar nicht mehr. Der Auftritt war gekennzeichnet von Licht und Schatten. Zuerst kam die Band - warum auch immer - fast 15 Minuten zu spät auf die Bühne, dann streikte kurz der Sound. Während des gesamten Auftritts bestand Blackie Lawless' einzige Kommunikation Richtung Publikum mit dem Ansagen des nächsten Songtitels. So gab es Klassiker in Masse, darunter u.a. "On Your Knees", "Inside The Electric Circus", "L.O.V.E. Machine", "The Idol", "Chainsaw Charlie (Murders In The New Morgue)" oder "Blind In Texas". Zum Abschluss sang ganz Balingen bei "I Wanna Be Somebody" mit. Die Band selbst spielte routiniert mit gelegentlichen Fehlern und Blackie's sehr stimmungsschwankende Tagesformen wollten eben nur 50 statt 100% der Performance aus ihm herauskitzeln. Unter'm Schnitt stand ein sehr solider Gig, welcher der leichte Beigeschmack einer Routine-Operation anhaftete. Es hätte gewiss nicht geschadet, hätten sich Blackie und Co. vorher NAZARETH gegeben.
Derjenige, welcher einmal in seinem Leben ein wirklich gutes HAMMERFALL-Konzert gehört, werfe das erste Hörgerät. HAMMERFALL sind im Gegensatz zu EDGUY einer dieser Bands, die dafür gesorgt haben, dass der neuen Metal-Generation kaum jemand zutraut, auf Dauer die "großen, alten" wirklich ersetzen zu können. Auch an diesem Abend liefern die Schweden hierfür wieder ein gutes Beispiel. Im Vordergrund steht wie bei aktuellen Kino-Blockbustern die Show: ZEHN (!) Bassdrums stehen auf der Bühne, Drölfundneunzig Trilliarden Pyroeffekte fliegen in die Luft, ein Effekte-Bilderreigen wird an die Bühnenwand geschmissen. Der Auftritt glich einem Videoclip-Dreh, während die Musik deshalb noch lange nicht besser wurde: Joacim Cans kann immer noch nicht singen, seine dünne Stimme geht bei manchen Stücken fast unter und kann in langsameren Passagen genauso wenig für Gänsehaut sorgen wie bei schnellen Abschnitten mit kräftigem Gesang. Langweilige Power-Metal Stücke, welche Namen wie "The Fire Burns Forever", "Hearts On Fire", "Threshold" oder "Templars Of Steel" tragen, mögen viele Jüngliche vor der Bühne begeistern können. Mich jedoch nicht. Höhepunkte sind dann auch die wenigen Stücke vom bereits zum Klassiker aufgestiegenen Debüt-Album "Glory To The Brave". Dessen Titelstück weiß zu überzeugen, während die ultimative Bandhymne "HammerFall" zur unfreiwilligen Persiflage wird, als Joacim Cans an der falschen Stelle zu singen anfängt - und mit ihm auch gleich sämtliche Fans. Immerhin - der Sound war der am besten abgemischte des ganzen Festivals.
Mit dem Emporheben EDGUYs zum Headliner beweisen die Veranstalter um Horst Franz Mut. Denn die lustigen Deutschen mit den sinnentleerten Sprüchen gehören einer neuen Metal-Generation an, welche auf dem besten Wege ist, in die Fußstapfen der großen, alten Bands zu treten, welche ganz bestimmt nicht immer da sein werden. Es wird eine Zeit kommen - und sofern ist sie nicht - in der Bands wie IRON MAIDEN, BLACK SABBATH, JUDAS PRIEST, W.A.S.P. oder SAXON nicht mehr da sein werden. Natürlich kann man sagen - es gibt doch genug neue Bands, welche großartige Songs haben. Das mag schon sein - aber ein ganz großes Volksfest, bei dem zehntausende Kehlen Hymnen mitsingen, das wird man bei Bands wie DIMMU BORGIR ganz bestimmt nicht erleben. Insofern sind EDGUY da eine der wenigen Ausnahmen, welche wirklich eine Nachfolge in dem Metier antreten werden, in welchem man sagen kann: hier herrscht Volksfeststimmung. Ein Graus gewiss, für böse Jungs mit krächzenden Kehlen. Doch zum Konzert:
Wie immer im Mittelpunkt stand natürlich Goldkehlchen Tobias Sammet, welcher von Anfang bis Ende wie immer völlig hyperaktiv auf der Bühne hin und her rannte, als wären gleich mehrere Hornissenschwärme hinter ihm her, weil er ihnen gerade ihr Lieblings-Joghurt aus dem Nest geklaut hatte. EDGUY lassen immer wieder schmerzliche Erinnerungen an alte HELLOWEEN-Tage mit Kai Hansen und Michael Kiske aufkommen, als man auf der Bühne ähnlichen Unsinn vom Stapel ließ und dabei und auch deshalb von den Mühlen des Business zerrieben wurde. Michael Kiske selbst erwähnte ja schon desöfteren, dass das, was EDGUY ausmacht sich Ende der 80ern nicht durchsetzen konnte, weil die Zeit dafür noch nicht bereit war. Hört Euch hier nur mal das hervorragende Soundboard-Bootleg "Kids Of Party '92" von HELLOWEEN an "...und dann haben wir da noch eine Banane... äh... Ballade" - genial im Konzept ihrer Zeit. Ähnlichen Unsinn verzapft der große Kleine auch in Balingen. Tobi kündigt mal eben den "Anti-Schamhaar-Song" "S(h)ave Me" an, bemitleidet mitten im Feindesland seinen Lieblingsverein, den FC Bayern, beleidigt sogleich hinterher noch die deutlich in der Überzahl stehenden VfB-Fans - sowas können sich nur EDGUY erlauben. Man zieht sich selbst und das ganze Metal-Genre in den Dreck, veralbert es, verneigt sich wieder davor - kurzum - kein guter Tag für Fraktionen wie "True Metal needs closed minds" und "wir sehen aus wie KISS, sind aber viel böser wie sie". Tobi kriegt sie alle. Mit eingängigen Hymnen wie "Superheroes", "Lavatory Love Machine", "Tears Of A Mandrake" oder "Babylon". Mit "Sacrifice" und "Wake Up The King" brachte man etwas Abwechslung in die vor Hits strotzende Setlist, mit "Avantasia" gab es die obligatorische Werbung für das geniale, gleichnamige Nebenprojekt. Dieses Stück bildete zusammen mit "Out Of Control" und King Of Fools" denn gegen 23h auch den Abschluss des Konzerts, welches das Bang Your Head 2007 damit auch beendete.
Fazit: auch das XII. BANG YOUR HEAD Festival war wieder eine Reise wert. Wie übrigens jedes Jahr. Nach dem bisherigen Höhepunkt, dem Bang Your Head X, bestand das Billing 2006 aus vorwiegend sehr alten Hardrock-Bands, welche teilweise sehr überzeugend waren und teilweise ihren Zenit schon bei weitem überschritten hatten. 2007 hatte sich das Freiluftkonzert entsprechend wieder etwas zurechtgestutzt, auch wenn die Campingplätze scheinbar so voll wie eh und je waren. Mit dem Ein-Bühnen-Konzept und dem weiterhin bestehenden Vorsatz einer gewissen Reglementierung der Zuschauermengen, bleibt das Bang Your Head bei all seiner Größe weiterhin ein eher schmuckes Familienfest. Bis 2008!
Den Anfang machten DARK FORTRESS, die ohne jegliche Ansage ihr Set durchjagten. Die Zeit reichte nur für sieben Songs, und wer die
Jungs kennt, weiss um ihren oberbayerischen Dialekt, der so gar nicht zum fiesen Black Metal-Outfit passt. Es kam reichlich Stimmung
auf, der Sound war klasse und das Stageacting war auch nicht zu verachten - so macht man sich neue Freunde! Daher war es ein sicherlich
gelunger Gig. Nur Zugaben oder Überraschungen gab's leider nicht, das ist aber auch schwer als Support-Act mit nur zwei Alben im
Gepäck.
Setlist: To Harvest, Iconoclasm Omega, Self Mutilation, Poltergeist, CataWomb, When 1000 Crypts awake,
Like A Somnambulist In Daylight's Fire
SATYRICON ließen sich mächtig Zeit, auf der Bühne aufzutauchen, und begannen dann auch noch mit einem Song von neuem Album. Klassischer
Fehlstart! Die Party ließ also noch etwas auf sich warten. Dann jedoch: "Dominions of Satyricon" vom "The Shadowthrone"-Album und schon
tobt der Mob! Die Band in bester Spiellaune, der Sound auch fast perfekt (nächstes mal gerne etwas mehr Gesang) und das Publikum
völlig aus dem Häusschen - so muss das sein. Die reguläre Setlist bestand aus vier Songs vom neuen Album und sechs alten Songs - eine
gerade noch akzeptable Mischung. Posingmäßig schaffen SATYRICON zu jedem Zeitpunkt den Balanceact zwischen Peinlichkeit und Langweile.
Nach elf Liedern verließ die Band die Bühne, kam aber wieder - mit dem BATHORY-Cover "Raise the Dead"! Wer hätte das gedacht. Gleich
darauf schon der Klassiker "Mother North", zu dem jeder mit muss und der immer den Abschluss des Abends markiert. Nur heute nicht.
Die Band wurde erneut auf die Bühne zurückgebrüllt und packt dann doch tatsächlich SLAYER aus! Ich dachte echt, ich hätte Geburtstag!
Zu "Raining Blood" fliegen dann endlich nicht nur die Haare, sondern auch die Menschen quer durch den Saal - darum hör' ich Metal!
Nach insgesamt 13 Songs ist dann aber endgültig Schluss. Nur dass von einzelnen Zuschauern vehement geforderte "Filthgrinder" blieb
im Sack - schade eigentlich, und ob "Supersonic Journey" (als Alternative vom "Rebel Extravaganza"-Album) so ein super Live-Song ist,
darf auch bezweifelt werden. Angesichts des sehr gelungenen Verlaufs des Abend sind diese Überlegungen aber auch mal sowas von völlig
nebensächlich.
Setlist: Pentagram, Dominions of Satyricon, Now, Diabolical, Walk the Path of Sorrow, Forhekset, K.I.N.G., Delirium, Supersonic Journey,
Repined Bastard Nation, Fuel for Hatred. Zugaben: Raise the Dead (BATHORY), Mother North. Zu-Zugabe: Raining Blood (SLAYER)
(BAD PEON)
DONNERSTAG
Den Anfang macht die MICHAEL SCHENKER GROUP (die zuvor aufspielenden FASTER INFERNO und VICTORY wollten nicht warten, bis wir unsere Bändchen hatten). Michael Schenker sieht man wahrlich nicht gerade oft in Deutschland und so waren wir gespannt wie ein Zäpfchen, was der gute Mann uns denn aus dem Zauberhut holen würde. Neben den tödlichen Highlights "Rock Bottom", "Into The Arena", "Armed And Ready" und natürlich "Doctor, Doctor" gab es ein bunt gemischtes Best-Of Programm zu hören, bei welchem auch neue Songs nicht fehlen dürfen. Der gute Michael ist an diesem Abend besonders gut drauf, gibt alles. Sein derzeitiger Frontmann Jari Tiura zwar auch, aber anhand seiner stimmlich arg limitierten Fähigkeiten fehlt der Performance letzten Endes das gewissen "Etwas" um einen richtig mitzureißen. Ein netter, aber unspektakulärer Auftritt unterm Schnitt. Und trotzdem eine große Freude, diese Songs mal wieder live gehört zu haben.
Auf der W.E.T.-Stage spielen fast zeitgleich die australischen Alt-Mosher MORTAL SIN auf, welche seit Anfang der 90er in der Versenkung verschwunden waren. Unvergessen in der Metal-Historie ihre perfekte Mischung aus Speed- und Thrash, welche sich auf dem Klassiker "Mayhemic Destruction" 1987 manifestierte. Nach dem zweiten Album "Face Of Despair" ging es immer weiter bergab, zehn Jahre später kam ein laues Scheibchen Namens "Revolution Of The Mind". An diesem Abend spielten MORTAL SIN hauptsächlich die Kultstücke ihrer ersten beiden Alben. Mit Druck, Spritzigkeit und Überzeugung, was die Temperatur im Zelt um einige Grad steigen und die Matten vor der Bühne ordentlich kreisen ließ. Ein hervorragendes Wiedersehen. Für 2007 ist eine neue Scheibe geplant, welche den Titel "An Absence Of Faith" tragen soll. Der Titel steht aber noch nicht 100% fest. Hoffen wir, dass uns da ein geiles Comeback aus dem Beutel entgegenspringen wird.
MAMBO KURT: diesen Schrott hält kein nüchterner Mensch länger als fünf Sekunden aus. Wir auch nicht angetrunken.
Der Headliner des ersten Abends macht dem Motto "A night to remember" alle Ehre, haben die SCORPIONS aus Hannover doch angekündigt, eine stattliche Anzahl von bekannten Gastmusikern mit in ihr Set zu integrieren. Natürlich Michael Schenker, wenn er schonmal da ist. Und auch einen gewissen Uli Jon Roth. Und noch so einiges mehr. Die langsam aber sicher deutlichen alternden Herren steckten auf der Bühne sämtliche HAMMERFALLs, STRATOVARIUS', DIMMU BORGIRs und sonstige Jungspunden locker in die Tasche, gingen ab wie Luzi und so mancher wird den Jungs gewünscht haben, dass sie nicht gleich einen Herzanfall bekommen. Davon zum Glück weit und breit keine Spur. Von der Lautstärke aber leider auch nicht. Während man die Hardrocker bei den ersten Songs kaum hört, weil die neben einem stehenden Headbanger einfach lauter sind, steigert sich die Lautstärke im weiteren Verlauf um einige Dezibel. Eine ordentliche Abrißbirne tönt aber vieeeeel lauter. Das macht aber nichts. Geschlagene drei Stunden fliegen an einem vorbei, während auf der Bühne illustre Herrschaften sich die Hand geben und neben Eingangs erwähnten auch noch Herman Rarebell, Matthias Jabs und noch diverse andere ehemalige Weggefährten vorbeischauen um einige Songs mitzujammen. Nachdem es in dieser Zeit einen Klassiker nach dem anderen zu hören gab, hier die komplette Setlist:
Coming Home
So manch einer mag sich noch gewundert haben, wieso ab ca. 23:30h überall auf dem Festival-Gelände plötzlich SLAYER, SLAYER, SLAYER-Rufe zu hören waren, welche gen Mittagnacht zu immer lauter wurden. Während die SCORPIONS auf den Brettern standen hatte sich herumgesprochen, dass pünktlich ab 0:00h bei diversen Händlern auf dem Gelände das neue SLAYER-Album käuflich zu erwerben ist. Und kaum war es soweit, gab es auch schon kurzzeitig einen größeren Andrang von Thrash-Metal Anhängern in den Geschäften.
FREITAG
SIX FEET UNDER bollern mit Todesmetall der brachialsten Art in den Tag, knüppeln was das Zeug hält und versammeln bereits eine statliche Anzahl von Leuten vor der Black Stage. Dass die Band es nicht gewohnt ist auf wirklich großen Bühnen zu stehen, macht sich indes jedoch bemerkbar, als dass sich die Band auf der Bühne beinahe verliert, die Bewegung findet nur auf kleinem Raum statt, die Jungs verharren im drei Meter-Radius. Die Interaktion mit dem Publikum geht zwar ok, allerdings mit deutlich zu vielen "Motherfuckers" drin. Netter, aber unspektakulärer Gig.
Zwei Wochen zuvor auf dem Earthshaker Fest durften sie nicht mehr auftreten: die U.S.-Metaller NEVERMORE mit Bandleader Warrel Dane. Was den Fans in Kreuth vorenthalten wurde, durften die Leute vor der Wacken True Metal Stage dafür umso mehr genießen: formvollendeter, modern angehauchter und dennoch traditioneller Power-Metal der ersten Liga bei einem Bombensound (danke an den Mischer) und einer bestens aufgelegten Band, welcher auf der Bühne alles gibt, sich total verausgabt und herummosht als wären alle noch 20. Dass NEVERMORE längst einen gewissen Status haben, macht sich vorallem vor der Bühne bemerkbar: dort ist es für die helle Tageszeit nämlich brechend voll. Ist ja auch kein Wunder, wenn man Songs vom Schlage "Dead Heart In A Dead World", "Narcosynthesis" oder "This Godless Endeavor" im Gepäck hat.
Und gleich noch eine Band, welche zwei Wochen vorher auf dem Earthshaker war: OPETH. Im Gegensatz zu NEVERMORE durfen sie dort sogar spielen und hatten allerdings genau das gleiche Problem wie hier: eine größere Menge Anhänger feiert die Band ohne Ende ab, aber die Stimmung bleibt ob der hellen Tageszeit bei einer Musik, die doch eher zu Neumond genossen werden will, immer etwas kurios. Sei's drum. Der Sound war in Ordnung, aber nicht überragend, während die Band mal wieder einen perfekten Auftritt hinlegte, unterbrochen von den immer lustigen Ansagen von Fronter Akerfeldt.
Und nochmal eine Band die zwei Wochen zuvor... ach was solls: die Schweden SOILWORK spielen leider gleichzeitig mit OPETH, was bei einigen Interessenten zu größeren logistischen Problemen führt. Rein stilistisch lassen sich Songs wie "Follow The Hollow", "Light The Torch", "As We Speak" oder "Overload" natürlich absolut gar nicht mit OPETH vergleichen und das ist auch gut so: modern, riffbetont und gar nicht mal so langsam empfehlen sich SOILWORK als nächstes die Macht zu übernehmen. Bei einer Mischung aus den letzten Alben kann man natürlich rein gar nichts falsch machen.
IN EXTREMO haben mit ihrem Mittelalter-Metal das gleiche Problem wie Tags zuvor die SCORPIONS: der Sound ist viel zu leise und total grottig abgemischt, auch hier tritt im weiteren Verlauf des Gigs zwar Besserung ein, aber keine gute. Deshalb von hier aus: Gute Besserung an die Ohren des Mixers, die sind nämlich entweder unter Wasser oder bereits einem jahrelangen Dezibel-Exzess zum Opfer gefallen. Zum Glück können die Jungs das Publikum geschickt ablenken: mit einem sehr schönen und aufwändigen Bühnenbild, einer elektrisierenden Pyro-Show und einer bestens aufgelegten Band. Dazu gibt es einen üppigen Querschnitt aus fast allen bisherigen Alben. Hach, wäre das Mittelalter auch so schön gewesen.
KRYPTERIA wurden in letzter Zeit etwas gehyped und bereits als neuer Stern am NIGHTWISH-WITHIN TEMPTATION Himmel gefeiert. Ob das wirklich so kommt, wird die Zukunft zeigen. Die gehörten Songs waren eher im Durchschnittsbereich und das gleiche gilt vorerst auch für die Sängerin.
Angesagt wie kaum eine andere Band in letzter Zeit sind die Finnen CHILDREN OF BODOM nahe dran, sich für einen künftigen Headliner-Posten der Post-80er-Ära zu empfehlen. Ihr wisst schon: wenn die Bands der Altvorderen nicht mehr sein werden und nur noch Junggemüse der Marke EDGUY, HAMMERFALL und... CHILDREN OF BODOM da sein wird... Jedenfalls fahren die Jungs mit einer für Headliner würdigen Bühnenshow auf (amerikanischer Cadillac, Mülltonnen - Miami Vice-Feeling in Wacken... da waren sie wieder, die 80er) und steigen mit "Silent Night, Bodom Night" sogleich in die Vollen. Vor der Bühne tobt mittlerweile ein Mob von zigtausenden Zuschauern, über denen eine wahre Crowdsurfing-Autobahn hinwegrollt. Unfassbar. Schade, dass der Sound vergleichbar ist mit dem Matsch, den es in Wacken kilometerweit und -tief gibt, wenn es mal geregnet hat.
Die DESPERADOZ traten auf der W.E.T.-Stage auf und spielen als erste und bisher einzige Band "Western-Metal". Das Projekt, welches ursprünglich von Tom Angelripper (SODOM, ONKEL TOM) und Alex Krafft (ONKEL TOM) gegründet wurde, hatte 1999 mit "The Dawn Of Dying" ein sehr überraschendes Album veröffentlich und war danach in der Versenkung verschwunden. Nun wiederbelebt, allerdings ohne Tom, sorgte die Band bereits kurz nach Beginn für astreines Saloon-Feeling. Zum Glück hat keiner geschossen. Jedenfalls roch es nach Gewaltbrüdern, Banküberfall, Pferdeäpfeln und Stroh - wie damals, zu den goldenen Zeiten des Wilden Westens. Klasse Auftritt!
Bands aus der Schweiz gibt es ja nicht viele. Aber wenn, dann werden sie meistens gleich zur Legende. CELTIC FROST sind so eine. Eine unnachahmliche, düstere und teilweise bedrohliche Stimmung baut sich da auf. Die Begründer einer völlig neuen Mischung aus frühem Death-Metal gepaart mit Doom und sonstigen Einflüssen sind eine ganz eigene Liga. Dazu passend eine sehr gute Lightshow. Interessanterweise spielen die Jungs fast alle alten Songs deutlich geschwindigkeitsreduziert, was allerdings Absicht ist, denn die neuen Stücke sind genauso langsam und so fügen sie sich nahtlos in das Set ein. Dennoch eine seltsame Sache. Ansonsten kann man natürlich zu Klassikern wie "Circle Of The Tyrants", "Procreation (Of The Wicked)", "Into The Crypts Of Rays" oder "Dethroned Emperor" natürlich nichts sagen. Technisch ein astreiner Auftritt!
METAL INQUISITOR rocken anschließend die W.E.T.-Stage platt. Die Newcomer aus deutschen Landen spielen sich mit ihrer genialen Mischung aus NWoBHM, 80er Speed-, Thrash- und Power-Metal pfeilgerade in die Herzen des Publikums und gehen dabei ab wie Schmidt's Katze beim vögeln. Songs wie der superbe Opener "Doomsday For The Heretic" vom gleichnamigen letzten Album, "Logan's Run", "Restricted Agony", "Thane Of Cowder" oder "My Sacrifice" (vom Debüt "The Apparition") lassen die Matte kreisen und wecken oft Erinnerungen an verschiedenste 80er-Größen ohne jedoch eine Band einfach nur zu kopieren. Was für eine Band! Mit der dritten Scheibe, die ja so gerne als "Alles oder Nichts" angesehen wird, könnten METAL INQUISITOR zur deutschen Speerspitze aufschließen.
MINISTRY. Saufen sich bereits den ganzen Tag und Abend sämtliche Gehirnzellen im VIP-Bereich weg, stecken sich gegenseitig dort Cocktail-Spieße ins Haar und gehen damit auch noch auf die Bühne. Dort blasen sie mal eben so ziemlich alles weg was geht mit einer Industrial-Wand gegen die eine vorrückende Panzerdivision ein Scheißdreck ist. Fies, kalt, elektronisch und sehr blastig. Das ganze wird dermaßen perfekt dargeboten, dass schnell die Vermutung geäußert wird, dass bis auf die Drums alles vom Band kommt, während die restlichen Musiker dazu herumposen und gedanklich gaaaanz weit weg in fremden Alkohol-Universen schweben. Wie auch immer: es war sehr beeindruckend.
AMON AMARTH beenden diese Nacht und sind zum Ärgernis vieler Fans viel zu leise (wie inzwischen bei so vielen Bands bemerkt). Der Wikinger-Tod kommt aus Schweden und AMON AMARTH brettern uns eine Mischung aus allen bisher veröffentlichten Alben um die Ohren. Leider quietschen und schreien PRIMAL FEAR auf der Stage nebenan gleichzeitig alles in Grund und Boden. Während des Auftritts gibt es noch einen echten Wikinger-Kampf auf der Bühne, anschließend einen nagelneuen Song vom kommenden Studioalbum. Um 3h endet ein langer Tag, welcher in einer kurzen Nacht enden wird. AMON AMARTH sind ein sehr willkommendes "Betthupferl", wie man in Bayern so schön sagt.
SAMSTAG
METAL CHURCH eröffnen gegen 12h den Samstag bei strahlendem Sonnenschein auf der Party Stage den dritten Schwermetall-Tag mit "A Light In The Dark". Es ist bereits ordentlich voll mit schätzungsweise 1500-2000 Köpfen vor der Bühne, welche gleich danach zu "Ton Of Bricks", "Start The Fire" und vorallem auch "Watch The Children Pray" die ersten Headbanging-Schrauben des Tages zelebrieren. Es folgen "Gods Of Wrath", das Monster "Beyond The Black", "Metal Church" und dem Zugabe-Track "Mirror Of Lies". Frontmann Ronny Munroe macht seine Sache immer besser, feuert den Mob so richtig an, Kurdt Vanderhoof beackert seine Gitarre wie eine Bestie und an den Drums rumst Jeff Plate ziemlich gewaltig. SO und nicht anders muss echter Heavy Metal klingen!
Auch ARCH ENEMY waren zwei Wochen vorher schonmal... ja ich weiß, das nervt. Aber im Gegensatz zum Earthshaker-Auftritt mühte sich die Band mehr ihre Songs erkennbar zu spielen, damit sie nicht nur am Refrain erkennbar sind. Doch kaum ist mal die Band gut bei der Sache, scheiterts am Sound. Mal wieder ein elend abgemischtes Etwas, bei dem man den Verdacht hat, der Mixer hat fortgeschrittenen Ohrenkrebs.
FEAR FACTORY hält kein normaler Mensch länger als drei Minuten aus ohne schreiend davonzulaufen.
DIE APOKALYPTISCHEN REITER sind sich nie zu schade für eine extravagante Show und lassen sich immer wieder etwas neues einfallen. Neben der ganzen stilistischen Bandbreite, welche von TrueDeathMetal über Pop-Metal und Death-Metal bis sonstwas reicht, gibts auch dieses mal wieder etwas zu sehen: nämlich übergroße Luftballons die fortan ständig übers Publikum wandern. Das ist aber nicht das einzige was da über den Köpfen wandert: wie bereits auch bei den Bodom-Kindern gleicht das Konzert einer Crowdsurfing-Autobahn. Im Moshpit gehts übrigens dermaßen derbe zu, dass es eine gehörige Anzahl von Verletzten mit diversen Knochenbrüchen gibt. Außerdem war die Party Stage wesentlich zu klein für die REITER, ich hoffe doch sehr, dass an diesem Abend jeder gemerkt hat, dass diese Band auf die großen Bühnen gehört.
ORPHANED LAND kommen als eine der ganz wenigen Bands aus Israel und dürfen wohl auch die einzige im gesamten Metalbereich sein, welche auch außerhalb ihrer Heimat bekannt sind und auf eine breite Fanbasis bauen können. Mit ihrem Mix aus allerlei Musikstilen, welche von Melodic-Metal bis hin zu Melodic-Death reicht ist es alleine nicht getan: auffallend immer wieder die orientalischen Einflüsse aus der israelischen, aber auch aus der arabischen Kultur, während die Texte in allen möglichen Sprachen vorgetragen werden. Bereits ein Jahr zuvor hinterließen sie auf dem Summer Breeze einen mehr als überzeugenden Eindruck, dieses Jahr haben sie sich wohl endgültig auch in Deutschland etabliert, anders wäre die proppenvolle Party Stage ja nicht zu erklären.
Die aus Mitteldeutschland stammenden SUIDAKRA sind nach ihren ersten Alben karieremäßig nicht mehr viel weiter geklettert, obwohl sie sich schon immer regelmäßg einige Fans mehr dazuerobert haben. In der W.E.T.-Stage spielt das an diesem Abend keine große Rolle: man wird abgefeiert und stellt an dieser Stelle nicht nur einen Querschnitt aller bisher erschienenen Alben vor, sondern auch gleich eine ganze Hand voll Songs vom neuen, im September erscheinenden neuen Album. Die Stücke lassen großes erwarten und klingen frischer und eingängiger als die letzten Veröffentlichungen. Ob sich das später auf dem Album auch noch so anhört, wird sich natürlich erst noch zeigen müssen.
Auch die Death-Metal Gruppe MORBID ANGEL aus Florida feiert an diesem Wochenende eine Reunions-Show und gehen während der ersten Songs leider auch völlig im Soundmatsch unter. So ab dem vierten, fünften Stück lassen sich langsam auch einige Lieder erahnen, im weiteren Verlauf wird der Klang besser und es offenbart sich: sie haben in den letzten Jahren aber auch rein gar nichts verlernt. Neu ist übrigens David Vincent am Mikrofön, welcher nicht nur sehr gut zur Band passt, sondern ihr auch sogleich einen markanten Stempel aufdrückt. Es kommt auch nicht sehr oft bei einer Death Metal-Band vor, dass man (wie bei "Immortal Rites") ein Singalong mit den Fans veranstaltet. Die Interaktion mit dem Publikum war bestens, die Bühnenpräsenz auch. Was vorallem sehr hängen blieb waren natürlich auch die hervorragenden Gitarrenduelle von Azagthoth und Rutan, welche ab und an an beste JUDAS PRIEST-Zeiten erinnert haben. Ganz großes Kino!
ATHEIST meldeten sich seit geschlagenen 13 Jahren zurück. Für viele Menschen eine Unglückszahl, doch für viele Metaller in Wacken genau das Umgekehrte. Obwohl hier niemand Old-School Death-Metal mag, gibt es doch so einige Ausnahmen. DEATH natürlich, von allen Vorwürfen, dass Death Metal nur von Leuten gespielt wird welche ihre Instrumente nicht beherrschen befreit. Doch auch ATHEIST waren nie nur einfach eine Haudrauf-Gruppierung. Auch ATHEIST spielen technisch anspruchsvollen Todesblei und an diesem Abend haben sie allen gezeigt, dass man auch nach so langer Zeit einfach wieder auf die Bühne gehen und alte Klassiker spielen kann, ohne sich auch nur ansatzweise lächerlich zu machen. ATHEIST haben hier ein wahrhaft großartiges Comeback hingelegt, welches an die besten Konzerte von OBITUARY oder DEATH erinnerte: kranker Leadsänger, unverständliche Texte und so wahnsinnig anspruchsvolle Musik. ATHEIST sind auch ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Death Metal nicht nur schräge Jungs einer frühen Emo-Phase sind, welche von der Welt genug haben, sondern dass Death Metal schon immer auch etwas mit ganz viel Spaß zu tun hatte. Anders lässt sich nicht erklären, dass die Jungs auf der Bühne so fette Grinser im Gesicht hatten, dass man sich vermutlich auch mit mehreren Fußtritten nicht hätte ihnen austreiben können.
EMPEROR - eine meiner persönlichen Götter - und nebenbei die DREAM THEATER des Black Metal. SIE SIND ZURÜCK! Danke, danke, danke! Wie nicht anders zu erwarten sorgen sie dafür, dass ihr Auftritt zu einem wahren Triumph-Marsch wird: sehr zurückhaltende Lightshow, keine Publikumsansagen, perfekter Gig ohne Schnörkel. Ein Best-Of Programm aus allen Studioalben bei welchen höchstens das letzte ein wenig zu kurz kam, bei einem glasglaren Sound. Eine Kuriosität bei all den Soundproblemen in diesem Jahr. Vielleicht hätten die Jungs mal ihren Tontechniker auch für andere Bands zur Verfügung stellen sollen. Auch wenn das nur eine "Mini-Tour-Reunion" war und es vielleicht trotzdem nie wieder ein neues Album geben wird: EMPEROR haben die Geschichte des Heavy Metal für immer mitgeprägt. Zuletzt genau hier, in Wacken. An diesem Abend.
GAMMA RAY und Wacken. Da wird natürlich immer das Wort "Heimspiel" fallen, ob man will oder nicht. Schließlich kommen die Jungs von der Waterkant. Zu Kai Hansen und Co. noch viel zu sagen, heißt mittlerweile ebenfalls "Eulen nach Athen" tragen: die Jungs verbreiten gute Laune wo immer sie auch auftreten. Die Setlist bietet erstaunlich viele Songs aus dem neuen Album "Majestic", welches meiner Meinung nach qualitativ nicht an die Vorgängeralben anschließen kann. Allerdings umschiffen GAMMA RAY diese Klippe gekonnt, in dem natürlich nur das Beste von diesem Material gespielt wird. Und welcher Hamburger kann keine Schiffe steuern? Eben! Darüber hinaus gibt es natürlich auch vieles vom Backkatalog zu hören, leider kaum etwas aus der Sheepers-Ära. Auf Überraschungen wartet man vergebens und auch nur ein HELLOWEEN-Lied findet letzten Endes kurz vor Schluss noch in die Setlist: "I Want Out" wird komplett in "Rebellion in Dreamland" integriert, was nicht nur einen neuen Song entstehen lässt, sondern auch eine neue Perspektive dieser Songs eröffnet. Ein runder Abschluss, bei dem mir allerdings etwas gefehlt hat. Ich denke mal ein wenig Improvisation.
Die Altrocker WHITESNAKE hätten wohl am besten zum Donnerstag gepasst. Bei MSG und SCORPIONS waren die richtigen Fans da. Ich persönlich höre WHITESNAKE sehr gerne, doch das sehen nicht alle so: zwischen GAMMA RAY und MOTÖRHEAD lichten sich die Reihen vor der Bühne sehr deutlich. Auf dem Bang Your Head war das genau umgekehrt, doch dort liegt das Durchschnittsalter der Zuschauer ja auch bedeutend höher. Ein paar Überraschungen: Drum-Tier Tommy Aldridge spielt mal eben ein Drumsolo mit bloßen Händen ohne Drumsticks, es gibt verdächtig geile Gitarrenduelle und sonstige Soli und die Bands ist bestens drauf. Natürlich gibt's auch die ganz großen Hits: "Fool For Your Loving", "Here I Go Again" und "Still Of The Night", alles in allem war der Auftritt aber etwas zu kurz.
Bei MOTÖRHEAD ist das natürlich ganz anders. MOTÖRHEAD sind nicht modern, nicht Metal, nicht altmodisch, nicht einfach Hardrock oder sonstwas. MOTÖRHEAD sind der pure ROCK'N'ROLL! Fans aller Altersgruppen stehen hier direkt nebeneinander mit ihren MORBID ANGEL-, GAMMA RAY-, WHITESNAKE-, EMPEROR- und CHILDREN OF BODOM-T-Shirts und gehen ab zu den ganzen alten und neuen Bandklassikern wie "Kiss Of Death", "Stay Clean", "R.A.M.O.N.E.S.", "Killers", "Sacrifice", "Over The Top", "Overkill" und natürlich "Ace Of Spades", aber auch einige Überraschungen wie die selten zu hörenden und unterbewertenden Stücke "Going To Brazil" oder "1916". Lemmy und Co. zeigen auch weiterhin keinerlei Altererscheinungen, sieht man mal vom Aussehen ab ;) Bei bester Laune rocken die Engländer so manche Jungspunde auf diesem Festival gnadenlos an die Wand und untermauern ihren Anspruch, eine der wenigen großen noch existierenden Rock'n'Roll-Bands des Planeten zu sein.
Das Festival neigt sich langsam seinem Ende zu, während die Australier ROSE TATTOO den Rock'n'Roll-Abend nach MOTÖRHEAD fortsetzen und mit weiteren Nackenausrenkern im Publikum beenden, liefern sie sich teilweise Soundduelle mit den zeitgleich aufspielenden FINNTROLLen aus Finland. Dabei mussten die Jungs den frischen Tod ihres langjährigen Gitarren-Gottes Pete Wells wegstecken. Der 58jährige starb an Prostatakrebs. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin hat sich die Band nicht aufgelöst, sondern macht ohne ihn weiter. Was für ein Glück für uns, wenn wer würde uns sonst Klassiker wie "Rock'n'Roll Outlaw", "One Of the Boys", "25 To Live", oder "Assault And Battery" live vorspielen? Bei "Nice Boys" gibts eine handfeste Überraschung der ex-BÖHSE ONKELZ-Gitarrist Gonzo tritt auf die Bühne und zockt mit den Jungs an der Gitarre. 2004 beim ONKELZ-Auftritt in Wacken war es genau umgekehrt. Nette Einlage! Und ein Fazit wie es nicht anders sein kann: "Rock'n'Roll Is King"!
Während die einen das Festival mit ROSE TATTOO beenden, feiern die anderen Wacken mit FINNTROLL ins Aus: der perfekte Humppa-Folk-Metal mobilisiert nochmal selbst bereits im Stehen eingeschlafene Hardcore-Headbanger noch einmal und liefert mit "Hemkomst", "Jaktens Tid, "Det Iskalla Trollblod" oder "Trollhammaren" einen wahren Triumphmarsch ab. Zum letzten mal verteilt die Security Strafzettel für überhöhte Geschwindigkeit auf der Crowdsurfing-Autobahn. Tschüß, machts gut bis nächstes Jahr in Wacken.
FAZIT
Die Organisation hat sich in den letzten Jahren konsequent gesteigert, auch wenn es noch an einigen Stellen hakt. Sehr gut sind die Videowände und dass es noch ein paar Dixis und Duschen mehr gegeben hat. Größtes Manko heuer war der teilweise viel zu leise Sound. Umso ärgerlicher vorallem, wenn zwei Bands gleichzeitig spielen und eine Band die wesentlich lauter spielt die andere teilweise übertönt. Das wird sich zwar nie ganz vermeiden lassen, aber dann sollte wenigstens dafür gesorgt sein, dass beide Bands zumindest die gleiche Lautstärke haben. Doch nicht nur die Lautstärke allein war ein Makel: auch wurden einige Bands teilweise katastrophal abgemischt. Hier herrscht noch Nachholbedarf. Ansonsten war es wie die letzten Tage ein hervorragendes Festival, welches bei seiner Größe immer noch überschaubar geblieben ist und man nie den Eindruck gewinnt, es wäre viel zu voll. Damit zum Abschluss: ca. 60.000 zahlende Gäste waren anwesend, insgesamt (mit Händlern, Sanitätern, Presse, Catering, Polizei, usw. sowie Leuten die wohl wild campiert haben) wohl sogar an die 80.000.
"Der Strohofer ist schuld!", hieß es vom Earthshaker-Veranstalter auf die vielen Fragen zur teilweise desaströsen Organisation des
Festivals im Jahre 2005. Konsequenz: weg von Geiselwind in die nahegelegene Oberpfalz. Für alle Unwissenden: Herr Strohofer ist der
Besitzer des Geländes, auf dem das Earthshaker bis 2006 stattgefunden hat. Er hat mittlerweile ein eigenes Festival aufgezogen,
welches am gleichen Wochenende stattfindet, jedoch zumindest in diesem Jahr in Punkto Bandauswahl deutlich hinter dem Earthshaker
zurückbleibt.
Für das Earthshaker kam nun auf dem neuen Gelände die Stunde der Wahrheit. Das neue Gelände gehört Ernst-Werner-Schmidt, seines
Zeichens nicht nur Besitzer eines größeren Warenhauses in Lauf, sondern auch von zwei Gutshöfen, von denen einer das diesjährige
Festivalgelände stellt. Desweiteren gründete er das KAUFMARKT-Imperium, welches einige Jahre nach dem Verkauf an die AVA in die
MarktKauf-Kette umgeflaggt wurde.
Fast schon wieder zuviel Geschichte für moshende Metalheads und somit schwenken wir ganz schnell um zum Festival: das Gelände
besteht aus einem mehrstöckigem Hauptgebäude mit Reitstall und einem Reitgelände, auf welchem Bühne und Zuschauer untergebracht
sind. Die Campingplätze finden sich beiderseits einer direkt vor dem Gelände befindlichen Straße.
2. DER DONNERSTAG
Das Termometer war knapp unter 40° als die US-Senkrechtstarter COMMUNIC die Bühne enterten um die besten Songs ihres Debüts
"Conspiracy In Mind" (jetzt schon ein Klassiker) und dessen etwas sperrigerem Nachfolger "Waves Of Visual Decay" unters Volk
zu bringen. Selbiges war nur in überschaubarer Zahl vorhanden und ging ob der brütenden Hitze auch etwas verhalten mit. Am
Auftritt selbst lag kein Makel, die Band spielte kompakt und rockte erstaunlich abgeklärt durchs Programm. Lediglich an der
Interaktion mit dem Publikum sollte man noch etwas arbeiten, eine kurze Feststellung "uh, it's hot" ist da wohl etwas mager.
Auch SATYRICON bieten ein Best-Of Programm, können hierbei aus dem Vollem schöpfen und heizen das Publikum noch weiter auf,
als es angesichts der sengenden Hitze bereits ist. Im Gegensatz zu COMMUNIC läuft es mit den Ansagen schon wesentlich besser,
der Mob vor der Bühne traut sich bei der langsam untergehenden Sonne nun auch ordentlich moshen. Leider gibt es während des
gesamten Auftritts schwerwiegende Soundprobleme, die teilweise sogar im Komplettausfall des Mikros ihren Höhepunkt finden.
Eine gute Band zeigt hier in Improvisationstalent. Selbiges haben SATYRICON auf alle Fälle.
SODOM feiern anschließend ihr 25jähriges Jubiläum, poltern los mit "Blood On Your Lips" und knüppeln bei "Outbreak Of Evil",
"Axis Of Evil", "Ausgebombt" und anderen Hits fröhlich durch die Nacht. Frontmann Tom Angelripper ist bester Laune und so gibt
es gegen Ende nicht nur das überraschende MOTÖRHEAD-Cover "Ace Of Spades" zu hören, sondern auch noch "Es gibt kein Bier auf
Hawaii" - natürlich in der ONKEL TOM-Fassung.
Während SODOM spielen, tragen sich LORDI, die Gewinner des Grand-Prix, in der Ostbayernhalle ins goldene Buch der Stadt ein.
Bürgermeister Gotthard (!!!) Färber hält eine Rede und hinterlässt dabei den Eindruck, als ob er an diesem Tag das Wort "Heavy
Metal" zum ersten mal überhaupt gehört hat. Anschließend werden den Herren der Band Bierkrüge überreicht und der Dame eine
Blumenvase. Ich nehme mal stark an, auch ihr wäre ein Bierkrug wesentlich lieber gewesen.
Anschließend dürfen LORDI auf der Bühne beweisen, dass sie nicht einfach nur ein gehypter Grand-Prix-Gewinner sind, sondern
mehr als einen guten Song im Gepäck haben und diese auch noch eiskalt herunterzocken können, eingebettet in nicht enden
wollende Pyro-Effekte, Explosionen und einer gigantischen Light-Show. Während die Band vom Publikum abgefeiert wird, dreht
das Management durch: im Fotograben darf man nur bei den ersten drei Songs fotografieren, jedoch nur 1½ Minuten lang. Bei
Überziehung geht die Security in bester Stasi-Manier gegen die Verbrecher vor und schlagen ihnen kurzerhand den Foto aus
der Hand. So kann man eine Band künstlich zu Rockstars machen - denkt man. Dass LORDI noch lange keine sind, scheint man
darüber völlig vergessen zu haben. An den Songs lässt sich indes nichts aussetzen: "Get Heavy", "Devil Is A Loser", "Icon Of
Dominance", "Blood Red Sandman", "My Heaven Is Your Hell", "They Only Come Out At Night" oder "Who's Your Daddy?" sind über
jeden Zweifel erhaben, dass man vor sich die Nachfolger alternder Rocklegenden wie ALICE COOPER oder eben KISS vor sich sieht.
Ob LORDI genauso lange durchhalten wird die Zeit zeigen.
3. DER FREITAG
Gegen 11h stehen als erstes EQUILIBRIUM auf der Bühne. Es ist genauso heiß wie am Vortag und ein Ende ist nicht in Sicht.
Dennoch standen bereits überraschend viele Metalheads vor der Bühne um sich eine ordentliche Dosis Viking-Metal abzuholen.
Düster-Progmetal erster Sahne spielen EVERGREY. Und auch hier stehen wieder genügend Anhänger bei Fuß um ordentlich Stimmung
zu machen. Die heute etwas statisch eingestellten Jungs liefern technische Perfektion mit Zungenschnalzern der Marke "Touch Of
Blessing", "Blinded" oder "More Than Ever". Zwischendrin werden wir sogar mit einem neuen Song vom kommenden Album überrascht,
welcher sich natürlich nahtlos integriert.
Definitiv KEINE "WINTERSUN" scheint da mit ca. 35° im Schatten vom Himmel, was gleichnamige Band aber nicht daran hindert hier
zu aufzutreten. Die Melodic-Deather haben mit ihrem bisher einzigen Album einen Senkrechtstart hingelegt und auch wenn es stilistisch
nichts Neues zu hören gibt, so ist das Songwriting dennoch überzeugend und die Stimmung bestens. Sollten die Finnen ein ähnlich gutes
Album nachschieben können, wird man sehr bald zur Speerspitze dieser Bewegung aufschließen.
Wie immer mit einem riesigen Schalk im Nacken prügeln, hüpfen, rennen und animieren DIE APOKALYPTISCHEN REITER auf den Brettern
der Welt herum, spielen sich mit den Stücken ihrer höchst unterschiedlichen Alben quer durch 30 Jahre Musikgeschichte, schmettern
True-Metal-Hymnen zwischen Death-Metal-Eruptionen, schmelzen zwischen absolutem Geknüppel mit Moshpit-Garantie ein paar Herzen
und reiten als Samurais durch so machen Sturm.
RAGE, das sind immer noch Gründungsmitglied Peavy mit Mike Terrana und Victor Smolski, sind an diesem Tag besonders gut aufgelegt.
Nicht nur, weil ihr Programm deutlich mehr auf Härte ausgelegt ist als bei den letzten Tourneen, wo es doch mal ne zeitlang sehr
seicht zuging, sondern auch weil sie bestens aufgelegt mehr als nur ihr Soll geben.
SOILWORK sind mit ihrer Mischung aus NuMetal, NeoThrash und Melodic-Death eine ideale Stimmungsmache für die darauffolgenden
TESTAMENT. Die wirbeln über die Bühne als hätten sie Hornissen im Arsch, geben ordentlich Gas, spielen ein Querbeer-Set und haben
leider dabei als eine der wenigen Bands unter einem etwas arg diffusem Sound zu leiden.
Nicht wenige werden nach dem Festival sagen (und viele sagen es bereits kurz nach diesem Auftritt): TESTAMENT haben auf diesem
Freiluftkonzert so ziemlich alles in Grund und Boden geblasen, dass sie die eigentlichen Headliner hätten sein müssen. Ein Chuck
Billy in Höchstform (man schielt vor der Bühne ständig beim Haarekreisen in seine Richtung, ob er nicht ausversehen gerade seinen
ständig umherwirbelnden abgesägten Mikrofönständer losläst und dieser die ersten Reihen köpft), nebst Gitarrist Alex Skolnick und
Bassist Greg Christian diesmal an den Drums vertreten: Paul Bostaph von EXODUS. Auch hier wird keine Phase des Schaffens
ausgelassen, alle Akteure wirbeln umher wie 20jährige und stecken die Meute sofort an.
SAXON haben nach diesem Feuerwerk zwar einiges zu beweisen, aber wer würde ernsthaft erwarten, dass sie auch nur einen Fan hierbei
enttäuschen würden? Eben - niemand! Wie soll das auch gehen? SAXON haben ihren berühmten Adler wieder ausgepackt, welcher das
Highlight der grandiosen Lichtschau ist, dazu gibt es Monsterklassiker am Meter: "Dogs Of War", "Crusader", "Heavy Metal Thunder",
"To Hell And Back Again", "Solid Ball Of Rock", "The Eagle Has Landed", "20.000 Ft." und noch viele mehr. Wer schon je auch nur
EIN durchschnittliches SAXON-Konzert gesehen haben sollte, der möge mit Steinen nach mir werfen. Biff ist wie üblich in bester
Laune, redet vom guten bayrischen Bier und meint damit hoffentlich nicht das ekelhafte Becks, welches hier überall ausgeschenkt
wird.
Bevor HAMMERFALL es gleich ganz schwer haben werden, gegen die beiden gigantischen Vorbands zu bestehen, erscheint ein gewisser
Herr Kürsch von den Blinden Gardinen auf der Bühne und spielt dem Publikum kurzerhand drei nagelneue Songs vom kommenden Album
vor. Im Ohr haften blieb beim einmaligen hören allerdings nur "Turn The Page".
Dann kamen sie endlich: HAMMERFALL! Und sie haben so einiges mitgebracht: komplett neues Bühnenbild, neue Lightshow, einem kurz
vor dem Himmel sitzenden Drummer, welcher im weiteren Verlauf des Sets ein überzeugend gutes Drumsolo hinhaut, zu dem exakt eine
Pyroshow abgestimmt wurde. Joacim Cans und Co. gaben an diesem Abend so ziemlich alles, wirbelten auf der Bühne herum als wäre
der Berserker hinter ihnen her und boten dabei einen agilen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens. Am Ende hatten sie es doch
noch gepackt: sie waren nicht besser als TESTAMENT und SAXON, aber ihnen fast ebenbürtig. Ich würde sagen: gerade noch so die
Kurve gekratzt und genau damit bewiesen, dass auch HAMMERFALL eines Headliners würdig sind. Denn eines Tages werden die
TESTAMENTs, SAXONs, MAIDENs und METALLICAs dieser Welt nicht mehr da sein und dann wird es an Bands wie EDGUY und HAMMERFALL
liegen, ob der Metal diesen Abgang überleben wird oder nicht. Nach diesem Auftritt orakle ich: er wird.
4. DER SAMSTAG
Kurios wird es am Samstag nach SCAR SYMMETRY und MENDEED: da taucht urplötzlich auf der Bühne eine komplette Truppe in Trachten
auf, gibt Schuhplattler von sich und tanzt dazu. Sie nennen sich PUSCA BAVARIA und machten im weiteren Verlauf des Tages noch
einige Male zwischen Bandauftritten von sich Reden.
Nicht die erste ärgerliche weil nur sehr kurzfristig bekanntgegebene Änderung in der Running Order: BRAINSTORM tauschen
kurzfristig mit ENSIFERUM und so verpassen etliche True-Metaller den Gig der schwäbischen Power-Metal-Combo. Im Gegensatz
zum Gros der Bands auf diesem Festival nutzen BRAINSTORM lieber die Chance, ihr nagelneues Album "Liquid Monster" näher
vorzustellen anstatt sich quer durch die Alben zu spielen. Aufgemotzt mit ein paar älteren Stücken erweisen sich die Jungs
mal wieder als klasse Stimmungsmacher, die eine gute Interaktion mit dem Publikum für selbstverständlich halten.
ENSIFERUM widerum gehören mittlerweile zur ersten Reihe des Folk-Melodic-Death wie man so schön sagt. Eine sehr angenehme
Stilrichtung, welche grundsätzlich bösen Black/Death quer durch den Kakao zieht. Bei den Finnen steht zu relativ früher Stunde
das Crowdsurfing-Termometer auf allerhöchstem Alarm.
KATAKLYSM kommen aus Kanada. Und weils da oft sehr kalt ist, müssen sie sich im Proberaum immer sehr schnell warm spielen.
Heraus kommt dabei ultrabrutaler Neo-Metal der härtesten Sorte, welcher mit erstaublicher Präzision und enorm aufwändigen
Arrangements aufwartet, deren Details live nur erahnt werden können. Zu sehr drückt die Schallmauer der tight aufspielenden
Musiker, welche hätten allerdings etwas beweglicher hätten sein dürfen.
So manch einer ist nur ARCH ENEMY-Fan weil er auf Frontfrau Angela Gossow steht. Einige andere widerum sind der Meinung,
die schwedische Elchtod-Express ist eben deswegen total gehypt. Stimmen tut das mal rein gar nicht. Obwohl sich ARCH ENEMY
an diesem Tag kurioserweise in punkto Arrangements sehr weit aus dem Fenster lehnen und teilweise rein gar nicht das spielen,
was man vom Album her kennt, kommen am Ende dabei immer genau jene Songs heraus, welche man eigentlich hören wollte. Spätestens
beim Refrain.
JON OLIVA'S PAIN nennt sich die Band, die offiziell in die Fußstapfen von SAVATAGE gestiegen ist, da die Hauptband mittlerweile
lieber Weihnachtslieder spielt. Allein der Name garantiert bereits für Qualität, doch was er und seine Begleitband an diesem
Tage ablieferten, war eines der besten SAVATAGE-Konzerte seit wirklich langer Zeit. Big-Boss Jon Oliva feierte auch noch seinen
46. Geburtstag. Und ganz Kreuth feierte mit ihm zu diesen Songs: "Warriors", "Sirens", "Gutter Ballet", "Jesus Saves", "Hounds",
"People Say - Gimme Some Hell" (vom ersten Soloalbum "Tage Mahal"), "Believe" und "Hall Of The Mountain King". Note 1a in Sachen
Stageacting, sogar vom Meister persönlich, lassen einen noch ein paar Jahre an diesen Auftritt denken.
Who the fuck are DEATHSTARS hieß es anschließend bei recht vielen anwesenden Besuchern. Diese nämlich haben kurzfristig mit
NEVERMORE getauscht, welche nicht mehr rechtzeitig eingetroffen sind. Die sogenannten Todessterne spielen furchterregenden
Elektro-Metal der Güteklasse "zum davonlaufen", bewegen sich dabei keinen Milimeter auf der Bühne und sollten sie denn überhaupt
je irgendwann einem Spaß gemacht haben, dann nur in finsterster Nacht, wo ihre gar nicht mal so üble Lightshow wohl von dieser
seltsamen Musik abzulenken vermag. Auch nach dem Gig hieß es: Who the fuck are DEATHSTARS?
OPETH sind mit ihrem technisch hoch anspruchsvollem Metal eine der großen Herausforderungen für das Festival, sind die Songs
doch sehr schwer zu fassen und somit um neue Fans anzuwerben nicht unbedingt geeignet. Die Schweden versuchens mit allerlei
Humor "We are the Scorpions from Sweden and we will play now "Love At First Sting!", welcher beim Publikum recht gut ankommt,
die Stimmung ist allerdings nicht unbedingt gestiegen während des fehlerfrei vorgetragenen Gigs.
Pünktlich als EDGUY eigentlich kurz davor waren die Bühne zu betreten zuckten Blitze am Himmel über Kreuth. Ein schweres
Umwetter war im Anmarsch. Die Veranstalter fackelten nicht lange herum und evakuierten kurzerhand alle Festivalbesucher in
die nebenan stehende Ostbayernhalle, welche normalerweise meist als Rennstall Verwendung findet. Während draußen ein deftiges
Unwetter tobte, vergnügten sich die Fans kurzerhand mit völlig neuen Sportarten wie Nacktmoshen, Metal-Polonaise ohne Metal
und sonstigen interessanten Spektakeln.
Am Ende fing der Auftritt der spaßigen Gesellen, welche so gern mit derben Kleidungsstücken unterwegs sind, fast 90 Minuten
später statt. Tobi war natürlich wieder die übergroße Grinsekugel in Person und erzählte wieder am laufenden Band geistigen
Dünnpiff wie man es gar nicht anders von ihm hören will, dazu gibts Hit an Hit quer durch sämtliche Alben mitsamt dem gewohnten
Ausflug in das AVANTASIA-Projekt. Wie kann es auch anders sein mit selbigem Titeltrack.
VENOM, welche mit ihrem legendären Album "Black Metal" damals einer ganzen Stilrichtung ihren Namen gegeben haben, bilden den
Abschluss des Festivals. Da es Cronos und Co. dieser Tage nicht an jeder Ecke zu sehen gibt, standen massig Leute vor der Bühne
und wollten mal sehen, was die alten Herren da vom Stapel ließen. Nichts anderes als knarzigen, uralten Heavy Metal aus den 80ern,
welcher ja eigentlich schon damals irgendwie... wegweißend klang und dennoch schlecht war. Hoppla, eigentlich heißt der korrekte
Begriff "Kult". Über Klassiker wie "Black Metal" oder "Welcome To Hell" braucht man nicht lange zu streiten, die Jungs können
mittlerweile sogar ihre Instrumente bedienen. Ob das überwiegend sehr Junge Publikum die ganze Aufregung nachvollziehen konnte,
die da um diese Band gemacht wird? In Zeiten von ARCH ENEMY und KATAKLYSM sicherlich nicht. Jedenfalls machte es den Jungs sichtlich
Spaß und auch ein Großteil des Publikums fand den Ausflug in längst vergangene Zeiten amüsant. Dem vorangegangenen Auftritt von EDGUY
konnten sich allerdings nichts mehr draufsetzen.
NEVERMORE, die es nicht pünktlich schafften und dehalb kurzfristig mit den DEATHSTARS getauscht wurden, kamen an diesem Tage nicht
mehr in den Genuß eines Auftritts. Da sich durch den Sturm das komplette Billing ordentlich nach hinten verschoben hatte, wurde die
Band kurzerhand abgesagt. Schade für die Band, noch viel mehr allerdings für die ganzen Fans, welche extra noch VENOM ertragen haben
(so sie denn nicht auch zufällig Fans dieser Band waren) um die U.S.-Powermetaller in Aktion zu sehen.
5. FAZIT
Auch heuer hieß es wieder einmal: Licht und Schatten. Eine gelungene Bandauswahl und eine hervorragend schnelle Evakuierung aller
anwesenden Besucher in die Reithalle sind zwei dicke Pluspunkte, welche durch Schotter-Campingplätze und eine völlig willkürliche
Organisationspolitik gleich wieder zunichte gemacht wurden. Zwar lässt sich nachvollziehen, dass man Angst vor betrunkenen Metalfans
hat, welche einen ganzen Campingplatz abfackeln weil sie Lagerfeuer auf einer vollig ausgetrockneten Wiese anzünden, andererseits
wird genau das auf allen anderen Festvials auch getan. Und passiert ist bisher nichts. Es ist also vollkommen unverständlich, warum
man auf einem Schotterboden zelten soll und deshalb das Zelt gar nicht richtig festmachen kann (sofern man nicht zufällig Stahlheringe
und einen Presslufthammer dabei hat).
Unseren Umfragen unter diversen Fans hat es aber trotzdem den meisten sehr großen Spaß gemacht und so denke ich mal, dass es auch im
nächsten Jahr bei den meisten wieder heißt: EARTHSHAKER 2007 - wir kommen!
Donnerstag
Auf der Bühne eröffnete die deutsch-norwegische Band MIDNATTSOL das Summer
Breeze 2005 mit folk-beeinflußtem Gothic-Metal. Das hört man nicht alle Tage
und somit wären auch bestimmt etliche Dutzend mehr Besucher vor der Bühne
gestanden, hätten sie denn das Gelände schon betreten dürfen. Dies scheiterte
allerdings am riesigen Menschenpulk vor dem viel zu schmalen Eingangsbereich,
welcher u.a. dazu gehört, das Festival heimelig wirken zu lassen. Das lag am
bereits letztes Jahr festzustellenden immer größeren Bekannt- und Beliebtheitsgrad
dieser Veranstaltung. Doch zurück zur "Mitternachtssonne", wie die Band
übersetzt heißt. Diese hatten mit Sängerin Carmen Espanaes eine Stimme, welche
eher in die WITHIN TEMPTATION- als in die NIGHTWISH-Richtung tendiert, also
demzufolge eher rockig ankommt. Obwohl die Band nahezu unbekannt ist, kamen
Stücke wie "Lament" oder "Desolation" ganz gut an. Darüber hinaus ist aber
auch einiges an Füllmaterial zu hören, welches noch zu unausgegoren wirkt.
Auch Stageacting und Gesang kommen mitunder etwas holprig und unsicher rüber.
Dennoch: kein schlechter Auftakt.
Es war immer noch Mittag und nicht Mitternacht, als die Sonne auch bei
ANOREXIA NERVOSA glücklich darniederscheinte (dies sollte sich erst im
weiteren Verlaufe des Festivals ändern). Und so war der französische Black-Mörtel
musikalisch eine ohrenweide, aber für die richtige "evilness" war es
dafür noch viel zu hell (hihi). Auffällig: Armbinden und 80er-Jahre Haarspray-Frisuren
gibts auch in diesem Metier eher seltener zu bestaunen. Zwischen
Hochgeschwindigkeits-Donnern und langsamen Keyboard-Parts mit cleanem Gesang
war alles geboten, nur leider nichts was irgendwo an gute Melodien erinnerte.
Eigentlich hörte sich der komplette Auftritt für mich eher wie ein einziger,
nie enden wollender Song an. Fazit: eher strapazierend denn böse.
PINK CREAM 69 hieß die einzige Melodic-Rockband, welche hier innerhalb dieser
drei Tage zugegen war. In der kurzen Spielzeit rockte man sich munter durch
die komplette Band-Historie und bot mit "Do You Like It", "Talk To The Moon"
oder "Keep Your Eye On The Twisted" auch hochklassiges Material von David
Readman-Vorgänger Andi Deris, welcher ja seit "Master Of The Rings" versucht
bei HELLOWEEN zu singen. Neuere Stücke Marke "Thunderdome" passten da bestens
hinzu und am Ende gab es noch eine Reggae-Version vom POLICE-Hit "So Lonely"
zu hören, bei dem auch die härtesten Kopfschüttler vor der Bühne noch ohne
Ende mitgröhlten. Vielleicht gibts ja aufm dem Summer Breeze künftig eher
2-3 derartige Kapellen als immer nur eine?
SCHANDMAUL eröffneten das diesjährige, schwer Mittelalter-Metal lastige
Programm mit genau dieser Stilrichtung. Im Gegensatz zu IN EXTREMO oder SUBWAY
TO SALLY tönen diese Barden aber wesentlich unmetallischer, normalerweise
sogar noch ruhiger als hier. Unter der Sonne von Abtsgmünd holte man aber
vorzugsweise die richtigen Rocker aus dem Dudelsack und beließ es bei einer
Ballade ("Dein Anblick"). Das Publikum war von Anfang an in höchsten Maßen
begeistert und feierte jeden Song mit fettem Applaus und kräftigem Mitsingen
ab. Die sechs Musiker wußten genau wie man auch harte Jungs um den Finger
wickelt, animierte zum Mitmachen "und jetzt alle hochhüpfen" und bot einen
fetten Sound. Am Ende musste die Band mit "Walpurgisnacht" und "Das Tuch" sogar
noch zwei Zugaben spielen und sogar noch bei den anschließenden GOD DETHRONED
gab es "Schandmaul"-Rufe zu vernehmen. Wenn das mal kein Siegeszug war!
Danach hauten die Death Metal-Fetischisten GOD DETHRONED 40 Minuten feinsten
Todesblei um die Ohren, dass es nur so krachte. Mit seiner recht eindeutigen
Stimme krächzte und gröhlte sich Henri Sattler durch Kultsongs wie "Warcult",
"Art Of Immolation" oder "Serpent King" und hatte dabei sogar sichtlich Spaß.
Da war die Sonne wohl ansteckend, was? Aber nicht anders soll es sein.
THERION hatten für ihren anspruchsvollen Opern-Metal eine interessante, eher
kleine Musikergarde für das Summer Breeze bereitgestellt: neben den normalen
Bandmitgliedern eigentlich nur noch drei Opernsängerinnen in genau solchen
Klamotten und Sänger Mats Leven (ex-AT VANCE) zur Unterstützung des Gesangs.
Die Damen waren somit für die Chöre zuständig. Mit so wenig Personal ist es
dann natürlich nicht weiter verwunderlich, dass die kompletten Orchester-Parts
vom Tonband kommen. Aber das störte aus folgenden Gründen rein gar nicht: zum
einen war der Sound sehr gewaltig und klar, zum anderen kamen so die
"richtigen" Metal-Instrumente besser zur Geltung. Was schon bei früheren der
eher raren Auftritte der Band aufgefallen ist und hier noch tragender zum
Vorschein kommt ist allerdings die Tatsache, dass die neueren Stücke im direkten
Vergleich zu tödlich endgeilen Klassikern wie "Riders Of Theli", "Wine Of
Aluqah" oder "To Mega Therion" komplett und radikalst verblassen. Was meine
langjährige Meinung bestätigt, dass die wahre Stärke THERIONs in Klassik-beeinflussten
echten Metal-Alben wie "Theli" liegt und nicht in Orchester-Wellen
erstickten, belanglosen Aneinanderreihungen von Klassik-Versatzstücken
aus den unteren Schubladen. Nichtsdestotrotz: die Band bemühte sich obwohl
des Headbanging-feindlichen Materials um Stimmung, welche sich dann im Verlauf
des Gigs auch kontinuierlich steigerte. Am besten ging es wie bereits immer
dann ab, wenn härterer Stoff ausgepackt wurde. Und da das gen Ende hin immer
öfter der Fall war, gab es am Ende kaum jemanden, der nicht sehr angetan war.
Setlist: Blood Of Kingu, Uthark Runa, Invocation Of Namah, Typhon, Riders Of Theli, Seven Secrets Of The Sphinx,
Asgard, Rise Of Sodom And Gomorrah, The Khlysti Evangelist, Wine Of Aluqah, Cults Of The Shadow, To Mega Therion
Bedeutend bodenständiger wird es anschließend wieder mit melodischem Wiking-Deathmetal.
Dabei lässt sich zu der wie gewohnt erstklassigen Performance von
AMON AMARTH so langsam wirklich nicht mehr viel erzählen, treten die Jungs
doch in den letzten Jahren scheinbar auf fast jedem Festival auf. Diesmal war
allerdings anders: sie waren Headliner! Das hatte zur Folge, dass es diesmal
nicht nur die ganz großen Hits mit ein, zwei Stücken vom aktuellen Album zu
hören gab, sondern auch etliche relativ selten gespielte Granaten. Es war
berstend voll vor der Bühne und die Fans gingen ab wie nix. Ab "Releasing
Surtur's Fire" kreisten sämtliche Mähnen der ersten zehn Reihen um die Wette,
ab "Fate Of Norns" wohl dann so ziemlich alle. Dazu spritziges Stageacting
(allerdings ohne größeres Herumlabern) und guter Sound. Das war dann wohl
endlich mal wieder ein AMON AMARTH-Auftritt, der nicht nur Spaß gemacht hat,
nein, das war einer der RICHTIG FETT Spaß gemacht hat!!!
Setlist: Intro, An Ancient Sign, Pursuit Of Vikings, Releasing Surtur's Fire, Masters Of War,
Fate Of Norns, 1000 Years Of Opression, VS The World, For The Stabwounds, Victorious March, Death In Fire
Zum Abschließ am Abschluss kamen HAGGARD mit einer Besetzung, die auch hätten
THERION ohne weiteres bringen können: 16 Musiker standen sich da auf enger
Bühne beinahe gegenseitig im Weg. Warum man da nicht auf der größeren Bühne
spielt, ist hier eindeutig ein Mysterium. Der Sound von HAGGARD ist zwar
weiterhin relativ eigenständig, jedoch haben sie es bis heute nicht geschafft,
wirklich große Songs zu schreiben. Auch ihre bisheriger Höhepunkt, das Album
"Awaking The Centuries" liegt schon ewig zurück (übrigens das einzige, welches
ich mir auch gekauft habe, während der Rest der Diskographie als Promo-CDs in
irgendwelchen Regalen verschüttet ist). Der Stimmung tut das natürlich keinen
Abbruch, auch nicht, obwohl man in Punkto Gesang an einigen Stellen weniger
Noten richtig trifft als Andi Deris und es an allen Ecken und Enden vor
Rückkopplungen nur so quietscht. Mit persönlich ist und bleibt es rein Rätsel,
wieso die Band so gut ankommt. Gar nicht gut kommt gen Ende hin allerdings an,
dass das Großaufgebot an Spielmannsleuten um 0h einfach nicht zum Spielen
aufhören will, so dass man ihnen radikal den Strom abstellt. Eine sich
androhende Keilerei mit den Bühnentechnikern konnte gerade so abgewendet
werden. Das kennen wir doch bereits von Wacken, nicht wahr?
Freitag
Der Freitag begann um 11h mit POWERWOLF und ihrem deutsch-rumänischen Sänger
Attila Dorn, welcher im Verlauf des Konzerts eine Mischung aus sehr gutem
Gesang und Slapstick-artigem Deutsch drauf hatte. Dazu war die komplette Band
in Dracula-Kostüme gekleidet. Erster Eindruck: bester Trashmetal (ohne h).
Aber Insider wissen: so schlecht sind POWERWOLF dann doch nicht. Leider war
es vor der Bühne noch sehr, sehr überschaubar und so verpassten viele Fans
einen Auftritt, bei welchem die einzelnen Stücke irgendwie deutlich besser
und überzeugender klangen als auf dem Debütalbum der Jungs. POWERWOLF spielen
eine Mischung aus Old-School Power-Metal mit zahlreichen aktuelleren
Einflüssen und haben dabei so einige Subhymnen im Angebot, bei denen hier und
dort Matten kreisen und Fäuste gestreckt werden. Eine weitere Kuriosität:
mangels Bassisten kam das fehlende Instrument vom Band. Gut, dass das keiner
gemerkt hat. Auf alle Fälle eine Band, die man sehr gut im Auge behalten
sollte und als Vorband im ein oder anderen Club bereits jetzt ordentlich
Stimmung machen kann.
Mit einem real existierenden Elchgeweihmikrofonständer wateten dann die
Humppa-Folk-Finnen KORPIKLAANI teilweise Barfuß auf die Bühne und zelebrierten
tanzbaren Abgeh-Metal ohne Ende, unterbrochen nur von einigen Midtempo-Downern,
damit das Publikum nicht auf der Infarkt-Station landet. Eigentlich unfaßbar,
was das Publikum hier schon ausgelassen herumhüpft, man könnte fast denken,
danach gibts keinen Strom mehr (hihi). Nachdem man sich so verausgabt hat,
benötigt man natürlich Flüssigkeit. Da es der Band genauso ergeht, heißt der
logische Abschlusssong: "Beer Beer"!
Die Mainzer NOCTE OBDUCTA sind eine Black-Metal-Band, die auf allerhöchstem
Niveau spielt, dabei sogar einige Doom- und Black-Metal-Einflüsse verarbeitet
und irgendwo immer noch weitere Einflüsse zu etwas ganz neuem vermengen, so
dass ein ganz neuer und anderer Sound entsteht, als dies bei Schwarzmetallern
so üblich ist. Hinzu kommen auch nicht dem Genre entsprechende Texte und zwei
jetzt schon als Klassiker zu bezeichnende Alben ("Nektar I" und "II"). Die
Band gibt sich keine Blöße und spielt was das Zeug hält, vor der Bühne ein
staunendes Publikum, welches nicht verstehen kann, warum diese bösen Buben
nicht mal Corpsepaint haben. Doch die echten Fans wissen: wer Dummschwatz
hören will, geht lieber auf andere Festivals.
DIE APOKALYPTISCHEN REITER spielen zusammen mit KORPIKLAANI den wohl
radikalsten Stilmischmasch. Und trotzdem oder gerade deswegen ist es vor der
Bühne gerammelt voll. Zuerst fällt auf, dass in der Bühnenmitte - nichts ist.
Drumkit und Keyboard am äußeren Rand fast versteckt, ansonsten liegt da
erstmal nur ein Sarg. Dieser wird während des Intros von einem Mönch geöffnet
und sogleich kam Keyboarder Dr. Pest zum Vorschein - mit S/M-Maske und
Peitsche. Im weiteren Verlauf wird der mysteriöse Bühnenaufbau klar: bei
"Reitermania" wird eine gigantische Hüpfburg in der Mitte der Bretter, die
die Welt bedeuten aufgeblasen, bei "Du kleiner Wicht" stürmen dann Fans die
Hüpfburg und springen was das Zeug hält. Auf derartige Ideen kommen eben nur
die Reiter. Bei "Die Sonne scheint" wendet sich Sänger Eumel als Publikum
"zeigt mir eure Sonne!" - wendet sich dann auf die Hüpfenden und es gibt
diesmal leider nur Andeutungen eines nackten Arsches zu sehen. Schade, schade.
Neben zahlreichen anderen kleinen Obskuritäten erweisen sich DIE REITER als
DIE Partyband schlechthin und wir allen hoffen, dass diese Jungs bald
zrölfundachtzäg Trillionen Alben verkaufen, durch Afiko und Ameriki touren
und der Welt den Marsch blasen, damit alle wissen, was aus Deutschland so
alles lustiges kommen kann. Und wenn dann wie in diesem Fall auch noch das
Songmaterial stimmt und die Band gar nicht mehr alle ihre Hits spielen kann,
weil es mittlerweile so viele sind - wer soll das noch aufhalten?
Setlist: Intro, Seid willkommen, Wahnsinn, Iron Fist, Reitermania, Du kleiner Wicht, Komm,
Die Sonne scheint, Drum-Solo, Sehnsucht, Unter der Asche, We Will Never Die, Dschingis-Kahn,
Vier Reiter stehen bereit, Terra Nola
Die Polen BEHEMOTH, welche Black- und Deathmetal als perfektes Konglomerat
vermengen, blasten anschließend alles in Grund und Boden und sind dabei so
abartig evil, dass sich die Sonne verzieht, über Abtsgmünd spontan dunkle
Gewitterwolken aufziehen und es fortan vorbei war mit dem schönen Wetter.
Es kübelte aus Eimern. Und da oben gibt es scheinbar eine ganze Menge Eimer,
denn dieses Sauwetter wollte während des restlichen Festivals nicht mehr
aufhören. Im Gegensatz zu NOCTE OBDUCTA wußte man, wie man sich böse zu
kleiden hatte: Corpsepainting, mit Nieten gespickte Killerstiefel und Leder
ohne Ende. Vor der Bühne betrug mit zunehmendem Regen der Regentropfenweitwurf
kreisender Matten mittlerweile einige Meter, aber Rückzug - das war für die
Meute dort ein Fremdwort. Geile Show!
Bei DARK TRANQUILLITY wurde der Regenschirm-Faktor dann immer größer, doch
die Anzahl der Fans schrumpfte nur geringfügig. Schließlich handelt es sich
bei den Schweden um eine der Mitbegründer des Melodic-Death und die Jungs
um Mikael Stannes warteten mit einem grandiosen Best-Of Karrierequerschnitt
auf, der sich gewaschen hatte. Nur ob es denn gleich vier neue Songs vom
laschen aktuellen Album hätten sein müssen, das ist ein leiser Kritikpunkt.
Ein lauter Kritikpunkt allerdings ist zweifelsfrei, dass der Sound mit den
letzten so langsam aber deutlich immer mehr nachließ (zu baßlastig war er
bereits die ganze Zeit), aber bei DARK TRANQUILLITY kaum noch Instrumente
zu unterscheiden waren. Entweder wurde der Klang vom nicht vorhandenen Winde
verweht oder hinterm Mischpult hatte jemand bereits einen kompletten Kasten
Bier geleert. Unglaublich. Zum Glück scheint sowas aber die meisten Zuhörer
nie zu interessieren und so wurden auch dieser Schwedentod ordentlich
abgefeiert.
OPETH. Melodie. Death-Metal. Prog-Metal. Andere Sphären. OPETH sind eine der
unglaublichsten Bands der letzten Dekade. Ein Klangkosmos ganz für sich
allein. In dem einstündigen Set gab es nur fünf Stücke zu hören. Eines davon
"The Grand Conjuration" gar vom noch nicht erschienenen Album "Ghost Reveries".
Völlig überraschend nach dem totalen Soundmüll bei DARK TRANQUILLITY ist der
astreine Klang sämtlicher Instrumente. Die Stücke werden einem Computer gleich
perfekt umgesetzt und Goldkehlchen Mikael Akerfeldt versteht es auch noch
einem großen Entertainer gleich das Publikum perfekt mit einzubinden. So
werden diverse Songs bekannter Metalbands angespielt, einem Ratequiz gleich,
den Fans mitteilend, dass er MANOWAR abgöttisch liebt "sind MANOWAR immer noch
so groß in Deutschland?" (es folgt ein Auszug aus "Metal Warriors". Wir
erfahren, dass JUDAS PRIEST zu den Haupteinflüssen zählen und wie geil die
SCORPIONS sind. Beim Thema SCORPIONS erwähnt Mikael, dass er Krautrock im
Allgemeinen sehr schön und genial findet (was einige Soundaspekte bei OPETH
in ganz neuem Licht erscheinen lässt) und just hatte er es gesagt, fragt
hinter mir jemand seinen Kumpel: "Ey, was ist denn Krautrock?", worauf dieser
antwortet: "Na, Crowd-Rock halt". Zum Scheißen geil. Tipp: www.wikipedie.de
und "Krautrock" eingeben. OPETH waren ganz, ganz, ganz großes Kino!
Setlist: Drapery Falls, Deliverance, To Rid The Desease, The Grand Conjuration, Demon Of The Fall
Die Rustikal-Metalpunker THE EXPLOITED direkt nach dem Traumspektakel OPETH -
sowas gibt es wohl nur auf dem Summer Breeze. Und deshalb ist eb ja auch so
geil. Obwohl THE EXPLOITED mit Alben wie "Let's Star A War...Said Maggie One
Day", "Troops Of Tomorrow" oder "Punks Not Dead" zur Speerspitze der zweiten
und letzten großen Punk-Generation zählen, eroberten die Engländer erst mit
ihrem 1996er Geniestreich "Beat The Bastards" mein Herz. Das lag daran, dass
auf diesem Album erstmals der ursprüngliche und einfache Drei-Akkorde-Punk
mit hartem Heavy Metal gekreuzt wurde. Mit dem Unterschied, dass daraus weder
ein Crossover- noch ein Hardcore-Album entstanden war, sondern eine echte
und nie gehörte perfekte Melange aus beiden Stilen, welche zu toppen die
Band mit dem sieben(!) Jahre später erscheinenden Album "Fuck The System"
aber nicht in der Lage war. Genug Geschichtsunterricht. Das gab der Gig her?
Leider nicht so viel wie erwartet. Der überwiegende Teil der Songs stammte
von den alten Punkrotz-Tagen ("UK 82", "Lets Star A War", "Troops"), während
die letzten beiden Alben eher vernachlässigt wurden. Allerdings schafften es
Wattie und Co. immerhin, die Songs deutlich härter zu spielen. Als ein Fan
es schaffte die Bühne zu entern, zeigte Wattie, dass er wohl immer noch ein
dummer Punk ist: er schubste den Fan radikal nach vorne, dieser flog zuerst
über eine Monitorbox und danach in den Fotograben, eine Fotografin unter sich
begrabend. Das hätte auch noch viel schlimmer kommen können. Ob sich THE
EXPLOITED mit dieser Aktion neue Freunde gemacht haben, wage ich zu bezweifeln.
Ein großer Anhänger von Mittelalter-Bands bin ich nicht. Was aber nicht heißt,
dass ich sie nicht mag. Alle paar Jahre einmal einen Auftritt sehen finde ich
immer noch großartig. Gut, dass ich sowohl SCHANDMAUL, als auch SUBWAY TO SALLY
und IN EXTREMO zuletzt vor fünf bzw. sieben Jahren gesehen und zwischenzeitlich
nur die neuen Alben kurz "an"gehört habe. Denn so dürfen heute IN EXTREMO
zeigen was sie alles so draufhaben, ohne dass ich das Weite suche (hatte ich
beim Summer Breeze auch schonmal getan). Nun. IN EXTREMO sind der Headliner
des zweiten Tages und so erstaunt es nicht weiter, dass überall und immer
irgendwelche Pyros explodieren und die Barden eine grandiose Lichtschau
abhalten. Die Party ist gewaltig und auch die Interaktion mit dem Publikum
("Sucht euch eine Partnerin und fickt euch dann richtig durch!" z.B.) ist
eher unkonventionell, macht aber den Heiden Spaß. Neben bereits erwähnter
Licht- und Pyroshow wirft man auch immer mal wieder ein paar kleine Gimmicks
mit ein (Mönchsbesuch und andere Spielereien) und hottet zusammen mit der
Meute vor der Bühne richtig ordentlich ab. Auffallend, dass sich die Songs
des aktuellen Albums "Mein rasend Herz" stilistisch nicht so recht in das
restliche Material integrieren wollen. Hier bleibt es interessant, welchen
Weg die Band in der Zukunft gehen wird.
Setlist: Erdbeermund, Hiamali Tempore, Krumma Visur, Omnia Sol, Horizont,
Wesserbronner, Wind, Vollmond, Spielmannsfluch, Mein rasend Herz, Gier, Poc
Vecem, Nur Ihr allein, Nymphenzeit, Spielmann, Villeman Og Magnhild
Den zweiten Tag beenden WINTERSUN. Und wieder handelt es sich um Finnen. Die
Band um ex-ENSIFERUM-Sänger Jari Mäenpäa hat zwar erst ein Album auf dem
Markt, dieses bietet aber enorme Durchschlagskraft und kam bei Veröffentlichung
sehr gut am Markt an. Die Folk-beeinflussten Melodic Deather spielten ihr
komplettes Werk mit bereits erstaunlicher Bühnenkompetenz herunter und hatten
dabei noch einen bestens gemischten Sound. Ich bin überzeugt, dass wir von
WINTERSUN in den nächsten Jahren noch viel erwarten können. Die Sprechchöre
fingen bereits bei IN EXTREMO an und hörten auch nach dem Gig längere Zeit
nicht mehr auf. Wohl auch deswegen, weil die Band pünktlich um 0h Schluss
machte und eh keine Zugaben mehr geben durfte und auch konnte, denn mehr
Songmaterial war ja noch gar nicht vorhanden.
Samstag
Deutscher, melodischer Folk-Black-Death von SUIDAKRA früh am morgen vertreibt
normalerweise Kummer und Sorgen, sagt man. Bei Songs vom Schlage "Darkane
Times", "Reap The Storm", "Wartunes", "Loch Loment", "Pendragon's FalL" und
"Gates Of Nevermore" allein würde das auch uneingeschränkt zutreffen. Leider
war vorallem Bandleader und Sänger Arkadius wohl mit einem ordentlichen Kater
"gesegnet" (er war die Nacht zuvor von der Security mehr oder weniger sanft
aus dem Jack Daniel's-Zelt begleitet worden) und so blieb auch nicht verborgen,
dass die Band sich teilweise noch im Halbschlaf befand und dementsprechend eine
Menge Spielfehler herunterzockte. Sehr schade.
ENTHRONED gehören zu dieser Art Black Metal, die ihn noch roh und unverfälscht
spielen. Ganz klar, dass hierzu auch noch tonnenweise Corpsepainting, Leder
und Nieten zählen und die Band nicht viel sagt. Denn alle andere ist untrue.
So bolzen die Jungs ihr Programm radikal durch die Zeit, bekommen für die
Raserei auf der Bühne noch einen dicken Zusatzpunkt fürs Stageacting und noch
einen weil sich keiner die Blöse gibt, aus dem Einheitsrhythmus auszubrechen.
Bei soviel Gespühr für den Takt muss man sich jedenfalls nicht gefallen lassen,
dass einen jemand alls puren Krach abstempelt. Guter Gig, aber ein wenig zu
monoton auf Dauer.
Dass es noch radikaler geht als bei ENTHRONED, beweisen gleich danach die
Deutschen Extrem-Blackmetaller ENDSTILLE. Im Ernst - wer hält solchen monotonen
Unsinn länger als 6,66 Minuten aus? Keiner von uns jedenfalls. Kein Aas weiß,
wo der eine Song aufhört und der andere anfängt, kein Mensch um was es da
eigentlich geht. Das einzige was zu verstehen war: das Intro am Anfang. Dort
wurde uns mitgeteilt "Hitler is dead". Warum sagt mir sowas denn keiner?
Eine der großen Überraschungen des Festivals waren ORPHANED LAND aus Israel,
welche aus jüdischen und arabischen Bandmitgliedern besteht und beweist, dass
man auch lieber gute Musik machen kann, als sich gegenseitig zu hassen. Die
Mischung aus orientalischem Flair in den Stücken, gespickt mit einer Prise
Prog-Rock und -Metal und feinen Refrains fand im nu Zuspruch bei etlichen
Besuchern, die sogar eine Israel-Flagge direkt vor der Bühne schwenkten. Es
tat mal wieder richtig gut, Musik weit abseits des westlichen Metals zu
hören und es wäre längst mal an der Zeit, dass sich in dieser Gegend viel mehr
Menschen die Mühe machen um derartig eigenständige Musik zu kreieren. Was
gibt es schöneres, als Einflüsse anderer Kulturen über Musik kennenzulernen?
DISBELIEF gehören eher zu den nicht wirklich melodischen Death-Metallern und
haben somit einen gehörigen Spirit der Anfangszeit in sich, welchen sie auf
ihren Studiowerken auch bis aufs äußerste ausleben. Dass man damit heutzutage
nur noch eine sehr eingeschränkte Fangemeinde hat, zeigte sich schon bald:
der Platz vor der Bühne war mehr als nur überschaubar. Am Wetter lags eher
nicht, denn so manche Band vorher hatte bewiesen, dass auch mal ein paar
tausend Regenschirme und Regenjacken herumstehen können, die sich für das
Wetter ansonsten nicht weiter interessieren. Da die Band nicht gerade ihren
besten Tag erwischt hat, das Sonmaterial zu schnell zum bangen und zu
unmelodiös zum mitwippen oder -singen ist, kam auch kaum große Stimmung auf.
Erst beim Abschlusstrack "Rewind It All" blitzte das Potential der Band hell
auf und zeigte, dass man auch sowas wie einen kleinen Hit schreiben kann.
Schon wieder deutlich voller ward's bei den Gothic-Metallern THE VISION BLEAK,
die dann auf einen bunten Haufen Regenschirme und -mäntel blicken durfte und
somit nicht wirklich auch nur annähernd den Versuch unternahm, ihrem Aussehen
mit untergangsgewaltiger Gothic-Stimmung Nachdruck zu verleihen. Da das zweite
Album "Carpathia - A Horror Epic" erst nach dem Festival erschien, gab es
schonmal eine gut klingende Kostprobe, des ansonsten auf das Debüt "The
Deathship Has A New Captain" beschränkten Fundus an Liedern. Obwohl die Band
noch ein echter Newcomer ist, wußten sich bereits eine ganze Menge Fans dafür
zu begeistern und zollte mit ordentlich Applaus und Stimmung Tribut. Was
allerdings bei aller guten Musik völlig unterging war die Horror-Landschaft,
welche Rückgrat und Konzept der Alben bildet und Erinnerungen an Horrorfilme
erwecken soll. Davon war während des gangen Auftritts nichts zu sehen. Ob's
am Wetter lag, daran, dass es noch sehr hell war oder einfach daran, dass man
noch noch nicht so wiet ist - die Zukunft wird es zeigen. Immerhin schonmal:
Daumen hoch.
Da war er nun: der letzte Headliner. Das direkte Aufeinandertreffen der beiden
größten Mittelalter-Bands. Wär würde am Ende als Sieger daraus hervorgehen? Die
bereits am Vorabend aufgetretenen IN EXTREMO? Oder sind es am Ende doch SUBWAY
TO SALLY? Letztere hatten zwar Flammensäulen anzubieten, die Pyroeffekte waren
allerdings deutlich weniger. Ansonsten war die Lightshow ähnlich gigantisch und
das Stageacting bestens. Die Stimmung stieg von Minute zu Minute und über die
großen Hits brauchen wir uns gar nicht lange auszulassen. Vom neuen Album
"Nord Nord Ost", welches erst nach dem Festival in den Regalen liegen wird,
gab es nur die Vorab-Single "Sieben" zu hören. Diese versprach Bodenständigkeit.
Schade, dass der Regen so einiges an Zuschauern fernbleiben ließ, was aber
dem Spaß keinen Abbruch tat. Wie auch bei IN EXTREMO war die Songauswahl quer
durch die Bandhistorie verzüglich gelungen. Am Ende bleibt Gleichstand
festzustellen. Wie in Punkto Musikqualität eben auch. Aber wie sagt man so
schön: Konkurrenz belebt das Geschäft.
Setlist: Veitstanz, Knochenschiff, Unsterblich, 2000 Meilen unter dem Meer, Die Schlacht, Sieben,
Mephisto, Henkersbraut, Sag dem Teufel, Ohne Liebe, Falscher Heiland, Die Räuber
Quasi fast zum Summer Breeze gehören END OF GREEN, eine Band aus der
Nachbarschaft, welche fast jedes Jahr dort zu sehen ist. Mittlerweile ist
die Band schon fast so bekannt wie das Festival, was daran liegt, dass EOG
einen relativ einständigen Rock'n'Roll-Gothic zelebrieren, welcher wirklich
nicht alle Tage zu vernehmen ist. Scheinbar nicht die geringste Angst all den
ganzen Matsch in die Fresse zu kriegen hatten wohl auch die meisten Fans,
die die dutzenden von Crowdsurfern geduldig über sich herziehen ließen wie
auf einer Luftautobahn. END OF GREEN verbreiteten eine Menge Spaß und gute
Laune, trotz oder vielleicht ja auch gerade Gothic-Nummern wie "Weakness" mit
im Programm waren. Die Meute vor der Bühne forderte noch etliches später
Zugaben um Zugaben, die Band war euphorisch wie nie und war wohl auch sichtlich
überrascht, was da in Abtsgmünd heuer so abgeht. Denn es gab auch mal
schlechtere Zeiten für die Band. Die sind zum Glück vorbei.
Die Norweger TRISTANIA gehören in Punkto Gothic-Metal längst zu den ganz
Großen und so traten sie mit gleich drei Gesangsstimmen an, in deren Mitte
natürlich Sängerin Vibeke Stene stand. Leider waren die beiden männlichen
Stimmen nicht der Rede wert, sie trafen oft nicht die richtigen Töne, standen
immer an der gleichen Stelle und waren ziemlich unsicher, was im Verlauf des
Auftritts wohl die ganze Band erfasste. Der Sound war bestens abgemischt wie
leider nicht immer in den letzten drei Tagen und so fielen die ganzen
Ungereimtheiten nur noch mehr auf. Pluspunkte waren die gute Lightshow und
das Bemühen um Stimmung. Eher Durchschnitt.
LACUNA COIL aus Mailand gehörten nie so richtig zu meinen großen Favoriten,
doch zogen die Jungs und Frontmädel Cristina Scabbia eine der geilsten Shows
des ganzen Festivals ab, brachten eine tolle Stimmung auf die Bühne und gaben
einen bunten Querschnitt ihrer Geschichte zum Vorschein. Mittlerweile hatte
es tatsächlich auch zu regnen aufgehört und so konnte man Hymnen wie "When
A Dead Man Walks", "Swamped" oder "Soul Into Hades" so richtig genießen.
Wenn das letzte große Sommerfestival sich seinem Ende entgegenneigt, dann tut
das schon auch ein bißchen weh. Was liegt da näher, als dass Peter Tägtgren's
Krawalltruppe PAIN da den Abschluss macht und uns große endgeile Abrißbirnen
vom Fließband präsentiert. Die noch einigermaßen gut gefüllten Plätze vor der
PAIN-Stage ließen die Mähnen kreisen und schüttelten die Matten aus, auf dass
sie endlich trocknen mögen, denn der Regen war nun entgültig Geschichte und
das Summer Breeze 2005 um Punkt Mitternacht auch.
Summer Breeze Wetter
Donnerstag: groesstenteils sonnig
Fazit
Von den Wetterverhältnissen her eigentlich genauso wie Wacken. Mit dem großen
Unterschied eben, dass der Weg zwischen Festivalgelände und Campinplätzen
zumindest geteert ist. Das Festivalgelände selbst war allerdings größtenteils
dermaßen matschig, dass zentnerweise Stroh ausgelegt wurde. Auf den Zeltplätzen
machten sich einige ihre Gedanken, ob es an diesem Abhang nicht Matschabgänge
gibt und alles mit in die Tiefe reißt bzw. der Regen irgendwann einfach alles
komplett wegschwemmt. Zum Glück ist da nichts passiert. In Punkto Organisation
ließe sich noch so einiges nachbessern - so beispielsweise ein größerer
Eingangsbereich und ein Container am Eingang für Flaschen, Dosen und sonstigem
Müll, der die Straße vor dem Festivalgelände ordentlich verwüstete. Alles in
Allem hat es aber mal wieder ordentlich Spaß gemacht. Und dass die Summer Breeze-Crew
auch bestrebt ist die ein oder anderen Macken auszuräumen, das hat man
ja auf dem Festivalgelände gesehen: so verschwand bereits die furchtbare
Engstelle zwischen Händlermeile und Bühnenvorplatz, in dem die stinkenten
Dixis die auch noch ausliefen einfach anderswo aufgestellt wurden und somit
auch der Durchgang breiter wurde. Da kann man nur sagen: weiter so!
Im Gegensatz zum letzten Jahr, bei dem die Anreise wegen des ONKELZ-Andrangs
im reinen Chaos (ver-)endete, klappte dieses Jahr wie ansonsten üblich wieder
alles am Schnürchen. Allerdings sollte Wacken an diesem Wochenende gnadenlos
im Schlamm versinken, wie bereits 2002 zuletzt geschehen. Auf dem Festival-Gelände
sorgten dicke Strohballen für Durchkommen, auf den normalen Besucher-Campingplätzen
herrsche jedoch das totalitäre Schlamm-Inferno vor.
Donnerstag
TRISTANIA durften heuer das größte europäische Metal-Fest eröffnen. Wobei der
Auftritt doch sehr mysteriös wirkte. Der Soundcheck war wohl eher Sound als
Check, denn was am Anfang dünn und verwaschen klang, klang im weiteren
Verlauf höchst unterschiedlich. Zum Beispiel waren einige Instrumente zeitweise
nur zu erahnen, während der Gesang vom Tonband kommen zu schien. MANOWAR, ick
hör dir trappsen. Das Stageacting war eher mager und die Stimmung wollte nicht
so recht aufs Publikum überspringen. Allerdings muss man sagen, dass es vor der
Bühne bereits kachelvoll war.
Danach wurde es nochmal merklich langsamer, aber auch merklich besser: Die
Doom-Götter CANDLEMASS enterten die Bühne und boten ein ähnliches Programm
wie bereits einige Wochen zuvor in Balingen. Im Gegensatz zu den gleich
anschließenden NIGHTWISH hatten die Doomster jedoch richtig Spaß und waren
mit Herz bei der Sache. Ein grandioser Querschnitt durch die Historie mit
leichtem Überhang zum neuen, selbstbetitelten Album. Welches meiner Ansicht
nach das beste und in sich homogenste seit "Nightfall" ist. Alle Daumen hoch!
Um's kurz zu machen: NIGHTWISH spielten exakt das gleiche Programm ab wie
bereits zwei Wochen vorher auf dem Earthshaker-Fest. Mit einem Unterschied
allerdings: während auf dem Earthshaker noch die Flamme des Wahnsinns loderte
und NIGHTWISH einen superben Auftritt darboten, überwog in Wacken der Eindruck,
als sei das Programm mittlerweile sowas ähnliches wie den Amboss rauf und
runter zu hauen: langweilig und eintönig. Ist ja auch kein Wunder, wenn man
mehrfach hintereinander genau die gleiche Setlist abnudelt. Die Fans haben
das glücklicherweise nicht so deutlich gemerkt, so dass die Finnen um Frontfrau
Tarja durchaus richtig abgefeiert wurden.
Freitag
Tödliche Uhrzeit: 11 Uhr. Und zwar Vormittags. NAGLFAR waren schon auf (wie
auch immer die das gemacht haben) und eine Heerschar Fans ebenfalls (wie auch
immer die das gemacht haben). Ich hab da so gemacht: ich war erst gar nicht
pennen. Eine mehrfach tödliche Dosis Finlandia Wodka mit einer hier nicht
näher zu nennenden Band war schuld daran. Während dem Rest vor der Bühne die
Äuglein im Verlauf des Sets immer größer und wacher wurden, trat bei mir das
Gegenteil ein. Das lag aber mitnichten an der verzüglichen Performance der
Band: diese lieferte ein hammerhartes Programm ab, welches lediglich durch
sehr ärgerlich abgemischtem Sound beeinträchtigt wurde. Hiernach gab ich
zurück an meine Kollegen im Zentralzelt und fiel im Zelt ins Koma.
MORGANA LEFAY küßten direkt anschließend sämtliche wahren True Metaller wach
und das waren doch schon eine ganze Menge. Ich persönlcih muss dazu sagen, dass
mir ein Album von denen wirklich reicht, denn: kennste eines, kennste alle.
Aber da ich die lange Geschichte der Band kenne, wünsche ich ihnen jedesmal
trotzdem immer das Beste. Das liegt an so einigen Dingen: zu einen hatte sich
die Band völlig unschuldig durch endlose Rechtstreitigkeiten zu hangeln, welche
sie zu Namensänderungen zwang, zum anderen habe ich von dieser Band noch nie
einen auch nur annähernd mittelmäßigen Auftritt gesehen. So machten LEFAY,
welche endlich ihr MORGANA wieder tragen dürfen dann auch keine Gefangenen
und boten eine sehr überzeugende Show.
Finnen und kein Ende. Diesmal: SONATA ARCTICA - eine Band, welche ein sehr
gutes, aber stark STRATOVARIUS-beeinflusstes Debüt herausbrachte, dass sie auf
anhieb in die Bundesliga schoß und im weiteren Verlauf ihrer Karierere dann
zwanghaft versuchte eigenständig zu klingen und damit um einiges abbaute. Es
war für mich daher schon interessant welche Songauswahl uns hier erwartete,
zumal in Japan in letzter Zeit wesentlich interessanteres released wurde, was
in Europa bis heute nicht erschien. Davon war natürlich dann auch nichts zu
hören, aber viele große (und kleine) Songs wie "My Land" oder "Don't Say A
Word". Leider krankte auch hier der Sound, welcher die Instrumente völlig
willkürlich klingen ließ.
Die Party-Stage hat ja zumindest für "Presse-Fritzen" wie uns den Vorteil, dass
man Bands auch auf gleicher Höhe fotografieren kann. ENSIFERUM überzeugten hier
mit ihrem Folk-Metal über die ganze Strecke.
Danach roch es kriminell nach Gänsehaut: METAL CHURCH mit neuem Sänger Ronny
Munroe spielten ein Best-Of Programm ihrer ersten beiden Alben, ergänzt durch
die beiden neuen Stücke "Leave Them Behind" und "Cradle To Grave" vom neuen
Studioalbum "Weight Of The World". Auch wenn noch ein quentchen Genialität
zu David Wayne fehlt, an diesem Abend war Ronny Munroe doch schon sehr nahe
dran. Leider war der Sound über den größten Teil des Gigs fast schon
unterirdisch, was eine sehr große Sauerei darstellt. Manchmal fragt man sich
echt, ob diese Mixer genauso blau sind wie der größte Teil des Publikums.
Setlist: Ton Of Bricks, Start The Fire, Let The Children Play, Leave Them Behind, Cradle To Grave,
Batallions, Gods Of Wrath, Beyond The Black, Metal Church
OBITUARY sind wieder da. Es regnet ohne Ende, doch es wird trotzdem immer
voller vor der Bühne. Am Anfang: schlechter Sound und eine entrückt wirkende
Band, welches sich im Laufe des Auftritts zwar steigert, aber denoch nicht
unbedingt gut wird. Die einzelnen Mitglieder scheinen mit Pattex auf der
Stelle zu kleben, die Songauswahl könnte besser sein und trotzdem werden die
Todesmetaller abgefeiert ohne Ende.
Die Melodic Deather SUIDAKRA gehören nicht nur für mich zu einer diesen Bands,
die sehr stark begannen, ihren Höhepunkt fanden und danach immer langweiliger
wurden. Wie bei OBITUARY hatte das kaum jemanden der anwesenden Fans in der
brodelnden W.E.T. Stage gestört, aber im Gegensatz zu jenen wirbelden Arkadius
und Co. ordentlich auf den Brettern. Beim nächsten Mal wünsche ich mir aber
wieder mehr ältere Stücke, abgemacht?
EDGUY sind ja für spektakuläre Gig-Eröffnungen bekannt. Von KISS- über
Volksmusik-Intros bis hin zu Schlager. Diesmal hatte man sich kurzfristig
dazu entschieden mit einem Hubschrauber anzufliegen und direkt auf einer
Wiese neben dem Gelände zu landen. Respekt. Beim zweiten Auftritt dann (auf
der Bühne) fliegen wie immer die Kühe mitsamt Hosen und Stiefeln und Tobi
lässt es ordentlich krachen. Ansonsten gibt es zu verzüglich unterirdisch-genialer
Unterhaltung Melodic-Metal vom feinsten, mit Schlagseite auf das
neuste Album. Fett. Wie immer.
WITHIN TEMPTATION haben sich mittlerweile trotz recht weniger Veröffentlichungen
einen festen Platz im Herzen vieler Metaller gesichert. Das liegt natürlich
an den eigentlich immer überzeugenden Live-Auftritten und natürlich am immer
noch hoch gehandelten "Mother Earth". Das enttäuschende letzte Album konnte da
auch nichts daran ändern. Und so gibt es auch hier wieder die ganzen großen
Hits aus dem Mutter Erde-Fundus, einige neue Stücke, bei denen natürlich
vorallem die Hitsingle "Stand My Ground" zu überzeugen wußte sowie mit mit
"Enter" und "The Other Half (Of Me)" zwei ganz alte Stücke für die DieHard-Anhänger.
Inklusive bösem Grunzgesang. Ein weiterer gelungener Auftritt, bei
dem man Sharon ob ihrer guten Gesangsleistung und der gut ausgewählten
Garderobe gerne mal verzeiht, dass das hin- und hergefuchtel am Mikro doch
auch etwas nervig ist auf Dauer.
Zwei "SURPRISE ACTs" wurden für das Wacken Open Air angekündigt. Einer sogar
mit einem "SPECIAL" vorne dran. Obwohl die Gerüchteküche wie immer in solchen
Fällen heftig kochte, vermuteten viele Fans im Vorfeld bereits, dass einer
davon STRATOVARIUS sein müßte. Und damit hatten sie auch vollkommen recht!
Der 20-Minuten-Auftritt beschert uns die Hits "Hunting High And Low", "Black
Diamond" und "Maniac Dance", welche souverän dargeboten werden und auch die
inzwischen zahlreichen Gäste, welche beim Wort "Timo Tolkki" wahlweise
Gänsehaut oder Hassgefühle bekommen fürs erste wieder versöhnlich stimmen.
Was als METALLICA-Coverband begann hat sich inzwischen zur ernst zu
nehmenden Band entwickelt: APOCALYPTICA. Leider kickt live nunmal METALLICA
besser als ernsthaftes Zeug, und so war dieser Gig dann auch eine Mischung
aus Totaler Party und Mitgröhlen bei METALLICA-Covers und
Beine-in-den-Bauch-Stehen bei den Eigenkompositionen. Zum Zeitvertreib
gabs dann weltweit erstmalig Crowdsurfing aus Langeweile!
Insgesamt also ein eher durchwachsener Gig. APOCALYPTICA sind sicher eine
prima Band, aber hätte man irgendeine Schülerband ganz "normal"
alte METALLICA covern lassen wäre da sicher mehr losgewesen!
GOREFEST war für mich echt eine Überraschung. Mit so euphorischen
Reaktionen des Publikums hätte ich nie gerechnet, aber scheinbar
war hier halb Holland im Publikum. Sperriges Zeug von Soul Survivor gab's
hier nicht, dafür jede Menge alte Klamotten - also genau
was die Leute hören wollten. So einfach zieht man also auch nach dem
Überschreiten des Zenit noch Tausende Leute in seinen Bann!
Zu frühmorgendlicher Stunde zwischen 2:15h und 3h beenden SAMAEL auf der
Black Stage zusammen mit TURISAS auf der Party Stage den zweiten Abend. Da
mittlerweile so ziemlich alle vor den Bühnen in einem elenden Schlamm-Morast
eingesunken sind, standen um diese Zeit (und immer noch im Regen) eine ganze
Menge Leute. Vielleicht weil sie die Musik hören wollten, vielleicht weil sie
aber auch einfach nicht mehr weglaufen konnten. Die Schweizer konzentrierten
sich auf Songmaterial des letzten Longplayers "Reign Of Light" und auch das
restliche Songmaterial bezog sich auf eher neuere Dinge. Einige alte Klassiker
blieb man also schuldig. Das machte aber nichts, denn die Show war äußerst
Tight, das Lichtspiel sehr kultig und das Stageacting sehr lebendig. Die
ideale Gute Nacht-Vorstellung für aufgeschlosene Metal-Fans.
Samstag
MOB RULES waren für mich nie eine der Bands, die man unbedingt kennen muss.
Das lag wohl vorallem an den ersten Alben, die eben auch nicht wirklich zu
überzeugen wußten. Insofern war der Auftritt, mit dem am Samstag die Party
Stage eröffnet wurde, doch schon als kleine Überraschung zu betrachten: die
Band hatte ein gutes Händchen für die Songauswahl und Frontmann Klaus Dirks
lieferte eine endgeile Gesangsleistung ab. Respekt! Das war Melodic Metal
vom Feinsten, aus deutschen Landen und mit ordentlichem Kawumms. Das beweißt
man wieder: man sollte Bands nicht abschreiben, sondern ihnen beim wachsen
immer mal wieder zusehen. Am Ende verpasst man es noch, wenn sie erwachsen
sind.
In eine ähnliche Kerbe, allerdings drölfzig mal schneller, hauten gleich
darauf DRAGONFORCE. Mit Sam Totman und Herman Li hat man augenscheinlich
gleich zwei Malmsteen's parallel auf der Bühne spielen, die sich dann auch
noch so anhören, als wären es vier. Ich habe wirklich selten in letzter Zeit
so schnellen Heavy Metal gehört, vermutlich seit "Agents Of Steel" und "Screams
From The Grave" nicht mehr. Der Unterschied ist nur, dass es sich bei diesen
genannten um unsterbliche Ohrwürmer von AGENT STEEL und ABBATOIR handelt,
während die DRAGONFORCE-Stücke genauso schnell ins Ohr rein- wie wieder
rausgehen. Schnell spielen ist eben doch nicht immer alles im Leben. Auf
der Habenseite stehen aber ein wirbelndes Stageacting, eine abwechslungsreiche
Setlist und ein tolles Publikum sowie das gutklassike Debüt "Valley Of The
Damned", mit dem der Nachfolger "Sonic Firestorm" nicht so wirklich mithalten
kann. Auch hier gilt wie im Falle MOB RULES: unbedingt mal reinhören und
weiterverfolgen.
Ein großer Doom-Fan war ich nie, doch das Album "High On Infinity" steht
zusammen mit CANDLEMASS' "Nightfall" und einigen BLACK SABBATH-Werken doch
sehr stolz in meiner Sammlung. Dieses Album ist unsterblich geil und so kam
es sehr gelegen, dass sich die Jungs reformierten. COUNT RAVEN hatten dann
auch meine geheimen Wünsche erkannt und spielten so ziemlich dieses komplette
Album durch, inklusive eines Stückes vom kommenden Reunionswerk, welches
große Hoffnungen weckte. Dass die Jungs so lange weg waren, davon war auf der
Bühnte absolut nichts zu sehen. Genial.
Zeit für Thrash with class: die Ami Old-School Thrasher OVERKILL um Sänger
Blitz wußten was das Wacken-Publikum wirklich will: alte Klassiker statt
neuem Mist (was ja leider nicht von der Hand zu weisen ist). So knallten
dann tödliche Hits der Marke "Rotten To The Core", "Hello From The Gutter",
"In Union We Stand", "Wrecking Crew", "Elimination" und zahlreiche andere
Nackenzertrümmerer von der Bühne, unterbrochen lediglich vom aktuellen "Old
School" (na sowas). Wie es sich gehört, wurde der Pulk vor der Bühne am Ende
ordentlich mit "Fuck You!" verabschiedet. Ein unglaublich tighter und
furztrockener Auftritt, von welchem sich die meisten jüngeren Bands mal noch
ein paar Scheiben abschneiden dürfen.
Niemand wird vermutlich je das Jahrtausendalbum "Storm Of The Lights Bane"
toppen können in dieser Stilnische aus unendlich genialen Melodien und
heftigstem Black/Death in ultrabrutaler Geschwindigkeit. DISSECTION haben
einfach gefehlt. Nun sind sie wieder da. Fragt sich nur wie lange. Natürlich
gab es überwiegend Stücke der bereits bekannen zwei Alben und der EP zu
hören. Zwei neue Songs unterscheiden sich stilistisch erheblich und lassen
wohl eher ein Gothic-beeinflusstes Power-Metal-Werk erwarten, denn eine
konsequente Fortsetzung der alten Klassiker. Als beim zweiten Lied "Frozen"
plötzlich massenweise kleine Stofftierchen auf die Bühne fliegen, reagieren
Teile der Band zunächst ziemlich angepisst, was sie aber nicht daran hindert
ihr Material fehlerfrei herunterzuprügeln. Als dann der frisch aus dem Knast
entlassene Bandleader Jon Nödtveidt sowohl Satanismus als auch noch seinen
Mord rechtfertigt, fragen sich unweigerlich so einige Fans ob der Depp denn
wirklich gar nichts gelernt hat in den letzten Jahren. Musikalisch ein höchst
gelungener Auftritt mit einem leider sehr schalen Beigeschmack von einem
geistig verwirrten Genie, welcher scheinbar hart am Rande des Wahnsinns steht.
Bei einem AXEL RUDI PELL-Auftritt weht immer ein gehöriger RAINBOW-Wind mit
von der Bühne. Stört aber auch keinen. So gab es mit "Temple Of The King" auch
gleich ein Stück von eben jener Combo. Ansonsten bietet uns der Saiten-Hexer
ein tolles Best-Of Programm mit Titeln wie "Call Herr Princess" (ich glaube
das war die 15-Minuten Version oder so...), "Tear Down The Walls", "Nasty
Reputation" usw. - es gab nichts daran zu meckern. Nur der Sound, der war
ein wenig verwaschen zeitweise. Wie das Wetter von Donnerstag bis Sonntag.
MARDUK traten mit einem neuen Sänger auf, der sich auf der großen wohl
etwas verloren vorkam, aber einen guten Job machte. Der Rest
der Band war ebenfalls gut in Form und die Setlist lies keine Wünsche
offen. Zu "Slay The Nazarene" rächte sich der Himmel mit einem
fiesen Regenschauer. MARDUK macht live eigentlich nie etwas falsch, einzig
der Sound war nicht so toll. Trotzdem ein sehr guter Gig!
FINNTROLL zockten auf den kleinen, völlig von Fans überfluteten Party
Stage eine Show ab, dass es eine wahre Freude war! Dieser Band
beim spielen zuzugucken macht einfach nur Spaß, und wer hier nicht abgeht
ist tot! Höhepunkt des Gigs war natürlich "Trollhammaren",
eine schöne Mitsinghymne. Mächstes Mal bitte auf die große Bühne! Den Gig
wollten sehr viel mehr leute sehen (und hören) als vor der
kleinen Bühne möglich war.
Mille und Co. sorgten mit einer germanischen Thrash-Keule für Irrsinniges
Augenleuchten im Publikum. Wenn KREATOR aufkreuzen, gibts ohne Ende auf die
Glocke. So war es auch diesmal. Allerdings als Bonus mit eigener Lightshow,
die doch sehr zu überzeugen wußte und die gelegentlich holprigen Verspieler
überleuchtete. Ansonsten gab es eine unglaubliche Stimmung, mit jedem Stück
wurden die Jungs abgefeiert ohne Ende. Leider wirken sie an diesem Abend
allesamt ein wenig steif. Dazu kommen noch Mille's Ansagen, welcher auf
Englisch eher Kult als gut sind. Macht aber nichts, denn wer will von KREATOR
etwas anderes als musikalischen Terror?
Setlist: Choir Of The Damned, Enemy Of God, Impossible Brutality, Pleasure To Kill, Phobia,
Violent Revolution, Suicide Terrorist, People Of The Lie, Terrible Certainty, Betrayer, Flag Of Hate, Tormentor
Direkt nach dem peinlichen und unerwünschen "Auftritt" von Martin Kesici
legten EQUILIBRIUM mal so richtig alles in Schutt und Asche.
Den ganzen Gig über würde nur gefeiert, gemosht, gepogt und gesurft. Von
der Party her auf jedenfall der beste Gig des ganzen Festivals!
Die Party Stage war mal wieder gnadenlos überfüllt, die Black Stage wäre
wohl auch nicht zu groß gewesen. Richtig sympathisch ist, dass
sich die Mitglieder von EQUILIBRIUM noch anmerken lassen, wie beeindruckt
sie von ihrem Publikum sind. Ganz viele Credibility-Punkte!
Wer "Unter der Eiche" und "Met" live spielt hat eh schon gewonnen. Jetzt
wird es aber mal langsam Zeit für ein neues Album...
Zum letzten Mal spielen ACCEPT in Deutschland. Danach noch kurz in Ausland
und dann ist Schluss. Für immer. Man mag es kaum glauben. ACCEPT liefern einen
der wohl besten Auftrittet ihrer Karriere ab, unter einer perfekten Lightshow
mit allen großen Klassikern, einem glasklaren Sound und ausnahmsweise regnet
es auch grade nicht (nur ein paar Tröpfelchen fallen ab und zu hernieder,
vermutlich hat hier sogar Petrus geweint). Während Udo Dirkschneider krächzt
wie ein junger Gott, spielt Wolf Hoffmann genial ohne Ende, bei einem
ellenlangen Instrumental sogar unterlegt mit Ravel "Bolero" und Grieg "Peer
Gynt Suite", anders als bei MANOWAR vor zwei Wochen weder peinlich noch
aufgesetzt wirkend ein riesiges Highlight unter Highlights. Danke, dass ihr
nochmal da wart, ACCEPT!
Setlist: Living For Tonight, London Leatherboys, Metal Heart, Breaker, Neon Knights, Instrumental, Restless And Wild,
T.V. War, Turn Me On, Monsterman, Love Child, Princess Of The Dawn, Fast As A Shark, Burning, I'm A Rebel
Balls To The Wall
Zu PRIMORDIAL zog es mich das einzige Mal auf diesem Festival in die
Zeltbühne (W.E.T.-Stage), in der man aber auch schon bis zu den
Knöcheln im Matsch stand. Die Luft war so stickig dass an Bewegung kaum zu
denken war. Und überhaupt ins Zelt reinzukommen war auch
nicht ganz einfach, aber es sollte sich lohnen. PRIMORDIAL spielen
unheimlich intensiven, atmosphärischen Metal irgendwo zwischen
Black und Pagan, mit bedeutungsschwangeren Songtexten. "Coffinships"
rührte jedenfalls nicht nur den Sänger zu Tränen. Sehr guter Gig!
Hätte übrigens ruhig auch auf der Party Stage stattfinden können.
SENTENCED. Ist das nicht unheimlich? Ich meine... gibt es denn außer gerade
eben verschiedenen (ACCEPT), belanglosen (IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST), hinweg
gepusteten (NIRVANA), ähm naja, also... gibt es denn außer FINNEN noch andere
aktuell sehr gute Bands? Es ist beängstlich. Wie muss es da um den Heavy Metal
stehen, wenn sich Kapellen derartigen Blutes auch noch freiwillig auflösen?
Ein Erbeben der Macht und vorallem der Nacht erschütterte das Universum. Zum
zweiten Mal bereits, nach dem grandiosen Abgang von ACCEPT. Dass dies auch
der Band wehtat, merkte man wohl einerseits am Alkoholkonsum von Ville, der
damit auch auf der Bühne nicht aufhörte und damit seinen Einsatz mehrfach
nicht korrekt traf. Wie dies auch die restlichen Bandmitglieder nicht immer
taten. Dafür stimmte die Songauswahl, die einen kompletten Querschnitt durch
die Bandgeschichte bot und somit ältere wie neuere Fans zufrieden und dennoch
unglücklich zurück ließ. R.I.P. SENTENCED.
Wacken-Toter
Zum ersten Mal hatte das Wacken Open Air einen Unfall-Toten zu beklagen. Ein
37-jähriger stark angetrunkener Besucher stolperte dabei vor einen mit
Schrittgeschwindigkeit fahrenden Krankenwagen und wurde dabei überollt. Er
verstarb anschließend im Krankenhaus Itzehoe an den Folgen der schweren
Verletzungen. Der Fahrer des Rettungswagens erlitt einen Schock.
Wacken-Biergarten
Was gab es schöneres als Bayer bzw. Franke, als im WOA Pauler Biergarten ein
Paulaner Weißbier, zwei Weißwürste und eine Salzbreze zu verköstigen? Hoch
oben im Norden ein kleines Stückchen Heimat. Seit 2004 - Vergangenheit. Eine
völlig unbedeutende Brauerei Namens Maxemiliansbräu aus München schickte sich
an uns grottenschlechtes Weißbier aufzutischen. Und dabei blieb es leider auch
im Jahre 2005.
Wacken-Wetter
Donnerstag: ok
Fazit
So verregent wie heuer war Wacken seit 2002 nicht mehr. Zum Glück diesmal
jedoch ohne größeren Sturm überlebten auch viele Zelte und auch früher
abgereist scheint kaum jemand zu sein. Bei der wie üblich sehr guten Auswahl
an Bands aber auch kein Wunder. Das größte Highlight dürfte wohl zweifelsfrei
der ACCEPT-Abschied gewesen sein, der doch schon sehr weh tat. Man sollte
nicht vergessen, welch grandiose Hits sie uns gegeben haben. Übrig bleibt der
Trost, dass unser Udo uns wohl noch hoffentlich sehr lange erhalten bleiben
wird. Zum Abschluss wünschen wir uns alle für die Zukunft, dass zumindest die
Hauptwege von den Campingplätzen zum Festivalgelände künftig auch bei Regen
noch passierbar bleiben. Dies war heuer nur sehr bedingt der Fall. Fans von
den entlegenen Campingplätzen berichteten von bis zu 40 Minuten Fußmarsch,
welcher ständig wegen endlos tiefer Matsch- und Schlammberge zum erliegen
kam.
EARTHSHAKER FEST (21.-23.07.2005, GEISELWIND)
Obwohl es nicht das erste Earthshaker Fest war, gelang es dem Veranstalter
erst in diesem Jahr, das Open Air zu einer Marke zu machen und zu etablieren.
Dies lag ganz allein an nur einer Band: MANOWAR. Wann und wie oft zuvor
spielten sie auf einem deutschen Open Air? Eben. Höchst selten.
Donnerstag Nachmittag: Chaos und Entdeckung
Im Gegensatz zu einigen anderen größeren Festivals kann man das Earthshaker
gar nicht verfehlen: es liegt quasi direkt an der A3, einer der meist
frequentierten Schnellstraßen Europas, am Puls zwischen Wien, Regensburg,
Nürnberg, Würzburg, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, dem Ruhr-Gebiet und Holland.
Auch die Ausfahrt ist kaum zu übersehen: rechts leuchtet ein skurriles Etwas
in die Höhe um uns mitzuteilen: hier ist der berühmte Freizeitpark. Etwas
weiter links und noch etwas weiter vorne leuchten McDonalds und Burger King
um die Wette, umrahmt vom größten Rasthof Deutschlands, welcher mitsamt
Autobahnkirche und regelmäßigen Bikertreffen weithin bekannt ist. Zumindest
allen Truckern und vielen Mopedfahrern.
Neben bereits erwähnten Fastfood-Ketten gibt es noch ein normales Restaurant,
eine Tankstelle, ein Hotel und eine Autobahnkirche. Dies alles gehört Anton
Strohofer. Er ist zwar nicht direkt Veranstalter des Festivals, aber eben
der Besitzer des ganzen Geländes. Dies hat er im weiteren Verlauf der
Veranstaltung unmißverständlich klar gemacht.
Wir kamen am Donnerstag Nachmittag an, weit bevor die erste Band spielen
sollte. Doch es waren bereits einige Tausend Besucher da. Ein Phänomen, mit
dem der Veranstalter scheinbar nicht gerechnet hatte. Wir warteten ewige
Zeiten, weil die Dame an der Bändchenausgabe erstnoch eingewiesen werden
musste. Danach hatten wir den am weitesten entfernten Campingplatz bekommen,
obwohl dazwischen etliche fast leere lagen. Ein Dixi-Klo sollte es für unseren
Platz erst geschlagene 24 Stunden später geben.
Donnerstag Abend: Manowar Generalprobe
Besitzern der "Manowar Fan Convention"-Tickets und "Pressefritzen" war es
vorbehalten, MANOWAR am Donnerstag Abend bei der Generalprobe mitsamt
kompletter Bühnenaufbauten und Orchester bewundern zu dürfen. So wurde die
Bühne links und rechts um jeweils einen Anbauturm erweitert, welcher in drei
Stockwerke unterteilt wurde: der links für den Chor, der rechte für's Orchester.
Es verging einige Zeit bis alle Musiker ihre Plätze gefunden und den
Dirigenten ausgemacht hatten, welcher etwas verloren vor der Bühne herumstand.
Die Bandprobe war sehr unterhaltsam und kurzweilig, wurde teilweise untermalt
von Testvideos auf einer großen Videoleinwand, welche direkt hinter der Bühne
eindrucksvolle Bilder in den Abendhimmel warf. Der Auftritt des Orchesters
mitsamt Chor war höchst eindrucksvoll und man konnte es kaum noch erwarten,
dieses am Samstag im Einsatz zu sehen.
Der Donnerstag
Das Festival verfügt über zwei Bühnen: die Megastage ist die eigentliche
Freilicht-Bühne auf dem Open Air-Gelände. Die "Event Hall" ist ein festes
Gebäude, welches zum großen Rasthof-Areal gehört. Eine Multifunktionshalle
mit diverse Bars. Hier allein spielen am Donnerstag Abend alle Bands, während
teilweise zeitgleich auf der Megastage MANOWAR ihre Generalprobe abhielten.
Das dumme dabei ist wohl nur, dass niemand mit einem derart großen Andrang von
Fans bereits am Donnerstag gerechnet hat und so wollen mehr Leute in die Halle
als eigentlich reinpassen. Noch dümmer: die Security lässt bereits keinen mehr
rein, obwohl noch eine ganze Menge Platz gewesen wäre. Bereits hier sind
zahlreiche Besucher ziemlich angepisst. Doch das war ja erst der Anfang. Die
sichtlich uninformierten Sicherheitsleute wollen die Presse zuerst nicht in
den Fotograben lassen, weil ihre Namen(!) nicht auf dem Anhänger stehen. Das
ging noch ewig so weiter, hat hier aber erstmal nichts weiter zu suchen.
LOUDNESS kommen aus Japan und sind trotz zahlreicher Alben weiterhin leider
sehr unbekannt in Europa. Sie durften auf diesem Festival (deshalb???) gleich
zweimal spielen, denn am nächsten Tag standen sie auch auf der Megastage.
Der Auftritt indes war ohne Tadel (technisch), konnte aber ob der langweiligen
Stücke nicht recht überzeugen. Dies lag an zu viel neuem und zu wenig altem
Material, welches auch am nächsten Tag von Nachteil sein sollte.
Bei FINNTROLL war das Fest dann entgültig eröffnet, denn zu großen Humppa-Hymnen
vom Schlage "Trollhammaren" oder "Nattfödd" kann man eben nicht viel
falsch machen. Mit zunehmender Länge wurde das Publikum immer breiter, denn
der Alk floß in Strömen. War auch kein Wunder bei der Musik und über 30 Grad
in der Halle.
Groß angekündigt: POWERGOD & GUESTS. Die lustigen Ruhrpott-Metaller haben
zwei Seiten: die mit überzeugenden Coverversionen der 80er (unter der Reihe
"Bleed For The Gods") und die mit belanglosen bis teilweise sogar guten
Eigenkompositionen auf ihren regulären Alben. Glücklicherweise entschieden
sich die Jungs für Ersteres und so donnerten gewaltige Hymnen in die
durchgeschwitzte Menge, verstärkt durch die angekündigten Gäste Schmier
(DESTRUCTION), Ferdy Doernberg (ROUGH SILK) und Rod Gonzales (DIE ÄRZTE).
Obwohl HOLY HELL noch zu grünen Newcomern gehören in Punkto Bandhistorie,
zählen sie doch einige bekannte Leute in ihren Reihen: da wäre beispielsweise
ex-MANOWAR Drummer Rhino, der Gitarrenhero Joe Stump und Sängerin Maria Breon,
welche durch ihre sagenhafte Stimme zu überzeugen weiß. Musikalisch gehts in
Richtung Melodic Power, welcher mal episch, mal in hardrockige Gefilde
abdriftend, durchaus zu überzeugen weiß. Auf der Bühne wird ordentlich
herumgewirbelt und so kommt man zur Erkenntnis: diese Band macht Hunger auf
mehr.
Die Franken JUSTICE haben ein ähnliches Problem wie POWERGOD, nur noch viel
ausgeprägter: ihre Coverversionen, welche sie weit über Nordbayern's Grenzen
hinaus bekanntgemacht haben, sind allererste Sahne. Die Eigenkompositionen
hingegen braucht nun wirklich keine alte Sau. Das klingt jetzt vielleicht ein
wenig hart. Doch wenn's die Musik ist, muss es die Wahrheit auch sein. Live
gaben die Jungs trotzdem alles und weil sie eben wissen wie man Stimmung
macht, bildete das überwiegend thrashige (mit H!) Programm einen würdigen
Tagesabschluss.
Beim nächtlichen Besuch auf einem komplett unbeleuchteten Campingplatz zog
sich MightySCI dann übrigens einen Bänderriss zu. Doch echte Metalheads
reisen dann nicht ab (wie von Tante Doktor im Krankenhaus gefordert), sondern
halten durch. Bis zum bitteren Ende.
Der Freitag
Um die Mittagszeit herum beackerten die Südtiroler GRAVEWORM die Fans unter
einem verregneten Himmel. Der Gelände war bereits ordentlich gefüllt und so
regnete es vom Himmel Wasser und von der Bühne feinen Melodic Death Metal,
gespickt mit subtilen Black Metal-Einflüssen und abwechselungsreichen
Arrangements. Querbeet von ihren bisherigen fünf Alben wußten GRAVEWORM genau,
was man spielen muss, damit man den Metalheads den restlichen Sand aus den
Augen spült. Genialer Höhepunkt des Auftritts war das IRON MAIDEN-Cover "Fear
Of The Dark", welches genial verfremdet für Begeisterungsstürme sorgte.
Noch eine gewaltige Schippe drauflegen konnten auf diesen Gig DIE
APOKALYPTISCHEN REITER. Stehts für eine harte Party gut, kann man mit diesen
Jungs auch rein gar nichts falsch machen. Bei der Songauswahl überwogen die
Stücke der letzten beiden Alben. Doch am Ende hieß es wie immer: "Metal Will
Never Die!". Genau!
LOUDNESS machten leider dort weiter, wo sie Nachts zuvor aufgehört hatten:
zuviel Neues, zuwenig Altes. Die Performance war etwas mühselig, die Band
bemühte sich um Stimmung, doch die kam nur bei den einzigen drei alten
Stücken auf: mit "Esper" (übrigens genial von POWERGOD auf deren erstem
"Bleed For The Gods"-Album gecovert), "Crazy Doctor" und "S.D.I." zuckte
kurzzeitig auf, warum LOUDNESS weiterhin Kultstatus besitzen. Hoffentlich
besinnen sich die Asiaten auf die gute alte Zeit und bringt mal wieder ein
starkes Album. Schade, da wäre weitaus mehr drin gewesen.
Obwohl die letzten beiden GRAVE DIGGER-Alben richtig überflüssig waren und
rein gar nichts zu bieten hatten, waren die Teutonen-Metaller live bisher
IMMER eine Bank. So auch diesmal. Zu Chris Boltendahls Monsterröhre ertönte
Hit an Hit.
Bei CHILDREN OF BODOM macht sich erstmals der Wellenbrecher bemerkbar. Vor
ihm moshen massig Bodomkinder, hinter ihm wippt der Rest. Der Stimmung tat
das indes keinen Abbrucht: ähnlich wie HYPOCRISY spielten COB ein solides
Best-Of Programm. Sogar ein Stück vom kommenden Album gab es exklusiv vorab.
Ebenfalls aus Finnland stammen MACHINE MEN, welche gleich nach COB auf der
Event Stage ran durften. Diese war im Gegensatz zur Vornacht entsetzlich
leer. Fast schon eine Schande. Vermutlich ist die Band, die klingt wie eine
Kreuzung aus IRON MAIDEN, Bruce Dickinson Solo und einigen Prog-Einsprengseln,
noch zu unbekannt. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie nach der wirklich
großartigen Debüt-EP von 2002 nicht mehr in der Lage waren mit den beiden
Nachfolge-Alben noch eins draufzusetzen. Die überschaubare Menge, die es bis
vor die Bühne geschafft hat, ging aber ordentlich ab und war durchaus
begeistert. Die Band hatte sichtlich Spielfreude und wußte das Publikum gut
zu animieren. Mal sehen, was da in Zukunft noch kommen mag.
Im Vorfeld RIESENGROSS angekündigt, sollten RHAPSODY an diesem Abend mit
Orchester und Christopher Leer auftreten. Eine Sensation, welche nur noch
durch den MANOWAR-Auftritt am Folgetag getoppt werden sollte. So wurde es
zumindest angekündigt. Die Enttäuschung kam gleich am Anfang: mit einer
Videobotschaft entschuldigte sich Christopher Lee. Er wäre verhindert wegen
der Dreharbeiten zu einem Film. Wußte bestimmt niemand vorher, denn so ein
Film wird ja immer recht kurzfristig gedreht. Auch vom Orchester weit und
breit keine Spur. RHAPSODY wie immer: durchschnittlich spielende Musiker,
welche live ein ums andere Mal überfordert wirkten, dazu Orchesterpassagen
vom Tonband. Tolle Sache. Immerhin gab es diesmal auf der Videoleinwand
bildreiche opulente Untermalung um von diesem Durchschnitt abzulenken.
Geholfen hat es wenig. RHAPSODY wie immer: nettes Hintergrundgeplänkel,
während man sich was zu Essen holt.
Ganz anders FORCE OF EVIL anschließend auf der Event Stage: endlich wieder
solide Handarbeit. Michael Denner, Hank Sherman, Hal Patino und Bjarne T.
Holm (alle von MERCYFUL FATE), verstärkt um ex-IRON FIRE Frontmann Martin
Steene, überzeugten mit ihren traditionellen Songs im modernen Soundgewand.
Gut, dass die Halle nun deutlich voller ist als noch bei MACHINE MEN. Die Post
geht ab, sobald die Jungs MERCYFUL FATE-Stücke spielen. Dann gibt es kein
Halten mehr und es entsteht zeitweise ein tödlich geiler Moshpit.
Den Abschluss des Tages auf der Megastage bildeten NIGHTWISH, welche mit ihrem
aktuellen Album "Once" einen riesigen kommerziellen Erfolg verbuchen dürfen.
Selbstredend, dass auf diesem Album auch das Hauptprogramm des Auftritts lag:
mit "Dark Chest Of Wonders", "Nemo", "Wish I Had An Angel", "Planet Hell",
"The Siren", "Ghost Love Score" und "Kuolema Tekee Taiteilijan" waren gleich
sieben Stücke davon zu hören, welche allerdings auch mit zum Besten gehören,
was die Finnen bisher von sich gegeben haben (ohne die anderen Alben
abzuwerten). Der Rest des Programms wuchtete man natürlich Lieder des
restlichen Backkatalogs in die Menge. Begleitet wurden die Songs von einer
gewaltigen Pyro- und Effekte-Show, die nichtmal MANOWAR Tags darauf toppen
konnten. Zwischen das Set mogelten sich dann noch zwei Coverversionen: da
wäre das von Marco Hietala alleine gesungene PINK FLOYD-Cover "High Hopes".
Wobei, von "SINGEN" kann da kaum eine Rede sein. Bei dieser Interpretation
fällt jeder PINK FLOYD-Kenner in Ohnmacht, bekommt einen Gehörsturz oder
beides auf einmal. So völlig ohne Emotionen dahingelallt, das tut schon weh.
Besser künftig die Finger von sowas lassen. Das zweite Cover ist bereits
allseits bekannt: "Over The Hills And Far Away" von GARY MOORE kommt da
bedeutend überzeugender. Das liegt aber auch daran, dass hier wieder Tarja
singt.
Setlist: Dark Chest Of Wonders, The Siren, Ever Dream, Deep Silent Complete, The Kinslayer, High Hopes, Planet Hell, Wishmaster, Slaying The Dreamer, Kuolema Tekee Taiteilijan, Nemo
DER SAMSTAG
AFTER FOREVER haben wir verpasst, da alle Bands plötzlich 30 Minuten früher
spielten. Damit MANOWAR am Abend 30 Minuten länger spielen durften. Ob das
eine Idee des Veranstalters war, eine von MANOWAR oder von beiden gleichzeitig,
ist völlig egal. Fakt ist: niemand wurde von diesen Verschiebungen
unterrichtet. Weder Fans noch Presse. Auch die Security wußte keinen Rat.
Nur diverse Zettel mit der neuen Running Order hingen vereinzelt herum, um
die sich zahlreiche Besucher schaarten.
Beim deutschen Thrash-Urgestein DESTRUCTION haben sich die 30 Minuten bereits
spontan auf 40 Minuten erhöht und so beginnt der Opener "Curse The Gods" eben
um 13:15h statt um 13:55h. Auch hier wieder lange Gesichter bei vielen Fans
die später kommen. Währenddessen liefern Schmier und Co. allerdings ein
gigantisches Gewitter ab, bei welchem es u.a. bei "Thrash Till Death", "Total
Desaster" oder "Nailed To The Cross" abwechselnd blitzt und donnert. dass an
diesem Platz ursprünglich TESTAMENT spielen sollten, daran denkt ob des
überzeugenden Gigs wirklich niemand.
PRIMAL FEAR böllern danach ein Melodic-Speed Feuerwerk ab, sprinten auf der
Bühne auf und ab und kommen irgendwie gut an. Dennoch wird ihr Songmaterial
dadurch nicht besser und die meisten Stücke können nicht darüber hinwegtäuschen,
dass das hier alles zweite und dritte Liga ist.
Bei MASTERPLAN standen recht wenige Fans vor der Bühne herum. Vermutlich
weil alle die MASTERPLAN sehen wollten nicht wußten, dass alle Bands nach
vorne gezogen wurden. Bei MASTERPLAN waren aus den anfänglich 30 Minuten
bereits 50(!) geworden und so sahen etliche von MASTERPLAN nur noch die
letzten 10 Minuten. Schon mysteriös, aber nach fünf Bands sollte man schon
langsam davon ausgehen, dass sich die geänderte Playlist mittlerweile auch auf
den Campingplätzen herumgesprochen hat. Indes auf der Bühne: Jorn Lande
liefert ein ums andere Mal eine Bravourvorstellung ab. Die Band kommt sehr
gut an und wird heftig abgefeiert.
Zu HYPOCRISY noch viel zu schreiben ist sinnlos wie ein Festival ohne Bier.
Daher nur kurz: perfekt wie immer - Melodic Death in Vollendung.
J.B.O. sind sicher toll. Nur nicht zum Aushalten für uns. Leider konnte ich
nicht wegrennen mit meinem Bänderriss und so musste ich mir den tausendmal
abgenudelten Müll eben nochmal geben. Nebenan, im Pressezelt. Denn da kann
man gut sitzen (wenn man schon nicht laufen kann). Was soll man sagen: sehr
gute Musiker, eine Menge Blödsinn, tolle Songs, die man aber nur einmal hören
kann. Da hilft nur eins: Bier. Achja, da war er ja wieder... mein Fuß. Zum
Glück gibts im Zelt eine Cocktailbar.
Mit DIMMU BORGIR ist dann noch die einzige Black Metal-Band des Festivals
anwesend. Schöne Aussichten für mich, der alles hört, weniger interessant
für das Gros der angereisten Besucher, denn die hören wohl überwiegend etwas
anderes. Dennoch haben sich so einige eingefunden um der Band Tribut zu
zollen, auch wenn es noch ein wenig sehr hell ist für soviel evil Metal.
Spätestens hier fiel auf, dass bisher so ziemlich alle Bands eine Menge
Spielfreude mit eingepackt hatten, denn auch die Düsterheimer spielten hier
ohne Fehl und Tadel einen großen Auftritt inkl. einem höllisch starken
Stageacting mit Posing ohne Ende.
Bei einem normalen Tagesablauf hätten STORMWARRIOR FEAT. KAI HANSEN auf der
Event Stage genau zwischen DIMMU BORGIR und MANOWAR gespielt. Durch die
ganzen Verschiebungen spielten sie irgendwo zeitgleich mit beiden Bands oder
wie auch immer. Die Halle war voll. Denn hier kündigte sich Großes an: ein
einmaliger Auftritt der Hamburger mit ihrem Haupteinfluß Kai Hansen. Auf
ihren Studioalben ist es ja unüberhörbar: STORMWARRIOR klingen wie eine
Fortsetzung von HELLOWEEN's "Walls Of Jericho"-Klassiker. Wer die Band noch
nicht kannte, bekam indes fünf schwerst überzeugende Songs aus dem bisherigen
Band-Repertoire zu hören, bevor es entgültig endgeil und elektrisierend
wurde: Kai Hansen stürmte die Stage, das Publikum raste und dann gab es voll
auf die Zwölf! "Ride The Sky", "Judas", "Heavy Metal (Is The Law)", "Murderer",
"Phantoms Of Death", "Victim Of Fate"!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ist das geil oder
was?!
MANOWAR
Und dann kamen SIE: MANOWAR - Die selbsternannten "Kings Of Metal". Nebenbei:
ich war selbst lange Fan. "Hail To England", "Sign Of The Hammer", "Kings Of
Metal" - Göttergaben für die Ewigkeit. Danach feierten MANOWAR nur noch sie
selbst. Und hier stand ein komplettes Festival unter diesem Motto: alle feiern
MANOWAR. Hurra! Drei Stunden lang! Hurra! Zuerst fehlt Christopfer Lee. Dann
ein ordentlicher Sound. Beim Eröffnungstripple "Manowar", "Brothers Of Metal"
und "Call To Arms" sind die Instrumente kaum zu erkennen, alles ein einziger
Soundmatsch. Dazu kommt noch, dass gerade die leiseste Band der Welt spielt
und sogar mein Nachbar im Rollstuhl gerade lauter schmatzt als MANOWAR
spielen. Achja, da fällt mir ein: wegen meines Bänderrisses
Mittwoch
Donnerstag
Und wieder waren wir auf dem Summer Breeze. Heuer lief wieder alles sehr gut organisiert ab, von den letztjährigen Problemen bei der Anfahrt (langer Stau) keine Spur mehr. So loben wir uns das. Zuerst zu den Bands:
Tony Iommi, Geezer Butler, Vincent Appice und Ronnie James Dio. So lautet das legendäre Lineup, welches leider nicht unter dem Namen BLACK SABBATH auftreten darf. Egal. Bei schmuddeligem Wetter (Regen und Kälte) lieferten sie uns eine Blaupause von einem perfekten Konzert ab. Da es keinen Wind gab (und vermutlich auch wegen anderer Mixer im Turm) hatten sie einen glasglaren Sound, welcher donnernd und ziemlich laut sämtliche Ohren freipustete. Zudem gab es natürlich eine Jahrhundert-Setlist (siehe unten), zu der es nichts mehr zu sagen gibt. Die älteren Herren auf der Bühne zeigten sämtlichen Nachwuchs-Bands auf diesem Festival wie so ein richtig tolles Konzert auszusehen hat: wuchtige Bühnenshow, dazu mit einem zügigem Stage-Acting. Und Ronnie sang wie in besten Zeiten, machte keine Fehler. Kein Zweifel: er trägt seinen Namen nicht zu unrecht.
- see you next year, rain or shine - in Wacken
Auch in Balingen zauberten die Jungens um Frontmann Alan Nemtheanga wieder wunderschönste, epische Melodien in den Himmel, welche zum Verweilen einluden. Leider nahm sich ein größerer Teils des Publikums eine Pause und überbrückte die Zeit zwischen ROSS THE BOSS und SODOM auf weit entfernten Campingplätzen mit Grillen, Trinken und Nickerchen halten. Schade, schade. Was mich betrifft: ich werde mir PRIMORDIAL künftig nur noch in sehr dunklen Clubs ansehen.
Zugaben: Imaginations From The Other Side, The Bard's Song, Mirror Mirror
MITTWOCH
Zum 19. Geburtstag präsentierten uns die Wacken-Veranstalter neben Highlights wie NIGHTWISH, GORGOROTH, CHILDREN OF BODOM, KREATOR und der ersten AVANTASIA-Show überhaupt nach Jahren des Wartens SIE: I R O N M A I D E N.
+++ Legendär
++ Sehr gut
+ Gut
o Ok
- Naja
-- Schlecht
--- Übelst
o
++
+
+
++
+
+
++
++
++
--
++
--
++
++
++
++
+
Zum Auftritt: dieser dauert nicht einmal 40 Minuten, obwohl die Band über eine Stunde Zeit gehabt hätte. Im Nachhinein wird bekannt, dass angeblich niemand gewußt hat, dass man so lange spielen kann. Was gibt es in diesen 40 Minuten? Zuerstmal ein paar große Klassiker "I Am A Viking", "I'll See The Light, Tonight", "I'll Never Forget" - aber auch endloses Gitarrengeschrubbe. Wobei da noch dazu kommt, dass die Keyboards, welche auf den Studioalben immerhin für ein wenig Abwechslung sorgen, dieses Mal bestimmt gespielt - aber nicht gehört werden. Malmsteen ist erstaunlich gut drauf an jenem Abend, Owens versucht sich sogar erfolgreich in lustigen Ansagen und vergisst auch nicht zu erwähnen, dass seine größte Angst ist, ausversehen von Malmsteen's Gitarre erschlagen zu werden. Dieser wirbelt nämlich wie ein Sturm über die Bühne und schert dabei mit seinem Saiten-Panzer bedenklich aggressiv in alle möglichen Richtungen aus.
+
++(+)
+
1. Zugabe:
Hell Bent For Leather,
The Green Manalishi
2. Zugabe
You've Got Another Thing Coming
Das zweite Magic Circle Festival sollte ein Open Air werden, welches an glorreiche 80er Festival-Zeiten anknüpft: Genre-Größen wie DEF LEPPARD, WHITESNAKE, ALICE COOPER und W.A.S.P. als Auftakt für MANOWAR. Ein sehr geniales Billing sollte nach dem letztjährigen Versuch, langfristig ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen, die Metal-Gemeinde überzeugen. Kurzum wurde aus dem "2x Ein-Tag"-Freiluft-Debüt von 2007 in Vier-Tages-Festival.
Manowar
Death Tone
Metal Daze
Fast Taker
Shell Shock
Dark Avenger
William's Tale
Battle Hymn
INTO GLORY RIDE
Warlord
Secret Of Steel
Gloves Of Metal
Gates Of Valhalla
Hatred
Revelation
March For Revenge (By The Soldiers Of Death)
HAIL TO ENGLAND
Blood Of My Enemies
Each Dawn I Die
Kill With Power
Hail To England
Army Of The Immortals
Black Arrows
Die With Honor
Warriors Of The World United
Bridge Of Death
All Men Play On Ten
Animals
Thor (The Powerhead)
Mountains
Sign Of The Hammer
The Oath
Thunderpick
Guyana (Cult Of The Damned)
FIGHTING THE WORLD
Fighting The World
Blow Your Speakers
Carry On
Violence & Bloodshed
Defender
Drums Of Doom (Solo)
Holy War
Master Of Revenge
Black Wind, Fire & Steel
KINGS OF METAL
Wheels Of Fire
Sting Of The Bumblebee
Kings Of Metal
Pleasure Slave
The Warrior’s Prayer
Blood Of The Kings
Kingdom Come
Heart Of Steel
Hail & Kill
Die With Honor
Warriors Of The World United
The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)
Ein besonderes Jahr war es: Dinkelsbühl feierte 10 JAHRE SUMMER BREEZE. Zum Jubiläum begann das Freiluftkonzert dieses Jahr bereits am Mittwoch. Und wir waren von Anfang bis Ende mit dabei. Und hier beginnt die Geschichte.
Earthshaker Rock
I Rule The Ruins
Family
Burning The Witches
True As Steel
Above The Ashes
Hellbound
Für Immer
Fight
Metal Racer
Breaking The Law
All We Are
-------------------------------
East Meets West
Schon lange im Vorfeld war das Wacken Open Air 2007 ausverkauft. Nichts mehr zu machen. Kein Wunder bei all den hochkarätigen Bands. Doch der Reihe nach:
12:30 - 01:00 pm MOB RULES
01:15 - 02:00 pm LION'S SHARE
02:15 - 03:00 pm DSG
03:15 - 04:00 pm MESSIAH'S KISS
04:15 - 05:00 pm HOLYHELL
05:15 - 06:15 pm STORMWARRIOR
06:30 - 07:30 pm MAJESTY
07:45 - 09:00 pm GAMMA RAY
10:30 - 00:30 pm MANOWAR
Manowar
Call To Arms
Gloves Of Metal
Each Dawn I Die
Holy War
Mountains
The Oath
Secrets Of Steel
Gates Of Valhalla
Bass-Solo
The Gods Made Heavy Metal
Kings Of Metal
Warriors Of The World United
Black Wind, Fire And Steel
Doch danach war noch lange nicht Schluss: zuerst parkte man kurzum ein komplettes Wikingerschiff auf der Bühne, dann
folgte das Intro zum neuen Album "Gods Of War", auf der Bühne fanden Kämpfe statt und umfangreiche Videos zu den jeweiligen Song. So wurde ein Teil des neuen Albums präsentiert. Intros, Intros, komische Lieder die auch live nicht besser wurden, unterbrochen von kurzen Höhepunkten. Gewiss: genial war die Aufmachung, die Videos nett anzusehen - aber das nützt wenig, wenn die Songs nicht so recht gut sind.
ADRAMELCH
WOLF
GIRLSCHOOL
PRAYING MANTIS
LETHAL
VICIOUS RUMORS
EVERGREY
DARK TRANQUILLITY
THUNDER
AMON AMARTH
HEAVEN AND HELL
ARCHER
MYSTIC PROPHECY
POWERMAD
MERCENARY
AMORPHIS
FINNTROLL
BRAINSTORM
NAZARETH
W.A.S.P.
HAMMERFALL
EDGUY
++ genial
+ gut
o ganz ok
- grenzwertig
-- grottig
+
o
+
++
++
+
o
++
+ / o
E5150 / The Mob Rules
Children Of The Sea
I
The Sign Of The Southern Cross
Voodoo
The Devil Cried (neuer Song)
Drum-Solo
Computer God
Falling Off The Edge Of The World
Shadow Of The Wind (neuer Song)
Gitarren-Solo
Die Young
Heaven And Hell (Neverending-Version)
Neon Knights
+
+
--
+
+
o / +
+
++
o / +
o / -
++
Die Zeche Bochum ist ein heimeliger Club, der genau die richtige Größe für kleine und mittlere Metal-Konzerte hat. Man kommt
im Moshpit innerhalb von zwei Sekunden von einer Wand zur anderen; trotzdem passen 500 Leute bequem rein. Und voll genug war es
an diesem Abend.
Bereits im Vorfeld war klar: die Anzahl der Bands wurde gegenüber dem Vorjahr von 68 auf 54 deutlich heruntergeschraubt, was zugunsten einer längeren Spielzeit geht. Was sich sonst noch getan hat, gibts am Ende des Berichts zu lesen. Nach einer siebenstündigen Anfahrt wurde einem die Vorfreude mal wieder kurzfristig durch zweistündiges Warten an der Bändchenausgabe genommen. Aber scheinbar muss man da durch, denn da es die letzten Jahre bereits genauso war und niemand daran denkt dort vielleicht mal zwei, vier Leute mehr hinzusetzen, scheint dieses Ritual ja bereits "einfach dazuzugehören". Irgendwann war es dann soweit: wir konnten die erste Band sehen.
Bad Boys Running Wild
The Zoo
Loving You Sunday Morning
Make It Real
Pictured Life (mit Uli Jon Roth)
Speedy's Coming (mit Uli Jon Roth)
Dark Lady (mit Uli Jon Roth)
We'll Burn The Sky (mit Uli Jon Roth)
Love 'em Or Leave 'em
Don't Believe Her
Tease Me, Please Me
Coast To Coast (mit Michael Schenker)
Holiday (mit Michael Schenker)
Lovedrive (mit Michael Schenker)
Another Piece Of Meat (mit Michael Schenker)
Drum Solo
Blackout (mit Herman Rarebell)
No One Like You (mit Herman Rarebell)
Guitar Solo
Big City Nights
Can't Get Enough
1. Zugabe:
Still Loving You
In Trance (mit Uli Jon Roth und Michael Schenker)
He's A Woman, She's A Man (mit Uli Jon Roth und Michael Schenker)
In Search Of The Peace Of Mind (mit Uli Jon Roth, Michael Schenker und Tyson Schenker)
2. Zugabe:
Dynamite
Rock You Like A Hurricane
1. EINLEITUNG
Das Summer Breeze bleibt auch im Jahre 2005 weiterhin wohl das größte Metal-
Festival mit soviel Platz für unbekanntere Bands und Newcomer. Durch die sehr
gute Mischung mit etablierten Acts herrscht in Abtsgmünd deshalb auch jedesmal
beinahe eine "Club-Stimmung" vor, wenn sich ca. 40.000 Menschen auf dem
relativ kleinen und total ausverkauften Festivalgelände drängen und am Berg
zelten, welchen zu erklimmen mit zunehmendem Bierkonsum nicht unbedingt
leichter wird.
Freitag: grossenteils Regen
Samstag: groesstenteils Regen
Freitag: im Laufe des Tages immer mehr Regen
Samstag: größtenteils Regen
Zugaben: Ghost Love Score, Over The Hills And Far Away, Wish I Had an Angel